Friedrich M Klinger

 3.2 Sterne bei 11 Bewertungen
Autor von Sturm und Drang, Fausts Leben, Taten und Höllenfahrt und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Friedrich M Klinger

Sturm und Drang

Sturm und Drang

 (8)
Erschienen am 01.01.1986
Fausts Leben, Taten und Höllenfahrt

Fausts Leben, Taten und Höllenfahrt

 (2)
Erschienen am 01.01.1998
Die Zwillinge

Die Zwillinge

 (1)
Erschienen am 01.01.1986
FAUSTUS, HIS LIFE, DEATH, AND DOOM: A RO

FAUSTUS, HIS LIFE, DEATH, AND DOOM: A RO

 (0)
Erschienen am 30.03.2010

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Nikolaus_Klammers avatar

Rezension zu "Fausts Leben, Taten und Höllenfahrt" von Friedrich M Klinger

„Man vergisst in Deutschland nichts geschwinder als gute, weise und verständige Bücher.“
Nikolaus_Klammervor einem Jahr

„Man vergisst in Deutschland nichts geschwinder als gute, weise und verständige Bücher.“

F. M. Klinger

Es passiert mir immer wieder. Manchen Fallen kann ich nicht entgehen und wenn ich ehrlich bin, will ich es auch nicht: Mit fast Arno-Schmidt'scher Lust stürze ich mich auf einen abseitigen vergessenen Autoren, entdecke ihn für mich persönlich, lese begeistert eines seiner Werke, das ich dem entlegenen Winkel eines Antiquariats dem Staube entriss. Klar, dass ich alles von ihm lesen will! Nur um anschließend feststellen zu müssen, dass an den Rest seines Œuvres – wenn überhaupt - allein mit erheblichem zeitlichen oder finanziellem Aufwand heranzukommen ist.

Ein solcher Fall ist Friedrich Maximilian Klinger, von dessen Werk es bei Cotta die letzte einigermaßen vollständige Gesamtausgabe (für normale Leser unbezahlbar) im Jahre 1879 gab, einem Autor immerhin, dessen Theaterstück „Sturm und Drang“ einer ganzen Literaturepoche den Namen gibt.

Klinger (1752 - 1831) gehörte in seinen jungen Jahren zum Frankfurter Kreis Goethes und folgte diesem nach Weimar, seine Universitätsausbildung zum Rechtsgelehrten abbrechend, um als freier Künstler zu arbeiten und schnell zu scheitern. Im Fürstentum stand er den gesellschaftlichen Ambitionen des späteren Geheimen Legationsrats im Wege und fiel ihm wie Lenz oder Kaufmann bald so lästig, dass er ihn aus seinem Gesichtsfeld entfernen ließ. 1776 kam es zum endgültigen Bruch mit dem Dichterfürsten. Nach einigen Wirren gelang Klinger ab 1780 eine militärische Karriere in der russischen Armee, in der er immerhin bis zum Generalmajor aufstieg. Dadurch fand er auch wieder Gnade bei Goethe und führte mit ihm ab 1811 einen regen Briefwechsel. Klinger liegt in St. Petersburg beerdigt.

Neben seiner bürgerlichen Karriere – seinem Brotberuf – war er ein fleißiger, weiterhin ausschließlich Deutsch schreibender Autor. Neben den populären Dramen veröffentlichte Klinger dicke Bände mit Gedanken und Maximen, die recht behäbige und staatstragende Aphorismensammlungen und zu Recht vergessen sind und neun „philosophische“ Romane, von denen der bekannteste Faust's Leben, Thaten und Höllenfahrt ist, alle sind Werke in spätaufklärerischer Manier, angefüllt mit voltaireschen und rousseauschen Gedanken und Weltanschauungen. Zumindest die ersten, noch ganz vom Feuer des Sturm und Drangs erwärmten Bände lassen sich auch heute noch gut lesen, werden jedoch von Roman zu Roman kälter, schwerer und langweiliger. Vielleicht hat Klinger dies selbst bemerkt, denn ursprünglich hatte er zwölf Doppel-Romane geplant und den neunten, dessen Titel Das zu frühe Erwachen des Genius der Menschheit allein schon abschreckend wirkt, nie vollendet.

Selbstverständlich wusste jeder, dass Goethe seit Jahrzehnten an seinem opus magnum schrieb, was Klinger jedoch nicht hinderte, als erster 1779 ein Werk über die deutscheste aller mittelalterlichen Sagenfiguren zu veröffentlichen. Vielleicht war dies auch der wahre Grund seines Bruchs mit Goethe.* Klingers äußerst pessimister, zutiefst am Charakter des Menschen zweifelnder Faust war das erste Werk, das ich von ihm las. Ich fand den Roman im zerfledderten III. Band einer Werksauswahl, die ich 1987 vom Ramschtisch eines Berliner Antiquariats mitnahm. Faust begegnet in dem Werk, vom Teufel und anderen Höllengestalten (Leviathan) begleitet, nie guten Menschen, sondern nur Heuchlern, die auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind, egal ob es sich um Eremiten, Äbtissinen, den Papst (Alexander VI.) oder Faust selbst handelt, die alle mit viel Getöse zur Hölle fahren. Hier sorgt nicht Gott, sondern Satan für Gerechtigkeit:

„Der Teufel stund in Riesengestalt vor ihm. Seine Augen glühten wie vollgefüllte Sturmwolken, auf denen sich die untergehende Sonne abspiegelt. Der Gang seines Atems glich dem Schnauben des zornigen Löwens. Der Boden ächzte unter seinem ehernen Fuße, der Sturm sauste in seinen fliegenden Haaren, die um sein Haupt schwebten, wie der Schweif um den drohenden Kometen. Faust lag vor ihm, wie ein Wurm, der fürchterliche Anblick hatte seine Sinne gelähmt, und alle Kraft seines Geistes gebrochen. Dann faßte ihn Leviathan mit einem Hohngelächter, das über die Fläche der Erde hinzischte, zerriß den Bebenden, wie der mutwillige Knabe eine Fliege zerreißt, streute den Rumpf und die blutenden Glieder mit Ekel und Unwillen auf das Feld, und fuhr mit seiner Seele zur Hölle.“

Der Antiquariatsband enthielt auch noch den ersten Teil des zugehörigen Zwillingsromans Geschichte Giafars des Barmeciden, der mir persönlich noch besser gefiel. Giafar, der aus den Tausend-und-Eine-Nacht-Erzählungen bekannte Großwesir Hārūn ar-Rašīds (Bitte nicht mit dem bitterbösen Dschafar aus Disneys "Aladdin" verwechseln!), ist eine Art morgenländischer "Hiob". Er glaubt unerschütterlich an das Gute im Menschen und in seinem Kalifen Harun, auch wenn ihm der Teufel beständig das Gegenteil demonstriert.

Klinger2Mit dem Giafar begann allerdings mein Leiden. Obwohl Klinger interessanterweise in der damals noch existierenden DDR häufiger als im Westen gedruckt wurde und ich in Ostberlin eine günstige Werkauswahl besorgen konnte, war ausgerechnet der Giafar nirgendwo aufzutreiben. Ich musste 25 Jahre warten, bis ich ihn zuende lesen konnte. Heute findet er sich als digitale Ausgabe im Internet und kann – wie auch die meisten der anderen Romane Klingers – auf jedem E-Book-Reader gelesen werden. Und genau das sollte man tun: Gerade die beiden ersten "philosophischen" Romane von F. M. Klinger muss man einfach gelesen haben.

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* Auch von Lessing und Lenz gibt es Entwürfe für Faustdramen. Heinrich Heine erhielt einmal eine Audienz bei Goethe. Als dieser ihn fragte, an was er arbeite, antwortete Heine, er schreibe einen Faust. Heutzutage hätte Heine ihm wahrscheinlich den Stinkefinger gezeigt. Der Dichterfürst überlegte kurz, dann ließ ihn rausschmeißen.
Heines letztes Werk ist übrigens in der Tat eine Faustadaption, aber da war Goethe schon lange tot...

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Heike110566s avatar

Rezension zu "Sturm und Drang" von Friedrich M Klinger

Rezension zu "Sturm und Drang" von Friedrich M Klinger
Heike110566vor 8 Jahren

Friedrich Maximilian Klinger (1752-1831) schrieb am 4. September 1776 an seinen Freund Ernst Schleiermacher: "Ich schreibe eine Comoedie der Wirrwarr die bald zu End ist - und wo du einen HE [Herrn] Wild, Blasius und La Feu sehr lieb kriegen wirst. Ich hab die tollsten Originalen zusammengetrieben. Und das tiefste tragische Gefühl wechselt immer mit Lachen und Wiehern."
Das Drama, das bei Klinger den Arbeitstitel "Der Wirrwarr" hatte, wurde dann im Spätherbst 1776 unter dem Titel "Sturm und Drang" in Dresden von der Seylerschen Schauspieltruppe, bei der Klinger als Stückeschreiber und Schauspieler angestellt war, uraufgeführt. Das Stück ist auch tatsächlich, so wie es Klinger in dem Brief selbst schreibt, eine Mischung aus Tragödie und Komödie.
Für den Stoff hat er bei Shakespeare, der von den Sturm-und-Drang-Dichtern als das Genie par excellence verehrt wurde, einige Anleihen genommen. Grundlegend für die Story ist eine Variante des Romeo-und-Julia-Motivs, die Figuren Lord Berkley und Lord Bushy sind Anleihen aus "Richard III." und La Feu ursprünglich eine Figur in "Ende gut - alles gut".
Die drei Herren aus o. g. Brief landen in Amerika an und kehren in einen Gasthof ein. Im Grunde sind sie auf der Suche nach ihrem Glück. La Feu, der Weiberheld, ist nicht abgeneigt eine neue Bekanntschaft zu machen. Blasius, der Immermüde, will Ruhe finden und einfach schlafen. Und Wild - der will in die Armee, sich am Krieg beteiligen, den Tod suchen. Er, der alles verloren hat, sein Zuhause und das Mädchen, das er einst geliebt, sieht im Tod das höchste Glück für sich.
In dem Gasthof sind auch noch andere Gäste: Lord Berkley, ehemals ein englischer Hofmann, lebt dort mit seiner Tochter Jenny Caroline, seiner Schwester Lady Kathrine und deren Tochter Louise. Berkley wurde aus England verbannt, nachdem er einer Kabale am Hofe zum Opfer fiel. Dabei verloren hat er seine Frau. Sein Sohn Harry, ein Teenager noch, verschwand spurlos. - Berkley macht seinen Ex-Freund Lord Bushy für die Intrige verantwortlich, stieg dieser doch nach dem Fall Berkleys auf. Berkley wünscht ihm deshalb nur das Schlechteste von der Welt.
Wild, Blasius und La Feu werden Lady Kathrine und ihrer Tochter vorgestellt. La Feu ist begeistert von Kathrine, Blasius langweilt Louise. Wild kann diesen Zirkus nicht ab und verschwindet. Er begegnet Berkleys Tochter und es stellt sich heraus, dass Wild der ebenfalls einst verschwundene Sohn Carl von Lord Bushy ist, der im Alter von 15 Jahren in die 13-jährige Jenny Caroline verliebt war. - Nach dem Verschwinden der Berkleys hatte er seinen Vater, den alten Bushy, um Erlaubnis gebeten, seine Angebetete suchen zu dürfen. Kreuz und quer zog er durch Europa deswegen und nun, wo er in den Tod gehen will, findet er sie.
Die Freude ist groß bei den beiden. Aber sie müssen es geheimhalten, denn es würde eine Katastrophe geben, wenn ihr Vater erfährt, dass der Sohn seines Feindes wieder da ist. Lord Berkley lernt ihn also als Wild kennen. Berkley erkennt aber Ähnlichkeiten in den Gesichtszügen mit Bushy und fragt, ob er diesen Mann kenne. Carl bejaht dies und berichtet, dass Lord Bushy einige Jahre nach der Verbannung Berkleys selbst in Ungnade fiel und alles verlor. Berkley stimmt das gutgelaunt. Dass Carl der Sohn Bushys ist, bleibt Berkley hier verborgen.
Noch besser wird Berkleys Laune, als der Kapitän des Schiffes, mit dem Wild und seine Freunde ankamen, ihn aufsucht und ihm einfach einen Höflichkeitsbesuch abstatten will. Dabei stellt sich heraus, dass der Kapitän sein Sohn Harry ist. Und ob dies nicht schon genug wäre, berichtet er auch noch, dass er Lord Bushy auf See ausgesetzt habe und er beobachtete, wie das Boot von einer großen Welle gepackt wurde. Lord Bushy sei tot, lautet die Botschaft. Jenny Caroline ist entsetzt, fürchtet das, was nun kommen wird und auch tatsächlich kommt: Wild outet sich als Carl Bushy und will Harry Berkley an den Kragen. Ein Duell steht an.
Vorher sind aber Carl und die Berkley-Männer gemeinsam in einer Schlacht. (Nicht gesagt wird, auf welcher Seite sie kämpfen.) Harry Berkley wird dabei verletzt und will das Duell verschieben. Carl besteht auf seine Rache. Aber kurz bevor es zum Duell kommt, erfährt er vom kleinen Mohr, einem Kind, das dem Kapitän als Sklave und Lustobjekt dient, dass der alte Bushy noch lebt. Er wurde von Besatzungsmitgliedern auf dem Schiff versteckt.
Groß ist die Wiedersehensfreude der Bushys und Lord Bushy gibt auch den beiden Verliebten seinen Segen. Da tauchen die Berkley-Männer auf. Carl will nun das Duell nicht mehr, sein Vater lebt. Aber jetzt besteht Harry darauf, dass das Duell stattfindet. Der alte Berkley versucht seine Tochter zu überzeugen, wieder auf seine Seite zu wechseln. Wie könne sie gemeinsame Sache mit seinen Feinden machen. Als Harry erfährt, dass seine Schwester Carl heiraten will, zieht er gekränkt ab. Der alte Bushy erklärt, dass er gar nicht an der Kabale gegen Berkley beteiligt war.
Das Wirrwarr lichtet sich und anders als bei Shakespeares Romeo und Julia, endet dieses Drama mit einem Happy End. Ganz ohne Tote.
Und auch bei La Feu kommt ein Happy End. Er bekommt Lady Kathrine. - Tja, und Blasius? Wenn er nicht geweckt wurde, dann schläft er wohl immer noch.
Diese Reclam-Ausgabe ist der Nachdruck der Erstausgabe als Druck, die 1777 erschien. Auf dem Original-Titelblatt steht zwar 1776, aber der tatsächliche Erstdruck wurde erst im darauffolgenden Jahr durch das Seylersche Theater vorgenommen. Seyler war ein bekannter Theatermacher, der sich Klinger eingekauft hat, weil dieser einen bekannten Namen hatte. Bis 1778 war Klinger dort beschäftigt. Anschließend wollte er, wie Carl, nach Amerika gehen und sich dort am Krieg beteiligen, aber es kam anders. Er ging zwar zum Militär, landete aber in russischen Diensten und starb auch 1831 in Russland, wo er mit einer adligen Dame verheiratet war.
Der Reclam-Nachdruck der Erstausgabe wurde originalgetreu übernommen. Die Schreibweisen und die Grammatik wurden nicht den heutigen Regeln angepasst. Also: alles so, wie es damals geschrieben wurde. - Interessant ist, dass dieser Erstdruck damals recht nachlässig erfolgte. Es steht die Frage, ob Klinger tatsächlich Korrektur gelesen hat vor der Herausgabe, denn es sind viele Unzulänglichkiten vorhanden. So fehlen beispielsweise Personenangaben vor einigen Szenen.
Literaturgeschichtlich hat dieses Drama insbesondere Bedeutung, da es einer ganzen Literaturepoche als Namensgeber diente. Aber: Dieses Etikett wurde erst nachträglich dem Autorenkreis, der heutzutage zu dieser Epoche zählt, aufgeklebt. Die Dichter selber sahen in diesem Stück ein normales Stück und kein Leitstück. Auch ist es nicht unbedingt gerade das Paradebeispiel für Sturm-und-Drang-Dramatik. Es wurde nur selten aufgeführt, wahrscheinlich außerhalb des Seylerschen Theaters, das auch immer mal auf Tournee war und es so an anderen Orten auch präsentierte, gar nicht. Gelesen wurde es noch seltener, denn der Text wurde kaum als Einzelstück verlegt.
Inhaltlich typisch für den Sturm und Drang ist vor allem an diesem Stück, dass die Leidenschaften das Handeln bestimmen. Carl Bushy und Harry Berkley sind typische Selbsthelfertypen, die auf sich vertrauen, ihren Weg gehen und dabei ihren Weg die Gefühle und Leidenschaften bestimmen.
Stellenweise ist das Stück wirr. Mehrere Handlungsstränge, die auf dem ersten Blick nicht zusammenpassen, laufen nebeneinander her. Stellenweise könnte man tatsächlich an ein Wirrwarr dabei denken, so wie der ursprüngliche Titel es auch suggerierte. Aber dennoch: Die Story von Jenny Caroline Berkley und Carl Bushy ist aus meiner Sicht eine unterhaltsame Adaption des Shakespeare-Themas um Romeo und Julia und auf jeden Fall eine Lektüre wert.
Diese Reclam-Ausgabe enthält desweiteren Textdokumente zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des Stücks sowie umfangreiches weiteres Material.

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