Friedrich Ani Nackter Mann, der brennt

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Inhaltsangabe zu „Nackter Mann, der brennt“ von Friedrich Ani

Wie aus Opfern Täter werden, in welcher Weise dieser unaufhaltsame, alle Grenzen der Grausamkeit sprengende Prozess abläuft – dies erzählt Friedrich Ani, der Meister des Noir, hochspannend, überraschend und einfühlsam. Im Alter von vierzehn Jahren flieht ein Junge aus dem süddeutschen Dorf Heiligsheim. Vierzig Jahre später kehrt er als Ludwig »Luggi« Dragomir zurück: Alkohol, Drogen und alle gegen sich und die anderen ausgefochtenen Kriege in Berlin konnten die Erinnerungen an den Missbrauch seiner Spielkameraden und seiner selbst durch die Honoratioren von Heiligsheim nicht verdrängen. Die Schuldgefühle, seine Freunde nicht beschützt zu haben, treiben ihn an. Seit seiner Anwesenheit verschwinden gleich mehrere ältere Herren, einige werden tot aufgefunden – ob durch Unfall oder Mord, das versucht Kommissarin Anna Darko herauszufinden. Dabei gerät auch Ludwig ins Visier, weil er ein Verhältnis mit der Ehefrau eines der Vermissten hat – den er als Gefangenen im eigenen Haus malträtiert. Denn in Ludwig Dragomir hat Wut die Oberhand erlangt, und nun »durfte sie brennen« …

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  • Wenn Opfer zu Tätern werden

    Nackter Mann, der brennt
    AnjaSc

    AnjaSc

    20. February 2017 um 13:44

    Inhalt: Ludwig "Luggi" Dragomir, der eigentlich Coelestin heißt, kehrt getrieben von seinem Rachewunsch, seiner Wut und seinen Schuldgefühlen zurück in seinen Geburtsort.   Ani gelingt es in seinem Roman eindringlich und doch von der Sprache her subtil die Kindheit von "Luggi" und seinen Freunden darzustellen und aufzuzeigen, was sie in dem Dorf durchmachen mussten. Er zeigt, wie verschworen und verschwiegen die Gemeinde ist.   Schuldgefühle, weil er seinen ehemaligen Freunden nicht geholfen hat, treiben Ludwig an und er lässt seinem Rachedurst und seiner brennenden Wut freien Lauf.   Alte Männer, die alle Täter waren, sterben oder verschwinden. Die Morde tarnt Ludwig geschickt, so dass sie als Unfälle durchgehen. Selbst die ermittelnde Kriminalpolizistin kann dem Rätsel nicht wirklich auf den Grund gehen.   Der Roman versteht es auf Grund der Thematik schnell zu fesseln.  Man folgt den Geschehnissen in der aktuellen Zeit und verspürt keinerlei Mitleid mit den Opfern, es ist fast so, als wäre man als Leser empathielos geworden. In Rückblenden erzählt "Luggi" was damals passiert ist.    Hier ein Zitat einer Rückblende: "Wen hätte meine Geschichte interessiert? Wer hätte mir geglaubt, obwohl ich von Gläubigen umgeben war? Ich wusste, dass wenn es dunkel wurde, der Teufel kam und kleine Kinder fraß. Nichts besonderes in Heiligsheim. ... Ich hatte begriffen, worum es ging. Beim nächsten Mal machte ich keinen Mucks und sah ihm in die Augen."   Bereits mit dem richtigen Namen des Hauptprotagonisten und dem Ortsnamen gelingt Friedrich Ani ein Meisterwerk die Bigotterie eines kleines katholischen Dorfes aufzuzeigen und wozu Dorfbewohner fähig sind.  (Heiligsheim als Dorfname und Coelestin bedeutet "Der Himmlische") Ich glaube selten war ein Kind weiter davon entfernt sich himmlisch zu fühlen...   Das Ende, darüber kann man sicherlich geteilter Meinung sein, aber ich fand es perfekt, denn damit schließt sich der Kreis und der Bezug zum Titel.   Fazit: Der Roman fesselt, berührt und man erschauert bei dem Gedanken, dass ein ganzes Dorf zusieht, wie einige angesehene Herren kleine Jungen mißbrauchen. Ludwig versucht sich durch seine Taten von seiner Schuld und von seiner Wut zu befreien, jedoch beschleicht einen mehr und mehr das Gefühl, dass das nicht funktionieren wird.    Leider gibt es Passagen, in denen Gedanken von Ludwig aufgezählt werden, die den Lesefluss etwas stören, denn sie erscheinen wie eine Aufzählung und sind für meinen Geschmack merkwürdig, was aber durchaus Rückschlüsse auf seinen Geist zulassen. Ein Vergleich zu anderen Büchern kann ich nicht ziehen, denn es war mein erster Ani, aber er ist ein Meister der Tragik, der auch vor einem schweren Thema nicht zurückschreckt.

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  • Friedrich Ani ist ein Meister des Noir und stellt das in diesem Roman wieder unter Beweis

    Nackter Mann, der brennt
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    12. October 2016 um 09:43

    Als er vierzehn war, vierzig Jahre ist das her, da ist der Ich-Erzähler des neuen unter die Haut gehenden Romans von Friedrich Ani aus seinem bayrischen Heimatdorf Heiligsheim abgehauen. Die Wahl des Ortsnamens ist kein Zufall, sie soll stehen für die Bigotterie eines katholischen Ortes, in dem nicht nur der Priester kleine Junge missbraucht und alle davon wissen und keiner etwas sagt.Nun kehrt er zurück. Er ist voller Wut und Zorn, aber auch voller Schuldgefühle, die sich in der Rache ein Ventil suchen:„Nach so vielen Jahren, Kriegen, Niederlagen, Auferstehung und gewöhnlichem Tun war meine Wut zurückgekehrt. Meine treue Begleiterin aus Kindertagen. Unversehrt von allen Gebeten und Gedanken. Erhaben über mein erwachsenes Empfinden. Fernab der Logik eines Lebens, das doch funktionierte und mich sogar mit neuem Namen und Verständnis für die allgemeine Not versorgt hatte. Da war sie wieder. Und ich durfte brennen.“Ludwig Dragomir ist zurückgekehrt und sucht diejenigen heim, die damals vor 40 Jahren die Jungen mit in den Wald nahmen und sich dort an ihnen vergingen. Ludwig wusste es, und konnte nichts dagegen tun, dass Ferdl und Hanse, Freunde von ihm, dabei umkamen.Im Ort erkennt ihn niemand wieder. Seit er wieder da ist, sind gleich mehrere ältere Herren verschwunden, manche werden tot irgendwo gefunden. Kommissarin Darko ermittelt und ist von ihrem Gefühl her nahe dran am Täter. Doch man kann Ludwig Dragomir nichts nachweisen, während er weiter in seinem Haus schon seit Wochen einen der Vermissten quält und mit dessen Frau vögelt, ohne allerdings irgendeine Befriedigung dabei zu erfahren.Die Wut wird übermächtig: „Da stand ich, am Rand der Nacht, zum Morden geboren, zum Sterben bereit und starb nicht und mordete noch lang nicht genug.“  Er ist nackt und sein Schuldgefühl verbrennt ihn von innen.Die Lektüre dieses Romans von Friedrich Ani, der seinen Erzähler vieles von dem, was damals geschah, in Rückblicken berichten lässt, geht unter die Haut  Ani beschreibt in seinem für ihn typischen Stil, wie aus Opfern Täter werden und wie dieser Prozess abläuft, ein Geschehen, das alle Grenzen der Grausamkeit sprengt und dem damaligen Opfer und heutigen Täter dennoch keine Befreiung bringt.Friedrich Ani ist ein Meister des Noir und stellt das in diesem Roman wieder eindrucksvoll unter Beweis.

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