Rezension zu "Einstein privat. Herta W. erinnert sich an die Jahre 1927 bis 1933" von Friedrich Herneck
OrishaFriedrich Herneck interviewt die ehemalige Hausangestellte Herta W., die im Hause der Einsteins zwischen 1927 und 1933 gearbeitet hat. Dabei durchkämt Herneck fünf Themenfelder: die Wohnung in der Haberlandtstraße, häufige Besucher und seltene Gäste, Familie - Urlaub - Auslandsreisen, Sommerhaus und Segelboot in Caputh sowie die Haussuchung - Plünderung - Verhör. Gemeinsam suchen Sie in den Erinnerungen von Herta W. dem privaten Einstein auf die Spur zu kommen.
Hernecks Versuch dem privaten Albert Einstein nachzuspüren, geht für mich nur bedingt auf. Zum einen fehlen mir archivische Zeugnisse, die die Aussagen irgendwie untermauern, stattdessen schiebt Herneck Monologe ein, um sein Wissen über Einstein, dass er aus Biographien und von anderen Schriftstellern hat, zu untermauern. Das hat wiederum zur Folge, dass Herneck sich selbst immer wieder in den Mittelpunkt des Gesprächs rückt und Herta W. damit ein ums andere Mal in den Schatten stellt. Zum anderen hätte die archivischen Zeugnisse die Aussagen der ehemaligen Hausangestellten besser untermauert und so dazu beitragen können, ein realeres Bild zu zeichnen, dass nicht nur auf den lückenhaften Erinnerungen einer damals jungen Frau basiert. Versteht mich nicht falsch, Zeitzeugeninterviews halte ich für eine durchaus relevante Quelle, aber ungeprüft sind diese Aussagen eben nur Erinnerungsfetzen, die wenig dazu betragen, ob sich Dinge so zugetragen haben oder eben nicht. Denn das Gedächtnis und die Erinnerung spielen uns gern Tricks. Und Hernecks Versuch das Gespräch immer wieder in die "richtige" Richtung zu lenken, wirkt oft fehl am Platz, denn er wechselt das Thema, wenn ihm die Antworten scheinbar zu wenig Aussagekraft haben.
Kurzum: Als Lektüre nicht uninteressant, für eine wissenschaftliche Nutzung wirklich nicht geeignet


