Friedrich Kellner

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Friedrich Kellner»Vernebelt, verdunkelt sind alle Hirne«
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»Vernebelt, verdunkelt sind alle Hirne«
»Vernebelt, verdunkelt sind alle Hirne«
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Erschienen am 26.07.2011

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Rezension zu "»Vernebelt, verdunkelt sind alle Hirne«" von Friedrich Kellner

Rezension zu "»Vernebelt, verdunkelt sind alle Hirne«" von Friedrich Kellner
WinfriedStanzickvor 7 Jahren

Als im Jahr 1995, 50 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs unter dem Titel „Ich will Zeugnis ablegen bis zuletzt“, die Tagebücher Victor Klemperers erschienen, das war die Rezeption gewaltig.
Der jüdische Romanist Victor Klemperer, Gelehrter von Weltruf, blieb, weil seine Auswanderungspläne scheiterten, in Nazi-Deutschland. Sein Überleben verdankte er der nichtjüdischen Ehefrau. "Für die Zeit danach" hielt er seinen Alltag fest, schrieb auf, was er sah und hörte: Gerüchte, Witze, Frontnachrichten. Immer erbärmlicher wurden die Bedingungen, unter denen er seiner Chronistenpflicht nachkam: Er litt an der zunehmenden Vereinsamung, an Hunger, an dem entwürdigenden Dasein im Judenhaus, aus dem ein Mitbewohner nach dem anderen verschwand.

Nun legt der Wallstein Verlag die Tagebücher des Laubacher Justizinspektors Friedrich Kellner (1885-1970) vor, eines „ganz normalen Deutschen“, der als Geschäftstellenleiter des Amtsgerichts der oberhessischen Kleinstadt arbeitete, Mitglied der SPD und des Karnevalsvereins war.
Zwischen 1939 und 1945 führte dieser Mann Tagebuch. Auch sein Ziel war es, Zeugnis abzulegen über das, was in Deutschland vor sich ging. Reflexionen über scheinbar kleine Veränderungen im Alltag wechseln sich immer wieder ab mit kommentierten Zeitungsausschnitten. Das Tagebuch, das Kellner nie für eine Veröffentlichung vorgesehen hatte, auch nach dem Krieg nicht, wanderte in den 60 er Jahren als Geschenk zu einem Enkel Kellners in die USA. Dort war es später Teil einer Ausstellung, über die der Spiegel kurz berichtete. Sascha Feuchert und andere Wissenschaftler aus Gießen lasen diesen Bericht und begannen nachzuforschen. Sie entdeckten den bislang fehlenden zehnten Band der Tagebücher und haben nun eine vollständige Ausgabe des Konvoluts ediert.

Das große Weltgeschehen trifft hier mehr noch als bei Klemperer auf die Alltagsgeschichte in Laubach während des Dritten Reiches. Und natürlich geht es immer wieder auch darum, was die Deutschen von all den furchtbaren Vorgängen gewusst haben und ab wann.

Kellners Werk ist ein wichtiges zeithistorisches Dokument und kann in seiner Bedeutung durchaus mit Klemperers „Ich will Zeugnis ablegen bis zuletzt“ verglichen werden.

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