Fuminori Nakamura

 4 Sterne bei 207 Bewertungen
Autor von Der Dieb, Der Revolver und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Ausgezeichnete Literatur aus dem Land der aufgehenden Sonne: Fuminori Nakamura wird 1977 in Tōkai geboren und studiert an der Universität Fukushima Öffentliche Verwaltung und Staatsverwaltung. Er schließt sein Studium im Jahr 2000 ab und lebt heute in Tokio. 2003 veröffentlicht er seinen Debütroman „Ju“ (dt.: „Pistole“). In seinem Heimatland Japan sind bereits über ein Dutzend Bücher Nakamuras veröffentlicht worden, viele davon wurden auch in andere Sprachen übersetzt, darunter Englisch und Spanisch. Für seine Werke wird Nakamura mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, beispielsweise 2010 mit dem Ōe-Kenzaburō-Preis für seinen Roman „Suri“. Dieser ist gleichzeitig das erste Buch des Autors, das auch ins Deutsche übersetzt wird. „Suri“ erscheint 2015 unter dem Titel „Der Dieb“ und erzählt, wie der Titel vermuten lässt, die Geschichte eines Diebes in den belebten Tokioter U-Bahnen, den seine Vergangenheit einholt und ihm gefährlich wird. Neben „Der Dieb“ zählt auch „Die Maske“ zu Nakamuras bekanntesten und beliebtesten Werken. Sein Stil ist beeinflusst von Franz Kafka und Fjodor Dostojewski.

Neue Bücher

Cover des Buches Die Flucht (ISBN: 9783257072853)

Die Flucht

 (10)
Neu erschienen am 19.03.2024 als Gebundenes Buch bei Diogenes.

Alle Bücher von Fuminori Nakamura

Cover des Buches Der Dieb (ISBN: 9783257243765)

Der Dieb

 (87)
Erschienen am 17.01.2017
Cover des Buches Die Maske (ISBN: 9783257244816)

Die Maske

 (52)
Erschienen am 19.03.2019
Cover des Buches Der Revolver (ISBN: 9783257245844)

Der Revolver

 (52)
Erschienen am 27.04.2021
Cover des Buches Die Flucht (ISBN: 9783257072853)

Die Flucht

 (10)
Erschienen am 19.03.2024
Cover des Buches My Annihilation (ISBN: 9781641292726)

My Annihilation

 (2)
Erschienen am 11.01.2022
Cover des Buches Last Winter We Parted (ISBN: 9781616954550)

Last Winter We Parted

 (1)
Erschienen am 21.10.2014
Cover des Buches The Kingdom: A Novel (ISBN: 9781616958107)

The Kingdom: A Novel

 (1)
Erschienen am 04.04.2017
Cover des Buches The Rope Artist (ISBN: 9781641293259)

The Rope Artist

 (1)
Erschienen am 02.05.2023

Neue Rezensionen zu Fuminori Nakamura

Cover des Buches Der Dieb (ISBN: 9783257243765)
Tilman_Schneiders avatar

Rezension zu "Der Dieb" von Fuminori Nakamura

großes Buch
Tilman_Schneidervor 2 Tagen

Es geht ganz schnell. Ganz dicht drängt er sich an den Mann heran und seine Finger werden zur Pinzette und er fischt den Geldbeutel aus dem Jackett. In Tokio geht er um und ist ein Dieb und auch einer, der vor sich, seiner Geschichte und seiner Vergangenheit flüchtet. Als er eine Mutter mit ihrem Sohn beim Klauen im Supermarkt beobachtet, greift er ein und hilft dem Jungen und langsam erweicht dieser sein Herz und er wird sein Mentor und Begleiter, aber dann holt ihn seine Geschichte ein. Ein Sog, eine toll geschrieben Geschichte und ein ganz eigener Stil. Nakamura ist ein großer Erzähler.

Cover des Buches Die Flucht (ISBN: 9783257072853)
Bajos avatar

Rezension zu "Die Flucht" von Fuminori Nakamura

anstrengende Lektüre
Bajovor 20 Tagen

Dieser Roman handelt von einer Trompete, der, im 2. Weltkrieg von einer Militärkapelle gespielt, übernatürliche Kräfte nachgesagt werden. Eingesetzt wurde sie in den Kampfhandlungen zwischen Japanern und Amerikanern vom Mitglied des Musikkorps und Soldaten Suzuki. Später, wir befinden uns in der heutigen Zeit mit Smartphones, globaler Vernetzung durch Internet, den sog. sozialen Medien mit Influenzern, Twitter etc. pp., ist der junge japanische Schriftsteller Kenji Yamamine in den Besitz der Trompete gelangt. Nachdem seine große Liebe Anh in Japan getötet wurde, ist er mit der Trompete nach Köln geflohen. Hier wird er von mysteriösen Gestalten verfolgt, die ihm die Trompete abjagen wollen. 

Soweit die grobe Rahmenhandlung des Romans. Das, was diesen fast 600 Seiten langen Roman ausmacht, ist das innerhalb dieses Romans Erzählte. Und das ist nicht wenig ! Der Leser erhält einen umfassenden Einblick in die japanische Geschichte, insbesondere in die Christenverfolgung in Japan, bis zurück ins 16. Jahrhundert, in die historischen Verbindungen Japans zu China, Frankreich, den Philippinen, Thailand, Vietnam, den USA. Thematisiert werden auch die Judenverfolgung in Nazideutschland, die Konzentrationslager in Dachau und Auschwitz.

Auch aktuelle Gesellschaftskritik findet Eingang in diesen Roman. Die unheilvolle Macht der sog. sozialen Medien, von Fake News, der globale Rechtsruck der politischen Systeme, der Einfluss von Sekten, hier bleibt nichts unerwähnt. Schonungslos und teilweise sprachgewaltig werden die Grausamkeiten des Krieges mit Vergewaltigungen und Folter, die Atombombenabwürfe auf Nagasaki im 2. Weltkrieg, desgleichen die grausamen und brutalen Verfolgungen Andersgläubiger geschildert. 

Berichtet wird aus der Perspektive des jungen Kenji und schließlich aus der Perspektive des Musikers und Soldaten Suzuki. Es sind höchst interessante Gedanken und Erkenntnisse, die Nakamura hier liefert. Was mir jedoch gefehlt hat, war die Einbindung in den Gesamtzusammenhang des Erzählten. Ist es wirklich ein Roman, den ich gerade lese, habe ich mich gefragt oder sind es eher Essays, eingebettet in die Rahmenhandlung um die Trompete oder ist es ein Sachbuch über die Geschichte Japans ? Dieses Buch hat von allem etwas und das alles erschien mir nicht harmonisch zusammengefügt. 

So habe ich mich durch die Seiten gequält, angetrieben von der Neugier, ob, wie und wann das Geheimnis um die Trompete und ihre Verfolger endlich gelüftet wird. Dieses Spannungsmoment wurde leider sehr stark geschmälert durch die m. E. zähflüssig zu lesenden essayhaften Ausführungen zu den oben genannten Themen.

Klar ist, dass es sich hier nicht um einen Wohlfühlroman handelt. Nakamura vermittelt einen ungeschönten und schonungslosen Blick sowohl auf die Zeit, in der wir leben, als auch auf die Menschheitsgeschichte. Doch das tun andere Werke der Literatur auch, ohne sich im Essayistischen und in der Wiedergabe historischer Fakten zu verzetteln. Hervorzuheben ist das literarische Talent des Autors, das u. a. in der Art, wie er wortgewaltig von der Gräueln des Krieges erzählt, wie ein funkelnder Diamant immer wieder aufblitzt.

Ich vergebe 3 Sterne.

Cover des Buches Die Flucht (ISBN: 9783257072853)
wandablues avatar

Rezension zu "Die Flucht" von Fuminori Nakamura

Von Geschichtskittung und Leugnung
wandabluevor 23 Tagen

Dass die Welt nicht gerecht ist, obwohl wir uns alle dies so sehr wünschen, wissen wir alle. Und doch ist unsere Sehnsucht nach Gerechtigkeit so groß, dass wir zumindest in der Film- und Literaturbranche nach Geschichten gieren, die einen sogenannten Gerechte-Welt-Glauben bedienen. Auch in der bildenden Kunst ziehen wir Gemälde mit leuchtenden Sonnenblumen in aller Regel den Gemälden vor, die das blutige Schlachtgetümmel eines Krieges darstellen. 

Egal, wie grauslich eine Story ist, am Ende einer Story, die dem Gerechte-Welt-Glauben frönt, sind die Bösen tot oder hinter Gittern und die Guten leben in Glück und Wohlstand. Bravo. Und falls sie nicht im Wohlstand leben, sind sie dennoch glücklich und beklagen sich nie, geschweige denn, dass sie demonstrierend und protestierend auf die Straße gingen. Oder Pflastersteine würfen. Deswegen lieben die einen John Wayne und alte Cowboyfilme und die anderen Rosamunde-Pilcher-Filme. Ich mag Rosamunde-Pilcher-Filme, wenn es Rotwein dazu gibt und weil die Schauspieler immer schön sind und rank und schlank bis ins hohe Alter. Demenz, Krankheit, Morde, Gewalt, prekäre wirtschaftliche Verhältnisse, Kriege – nichts davon im Sonntagsfilm im ZDF. Ich darf den nicht angucken (fast nie), weil „der andere“ im Haushalt, gewohnheitsmäßig Tatort guckt. Mit Mord, Totschlag und allem, was dazu gehört. Cowboy- und Pilcherfilme haben keine Grauzonen. „Die Flucht“ hat. Die Helden sind nicht heldenhaft. Die Bösen sind nur Menschen.

Die Filmbranche und die Verlagshäuser wissen genau, wie sehr wir die Seelchenstreichelprodukte brauchen und verdienen mit den sogenannten Lädchenbüchern (Das kleine Café am Strand) gutes Geld. Es ist zwar so, dass im kleinen Café am Strand auch tüchtig geackert werden muss, aber dieses Detail ist zu vernachlässigen. Wenn genug verdient wurde, können die Verlagshäuser auch die unangenehmen Romane auflegen. Und „Die Flucht“ ist so einer, ein unangenehmer Roman, bei dem man ab und zu speien möchte, weil, verflixt und zugenäht – was nimmt sich der Autor heraus? fiese, unerträgliche Realität abgebildet wird. 

Der Autor weiß, was er tut, denn er fragt im Roman zum wiederholten Male, was denn die Aufgabe von Literatur sei und „ob man den Menschen einen Gefallen tut, wenn man ihnen die Geschichten gibt, die sie sich wünschen“ (Zitat). Nein, natürlich nicht, sie verblöden. Aber dabei fühlen sie sich wohl und wenn sie sich wohl fühlen, konsumieren sie mehr (Rotwein, Satzstangen, Ledergarnituren zum sich drin räkeln). Nakamura gibt dir nicht, was du willst, da kannst du sicher sein; es fängt schon beim magischen Realismus an. Obwohl, den mögen ja manche! Ich aber nicht. Andererseits, magischer Realimus stört mich auch nicht. Alles, was ich im Roman nicht verstehe, ist vermutlich auf den magischen Realismus zurückzuführen. 

Zur Handlung – endlich! 
Um eine Trompete, die in Manila wiedergefunden wird und wahrscheinlich einem japanischen Musiker namens Suzuki gehörte, ranken sich Legenden. Sie soll im Zweiten Weltkrieg von ihm gespielt worden sind und durch die Magie ihres Klanges die japanischen Truppen dazu befähigt haben, mit einer überlegenen amerikanischen Einheit fertig zu werden. Durch Zufall gelangt sie in die Hände eines japanischen Enthüllungsjournalisten namens Kenji Yamamine, der sie versteckt hält und gegen alle Aneignungsversuche magischer und weltlicher Kräfte unter Einsatz seines Lebens beschützt, um sie den Erben des ursprünglichen Besitzers zurückzugeben. Dabei geht er drauf. Geister, (vermutlich) Untote, Sektenführer und Regierung/en jagen der Trompete nach und jagen Kenji Yamamime in den Untergrund. Das ist die Rahmenhandlung, die sich spannender anhört als sie ist. Zur Zeit und zur Unzeit bellende Hunde künden jeweils Unheil an, Bedrohungen werfen Schatten. Die Magie ist jedoch zu vernachlässigen, sie stört nicht und sie puscht nicht. 

Was puscht ist die Füllung, die Nakamura seinem Roman verpasst: die gesamten unaufgearbeiteten Gräuel der japanischen Geschichte nämlich, dabei ist Nakamura immer wieder auch über Japan hinausgreifend, wenn er die Umweltzerstörung kritisiert, wirtschaftliche und emotionale Ausbeutung der Masse durch die Mächtigen. Aber auch die Geisteshaltung des Einzelnen, der sich nicht engagiert. Eigentlich, meint er, ermöglichen die Guten durch das Füßestillhalten das Böse. Und plötzlich ist sein Roman brennend aktuell!

Nakamura beschreibt bis ins letzte ekelhafte Detail die Folterungen, die im Rahmen der Christenverfolgung, besonders in den Landstrichen um Urakami, massenweise vorgenommen wurden. Denunziation. Missgunst. Fremdenfeindlichkeit. Unwissenheit, Angst, Todesangst - die Quellen der Grausamkeiten. Er beschreibt Japans Rolle im Zweiten Weltkrieg, er beschreibt Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Bestialität, aus der Kontrolle geratene männliche Sexualität. Er beschreibt die Auswirkungen des Abwurfs der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki. Der Autor will nicht zulassen, dass vergessen wird und weggeschaut und die Geschichte verfälscht wird. Das sind die großartigen Elemente dieses Romans! 

Immer wieder wird der Autor aktuell, man hält den Atem an, wenn sein Journalist einen Roman mit dem Titel „Menschen die am Krieg verdienen“ auf den Markt bringt und dafür Morddrohungen erhält. Er benennt den Rechtsruck (nicht nur) der japanischen Regierung und die Ohnmacht derer, die dagegen zu steuern versuchen. Es ist hoffnungslos, sagt er. 

Bei all dem blitzt immer wieder Humor durch, zum Beispiel, wenn Nakamura die Hobbyrezensenten abwatscht „Ich wollte lieber etwas Unbeschwertes lesen“ schreiben nämlich die Rezensenten, die das Buch zerreißen, das der Protagonist Yamamine schrieb“ oder „ab der Mitte hat es mich frustriert“, Nakamura lässt Yamamine kontern: „Sollte ich mich als Autor dafür bedanken, dass er (der Leser) mein Buch zur Hälfte gelesen hat?“ Eine Brise Humor lockert auf und ist dringend notwendig gewesen!
Ganz ehrlich? Manchmal hat mich der Roman „Die Flucht“ tatsächlich frustriert. Denn es ist ein Roman, der Kafkas Anspruch an die Literatur standhält „Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch?“ 

„Die Flucht“ ist ein solcher unangenehmer Roman, der beißt und sticht. Es ist ein ungeheurer Roman. Aber es ist auch ein verschachtelter Roman, mit Story in Story in Story, also Matruschkatechnik. Das mag ich eigentlich gar nicht. Nicht leicht zu lesen. Und kein Roman, der den „Gerechte-Welt-Glauben bedient. Wenige sprachliche Schwächen schreibe ich dem Lektorat zu. Lektorate sind in Deutschland besessen von Luftschnappern (er/sie/es holte tief Luft). Wann wird diese Obsession enden? Dennoch kann ich nicht umhin zu befinden, 

Fazit: Dieser Roman ist Weltliteratur! 

Kategorie: Anspruchsvoll. Weltliteratur
Verlag, Diogenes, 2024

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Zusätzliche Informationen

Fuminori Nakamura wurde am 02. September 1977 in Tōkai (Japan) geboren.

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