Fritz Leiber Hexenvolk

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Inhaltsangabe zu „Hexenvolk“ von Fritz Leiber

Hinter jedem großen Mann, so das populäre Sprichwort, steht eine große Frau … womöglich gar eine mit Zauberkräften? Was, wenn die zahlreichen Errungenschaften, auf die man(n) so stolz ist, gar nicht denkbar wären, würde Frau nicht ab und zu hilfreich und mit magischen Tricks eingreifen? Das muß der Universitätsprofessor Norman Saylor am eigenen Leib erfahren, als er seiner Frau Tansy verbietet, seine Karriere mittels Zauberei zu fördern … sein Leben wird zum Alptraum, aus dem es kein Entrinnen gibt.
ungekürzte Neuübersetzung von The Conjure wife

erblickte 1943 das Licht der Welt und gilt heute als eines der einflussreichsten Werke moderner Horror-Literatur.

— Nymphenbad

ein Roman über Hexen

— Ein LovelyBooks-Nutzer

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  • Die Überlagerung der wissenschaftlichen Methode mit der grassierenden Zauberei

    Hexenvolk

    Nymphenbad

    24. April 2018 um 20:16

    Wenige Schriftsteller des frühen 20. Jahrhunderts führten ein bewegteres Leben als Fritz Leiber. Er war ein brillanter Schachspieler, Prediger, Lehrer, ein Meister im Fechten, Theaterschauspieler (vornehmlich für Shakespeare-Rollen), und hatte sogar einen Film mit Greta Garbo zusammen gedreht. Der große Wurf allerdings gelang ihm im Zusammenhang mit einem Spiel: Dungeons & Dragons, dem Klassiker des Rollenspiels, für das die bahnbrechende epische Heldengeschichte von Fafhrd und dem Grauen Mausling Pate stand. Bis heute sind deren Abenteuer die bekanntesten Geschichten des großen amerikanischen Autors. Dabei legte Leiber den Fokus gar nicht so sehr auf das Schreiben, begann damit erst in seinem dreißigsten Lebensjahr, freilich unter dem Einfluss von Autoren wie Lovecraft (der sein Mentor wurde), Carl Jung, Robert Graves oder Joseph Campbell. Sein Debüt, Conjure Wife (Die zaubernde Ehefrau; übersetzt mit "Hexenvolk", ungekürzt erschienen in der Edition Phantasia - siehe Artikelende) erblickte 1943 das Licht der Welt, und gilt heute als eines der einflussreichsten Werke moderner Horror-Literatur. Alle paar Jahrzehnte kommt es zu einer filmischen Adaption (1944, 1961 u. 1980). United Artist hat sich die Rechte an einer vierten Variante gesichert. Der Roman beginnt mit John Saylor, einem Professor an einem kleinen College in New England, der sich, eher spontan und zufällig, etwas im Ankleidezimmer seiner Frau umsieht. Zwischen allerlei kosmetischen Artikeln findet er Friedhofserde, Paketchen voller Haar oder abgeschnittenen Fingernägeln, Beschwörungsformeln, die in ein Buch gekritzelt wurden, Hufnägel, ungewöhnliche Pflanzenextrakte ... und noch einiges mehr. Kurz gesagt: Tansy Sailor ist eine Hexe. Sailors Frau überrascht ihn mitten in seiner Entdeckungsreise durch ihre magischen Utensilien. Während der nachfolgenden Konfrontation gibt sie ihre Besessenheit von Zauber und Magie zu. Die Ironie an der Sache ist, dass ihr Mann, Professor für Soziologie, ein engagierter Rationalist ist, der seine Karriere dem Entlarven primitiven Aberglaubens gewidmet hat, und der jetzt erfahren muss, dass seine Frau seine Forschungen und Exkursionen dazu in Anspruch genommen hat, ihr Arsenal an magischen Praktiken zu entwickeln. Die Gegenüberstellung verschiedener Versionen einer Wirklichkeitsauffassung ist eine der Freuden konzeptioneller Literatur (jene Non-realistische Tradition der Literatur), und Leiber macht in diesem Roman wirklich eine Menge aus den widersprüchlichen Welten. Die Überlagerung der wissenschaftlichen Methode mit der grassierenden Zauberei in der gleichen Erzählung, lässt die Darwin-versus-Kreationismus-Debatte wie einen Kaffeehaus-Streit wirken. Und obwohl sich Meister der Pulp Fiction wie Leiber in der Regel mehr mit Handlung als mit philosophischen Resonanzen beschäftigen, gelingt ihm die Überraschung, beides in einem kompakten Roman unterzubringen. Unter dem Druck ihres Ehemanns, akzeptiert Tansy ihr Verhalten als pathologisch und stimmt der Vernichtung ihrer Utensilien zu. Eine schlechte Entscheidung! Gleich nach der flammenden Reinigung geschehen Professor Sailor die merkwürdigsten Dinge. Falsche Anschuldigungen werden vorgebracht, neue Gegnerschaften entstehen, alte Geheimnisse werden aus der Versenkung geholt. Noch schlimmer aber: das tödlichste Spiel von allen - Fakultätspolitik - richtet sich nun gegen ihn. Hat er einen Fehler bei der Beseitigung des ganzen Schutzzaubers begangen? Oder hat sein tadellos rationelles Denken Schaden durch die verrückten Überzeugungen seiner Frau genommen? Mittlerweile scheint sie glücklich ohne ein Leben mit Magie zu sein, und würde er mit ihr über seine zunehmenden Probleme sprechen, könnte sie das wieder zu ihrem ungesunden Verhalten zwingen. Aber trotzdem ... Leiber entwickelt die Geschichte mit viel Geschick, hält in diesem Drama die Waage zwischen Humor und Ironie. Vierzig Jahre vor Updikes "Hexen von Eastwick" - das wie Leibers "Hexenvolk" in schöner Regelmäßigkeit für andere Genres bearbeitet wurde - fängt Leiber die pikanten Details einer Geschichte über Zauberei ein, die in einem modernen New England spielt. Fern also von jedem "Gothic-Touch" und 19. Jahrhundert-Geisterei. Der Erfolg solcher Geschichten ist kaum verwunderlich, denn der Aberglaube hat unsere Welt nie wirklich verlassen. Fast zur gleichen Zeit mit dem Erscheinen von Updikes Buch, erklärte ein US-Gericht "Wicca" zu einer Religion, was "Hexerei" zu einer interessanteren Geschichte machte als andere New-Age-Bewegungen. Erschienen ist dieses Buch in Joachim Körbers Edition Phantasia. Und dort natürlich auch die wirklich überragenden Abenteuer von Fafhrd und dem Grauen Mausling.

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  • ein Roman über Hexen

    Hexenvolk

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    22. February 2017 um 10:46

    Der Hauptcharakter (ein Uni-Prof) und sein engeres Umfeld (andere Uni-Pros und deren Frauen) werden liebevoll und detailliert beschrieben - immer wieder erfährt man im Laufe der Geschichte Neues. Leiber hat mit einem wichtigen Moment der ganzen Geschichte praktisch ohne große Vorrede begonnen: er entdeckt, dass seine Frau okkultistische Figuren und Sprüche in ihrem Haus versteckt. Natürlich glaube er nicht daran, verbrennt die Puppen und es scheint sich erstmal nichts zu ändern. Aber er merkt, dass seine bisher gut verlaufende Karriere ins Stocken gerät... Es dauert etwas, bis "Hexenvolk" wirklich spannend ist; aus heutiger Sicht dauert es mir deutlich zu lange. Aber wer durchhält, wird belohnt. "Hexenvolk" ist sowas wie die Essenz einer nicht-mittelalterlichen Hexengeschichte in klarer Form. Das ist Fritz Leieber schlichtweg beeindruckend gelungen. Gerade gegen Ende winden sich sich Wendungen, vieles unerwartete passiert und auch auf den letzten Seiten wird noch mal alles rumgerissen. Wenn man im Hinterkopf hat, dass dieses Buch 70 Jahre alt ist, dann hat Leiber für damaligen Verhältnisse ein fast visionäres Buch geschrieben.

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