Fritz J. Raddatz Tagebücher 1982 - 2001

(7)

Lovelybooks Bewertung

  • 8 Bibliotheken
  • 1 Follower
  • 2 Leser
  • 3 Rezensionen
(7)
(0)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Tagebücher 1982 - 2001“ von Fritz J. Raddatz

Ein Buch wie dieses hat es noch nicht gegeben. Von Augstein bis Marion Dönhoff, von Grass bis Enzensberger, von Hochhuth bis Kempowski zeigt es die deutschen Intellektuellen, ja überhaupt die ganze bundesrepublikanische Gesellschaft, wie sie so hellsichtig nie beschrieben worden ist: wahrgenommen mit dem Sensorium eines Hochempfindsamen, subjektiv und zutreffend, anteilnehmend, scharfzüngig. Das Buch, das von der Kritik immer erhofft, von den Schriftstellern aber nie geschrieben worden ist – der große Gesellschaftsroman der Bundesrepublik, das balzacsche Porträt unserer Zeit –, hier ist es. Und vermutlich war niemand so geeignet, es zu schreiben, wie Fritz J. Raddatz. In Deutschland ist er der widersprüchlichste Intellektuelle seiner Generation: anziehend durch seinen Witz, distanzierend durch seinen Eigensinn, geistreich, gebildet, streitbar und umstritten – und immer, bei aller Geselligkeit, von einer Empfindung der Unzugehörigkeit bestimmt. Schon in den sechziger Jahren hat Erich Kuby über ihn gesagt, daß für so jemanden in Deutschland eigentlich kein Platz sei. Kubys Urteil bestätigt sich im Lebensgefühl des Tagebuchschreibers. Raddatz zeigt sich hier unmaskiert, als hochmütiger Melancholiker und treuer Freund, als Hypochonder, Misanthrop, Zweifler. Das ist die Entstehensbedingung dieser Aufzeichnungen, die von Raddatz’ letzten Jahren als Feuilletonchef der ZEIT bis zum Beginn des neuen Jahrhunderts reichen und im Fall der Mauer, in der deutschen Wiedervereinigung ihren kontroversenreichen Mittelpunkt haben.

Stöbern in Biografie

Wir hier draußen

Ein sehr "spezielles" Thema mit einer für mich befremdlichen Umsetzung

Klusi

Nachtlichter

ein absolut lesenswertes Buch

eurydome

Ein deutsches Mädchen

Ein informativer Erfahrungsbericht, der unter die Haut geht und mehr als nachdenklich stimmt.

seschat

Dichterhäuser

Ein farbenprächtiger Bildband, der Appetit macht, sich mit der Lebens- und Arbeitsumgebung deutschsprahiger Dichter zu beschäftigen

Bellis-Perennis

Heute hat die Welt Geburtstag

Ein durchaus gelungenes und unterhaltsames Buch mit interessanten Einblicken hinter die Kulissen einer deutschen Band

Buchraettin

Der Lukas Rieger Code

Lukas Rieger über seinen Aufstieg leider weniger über sein Leben - keine Biografie

blaues-herzblatt

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Tagebücher" von Fritz J. Raddatz

    Tagebücher 1982 - 2001

    bogi

    09. February 2013 um 14:34

    Der Grossmeister des Feuilleton, Fritz J. Raddatz veröffentlicht hier seine Tagebücher 1982-2001. Dies geschah natürlich nicht zufällig, vielmehr, da in diesen beiden Dekaden viel politisch, gesellschaftlich und damit auch kulturell Bedeutsames geschah. Es werden die sogenannte Wende in Deutschland 1982, das Reaktorunglück in Tschernobyl, natürlich die deutsche Vereinigung, die Abwahl Kohls mit Installierung der rot-grünen Regierung gestreift. Dies erkennt man vielfach nur zwischen den Zeilen. Es finden naturgemäss hauptsächlich viele persönliche Beziehungen und Begebenheiten Eingang. So nimmt man teil an dem hinreissenden Umgang von Raddatz mit namhaften Künstlern, Schriftstellern und Journalisten. Hier bleiben auch Lästereien nicht aus. Als Zielscheibe seien Grass, Hochhuth, Augstein, Helmut Schmidt und fast die ganze Zeit-Redaktion erwähnt. Immer wieder vertraut der Schreiber seinem Tagebuch auch Situationen mit seinem Lebensgefährten an. Ich habe das Buch mit dem aller grössten Vergnügen gelesen. Raddatz erweist sich als humorvoll, sehr feinfühlig, durchaus aber auch als äusserst bissig. Nebenbei entsteht soeben auch eine Art Roman der 20 Jahre in Deutschland. Vielfach entsteht gar auch ein klossiges Gefühl im Hals, wenn man hinter den häufigen Sylt-Aufenthalten des Autors auch ein Stück grosse Einsamkeit vermutet. Für mich alles in Allem ein rundum gelungenes Buch. Allen mit Interesse am kulturellen Leben in Deutschland und dem geschichtlichen Hintergrund sei die Veröffentlichung wärmstens empfohlen.

    Mehr
  • Rezension zu "Tagebücher" von Fritz J. Raddatz

    Tagebücher 1982 - 2001

    Ritja

    25. January 2013 um 18:28

    Wie fange ich an? Man sollte Fritz Raddatz und die deutsche Literatur ein wenig kennen, sonst fühlt man sich wohl bald verloren zwischen den Damen und Herren der Literatur, des Journalismus und der Verlagshäuser. Raddatz schafft mit seinen Tagebüchern einen unglaublich interessanten und spannenden Einblick in die Welt der Literatur und der Verlage. Viele bekannte Namen tauchen in seinem Leben auf und er zeigt recht schonungslos deren wahres Gesicht. Hart und präzise geht er dabei vor. Die kleinen und großen Intrigen werden aufgezeigt, die manchmal hochgelobten Autoren bekommen durch ihn eine menschlichere Seite und wirken dadurch nicht mehr allzu distanziert und entfernt. Viele Macken und Eigenarten einiger Autoren z.B. Grass, Gaus, Brasch und Kempowski schreibt er nieder...manchmal regt er sich auf und manchmal sorgt er sich, um seine guten Freunde. Oft wirkt er unsicher und mit sich hadernd, wenn er wieder über Macht, Geld, Liebe und Tod nachdenkt. Seine große Liebe hat er verloren und selbst nach Jahren bedrückt ihn das Geschehene. Er macht sich Gedanken über die Entwicklung, über die Auswirkungen des Mauerfalls (denn er ist ein DDR-Ausreisender) und was mit ihm passiert, wenn er mal nicht mehr schreiben kann oder keiner ihn mehr lesen will. Immer kämpft um seine Anerkennung und den Respekt für seine Arbeit. Das Buch war für mich sehr interessant und durch Herrn Raddatz habe ich so manches jetzt besser verstanden (in selten steht es in dieser ehrlichen und direkten Form in der Zeitung). Wer sich nicht vor den vielen Seiten scheut, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen. Eine bisher (für mich) unbekannte und spannende Sicht auf die Literatur- und Verlagswelt.

    Mehr
  • Rezension zu "Tagebücher" von Fritz J. Raddatz

    Tagebücher 1982 - 2001

    Lysander

    28. December 2012 um 13:18

    Ein Eintrag vom 23.10.2000 hat mich am meisten berührt. Raddatz sinniert über die Liebe und über die Beziehung zu seinem Lebenspartner: "Das Streicheln nimmt ab, das Streicheln in Gedanken nimmt zu, es ist eine andere Zärtlichkeit, und ich weiß nicht, welche die 'ehrlichere' ist." Tagebücher haben etwas Voyeuristisches. Was für ein Erlebnis, 20 Jahre aus dem Leben eines so interessanten Menschen mitverfolgen zu dürfen, wie großartig und gebildet sind die Reflexionen Raddatz' im Vergleich zu dem, was Millionen Menschen heutzutage täglich auf Facebook posten - auch das sind ja "Tagebuchnotizen", aber sie sind meistens so unendlich banal im Vergleich zu denen des "Großkritikers", der letztlich immer auch ein enfant terrible der deutschen Kulturszene war. Die veröffentlichten Aufzeichnungen beginnen 1982, bald nach Raddatz 50. Geburtstag. Oft beschäftigt er sich auch zu dieser Zeit bereits mit dem Tod. Seine Eintragungen sind getrieben von dem Wunsch, etwas zu bewahren; vielfach packt ihn die Furcht, das Leben könne so nicht mehr weiter gehen - so: d. h. ein Leben mit einem gewissen Luxus (große Wohnung in Hamburg, Ferienwohnung auf Sylt, später auch in Nizza), und immer wieder die Reisen, um auf den Spuren berühmter Schriftsteller (z. B. Hauptmann, Faulkner) zu wandeln oder diese persönlich zu treffen (z. B. Garcia Marquez, Baldwin). Raddatz schreibt schonungslos. Er lässt uns teilhaben an seinen zahlreichen persönlichen Begegnungen mit seinem Freund Günter Grass, mit Walter Kempowski, Thomas Brasch und vielen anderen. Er lästert über die Gräfin Dönhoff, über Gerd Bucerius, über Marcel Reich-Ranicki und Rudolf Augstein. Auch Details über einige seiner sexuellen Affären und Phantasien werden nicht ausgelassen. All dies ist zutiefst menschlich und über weite Strecken sehr melancholisch. Immer wieder fragte ich mich beim Lesen, wie der heute 81jährige jetzt wohl lebt, was ihn umtreibt, ob er bei guter Gesundheit ist. Und immer wieder fragte ich mich auch, wie viele solcher Persönlichkeiten es heute überhaupt noch geben mag. Raddatz hat als Journalist und Buchautor Kulturgeschichte geschrieben. Seine Tagebücher sind Teil davon: Ein spannender Rundumschlag zur Geschichte der deutschen Kultur von 1982 bis 2001.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks