Mein Jahr als Mörder

von Friedrich Christian Delius 
4,4 Sterne bei13 Bewertungen
Mein Jahr als Mörder
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Bouggos avatar

Neuere Geschichte als spannende Geschichte

Alle 13 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Mein Jahr als Mörder"

Ein aufrüttelnder Roman über deutsche Kriegs- und Nachkriegsgeschichte Am Nikolaustag 1968 hört ein Berliner Student im Radio, dass Hans-Joachim Rehse, Richter an Freislers Volksgerichtshof, freigesprochen wurde. Noch während die Nachrichten laufen, beschließt er ein Zeichen zu setzen: Er wird diesen Mann umbringen. Auch aus persönlichen Gründen, denn Rehse hat den Vater seines besten Freundes zum Tode verurteilt, den Arzt Georg Groscurth… „Unbedingt lesen“ (Literaturen)

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499239328
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:301 Seiten
Verlag:Rowohlt Taschenbuch
Erscheinungsdatum:02.01.2006

Rezensionen und Bewertungen

Neu
4,4 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne7
  • 4 Sterne4
  • 3 Sterne2
  • 2 Sterne0
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    Bouggos avatar
    Bouggovor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Neuere Geschichte als spannende Geschichte
    Extrem gut gelungene Verknüpfung geschichtlicher Ereignissen mit flüssigem, spannendem Erzählstil.

    Packt Dich nicht auch manchmal die Wut, wenn Du von Schweinereien erfährst, die Menschen Menschen antun? Hast Du nicht auch schon einmal davon geträumt, einen, wenigstens einen dieser Übeltäter zu beseitigen?
    Dann liegst Du mit Delius auf einer Wellenlänge. Dann packt auch Dich die Mordlust am "Richter" des "Volksgerichtshofs" (Anführungsstriche, weil das Verbrecher in einer Verbrecherorganisation waren), der Georg Groscurth zum Tode verurteilte. Du willst auch gleich den Henker und seine Gehilfen mit ins Jenseits befördern und die Sachbearbeiter des Berliner Senats, die seiner Frau ein paar Jahre später die Witwen- und seinen Kindern die Waisenrente streichen, gleich mit.
    Die Lektüre des Buches bringt Dich dem Widerstandskämpfer und seinem Kreis, der "Europäischen Union, EU" (welche Weitsicht!) näher und den Verhältnissen der hysterischen Nachkriegszeit mit ihrem vorherrschenden Antikommunismus, oft getragen und geschürt von Leuten, einschließlich Juristen, die mit den Nazis ihr Süppchen gekocht hatten.
    Du liest das Buch wie einen spannenden Krimi - gehst immer wieder ins Internet und stellst fest: Alles ist wahr.
    Alles vielleicht nicht. So sei dahingestellt, ob der Ich-Erzähler wirklich den Ex-"Richter" Hans-Joachim Rehse observiert hat zum Zwecke des geplanten Attentats und ob seine Freundin auf einer Mexiko-Reise wirklich umkam. Diese Details könnten zusätzliche Pfefferkörner sein in diesem literarischen Gericht (durchaus doppeldeutig gemeint). Sie tragen jedenfalls dazu bei, dass diese Kost während der Einverleibung den Appetit noch steigert. Man kann (ich konnte) das Buch nicht weglegen. Doch es sind schwere Brocken eingearbeitet.

    Am Schluss mordet man nicht - aber man könnte sich übergeben.

    Kommentieren0
    4
    Teilen
    Holdens avatar
    Holdenvor 7 Jahren
    Rezension zu "Mein Jahr als Mörder" von Friedrich Christian Delius

    FC Delius hat einen schönen Krimi um einen Berliner Studenten im JAhr 1968 geschrieben, der aus dem RAdio von dem Freispruch des ehemaligen Nazirichters Rehse erfährt, und der diese Ungerechtigkeit als Aufforderung an ihn begreift, für Gerechtigkeit zu sorgen und den Richter zu töten. Zuvor möchte der Student ein Buch über den Unrechtsprozeß Rehses gegen den Vater seines Freundes Axel schreiben, einen Widerstandskämpfer, der nach der Urteilsverkündung hingerichtete wurde und heute (fast) vergessen ist. Das Buch schildert schön die Zeit um 1968 herum und die Studentenbewegung und richtet den Blick außerdem auf die Oberschweinerei, daß Naziverbrecher von der Justiz in der NAchkriegszeit mit Samthandschuhen angefaßt wurden.

    Kommentieren0
    11
    Teilen
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren
    Rezension zu "Mein Jahr als Mörder" von Friedrich Christian Delius

    Am Nikolaustag des Jahres 1968 hört ein Westberliner Student im Radio von dem Freispruch des Nazirichters R. Er wird sofort hellhörig, denn ebendieser R. hat den Vater eines Freundes, den Arzt Georg Großcurth, 1944 zum Tode verurteilt. Großcurth war im Widerstand aktiv, seine Frau Anneliese ebenfalls. Der Student und Ich-Erzähler fasst einen Entschluss: Er wird R. umbringen und somit dem Recht zur Durchsetzung verhelfen.

    Entgegen meiner Erwartungen, die vor allem durch Titel und Klappentext geweckt wurden, geht es weniger um konkrete Mordplanungen oder gar die Tat selbst. Viel eher wird die Geschichte Großcurths und seiner Frau Anneliese nacherzählt. In einem weiteren Erzählstrang geht es um Annelieses Bemühungen, im Nachkriegsdeutschland die Leistungen vor allem ihres Mannes anerkannt zu sehen. Doch stattdessen wird sie als Kommunistin gebrandmarkt, was im Westberlin der 50er Jahre ein schwerwiegender Vorwurf mit handfesten Konsequenzen ist. Nur ein kleiner Teil des Buches spielt eigentlich in der „Gegenwart“, also Ende der 1960er Jahres.

    Mir hat das Buch gut gefallen, insbesondere auch die Sprache, in der es geschrieben ist. Das einzige sprachliche Manko war allerdings, dass die Dialoge manchmal etwas hölzern bzw. konstruiert wirkten. Ansonsten sollte man eben nicht mit den Erwartungen an das Buch herangehen, dass hier eine Art Krimi erzählt würde mit Verfolgungsjadgen etc. Stattdessen bekommt man eine Erzählung aus einer Zeit, aus der ich jedenfalls noch recht wenige Romane gelesen habe. Sehr viele spielen ja während der Nazizeit oder in den Jahren direkt nach dem Krieg, aber wie es den Widerständlern und ihren Hinterbliebenen in den 50er und 60er Jahren ergangen ist, darüber liest man recht wenig. Wer sich für diese Zeit interessiert, der sollte „Mein Jahr als Mörder“ lesen.

    Kommentare: 2
    2
    Teilen
    NewNoises avatar
    NewNoise
    D
    diehexevor 20 Tagen
    Golondrinas avatar
    Golondrinavor 2 Jahren
    Joachim_Tieles avatar
    Joachim_Tielevor 2 Jahren
    aichlinns avatar
    aichlinnvor 4 Jahren
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 6 Jahren
    juergen_schmidts avatar
    juergen_schmidtvor 6 Jahren

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks