Fritz J. Raddatz Der Wolkentrinker

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Inhaltsangabe zu „Der Wolkentrinker“ von Fritz J. Raddatz

'Der Wolkentrinker' fabuliert eine Liebe im Nachkriegsberlin. Der junge Bernd taumelt zwischen Ost und West, zwischen Mann und Frau. Der Roman einer labyrinthischen Ära. Raddatz' präzise wie ekstatische Phantasie formt unauslöschliche Bilder. Das erzählerische Dokument einer wirren Zeit, der Bericht vom Irrgang einer jungen Sehnsucht nach Erfüllung, im Politischen so rücksichtslos wie schamlos im Privaten. (Quelle:'Flexibler Einband')

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  • Rezension zu "Der Wolkentrinker" von Fritz J. Raddatz

    Der Wolkentrinker
    Heike110566

    Heike110566

    14. September 2010 um 18:03

    Literaturwissenschaftler sind Menschen, die Bücher anderer Menschen, Schriftsteller genannt, analysieren. Wenn nun ein solcher Literaturwissenschaftler selber einen Roman schreibt, so ist dies zweifellos eine hoch interessante Angelegenheit. - Fritz J. Raddatz (geb. 1931) ist Literaturwissenschaftle (zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Buches: Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Uni Hannover) und er hat einen Roman geschrieben. Und was für einen! Raddatz ist in Berlin geboren, studierte an der Humboldt-Uni Berlin (Ost) Germanistik, Geschichte, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte. Danach war er in führender Position beim Verlag Volk und Welt der DDR tätig und siedelte Ende der 1950er Jahre in die BRD über, wo er beim Rowohlt-Verlag angestellt wurde. Später dann war er Journalist bei der Wochenzeitung "Die Zeit" und Autor zahlreicher Aufsätze und Sachbücher. - Tja, und dann: 1987 veröffentlichte er seinen ersten Roman. "Der Wolkentrinker". Ich wurde vor wenigen Tagen auf dieses Buch durch eine Leserrezension hier bei LovelyBooks aufmerksam, habe es mir gleich besorgt und nun auch gelesen. Ein guter Tipp gewesen. Erzählt wird die Geschichte eines jungen Berliners. Bernd ist 17 Jahre, lebt im amerikanischen Sektor Berlins. Es ist das jahr 1947. - Wie viele junge Menschen ist er verliebt in seine Lehrerin, einer 15 Jahre älteren attraktiven Frau. Was bei den meisten aber nur Liebesphantasien sind, seine Neigung zu Yvonne Bärenbach, so heißt die Lehrerin, wird Realität. Auf einer Klassenreise beginnt eine Liebesbeziehung zwischen den beiden. Alles dreht sich bei Bernd fortan nur noch um diese Frau, die er begehrt und bei der er sich geborgen fühlt. - Er, der seine Eltern frühzeitig verlor und bei seinen Großeltern aufwuchs, hat einen Menschen gefunden, mit dem er sich eins fühlt. - Das Yvonne verheiratet ist, tangiert ihn wenig. Er betrachtet sie als seine Frau. Das Abi besteht er, trotz er die letzten drei Jahre nicht am Matheunterricht teilgenommen hat und auch ansonsten sich eher durchschlängelte, mit Bestnoten. "Er erfickte sich das Abitur.", heißt es auf Seite 22 der rororo-Taschenbuchausgabe 1991. Zur Feier des Abiturs lädt ihn Yvonne zum Abendessen zu Dritt. Dabei erfährt Bernd sehr viel über das Vorleben von Yvonne und ihren Mann. Stephan, Yvonnes Mann, ist Jude, wurde von den Nazis fast zu Tode geprügelt. Sie ist Halbjüdin. Beide kämpften in Spanien auf Seiten der Internationalen Brigaden gegen Franco. Nach der Niederlage gingen sie nach Frankreich. Yvonne wurde interniert. Stephan, der einen tschchoslowakischen Pass hatte, nicht. Er holte sie aus der Internierung, indem er eine Heiratsurkunde fälschen ließ. Dadurch war sie auch Tschechoslowakin. Danach gingen sie gemeinsam als "Ehepaar" nach Südamerika. - Nun ist der Krieg zu Ende und sie wieder hier. Aber: immer weniger wohl fühlen sie sich im Westen, wo Alt-Nazis hofiert werden und wieder Stimme und Position bekommen. Sie teilen ihm mit, dass sie deshalb nach Ostberlin umziehen wollen. Bernd ist schockiert. Droht ihm doch "seine" Yvonne zu entgleiten. - Allerdings: eine positive Nachricht gibt es auch für Bernd, Stephan ist homosexuell. - Die Ehe der Bärenbachs steht nur auf dem Papier und ist da nicht mal echt. Stephan, von der Ausbildung her Literaturwissenschaftler, wird in Ostberlin Leiter eines Instituts zur Erforschung der Exilliteratur und bezieht mit Yvonne eine kleine Villa in Karlshorst. - Bernd beschließt in den Osten zu folgen. An der Humboldt-Uni nimmt er ein Studium für Geschichte und Kunstgeschichte auf und bekommt einen Aushilfsjob im Archäologischen Institut. - An der Uni ist er aber eher selten zu sehen. Stattdessen lebt er in den Tag hinein und für die Stunden mit Yvonne. Eines Tages wird Yvonne allerdings krank. So schwer, dass sie ins Krankenhaus muss. Er besucht sie dort. Seine Begeisterung für Yvonne sinkt auf den Nullpunkt. Diese kranke Frau da im Bett, ungeschminkt, unfrisiert, nicht schick angezogen, reizt ihn überhaupt nicht. Er ist angewidert, fühlt sich abgestoßen. - Er ruft Stephan an und gemeinsam treffen sich Yvonnes Mann und er sich an einem See. Dabei kommt es zu einen Unfall, Stephan droht zu ertrinken. Bernd rettet ihn. Und: er verliebt sich in den homosexuellen Stephan. Zwischen den beiden Männern beginnt eine erotische Beziehung. Bernd fühlt sich nun zu Stephan hingezogen. Er beichtet Yvonne, dass er mit Stephan geschlafen hat. Sie sagt ihm, dass sie dies vor kurzem auch gemacht hat, zum ersten Mal. - Für Bernd bricht eine Welt zusammen. Er fühlt sich betrogen, obwohl er selbst betrogen hat. Und dann kommt der Juni 1953, Zeit des sogenannten Volksaufstandes in der DDR. Bernd, der durchaus links denkt, ist bestürzt als er die sowjetischen Panzer erlebt, die versuchen die Situation unter Kontrolle zu bringen. Immer weniger sagen ihm die Zustände im Osten zu. - Am 17. Juni 1953 hat er sein Vorexamen. Er besteht es mit Eins und kurz darauf verteidigt er auch seine Dissertation erfolgreich. Er verläßt die DDR und damit auch Yvonne und Stephan. Ohne ein Wort nimmt er ein Taxi nach Westberlin. Sowohl inhaltlich als auch künstlerisch ist es ein sehr gelungener Roman. Der Autor kennt sich aus mit der Verwendung und der Wirkung rhetorischer Mittel. Gezielt nutzt er diese Fähigkeit. Gestaltet bewusst den Text. Durchgestaltet ihn. - Manchmal etwas zuviel des Guten aber. In dieser Häufung wirkt es an manchen Stellen überladen von Redemitteln. Konstruiert. Inhaltlich ist es ein ebenfalls weitestgehend gut durchdachter Plot. Die Handlungsfolge ist sehr spannend und interessant gearbeitet. Bernds suchen nach seinen Platz in der Welt. Sowohl in der privaten, der erotischen Welt, seiner kleinen Welt als auch in der großen Welt, die gekennzeichnet ist von dem zunehmenden Auseinanderwachsen der beiden deutschen Staaten und auch der beiden Teile Berlins. Allerdings: die Ereignisse um den 17. Juni 1953 werden hier sehr einseitig dargestellt. Der Autor geht auf die Normerhöhungen der DDR-Regierung und die miese Versorungslage in der DDR ein und bringt diese als DIE Ursachen für die Ausschreitungen ins Blickfeld. Völlig unterschlagen tut er, dass diese Ereignisse auch maßgeblich vom Westen unterstützt und gesteuert wurden, die miese versorgungslage auch durch den Weszen mitverursacht ist, denn der Schwindelkurs für DDR-Mark, Schiebereien und auch Menschen wie Bernd selber, die die Vorteile der DDR nutzten, sich in der DDR auf Kosten der Gesellschaft ausbilden ließen und dann in den Westen gingen, nur nahmen und nichts gaben, taten ihr Gutteil zu der Lage 1953 dazu- Raddatz verurteilt die Reaktion der DDR-Regierung auf die Ereignisse und auch den Einsatz der sowjetischen Streitkräfte. - Aber: wie würde es denn ausssehen, wenn in der BRD ein Generalstreik stattgefunden hätte und Menschenmassen Gefängnisbefreiungen durchgeführt hätten, Funktionäre und Polizisten ermorden würden und so weiter? - Der Generalstreik, der vom Westen und auch vom Autor für den Osten gutgeheißen, ist im Westen damals, genauso wie heute noch in der BRD, ebenfalls verboten. Streiks zur Durchsetzung politischer Forderungen ebenso. Die Bourgeoisie der BRD würde mit Sicherheit auch die schwersten Geschütze auffahren, wenn es zu einer solchen Situation käme. Und genauso wenn Gefängnisse erstürmt und Verbrecher befreit würden oder Funktionsträger des Staates und Mitglieder der Sicherheitskräfte von Demonstranten ermordet werden. - Kein Staat würde dies hinnehmen. - Zur Sicherung der staatlichen Ordnung hat die DDR ihre Mittel genutzt. - Nicht mehr und nicht weniger, grundsätzlich betrachtet. Das auch Raddatz da Geschichtsklitterung betreibt, hat mich dann etwas geärgert, denn ansonsten ist der Roman sehr historisch, also zeitbezogen realistisch. Ich erkläre mir dieses Manko bezüglich des 17. Juni 1953 damit, dass dies eventuell ein Zugeständnis war, damit sein Buch in Westdeutschland bei einem renommierten Verlag erscheinen konnte.

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  • Rezension zu "Der Wolkentrinker" von Fritz J. Raddatz

    Der Wolkentrinker
    michella propella

    michella propella

    berlin wenige momente vor der physischen trennung durch die mauer. ein junger mann studiert, zieht freiwillig von west nach ost - erhofft sich hier ein mehr an allem. er beginnt ein verhältnis mit seiner um jahre älteren lehrerin, dann mit deren mann. ein roman voller wendungen, voller poetischer wortgewalt und leisem gespür für den wandel einer wirren zeit vor dem hintergrund des schicksals eines jungen mannes, der sich entscheiden muss: für west oder ost, mann oder frau, ideologie oder individualität, zwischen kind sein oder erwachsen sein, zwischen sehnsucht und erfüllung.

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