Fuminori Nakamura

 4.1 Sterne bei 143 Bewertungen
Autor von Der Dieb, Die Maske und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Fuminori Nakamura

Ausgezeichnete Literatur aus dem Land der aufgehenden Sonne: Fuminori Nakamura wird 1977 in Tōkai geboren und studiert an der Universität Fukushima Öffentliche Verwaltung und Staatsverwaltung. Er schließt sein Studium im Jahr 2000 ab und lebt heute in Tokio. 2003 veröffentlicht er seinen Debütroman „Ju“ (dt.: „Pistole“). In seinem Heimatland Japan sind bereits über ein Dutzend Bücher Nakamuras veröffentlicht worden, viele davon wurden auch in andere Sprachen übersetzt, darunter Englisch und Spanisch. Für seine Werke wird Nakamura mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, beispielsweise 2010 mit dem Ōe-Kenzaburō-Preis für seinen Roman „Suri“. Dieser ist gleichzeitig das erste Buch des Autors, das auch ins Deutsche übersetzt wird. „Suri“ erscheint 2015 unter dem Titel „Der Dieb“ und erzählt, wie der Titel vermuten lässt, die Geschichte eines Diebes in den belebten Tokioter U-Bahnen, den seine Vergangenheit einholt und ihm gefährlich wird. Neben „Der Dieb“ zählt auch „Die Maske“ zu Nakamuras bekanntesten und beliebtesten Werken. Sein Stil ist beeinflusst von Franz Kafka und Fjodor Dostojewski.

Alle Bücher von Fuminori Nakamura

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Cover des Buches Der Dieb9783257243765

Der Dieb

 (73)
Erschienen am 18.01.2017
Cover des Buches Die Maske9783257070217

Die Maske

 (42)
Erschienen am 28.02.2018
Cover des Buches Der Revolver9783257070613

Der Revolver

 (26)
Erschienen am 25.09.2019
Cover des Buches Last Winter We Parted9781616954550

Last Winter We Parted

 (1)
Erschienen am 21.10.2014
Cover des Buches The Thief9781780339139

The Thief

 (1)
Erschienen am 01.08.2012
Cover des Buches Evil and the Mask9781616953706

Evil and the Mask

 (0)
Erschienen am 10.06.2014
Cover des Buches En una noche de melancolía9788494239038

En una noche de melancolía

 (0)
Erschienen am 01.09.2014
Cover des Buches The Thief9780792784289

The Thief

 (0)
Erschienen am 01.03.2012

Neue Rezensionen zu Fuminori Nakamura

Neu

Rezension zu "Der Revolver" von Fuminori Nakamura

Hypnotisch und voller Twists
letusreadsomebooksvor 2 Monaten

Nishikawa, ein unscheinbarer Student, findet eines Abends im strömenden Regen eine Leiche. War es Mord? Oder Suizid? Obwohl er weiß, dass er den Tatort verfälscht und so nicht nur in die Ermittlungen eingreift, sondern auch zu einem potenziellen Verdächtigen wird, nimmt Nishikawa den Revolver an sich, die neben der Leiche liegt – er ist einfach zu verführerisch. Früher hat er sich nie für Waffen interessiert, doch nun wird nach und nach sein Lebensalltag von seinem Fundstück bestimmt. Je länger er den Revolver besitzt, desto größer wird sein Verlangen, ihn auch abzufeuern.

Nishikawa berichtet abgeklärt, aber dennoch obsessiv von seinem Fund und was dieser mit ihm anstellt. Der Gedanke, den Revolver zu benutzen, lässt ihn nicht mehr los. Sein ganzes Leben richtet er nun nach dieser Waffe aus: jeglicher Gedanke an die in seiner Wohnung versteckte Tatwaffe beflügelt ihn und reißt ihn zu Handlungen hin, die ihm sonst eher fremd waren. Anstatt sich Sorgen über diese Entwicklung zu machen, fühlt sich Nishikawa befreit – endlich kann er aus seinem tristen Leben ausbrechen, ungeahnte Möglichkeiten eröffnen sich ihm, das Leben wirkt wie ein einziges großes Abenteuer.

Startet der Roman zunächst noch ruhig und fast unscheinbar angesichts des spektakulären Fundes, nimmt er im Laufe immer mehr Tempo auf. Je länger Nishikawa den Revolver besitzt und je intensiver dieser Besitz von seinem Willen ergreift, desto hypnotischer wirkt die eigentlich schnörkellose, schlichte Prosa Nakamuras, übrigens wieder großartig übersetzt von Thomas Eggenberg.

"Eines Tages würde ich den Revolver benutzen. Daran zweifelte ich keine Sekunde mehr. Im Besitz eines Revolvers zu sein bedeutete, dass jeder Tag von der Möglichkeit seines Gebrauchs aufgeladen war, bis irgendwann der richtige Zeitpunkt gekommen sein würde, um abzudrücken. Diese Gewissheit rückte die ferne Zukunft in greifbare Nähe, als besäße sie ein Eigenleben, das den ersten Schuss herbeizwingen würde. Und wenn nun die Zukunft schon entschieden war, sollte sie doch bitte bald Wirklichkeit werden. Der Wunsch nahm mich gefangen, raubte mir fast den Verstand."

Nakamura entwirft ein äußerst spannendes Charakterportät seines Protagonisten, das sich mit der Frage nach dem Bösen und der Auswirkung von Macht auf das moderne Individuum auseinandersetzt. Hat Nishikawa schon immer eine dunkle Seite in sich getragen, die erst durch den Besitz der Waffe freigelegt wurde? Oder ist es einzig und allein die Macht über Leben und Tod, die ihm der Revolver vermittelt, welche ihn langsam aber sicher verrückt werden lässt? Ebenfalls wird das Konzept des freien Willens beleuchtet, wenn Nishikawa versucht, seinem Schicksal als Mörder zu entkommen und gegen den Gedanken ankämpft, dass der Besitz einer Waffe auch automatisch in ihrem Gebrauch enden muss. Auch wenn der Protagonist zu keiner Zeit wirklich sympathisch wirkt, ist man als Leser doch gebannt von seiner Entwicklung und seinem inneren Kampf und möchte bis zum letzten Kapitel endlich wissen, ob er den Revolver nun benutzt oder nicht – und dieses Ende kommt in der Tat überraschend und spektakulär.

Fuminori Nakamuras Roman Der Revolver ist das Debüt des japanischen Noir-Autors, welches nun, sieben Jahre später, ins Deutsche übersetzt wurde. Auch wenn es für mich nicht an Nakamuras herausragendes Werk Die Maske herankommt, hat es mir dennoch unheimlich gut gefallen. Die immer stärker werdende Obsession des Protagonisten Nishikawa und das damit einhergehende steigende Tempo entfalten eine geradezu hypnotische Wirkung, die in einem exzellent ausgearbeiteten Finale à la Kanae Minato gipfeln.

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Rezension zu "Der Revolver" von Fuminori Nakamura

Knarren Objektophilie
awogflivor 3 Monaten

Asiatische Schriftsteller sind ja völlig Meines und haben mich ganz selten enttäuscht. Sie vermitteln meist eine fremde exotische Kultur, beschreiben eine mir völlig fremde Gesellschaft mit unbekannten Sitten, haben aber dennoch eine Schreibkultur auf höchstem Niveau entwickelt, die uns Europäern diese unerklärliche mysteriöse Welt sprachlich gewandt beizubringen weiß. Deshalb habe ich mich mutig auf den mir bisher völlig unbekannten Autor eingelassen und war auch diesmal sehr begeistert.

Der Roman ist sehr kurz, extrem spannend, richtet den Fokus der Geschichte ausschließlich auf ein bestimmtes Objekt einer Obsession – einen Revolver – und beschreibt die Beziehung des Protagonisten zu ebendiesem Ding. Das Leben des Studenten Nishikawa ähnelt der langweiligen Existenz einer grauen Maus und wird plötzlich bereichert, als die Hauptfigur eines Nachts in den Händen eines vermutlichen Selbstmörders einen Revolver findet, den er vom Tatort mitnimmt. Plötzlich fühlt sich der Student als kleiner Gangster, als tiefgründiger Mensch mit einem kriminellen Geheimnis, das seinem bisher faden Charakter Unvorhersehbarkeit, Gefährlichkeit und Tiefe vermittelt. Nach und nach werden dieses Ereignis und die Leidenschaft, die er zum Objekt seiner Sehnsucht und Begierde entwickelt, krankhaft zu einer objektophilen Zwangsstörung. Nikishawas restliches Leben existiert zwar noch, tritt jedoch neben der Beschäftigung mit der Waffe total in den Hintergrund, fast wie bei einem musikalischen fade out.

Irgendwann erinnerte mich diese Geschichte in ihrer Zwanghaftigkeit frappant an Patrick Süßkinds Die Taube: die gleiche Länge des Textes und irgendwie die gleiche Obsession, statt Viecherl eben Knarre. Das Ding übernimmt ganz allmählich, schrittweise die Macht über den Menschen. Der Revolver, der ausschließlich dazu gefertigt wurde, um abgefeuert zu werden und damit vielleicht auch jemandem das Leben zu nehmen, fordert seinen Tribut und wirft die bisherige gleichförmige Existenz des Studenten völlig aus den Fugen. Der Protagonist hat sich zumindest in seinem Geiste vom unschlüssigen, schüchternen, gesellschaftlich in strengen Regeln verhafteten, entscheidungsschwachen, verlorenen, zweifelnden japanischen Mann, den ja auch Murakami immer so treffend zu beschreiben weiß, in einen gefährlichen Macher mit Tiefgang und bedrohlichen, ernstzunehmenden Absichten entwickelt.


Der Revolver war wie ein unbezähmbares, eigenwilliges Wesen. Und ich ahnte, dass ich diesem mächtigen fordernden Wesen nicht mehr lange würde standhalten können und es nur durch den erlösenden Schuss bändigen konnte. Der Gedanke ließ mich schaudern. […] Ich erinnerte mich an mein Glücksgefühl, als ich den Revolver entdeckt hatte. Dennoch hatte ich versucht, einen kühlen Kopf zu bewahren, hatte versucht, mich von meiner Erregung nicht überwältigen zu lassen. […] Am liebsten hätte ich die Zeit zurückgedreht, als der Revolver und ich noch gleichberechtigte Partner gewesen waren. Doch das war nicht mehr möglich. Der Revolver war ein Teil von mir geworden, hatte mein ganzes Denken und Handeln durchdrungen. Zu schießen war die eigentliche Bestimmung eines Revolvers, und so war es auch nur logisch, dass auch ich das wollte.


Ein potenzielles Opfer, ein Tatort und ein Tatplan, mit dem man eventuell vor der Polizei davonkommen kann, werden systematisch entwickelt. Am Ende im Rahmen der realen Umsetzung der lange geschmiedeten Pläne dreht sich der Plot noch drei Mal um 180 Grad, eine sensationelle Dramaturgie, die den Spannungsbogen dieser wirklich kurzen Geschichte so rasant konzipiert, dass ich fast nicht mehr zum Atemholen kam. Und die Moral von der Geschicht: Spiele mit der Knarre nicht.

Fazit: Kurz, knackig, tiefgründig, spannend, rasant, sprachlich sehr ansprechend und sensationell. Absolute Leseempfehlung, das Buch kann in einem Haps verschlungen werden.

Kommentare: 12
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Rezension zu "Der Revolver" von Fuminori Nakamura

Von einer Waffe und deren Macht vereinnahmt
Zen-Colavor 4 Monaten

Auch Nakamuras Debüt
»Der Revolver«, das dritte auf Deutsch vorliegende Buch von ihm, weiß zu überzeugen – diesmal noch etwas mehr als »Die Maske«.


Nishikawa, ein junger Mann, findet in einer verregneten Nacht unter einer Brücke in Tokio eine Leiche – und daneben einen Revolver. Er nimmt ihn an sich. Schon bald kreist sein ganzes Leben um seinen Fund; der Nervenkitzel, entdeckt zu werden; der Reiz, den Revolver auszuprobieren – all das gibt seinem etwas eintönigen, emotionslosen Leben einen Aufschwung.


Die Sprache des Romans ist sehr knapp, und die 180 Seiten sind im typischen Diogenes-Stil mit 27 Zeilen nicht übermäßig bedruckt. Nishikawa ist kein besonderes sympathischer Protagonist. Seinen Mitmenschen steht er größtenteils emotionslos gegenüber, Mädchen belügt er oder er verstellt sich, um sie – austauschbar wie sie für ihn sind – ins Bett zu bekommen. Gespräche seines Kommilitonen, der am ehesten als Freund durchgeht, interessieren ihn nicht, sodass er kaum zuhört. Kurzum: Nishikawa ist der perfekte Protagonist für das Setting, eine verlorene Seele inmitten des rauschhaften Tokios. Ein Antiheld, der durch seinen Fund neue Antriebskraft bekommt.


Ich kann das Buch allen empfehlen, die knappe Sprache gemischt mir einer kurzgefassten Geschichte mögen. Als einen Thriller, wie ich es irgendwo gelesen habe, würde ich das Buch jedoch nicht bezeichnen – eher als eine Mischung aus Drama und ansatzweise einem Psychogramm. 

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Zusätzliche Informationen

Fuminori Nakamura wurde am 02. September 1977 in Tōkai (Japan) geboren.

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