Friedrich Schiller Über naive und sentimentalische Dichtung

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Inhaltsangabe zu „Über naive und sentimentalische Dichtung“ von Friedrich Schiller

Eine Edition von Schillers philosophischer Abhandlung über Voraussetzungen und Eigenart moderner Kunst, die für die Diskussionen der Romantiker und darüber hinaus grundlegend war. Der Text folgt der Schiller Nationalausgabe, ein umfangreicher Anhang mit Anmerkungen, einer Darstellung der Entstehungsgeschichte, einem ausführlichen Kommentar zu den Hauptaspekten der Abhandlung und Literaturhinweisen liefert alle relevanten Information zum Verständnis.
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  • Rezension zu "Über naive und sentimentalische Dichtung" von Friedrich von Schiller

    Über naive und sentimentalische Dichtung
    Heike110566

    Heike110566

    30. November 2010 um 18:11

    Friedrich von Schiller (1759-1805) war nicht nur der bedeutendste deutsche Dramatiker, sondern auch ein herausragender Literaturtheoretiker und philosophischer Denker. Die hier vorliegende Abhandlung, die man durchaus als das Manifest der Weimarer Klassik sehen kann, ist ein überzeugender Beweis dafür. Bei "Über naive und sentimentalische Dichtung" handelt es sich aber nicht um ein geschlossenes Traktat aus einem Guss. Vielmehr sind es drei einzelne Aufsätze die er 1795/96 für seine Zeitschrift "Die Horen" erstellte und erst später, nämlich 1800, als eine Gesamtschrift veröffentlichte. Kein geschlossenes System bietet Schiller hier dem Leser an - vielmehr Gedankenskizzen, die sich beim Erarbeiten ergaben, die zum Weiternachdenken animieren. Dem Autor ging es um den Gegensatz von Natur und Kultur, von Antike und Moderne, wie er sich gegenüber Wilhelm von Humboldt im September 1795 äußerte. Auf der einen Seite sieht Schiller die Natur. Durch die Kultur-Entwicklung der Menschheit haben wir uns aus dem Naturzustand und von der Natur entfernt. Der Naturzustand sei aber das Ideale, das Erstrebenswerte. Allerdings erkennt auch Schiller dabei, dass wir nicht einfach zurück zur Natur können, da wir durch unsere kulturelle Entwicklung gar nicht mehr die sind, die die Menschen waren, die einst in diesem Zustand lebten. Das Ideal anstreben heißt daher, sich dem Ideal aber immer nur annähern. Ein unendlicher Prozess. Für die Menschheitsgeschichte sieht er die Verkörperung des Ideals in der griechischen Antike, in der Welt der Polis. Wie eine Kindheit wird diese gesehen. Eine Kindheit, die zurückliegt, Vergangenheit ist. Zumindest dann, wenn wir nicht mehr Kind sind, sozusagen Kultur bekommen haben. Was hat das aber nun mit naiver und sentimentalischer Dichtung zu tun? - Der naive Dichter ist durch seine Unverdorbenheit noch eins mit der Natur, er wirkt in ihr. er bildet die Natur ab, sie ist für ihn vollkommen. Der sentimentalische Dichter hingegen weiß, dass die Kindheit, der Naturzustand verloren ist. Er ist für ihn nur noch als erstrebenswertes Ideal vorhanden. Er sucht die Natur. Dieses unterschiedliche Dasein spiegelt sich dann notwendigerweise auch in den Dichtungen wieder. Was Schiller aber auch erkennt, ist, dass die "arbeitende Klasse" ein Bedürfnis nach Unterhaltungs- und Entspannungsliteratur hat. Und diese ist meist, entsprechend der hier aufgezeigten Kategorien, naive Dichtung. Der arbeitende Mensch will sich erholen. Sentimentalische Dichtung würde ihn überfordern. Das Tragische für Schiller daran ist, dass er dabei aber auch gleichzeitig erkennen muss, dass seine Dichtung kein sehr großes Zielpublikum hat. Er selbst sieht sich als sentimentalischen Dichter und seine Literatur ist gerichtet an eine Klasse von Menschen, die ohne zu arbeiten tätig ist und idealisieren kann, ohne zu schwärmen. Und dies ist im Grunde nur die relativ kleine Zielgruppe: gebildete Elite. Ein Problem, was diese Literatur ja auch heute hat. Die breite Masse der Bevölkerung liest einfach zur Erholung, zur Entspannung. Mit Dichtungen wie "Wallenstein" können die meisten nichts anfangen. Interessant an der Abhandlung ist dann aber auch, wie der Autor von den naiven und sentimentalischen Dichtern zu den menschlichen Grundtypen Realist und Idealist kommt und was das Dasein für Auswirkungen auf das menschliche Handeln der jeweiligen bedeutet. Dabei kommt er zu der Erkenntnis, dass es beide nicht rein gibt und diese Mischform dann zwar nicht dem "Ideal der Menschheit" entspricht, aber dem, was Menschen möglich ist. Insgesamt eine interessante Abhandlung, die die Denke und die Grundsätze des klassischen Dichters erhellt und auch so manches in seinem Schaffen auch klarer macht. Der Text ist weitestgehend in gut verständlicher Form geschrieben. Verständlichkeit war eine Forderung an Schiller gewesen, die sein Verleger Cotta machte, bevor er einer Veröffentlichung zustimmte. Worauf man aber achten muss: die verwendeten Begriffe muss man im Kontext mit der Entstehungszeit sehen. Begriffsinhalte wandeln sich und wir verwenden heute manche davon unter anderen Aspekten. Ein Anmerkungsapparat hilft aber den interessierten Leser auch diese Hürde zu überspringen. Zudem enthält das Buch Informationen zur Entstehungsgeschichte sowie einen Kommentar zu den Schwerpunkten der Abhandlung.

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