Friedrich Torberg

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Der Schüler Gerber

Der Schüler Gerber

 (79)
Erschienen am 23.09.2011
Die Erben der Tante Jolesch

Die Erben der Tante Jolesch

 (10)
Erschienen am 01.04.1981
Parodien und Post Scripta

Parodien und Post Scripta

 (2)
Erschienen am 01.05.1969
Mein ist die Rache

Mein ist die Rache

 (2)
Erschienen am 01.09.2008
Kaffeehaus war überall

Kaffeehaus war überall

 (2)
Erschienen am 01.02.2002

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Rezension zu "Der Schüler Gerber" von Friedrich Torberg

Der Willkür reife Leistung
buchwanderervor 6 Monaten

„…: es gibt ein großes, gräßliches Nie, gegen das wir nicht anrennen sollen, sonst senkt es sich, eine riesenhafte Wand, auf uns herab und zwingt uns zu Boden, und wenn wir gar zu nahe waren, zermalmt es uns…“ (S.115)

Zum Inhalt:


Kurt Gerber steht in seinem letzten gymnasialen Jahr, dem lange ersehnten und ebenso gefürchteten Abschlussjahr, dessen Krönung für die Würdigen das Zeugnis ihrer Reife bereithält. Vorausgesetzt – und daran scheint der Wert eines Schullebens gemessen zu werden – man wird in den Augen der Lehrerkollegiums für reif befunden.

Prof. Artur Kupfer ist Teil dieses Kollegiums und „er wußte, daß er, sowie er aus dem Machtbereich der Schule draußen war niemandem und mit nichts imponieren konnte.“ (S.31) Umso mehr lebt er diese schulische Macht über die ihm ausgelieferten Schüler aus, verteilt nicht nachvollziehbar Erfolg und Misserfolg, und genießt jedes (Schul-)Jahr aufs Neue die Leiden deren Ursache er in nicht unerheblichem Maße darstellt.

Gerber, der mit Abstand Begabteste der Klasse, wird in diesem achten Schuljahr noch von anderen schicksalshaften Zugkräften zerrissen: Sein Vater, dem er stets ein guter Sohn zu sein versucht, wird von einem Herzleiden getroffen, die große Liebe in seinem jungen Leben, Lisa Berwald, zerrinnt zwischen seinen Fingern, einen schalen Geschmack des Nicht-ernst-genommen-werdens hinterlassend und zu guter Letzt stellt sich die bohrende Frage ein: Wofür das Ganze? Wo lag letzten Endes der Sinn? „Man bangte sein tägliches Pensum herunter“ (S.61), aber wozu?

Dieses Wozu, diese Sinnfrage, deren inhaltlich schlüssige Beantwortung ihm letztendlich alle schuldig blieben, setzt sich in Gerbers Kopf, in seiner Seele fest. Solange bis in Stein gemeißelt fest stand: „Kupfer war Kismet.“ (S.21) und „Ich, Kurt Gerber, bin maßlos nebensächlich.“ (S.253) Dass diese lebensphilosophische Einstellung gepaart mit jugendlichem Sturm und Drang kein gutes Ende finden konnte, dessen wurden sich die Akteure, die Einfluss darauf gehabt hätten, erst zu spät bewusst.

So kulminiert und endet Kurt Gerbers Leben in den wenigen Zeilen einer Zeitungsmeldung: „Wieder ein Schülerselbstmord…“

Fazit:


Friedrich Torbergs Roman „Der Schüler Gerber hat absolviert“ erschien erstmals 1930, den literarischen Durchbruch des Autors markierend. Über weite Strecken mit unschwer erkennbaren autobiografischen Reminiszenzen stellt Torberg eine Maschinerie in die Anklagebank, die nach außen den getünchten Anschein pädagogischen Handelns zur Schau trägt, innerlich jedoch in mannigfaltiger Weise marode ist. Nicht die Vorbereitung junger Menschen auf ein Leben nach der Schule ist hier Ziel und Programm, sondern „neben der Vermittlung von Wissen auch die Brechung der Persönlichkeit der Schüler“1). „Die Maschinerie der Pein funktionierte selbständig und mit unentrinnbarer Präzision, ließ den zu Verarbeitenden nicht zur Besinnung kommen…“ (S.192)

Nicht selten erinnert der Grundtenor des Textes an Hesses „Unterm Rad“. Die stets aufs Neue aufkommende Hoffnung doch noch durch Leistung oder zumindest durch Ducken vor der Obrigkeit, durch Anpassung an ein längst als sinnentleert entlarvtes System persönlicher Pfründe, Animositäten und mehr als fragwürdiger Machtspiele, sein schulische soziales Überleben bis nach der Reifeprüfung zu sichern, wird ebenso schnell wie sie keimte erstickt.

Nicht wenige Leser dürften sich in den Zeilen Friedrich Torbergs wiederfinden – auf die eine oder andere Art. Und solange es „Pädagogen“ wie „Gott Kupfer“ gibt, solange ein Schulsystem sie duldet, wird es auch die Enden für junge Menschen geben, wie sie im „Schüler Gerber“ verstörend und leider keinesfalls unrealistisch elaboriert werden.

Zum Buch:


Die Beurteilung des Buches als Rahmen für Torbergs bewegenden Text muss für den vorliegenden Band ambivalent ausfallen: Zum einen ist die grafische Gestaltung der Buchdeckel – für die der schweizer Künstler Celestino Piatti firmiert –, sowie deren Stabilität, berücksichtigt man, dass es sich um ein Paperback handelt, durchweg gut gelungen resp. von angemessener Qualität.

Was jedoch die Verleimung der Seiten anbelangt und die saubere Ausführung des Drucks müssen doch erhebliche Abstriche gemacht werden, was schade ist und auch nicht nur auf das Alter des Buches zurückzuführen sind (Beispiele siehe hier). Typografisch bleibt der Text in einer klaren Linie, was das Lesen angenehm gestaltet. Auch der Bedruckstoff ist seitens der Haptik durchweg gut gewählt, mit dem Manko, dass er leicht zum Vergilben neigt.

Quelle:

1.) „Kindlers Neues Literaturlexikon“, Bd. 16, 1988/1998, S.707)

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mysticcats avatar

Rezension zu "Der Schüler Gerber" von Friedrich Torberg

Hat mich weit weniger gepackt als der Film
mysticcatvor 2 Jahren

Nachdem ich die Verfilmung vom "Der Schüler Gerber" vor 15 Jahren gesehen habe, wollte ich auch das literarische Grundwerk dazu lesen.

Durch den Film kannte ich die Eckpunkte der Handlung bereits und tat mir mit der Sprache des Buches schwer. Ebenso sind die Emotionen bei mir nicht übergesprüngen, wodurch ich das Buch über weite Strecken langweilig fand.

Fazit: Entweder Buch oder Film.

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Dreamworxs avatar

Rezension zu "Die Tante Jolesch" von Friedrich Torberg

Zurück in die Vergangenheit
Dreamworxvor 3 Jahren

„Die Tante Jolesch: oder Der Untergang des Abendlandes in Anekdoten“ von Friedrich Torberg von 1975 bringt den Leser in die deutsch-jüdische Welt der Künstler und Schreiber in der Zeit der K&K-Monarchie in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts in der Gegend um Wien, Budapest und Prag. Die in sich greifenden Anekdoten sind voller Charme, schwarzem Humor und Esprit, aber auch Traurigkeit. Torberg lässt den Leser auf besondere Charaktere treffen, die das damalige kulturelle Leben widerspiegelten. Da gibt es Geschichten über eine skurrile Kartenrunde in einem stadtbekannten Café oder über Einblicke in die Redaktion des „Prager Tagblatts“.

Torberg versucht mit diesem Werk, die deutsch-jüdische Kultur der damaligen Jahre lebendig zu erhalten und versteht es außerordentlich gut, deren Lebensgefühl und Zeitgeist auch Lesern der Gegenwart emotional und authentisch mit einem unterschwelligen Witz zu übermitteln. Seine Aneinanderreihung von kleinen Begebenheiten geht unmerklich ineinander über und vermittelt dem Leser während der Lektüre das Gefühl, hautnah mit den Protagonisten am Tisch zu sitzen oder an ihren Gesprächen teilzunehmen, ihre Sorgen und Bedenken aber auch ihren Sarkasmus zu teilen. Die auftauchenden Charaktere sind mal verschroben, mal tiefgründig, mal traurig oder mit schwarzem Humor gesegnet.

„Die Tante Jolesch“ ist eine Leseempfehlung für alle historisch begeisterten Leser, die Authentizität lieben und in vergangene Epochen eintauchen möchten, die für immer verloren sind. Sehr unterhaltsam!

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Friedrich Torberg wurde am 16. September 1908 in Wien (Österreich) geboren.

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