Friedrich Kröhnke Ein Geheimnisbuch

(3)

Lovelybooks Bewertung

  • 3 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 2 Rezensionen
(1)
(0)
(2)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Ein Geheimnisbuch“ von Friedrich Kröhnke

Zwei Kinder: Abel und Sascha. Und eine Welt voller Bücher. Zwei Leben von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart, in deren Mittelpunkt immer die Bücher stehen. Und zwar reihenweise. Von Enid Blyton und Karl May zu Simenon und Hubert Fichte. Ein inzwischen halbvergessener Kosmos von Schönheit und entschiedener Moderne wird in eindrücklichen Bildern wiedererweckt: die aufregende Welt der Taschenbücher. Aus den beiden aufmüpfigen Kindern werden zwei verschrobene Männer. »Die Handlung ist in London.« Die Handlung ist in Indien und Mexiko. Die Handlung ist in »einem verborgenen Zimmer« in Berlin-Tiergarten und schließlich in einem Keller in Saarbrücken, in dem sich das Geheimnis enthüllt, von dem in der Kindheit der beiden die Schriftstellerin La Motte nachts gesprochen hatte und das gefährlich süchtig macht. Friedrich Kröhnke erzählt vom Glück, jung zu sein und noch so viel zu lesen vor sich zu haben.

@ christin: Schau mal bei eBay oder beim Amazon Marketplace. Und zur Not kauf Dir halt die 2009er Auflage für 12,95 €.

— BRB-Jörg
BRB-Jörg

Auch eine kleine Hommage an Krimi-Bücher. Ich möchte sie fast auch anfangen zu lesen, ich, die keine Krimis mag. Aber Abel und Sascha, sie haben den nötigen Charme, einen dazu zu treiben. Und: natürlich in das nächste Antiquariat. Wo nur gibt es eines in Augsburg?

— Ein LovelyBooks-Nutzer
Ein LovelyBooks-Nutzer

Stöbern in Romane

Der Vater, der vom Himmel fiel

Ein "Glücksgriff" in Buchform: Witzig, geistreich, einfach.nur.zum.Brüllen.komisch - und so wahr ;) 5 Sterne reichen hier nicht aus ;))

SigiLovesBooks

Underground Railroad

Eine tolle Heldin, die trotz aller Widrigkeiten nie aufgibt und immer wieder aufsteht, auch wenn es das Schicksal nicht gut mit ihr meint.

Thala

Swing Time

Eine sehr lange, gemächliche Erzählung, der streckenweise der Rote Faden abhanden zu kommen scheint. Interessanter Schmöker.

kalligraphin

Vintage

Überraschend gute und spannende Unterhaltung für jeden Blues- und Rock'n'Roll-Fan und alle die es noch werden wollen!

katzenminze

Die Geschichte der getrennten Wege

Fesselnd und langatmig, mal begeisterte mich der Roman, mal las ich quer. Ein gemischtes Leseerlebnis.

sunlight

Wie der Wind und das Meer

Liebesgeschichte, die auch einen Teil der deutschen Geschichte wiederspiegelt - mir fehlten die Emotionen

schnaeppchenjaegerin

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Ein Geheimnisbuch" von Friedrich Kröhnke

    Ein Geheimnisbuch
    TheSaint

    TheSaint

    01. January 2010 um 21:44

    Wer seine Kindertage in den 70ern des vergangenen Jahrhunderts verlebt hat, wird dieses Buch lieben und auf vielen Seiten dieser Erzählung Déjà-vus haben. Liebevoll berichtet das Buch von den Zwillingen Alexander (Sascha) und Abel Amelung, dessen Mutter Schriftstellerin ist und der Vater (Chemiker) sie mit zehn Jahren bei Buchclubs anmeldet und so deren Lust und Freude an Büchern begründet. Fortan leben die Zwillinge in den Welten des Karl May und Enid Blyton's und anderer großer Autoren. Während sich das Leben Alexanders "normal" entwickelt, driftet Abel mehr und mehr ab in eine Welt der Depression und der Schmerzmittel. Sie rufen einander Tag und Nacht an und am Telefon erinnern sie sich an die glückvoll verbrachten Stunden mit dieser und jener Buchserie. Leicht und flüssig geschrieben entlocken manch Erwähnungen von Buchtiteln und Buchszenen des Autos ein melancholisches Seufzen.

    Mehr
  • Rezension zu "Ein Geheimnisbuch" von Friedrich Kröhnke

    Ein Geheimnisbuch
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    23. August 2009 um 23:31

    Lies, um zu leben. Im Juni 1857 schreibt Gustave Flaubert einen lodernden Brief an Mademoiselle Leroyer de Chantepie. Besagtes Fräulein trat aufgrund ihrer Lektüre des Romans Madame Bovary im Dezemer 1856 in Kontakt mit dem geneigten Autor. In jenem Brief klagt sie die menschliche Natur Flauberts an. Was habe er ihr nur angetan, welche Leiden habe sie erlitten als sie Madame Bovary las. Dem Brief im Juni 1857 von Flaubert muss ein sehr beängstigender von Seiten Leroyer de Chantepies voraus gegangen sein. Flaubert setzt sich in seiner Antwort mit Mademoiselles Angst, durch die Lektüre nicht mehr im christlichen Sinne rein sein zu können, auseinander. „Sie fragen mich, welche Bücher Sie lesen sollen. Lesen Sie Montaigne, lesen Sie ihn langsam, bedächtig. Er wird sie ruhiger machen. […] Doch lesen Sie nicht wie die Kinder lesen, um sich zu vergnügen, noch wie die Ehrgeizigen lesen, um sich zu bilden. Nein, lesen Sie um zu leben. Schaffen Sie für Ihre Seele eine intellektuelle Atmosphäre, die sich aus der Emanation aller großen Geister zusammensetzt.“ Das also ist der unbedingte Ratschlag Flauberts an die lamentable, unruhige Seele der Mademoiselle Leroyer de Chantepie. „Erweitern Sie ihren Horizont, und Sie werden freier atmen.“ Lesen, um zu leben. Flauberts Anruf ist eine bemerkenswerte Grundlage für Friedrich Kröhnkes Neuerscheinung „Ein Geheimnisbuch“. Dem Lesen gefrönt wird in diesem Roman ohne Ausnahme. Abel und Sascha (Alexander) Amelung sind zwei buchbegeisterte Brüder, für die Literatur Lebensraum, haptisches, erotisches Vergnügen und unausweichliche Erinnerung an die Kindheit ist. „Sie haben jeder eine Farbe, die Eltern haben sie ihnen zugeteilt. Abel Amelung hat Rot, Alexander Amelung hat Blau. […] Vater und Mutter melden sie auch, als sie Zehnjährige sind, als Mitglieder von Buchklubs an. […] Abel ist der mit der Deutschen Buchgemeinschaft. Sascha ist bei der Büchergilde.“ Beide tauschen und leben die Bücher, sie erfahren andere Welten, listen Autoren auf, deren Namen ihnen unklare Gebilde sind, aber sie lesen sie, auch ohne die Werke zu verstehen. Sie wachsen mit den Büchern, mit den verschiedenen Bücherreihen der unterschiedlichsten Verlage, wägen deren Vor- und Nachteile ab. Die Mutter ist Schriftstellerin und schreibt für den Maximilian Dietrich Verlag Memmingen. Nicht nur das prägt die Kinder. Vor allem schwärmen sie von den Krimireihen ihrer Jugend, Enid Blyton, Die drei ???, die der Vater aus der Bibliothek der Chemiefabrik mit nach Hause bringt. Dann ist da noch Karl May, besonders der. „Über Bücher reden und zugleich. die Welt meinen, wie sie sie von jeher gemeinsam erleben.“ Das Geheimnisbuch wird aus der retrospektiven Perspektive Abels geschildert. Er ist auf der Suche nach der Ordnung in der eigenen Erinnerung und lässt so die Leseerlebnisse der Kindheit und Jugend wieder aufleben. Biographische Parallelen sind im Geheimnisbuch durchaus zu finden. Friedrich Kröhnke wuchs zusammen mit seinem Zwillingsbruder Karl auf, der dem Sascha wohl sehr nahe kommen könnte. Auch Kröhnkes Vater arbeitete als Chemiker, die Mutter veröffentlichte unter dem Pseudonym Margarete Kubelka vornehmlich Kinderbücher. Doch dies sei einmal dahingestellt. Die unglaubliche, interessante Nuance ist die Bibliomanie, die Bibliophilie, die zwischen den Zeilen liegt, die man als Leser wohl kaum gänzlich erfassen kann, dafür sind die intertextuellen Verweise und Nennungen der geliebten, begleiteten und prägenden Bücher zu vielseitig, sehr zeitverhaftet natürlich; aber doch sind die gelebten Gefühle der Brüder erspür- und nachvollziehbar. Und findet sich zwischen den Aufzählungen ein für den Leser gut Bekanntes, eine eigene Erinnerung wieder, dann wirkt Kröhnkes Schreiben doppelt und lässt enthusiastisch werden. „Friedrich Kröhnke erzählt vom Glück, jung zu sein und noch so viel zu lesen vor sich zu haben“, schreibt der Amman Verlag auf dem Buchumschlag des Buches. Der Erzähler schildert die genau hinzurückenden Gedanken Abels, der für seinen Bruder und sich beispielsweise eine rororo-Monographie erstellt, in Gedanken und so Leben ordnet. Die biographischen Fakten der Protagonisten finden sich nur vage und zurückhaltend zwischen den Huldigungen der Bücher. Sie, die Huldigungen, formen beider Leben aus. So liest sich das Büchlein von Friedrich Kröhnke mit dem Wissen um die im nächsten Jahr bevorstehende Schließung des Amman Verlages auch wie eine Hommage an die ‚relevante‘ Literatur. Am 10. August 2009 war in der Presse-Mitteilung in eigener Sache des Amman Verlages unter anderem zu lesen: „Die Gründe für diesen Entschluss liegen im fortgeschrittenen Alter der Verleger und in einer Marktsituation, die für Literatur zunehmend schwieriger wird. Ein Verlag mit dem Profil des Ammann Verlags ist eng an die verantwortlichen Personen gebunden und kann ohne sie nicht fortbestehen. Marie-Luise Flammersfeld und ich haben gegeben, was wir zu geben hatten. – »Alles hat seine Zeit.« “ Man kann dem Verleger-Team für diese mutige Entscheidung nur Glück wünschen für das kommende Jahr und auch zu dieser Neuerscheinung Friedrich Kröhnkes ausschließlich gratulieren. Dies ist ein warmherziges, wiederlesenswertes Buch. Ein Aufruf anderer Art, um zu sagen: Lies, um zu leben. Denn, so im Text, „[gut] ist, da man nichts braucht als Bücher.“

    Mehr