Fritzi S. Fischer

 5 Sterne bei 5 Bewertungen

Lebenslauf

Fritzi S. Fischer wuchs im Ruhrgebiet auf, wo sie mit ihrem Mann auch heute wieder lebt, und entdeckte das Schreiben in ihrer frühen Jugend für sich – zum Leidwesen ihrer Deutschlehrer konnte sie ihre Vorliebe für Geschichten gut von ihrer schulischen Laufbahn trennen. Erst nach ihrem Abitur befasste sie sich näher mit den handwerklichen Raffinessen und Tücken des Schreibens, tauschte sich mit anderen Schreibenden aus und beleuchtete in ihren Werken besonders gern gesellschaftliche Themen. Seit 2022 veröffentlicht sie ihre Geschichten auch jenseits von Schreibforen.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Fritzi S. Fischer

Cover des Buches Vom Regen in die Hölle (ISBN: 9783347682757)

Vom Regen in die Hölle

(3)
Erschienen am 11.09.2022
Cover des Buches Frei wie ein Parasit (ISBN: 9783384498359)

Frei wie ein Parasit

(2)
Erschienen am 11.09.2025

Neue Rezensionen zu Fritzi S. Fischer

Cover des Buches Frei wie ein Parasit (ISBN: 9783384498359)
Annemarie_Bruhnss avatar

Rezension zu "Frei wie ein Parasit" von Fritzi S. Fischer

Annemarie_Bruhns
Kampf um ein lohnenswertes Leben

Koras Kampf um ein lohnenswertes Leben ist noch nicht vorbei.


Die Haftstrafe verbüßt, steht sie schneller als sie es planen konnte wieder auf der anderen Seite der Gitterstäbe, aber ihre Situation ist weiterhin kritisch.


Es wartet keine Wohnung, keine Arbeit, stattdessen sind die düsteren Stimmen im Inneren laut genauso wie die realen abfälligen Blicke der Gesellschaft.


Aber Kora kämpft, geht einen Schritt nach den anderen und auch ihre Zufallsbekanntschaft Christian versucht zu helfen, ohne zu bevormunden.


Der Roman zeigt wie viele Stolpersteine in unserem System existieren und wie angebliche Hilfestellungen von Stacheldraht umwickelt sind. Nichts wird beschönigt und nichts dramatisiert.


Unbedingte Leseempfehlung für alle, die sich trauen, sich der Realität zu stellen.

Cover des Buches Frei wie ein Parasit (ISBN: 9783384498359)
reziprovs avatar

Rezension zu "Frei wie ein Parasit" von Fritzi S. Fischer

reziprov
Erneut ein tiefer Einblick in unsere Sozialsysteme

Inhalt:

Nora wird nach einem Drogendelikt vorzeitig aus der Haft entlassen und – landet erst mal auf der Straße, denn damit hat sie nicht gerechnet. Alles, was nun plötzlich auf sie einstürzt an notwendigen Behördengängen und anderen wichtigen Dingen, droht sie zu überfordern. Zum Glück hilft ihr Christian. Doch seine Verbindung zu ihr, bringt ihn in ganz eigene Schwierigkeiten.


Meine Meinung:

Bei einem Buch wie „Frei wie ein Parasit“ als Fortsetzung von „Vom Leben in die Hölle“ davon zu sprechen, dass man sich darauf gefreut hat, trifft es eigentlich irgendwie nicht so ganz. Zu beklemmend sind die Themen, die Autorin Fritzi S. Fischer hier behandelt. Zu bedrückend ist das Schicksal der Protagonistin und sind die Schicksalsschläge, die sie immer wieder einstecken muss.

Und dennoch habe ich mich gefreut, erneut auf die doch irgendwie lieb gewonnenen Charaktere zu treffen, denn wenn die Autorin etwas geschafft hat, dann ihre Protagonist*innen menschlich erscheinen zu lassen. 


Wer denkt, dass nach verbüßter Haftstrafe und nominaler Rehabilitation alle Probleme vom Tisch sind, den belehrt diese sehr reale Fiktion eines Besseren. Ich konnte sehr gut nachvollziehen, wie die plötzliche Entlassung Noras aus den geregelten Abläufen des Strafvollzugs hinein in die volle Eigenverantlichkeit für Überforderung sorgt. 

Doch nicht nur die plötzlich notwendigen Behördengänge, Wohnungssuche und ihre Vergangenheit machen es Nora schwer, wieder auf die Füße zu kommen und nicht abzurutschen, sondern auch Willkür und ein Gesellschaftssystem, dass gnadenlos bestraft, wenn man mal nicht „funktioniert“.

Hinzu kommt die Stigmatisierung. Diese wird nicht nur von außen herangetragen, sondern spielt sich auch sehr intensiv in Koras eigenem Kopf ab. Der Titel „Frei wie ein Parasit“ bringt das schön auf den Punkt, denn in nahezu jeder Debatte, die man zuletzt in Talkshows und Magazinen verfolgen konnte, wird dieses Bild geschärft und zum Feindbild erhoben. Schaut man sich dann mal reale Zahlen an, wird einem klar, dass in der Realität bestenfalls ein verschwindend geringer Teil Menschen in den Sozialsystemen diesem Bild gerecht wird. 


Doch zurück zum Buch. Ich fand es bedrückend zu sehen, wie oft das System Nora Knüppel zwischen die Beine wirft und vor allem, wie sehr es mit den Menschen innerhalb des Systems steht und fällt. Das ganze Konstrukt könnte soviel effizienter laufen, würde man sich mehr auf Menschlichkeit konzentrieren, anstatt durch Druck, auch auf die in der Vermittlung tätigen Personen, Hürden aufzubauen.


Sehr gut gefallen hat mir wieder, dass Fritzi S. Fischer auch diesmal kein Schwarz-Weiß-Bild malt. Sie zeigt Stärken und Schwächen des Systems auf, aber auch, dass es auch von der Bereitschaft zur Mitarbeit der Menschen im System abhängt, wie gut, oder schlecht es funktioniert. 


Auch die Helfer, die von außerhalb des Systems Betroffenen Unterstützung bieten, nimmt die Autorin mit der Figur von Christian gezielt in den Blick. Deutlich wird, dass Hilfe zwar nötig und meist auch willkommen wäre, aber der eigene Stolz und Selbststigmatisierung der Betroffenen die Annahme oft erschwert. So müssen Helfer lernen, dass sie nur da helfen können, wo das auch zugelassen wird. Dass es dabei auch Gefahren und Fallstricke gibt, macht es für Freiwillige nicht einfacher.


Eine absolut lesenswerte Fortsetzung, in der ich mehr über unsere Sozialsysteme gelernt habe, als in meiner gesamten Schulzeit, oder durch diverse Talkshows. Eine Buchreihe, die ich gerne als Pflichtlektüre allen Politiker*innen verordnen würde, die sich in irgendeiner Weise zum Thema unserer Sozialsysteme äußern wollen.
Möglicherweise würde da das ein- oder andere Würstchen im Hals stecken bleiben.

Cover des Buches Vom Regen in die Hölle (ISBN: 9783347682757)
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Rezension zu "Vom Regen in die Hölle" von Fritzi S. Fischer

Joel_Nicholas_Krehl
Über eine Protagonistin mit Kämpferherz und eine Gesellschaft, die ihre besten Menschen, eigentlich gar nicht verdient hat

„Vom Regen in die Hölle“ von Fritzi S. Fischer ist ein gesellschaftskritischer Roman, der einen dazu anregt über so manchen Tellerrand hinauszuschauen. Auf schonungslose und doch einfühlsame Weise zeigt uns die Autorin wie schnell es im Leben geschehen kann, den Boden unter den Füßen zu verlieren und so tief zu fallen, dass es unmöglich scheint, wieder auf die Beine zu kommen.

Inhalt:

Zu Beginn der Geschichte werden wir direkt in eine Gefängniszelle gesteckt – zu Kora Ottmann, der Hauptprotagonistin, die dort wegen einer eigentlich relativ harmlosen Dummheit einsitzt. Dass dies nur der kleine Anstoß ist, der eine Reihe von Ereignissen nach sich zieht, wie Dominosteine, die einander zu Fall bringen, müssen wir im Verlauf des Buches hilflos mit ansehen. Teilweise paralysiert vor Entsetzten verfolgte ich beim Lesen mit, wie Kora in einen Strudel gerät, der sie immer weiter abwärts spült – von einer jungen und recht naiven Frau, die den Wunsch hat, ihre Schreinerlehre erfolgreich abzuschließen, zu einer arbeitslosen Frau ohne Obdach, der plötzlich jeder Weg zurück in die Gesellschaft verwehrt zu sein scheint. Und dabei ist ihr fehlender Wohnsitz noch ihr geringstes Problem. Doch Kora hat ein Kämpferherz und wir als Leser werden emotional eingespannt, während wir mit ihr bangen, kämpfen, lachen, leiden und hoffen.

Charaktere:

Kora ist ein Charakter, den ich von Anfang an in mein Herz geschlossen habe. Durch ihren von Sarkasmus gefärbten Humor, der manchmal selbst in den dunkelsten Momenten ihre Gedanken beherrscht, brachte sie mich trotz des überwiegend ernsten Themas oft zum Schmunzeln. Sie ist ein unglaublich starker Charakter, der mutiger ist, als sie selbst ahnt und viel zäher, als manch einer, der denkt er sei ein harter Hund. Während des Lesens wollte ich Kora beinahe genauso oft anschreien und schütteln, wie ich sie in den Arm nehmen und trösten wollte. Ein Beweis dafür, dass Fritzi S. Fischer es verstehet, ihren Protagonisten Tiefgang zu verleihen; ihnen eine Seele zu schenken.

Neben Kora habe ich auch den angehenden Rettungssanitäter Christian ins Herz geschlossen, dem Kora (dankenswerterweise) öfter mal über den Weg läuft. Mit seinem Gut-Herz hat er mich quasi im Sturm erobert und so war es für mich jedes Mal ein Vergnügen, auch aus seiner Perspektive dem Lauf der Geschichte zu folgen.

Mit dem obdachlosen Merlin ist der Autorin ein Volltreffer mit dem Pfeil in mein Leserherz gelungen. Über Merlin will ich nicht zu viel verraten, nur dass neben dem sozialkritischen Grundthema ein weiterer – meiner Meinung nach echt wichtiger – Aspekt aufgezeigt wird, der unsere Möchtegernmoral ordentlich infrage stellt.

Mein Fazit:

Wäre das Buch von einem anderen Autoren/ einer anderen Autorin hätte ich es vermutlich nie gelesen. Warum? Es ist realitätsnah. Es ist gesellschaftskritisch. Es behandelt Themen, die ordentlich unter die Haut gehen ... Mit anderen Worten: Es enthält alles, vor dem ich gern fliehen würde, auch in Büchern. Aber ich bin so unendlich froh, dass ich nicht geflohen bin und dass ich Kora auf ihrem Weg begleiten durfte. Mehrmals wurde mir im Laufe der Geschichte ein Spiegel vor die Augen gehalten, sodass ich über mich lernen durfte, dass auch ich viel zu oft zu schnell urteile. Das Buch zeigt auf, wie schnell wir uns daran gewöhnen auf unserem hohen Ross zu sitzen, sodass wir es fast gar nicht mehr bemerken, wie schnell wir andere aufgrund von Äußerlichkeiten in eine Schublade stecken, ohne uns Gedanken über die Hintergründe zu machen. Das Buch macht Angst! Angst davor, wie schnell auch uns so ein gesellschaftlicher „Abstieg“ drohen kann. Gleichzeitig macht es aber auch Mut, weil Menschen wie Merlin und Christian darin vorkommen, die alle ein Stück besser sind, als die meisten von uns Lesern es je sein werden.

Das Buch (Hardcover) umfasst 523 Seiten und es ist mir nicht in einer Sekunde langweilig geworden. Schreibstil und Ausdruck der Autorin machen das Lesen zu einem wahren Genuss. Der Humor (ja, oft sehr schwarzer Humor), sorgt dafür, dass man trotz des schweren Themas auch etwas zum Lachen hat. Wer gut damit klarkommt, mit der oft unschönen und schonungslosen Realität konfrontiert zu werden; wer gut durchrecherchierte Geschichten mag; wer Charaktere mit Tiefgang liebt; wer auf anspruchsvolle Sprache und feinen Humor steht und vor allem wer für Selbstkritik und für nachdenkliche Stunden offen ist, für den ist „Vom Regen in die Hölle“ ein wahres Muss.

Wichtiger Fakt: Fritzi S. Fischer spendet den Erlös des Buches übrigens an das Projekt „Housing-First-Fonds“, das Wohnungslose dabei unterstützt, wieder Zugang zu Wohnraum zu erlangen. 

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