Fuminori Nakamura Der Dieb

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Inhaltsangabe zu „Der Dieb“ von Fuminori Nakamura

Er betreibt sein Metier in den belebten Straßen Tokios und den überfüllten Wagen der U-Bahn. Er stiehlt mit kunstvollen, fließenden Bewegungen. Der Diebstahl ist der Kick in seinem Leben, das Gefühl, seinem Schicksal zu entrinnen – für den Moment. Doch seine dunkle Vergangenheit holt ihn wieder ein. Ein grandioser Thriller und eine dunkle, abgründige Geschichte über Schicksal und Einsamkeit.

Wie oft kann man die Welt der Schatten betreten, ohne dass sie dich einholen? Ist es Schicksal, oder hast du dein Leben selbst in der Hand?

— miro76

ein wunderbarer Roman, dessen Thematik, Einsamkeit, Schicksal, mich sofort gefesselt hat.

— Even

Spannend, blutig, kriminell, gefüllt mit Metaphern und nüchtern sowie wundervoll erzählt!

— killmonotony

In wie weit sind wir Herr über unser eigenes Schicksal? Spannende Einblicke in das Leben eines Taschendiebs!

— nordfrau

Ich habe skeptisch begonnen, doch Der Dieb konnte mich vollends überzeugen - sprachlich, inhaltlich und auch mit seiner Gesellschaftskritik.

— Jashrin

Ein wunderbarer Roman

— klaraelisa

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  • Rezension: Der Dieb

    Der Dieb

    killmonotony

    06. May 2017 um 14:37

    Ein wunderbares 200-Seiten Büchlein mit einer wahnsinnigen Story: Protagonist ist ein Taschendieb in Japan, der seinen Kick daraus bekommt, Leuten ihre Portemonnaies aus der Tasche zu ziehen. Wir erfahren von seinem alltäglichen, riskanten Leben, immer auf der Hut, immer auf der Jagd. Nach und nach bekommen wir auch Einblicke in seine früheren Machenschaften: Durch einen Zufall gerät er ins Visier einer kriminellen Gruppierung, die ihn kurzerhand für einen bewaffneten Raubüberfall einspannt. Nicht begeistert, aber etwas verunsichert wegen der Gefahr, die ihm jetzt möglicherweise droht, macht er einfach das, was von ihm erwartet wird. Doch der Überfall wird zum Mord und auch einige Zeit später hängt dieser Vorfall ihm noch im Gedächtnis. Er macht sich Gedanken um seine damaligen Mittäter und um eine Frau, die er früher einmal gekannt hat, die aber auch verschwunden ist. Er reflektiert viel über sein Leben, was er in völliger Einsamkeit führt, bis er eines Tages eine Frau und ihren kleinen Sohn beobachtet, die im Supermarkt Lebensmittel mitgehen lassen. Aus einem Instinkt heraus warnt er sie, dass sie vom Ladendetektiv gesehen wurden, und von da an begegnet er dem kleinen Jungen immer öfter, immer mit einer Einkaufsliste seiner Mutter, was zu stehlen ist. Kurzentschlossen und widerwillig nimmt unser Protagonist ihn unter seine Fittiche, zeigt ihm wie es richtig geht und weist ihn väterlicherweise auch an, zukünftig nicht mehr zu stehlen. Doch der Junge bleibt hartnäckig und entwickelt ein Vertrauen ihm gegenüber und erzählt von seinem Zuhause. Da unser Protagonist erneut von der kriminellen Gruppierung (vielleicht sogar die Yakuza?) gezwungen wird, mehrere Dinge für sie zu erledigen, trennen sich hier die Wege der beiden. Doch die To-Do-Liste erscheint nur auf den ersten Blick als machbar…Die komplette Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

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  • Der Dieb

    Der Dieb

    Minoo

    26. February 2017 um 22:01

    Bisher habe ich erst wenige Bücher aus Japan gelesen. In den Genuss einer Thomas Eggenberg Übersetzung kam ich bereits, was mein Interesse an "Der Dieb" entfachte. Meine Erwartungen wurden erfüllt, denn auf diesen gut 200 Seiten findet sich einfach alles. Liebe und Sehnsucht, Verzweiflung und Hoffnung, ein abscheulicher Bösewicht, ein sympathischer Dieb, der einem kleinen Jungen hilft und alles dafür tut, dass dieser dem prügelnden Liebhaber seiner Mutter entkommt. Der Protagonist bleibt während der gesamten Geschichte namenlos, was mir während des Lesens nicht einmal auffiel. Als geübter Dieb stiehlt er Portmonnaies aus Hosentaschen, Schultertaschen, Mantelinnentaschen, Hemdtaschen. Kein Diebstahl ist ihm zu schwierig. Er stiehlt so viel wie er zum Leben braucht, teilt mit anderen und gibt das Portmonnaie selbst immer zurück. Er hat seine Prinzipien. Eines Tages macht er Bekanntschaft mit einem Jungen, den er beim Stehlen im Supermarkt erwischt. Wenn auch zunächst widerwillig entsteht zwischen den beiden eine besondere Freundschaft. Der Dieb versucht den Jungen zu unterstützen, gibt ihm Geld und redet ihm das Stehlen aus. Nachdem der Dieb glaubte, der mächtige Kizaki, mit welchem er zu einem früheren Zeitpunkt bereits in Berührung kam, hätte sein Interesse an ihm verloren, taucht eben dieser wieder auf der Bildfläche auf und erpresst unseren Dieb. Dieser soll drei besonders knifflige Diebstähle für Kizaki erledigen. Gelingt ihm dies nicht, stirbt er. Weigert er sich, sterben er, der Junge und seine Mutter. Die Sprache ist knapp, leicht verständlich und dennoch kunstvoll. Denn bei Nakamura sitzt wirklich jedes Wort. Der Schreibstil ist sehr bildhaft und zieht den Leser direkt ins Geschehen. Gerne las ich, wie der Dieb Menschen bestahl. Ich spürte seine Konzentration, den Adrenalinkick und die Befriedigung, als die Tat unbemerkt blieb und gelang. Die Stimmung verändert sich während des gesamten Buches sehr stark. Kommt die Geschichte zunächst leicht und beinahe fröhlich daher, wird die Situation im Laufe des Buches immer auswegloser. Ich begann mit dem Protagonisten zu verzweifeln und trotzdem weiter zu hoffen. Die Charaktere mögen zunächst wie Stereotypen erscheinen und doch habe ich schon lange keinen so abgrundtief widerwärtigen Bösewicht in einem Buch erfahren. "Angesichts einer Frau zu lachen, die sich in Schmerzen windet, ist einfallslos. Wenn du eine leidende Frau siehst, dann fühle mit ihr, hab Erbarmen mit ihr, stell dir ihre Qualen vor und ihre Eltern, die sie aufgezogen haben, weine Tränen der Trauer - und peinige sie noch mehr!" (S. 145) Der Protagonist, ein Dieb, aber dennoch "ein Guter", erhielt schnell meine Sympathie, ebenso wie dessen Freund Ishikawa oder der kleine Junge. Spannung kommt in diesem Buch schon sehr früh auf und lässt bis zum Ende nicht nach. Dem Leser bleibt also gar nichts anderes übrig, als das Buch in einem Rutsch zu lesen. Das Ende selbst ist außergewöhnlich und gefiel mit vor allem deshalb enorm gut. Fazit: Ein Buch, mit einer ganz besonderen Atmosphäre, die mich von Anfang bis Ende fesseln und begeistern konnte.

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  • Ein kleiner Roman mit einem grossen Thema!

    Der Dieb

    CosmoKramer

    09. February 2017 um 22:28

    Fuminori Nakamura führt uns in die Unterwelt Tokios, die gefährliche Seite. Als Reiseführer dient uns ein Taschendieb, dessen Idendität nicht herrauskommt. Er bleibt der Ich-Erzähler, Er liebt das klauen. Sein Handwerk hat er perfektioniert und nutzt es um reiche Bürger zu beklauen. Ein moderner, japanischer Robin Hood. Das erste in deutsch übersetzte Werk dieses japanischen Autoren, Und es ist gar nicht schlecht. Die Seiten fliegen nur so dahin. Mit ca. 210 Seiten ist es recht kurz, Aber die stecken voller Leben, Es ist spannend und fesselnd. Nakamura hat einen schönen Schreibstil. Ich hoffe das der Verlag noch mehr von ihm veröffentlicht. Ich bin gespannt.

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  • Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017

    Warum Lesen glücklich macht

    GrOtEsQuE

    Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017 Achtung - es handelt sich nicht um eine Leserunde sondern eine Challenge zum SUB-Abbau!!! Es werden keine Bücher verlost. Ich habe es nur als Leserunde erstellt, damit das Ganze etwas übersichtlicher wird.Ich möchte mich 2017 mehr dem SUB-Abbau widmen, daher habe ich mir überlegt eine Challenge zu erstellen. Die Regeln möchte ich so einfach wie möglich halten - es soll ja auch Spaß machen und nicht in Stress ausarten.Es wird jeden Monat ein anderes Motto geben. Für die zum Monatsmotto passenden Bücher, gibt es jeweils einen Extrapunkt. Das Monatsmotto werde ich immer Ende des Vormonats im entsprechenden Unterthema bekannt geben. Den Extrapunkt kann man mehrmals im Monat sammeln, wenn man genügend passende Bücher für das Motto hat.Jeder der mitmachen möchte, postet bitte im Unterthema Sammelbeiträge seinen Sammelbeitrag. Ich werde dann jeden Monat hier im Startbeitrag die Punkte aktualisieren. Bei den einzelnen Sammelbeiträgen ist mir eigentlich nur wichtig, dass in der ersten Zeile die Gesamtpunktzahl steht, ansonsten kann jeder seinen Beitrag so gestalten wie er möchte - entweder nur die Punkte aufschreiben oder auch das gelesene Buch benennen.Man kann jederzeit noch einsteigen - einfach einen Sammelbeitrag posten und los gehts!!! Rezensionen sind keine Pflicht. Es gelten alle Bücher, die in 2017 beendet werden, man kann also ruhig auch die in 2016 angefangen erst in 2017 beenden. Die Punkteverteilung sieht wie folgt aus: Für jedes gelesene Buch gibt es einen Punkt. Für jedes gelesene Buch, was vor 2017 auf dem SUB gelandet ist, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 400 Seiten hat, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 600 Seiten hat, gibt es zwei Extrapunkte. Für jedes gelesene Buch, was zum Monatsmotto passt, gibt es einen Extrapunkt. Für Comics und Mangas werden nur die Hälfte der Punkte vergeben. Hörbucher zählen auch. Bei den Extrapunkten für die Seiten einfach an dem "echten" Buch orientieren. Wenn es sich um die gekürzte Fassung des Hörbuchs handelt, dann ein dreiviertel der Seiten. (Also mal angenommen das Buch hat 400 Seiten und du hast die gekürzte Fassung des Hörbuchs, zählt es nur für 300 Seiten, also kein Extrapunkt.) Bereits früher gelesene Bücher zählen auch, aber hier gibt es den vor-2017-auf-dem-SUB-gelandet-Punkt nicht, da die Bücher ja nicht mehr zum SUB gehören. Im besten Fall kann man also 5 Punkte pro Buch erhalten. Wer noch Fragen hat, kann sie im Unterthema für Fragen stellen. Nun hoffe ich auf eine rege Teilnahme und wünsch uns schon mal viel Spaß :-) Teilnehmer --- Gesamtpunktzahl --- zuletzt aktualisiert 06.01.2018: _Jassi                                           ---  77 Punkte AmberStClair                             ---   69 Punkte (Gesamtpunkte angeben) Arachn0phobiA                         ---   294 Punkte Astell                                           ---    20 Punkte BeeLu                                         ---   92 Punkte Bellis-Perennis                          ---  893 Punkte Beust                                          ---   424 Punkte Bibliomania                               ---   285 Punkte Buecherkaetzchen                   ---   48 Punkte Buchgespenst                         ---  515 Punkte ChattysBuecherblog                --- 316 Punkte Buchperlenblog (CherryGraphics)  ---   192 Punkte Code-between-lines                ---  199 Punkte DieBerta                                    ---   88  Punkteeilatan123                                 ---   96 Punkte Eldfaxi                                       ---   52 Punkte Farbwirbel                                ---   46 Punkte fasersprosse                            ---    35 PunkteFrau-Aragorn                           ---   343 Punkte Frenx51                                     ---  127 Punkte glanzente                                  ---   104 Punkte GrOtEsQuE                               ---   94 Punkte hannelore259                          ---   78 Punkte hannipalanni                           ---   207,5 Punkte Hortensia13                             ---   199 Punkte Igelchen                                    ---   26 Punkte Igelmanu66                              ---  222 Punkte janaka                                       ---   118 Punkte Janina84                                   ---    109 Punkte jasaju2012                               ---   20 Punkte jenvo82                                    ---   153 Punkte 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    • 2656
  • Ein vielversprechendes Deutschland-Debut des japanischen Autors

    Der Dieb

    blauerklaus

    Mit Der Dieb legt diogenes die erste deutsche Übersetzung eines Werkes des in Japan bereits mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichneten Schriftstellers Fuminori Nakamura vor. Auf etwas mehr als 200 Seiten führt uns der Japaner in die Unterwelt Tokios und zu existenziellen Fragen. "Glaubst du an das Schicksal?" (Seite 209)Der namenlose Ich-Erzähler ist ein Taschendieb, der aus seiner Tätigkeit eine Kunst gemacht hat, die er bis zur Perfektion beherrscht. Unerkannt gelingt es ihm, die wohlhabenden Bürger Tokios um ihre Geldbörsen zu erleichtern. Da er mit möglichst geringem Aufwand den größtmöglichen Erfolg erzielen möchte, sucht es sich ausschließlich reiche Mitbürger als Opfer aus. "Um keinen Verdacht zu erregen, muss man sich geschmackvoll kleiden, sich in eine Lüge hüllen und diese Lüge mit der Umgebung eins werden lassen." (Seite 10)Es geht ihm jedoch nicht hauptsächlich um eine reiche Beute, er hat so etwas wie eine "Berufsehre" und lässt die erbeuteten Geldbörsen, denen er lediglich das Bargeld entnimmt, den Opfern wieder zukommen. An dem Geld hängt er nicht, freigiebig gibt er das Geld wieder aus, so dass hin und wieder Mitmenschen, denen das Schicksal nicht so gut gesonnen ist, in den Genuss einer Spende kommen. Eines Tages trifft er in einem Supermarkt auf einen kleinen Jungen, der von seiner Mutter dazu angestiftet wurde Lebensmittel zu stehlen. Dabei stellt er sich so ungeschickt an, dass der Dieb ein Einsehen hat und ihm im weiteren Verlauf der Geschichte einige Tricks beibringt. Unglücklicherweise wird ein Boss der Tokioter Unterwelt auf die Fähigkeiten des Diebes aufmerksam und als dieser von der Freundschaft zu dem kleinen Jungen erfährt, hat er ein perfektes Druckmittel in der Hand um ihn zu einen diabolischen Pakt zu zwingen.Nakamura versetzt den Leser mit seinem knappen, präzisen Stil in wenigen Sätzen in das Leben der Personen am Rande der Tokioter Gesellschaft und erschafft gleichzeitig eine unbestimmte bedrohliche Stimmung. Kleine surreale Beschreibungen lassen einen unweigerlich an Haruki Murakami denken. Von der Stimmung des Romans fühlte ich mich oft an 1Q84 erinnert. In dem Roman sieht der Dieb beispielsweise immer wieder einen mysteriösen Turm am Horizont auftauchen, dessen Beschreibung auch aus der Feder Murakamis stammen könnte. "Wenn ich zwischen den ärmlichen Reihenhäuschen und heruntergekommenen Wohnbaracken in die Höhe schaute, konnte ich ihn immer schwach erkennen. Ein im Dunst emporragender Turm mit unscharfen Konturen, eine Erscheinung wie aus einem alten Tagtraum, wie aus einer anderen Zeit." (Seite 177)Nakamuras Erzählweise lässt einen die Geschichte schnell und unkompliziert lesen. Da ist kein Satz zuviel, kein unnötiges Wort enthalten. Dies führt zu einer äußerst spannenden Lektüre, die auf eine zentrale Frage hinausläuft: Sind wir Herr über unsere eigenen Entscheidungen oder gibt es so etwas wie Schicksal? Eine Frage, die vermutlich in der japanischen Gesellschaft, bei der das Individuum nicht so wichtig genommen wird wie die Gemeinschaft, eine größere Rolle spielen dürfte als in der europäischen Kultur.Ich war von dem Buch begeistert und wünsche ihm noch sehr viele Leser, damit wir bald in den Genuss weiterer Übersetzungen dieses großartigen Autors kommen.Das Rezensionsexemplar wurde vom diogenes-Verlag zur Verfügung gestellt.

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    • 4
  • Eingängige, melancholische und philosophische japanische Mafia-Geschichte

    Der Dieb

    Isalay

    25. March 2016 um 22:23

    Die Geschichte handelt von einem Mann, der als Taschendieb sein Geld verdient. Die Tätigkeit des Stehlens wird sehr detailliert geschildert, man kann sich richtig in den Dieb hineinversetzen, was nahezu unheimlich ist. In Rückblicken wird die Verwicklung des Protagonisten in mafia-artige Machenschaften geschildert, in die er hineingeraten ist. Die Stimmung, sowohl des Protagonisten, als auch der ganzen Geschichte ist sehr melancholisch, düster und scheint ausweglos, das eigentliche Ende bleibt jedoch der Phantasie des Lesers überlassen. Insgesamt ist das Buch recht kurz, aber eingängig und teilweise auch philosophisch.

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  • Tokioter Noir

    Der Dieb

    Buecherschmaus

    Bereits 2009 ist Fuminori Nakamuras Roman "Der Dieb" im Original erschienen. Es dauerte sechs lange Jahre, bis der schmale Band nun auch in Deutschland erschienen ist. Das mag vielleicht daran liegen, dass sich das Buch nur schwer in eine Literaturgattung pressen lässt. Nun erscheint es als Thriller, was es durchaus auch ist, ein "Noir", der ganz tief in die dunkelsten Tiefen des Verbrechens und der Gesellschaft hinab steigt. Aber er ist auch viel mehr. Gleich zu Beginn lernen wir ihn kennen, den Dieb, der dem Roman den schlichten Titel verleiht. Er ist Taschendieb von klein auf, hat dieses Handwerk zu einer enormen Perfektion gebracht. Er zelebriert seine Einsätze nahezu. Ja, er lebt von ihnen, aber er zieht auch Befriedigung daraus, reiche Menschen zu bestehlen. „Solange auch nur ein einziges Kind auf dieser Welt Hunger leiden muss, ist jeder Besitz Diebstahl.“ und „Wenn du jemandem mit einer Milliarde hunderttausend klaust, ist das ein Klacks.“ Zwei seiner Statements, die zeigen, was der Roman auch beinhaltet, nämlich eine gehörige Portion Gesellschafts- und Kapitalismuskritik. Früher ging der Dieb mit anderen zusammen auf Diebestour. Eines Tages gerieten sie ins Visier der Yakuza, der japanischen Mafia. Die Kollegen wurden ausgeschaltet, ihn ließ man am Leben. Seitdem arbeitet und lebt er allein, zurückgezogen, nahezu asketisch. Irgendwie ist er ein Verlorener, ein Ausgestoßener. Eine düstere, schwermütige Atmospäre liegt über ihm. Seit seiner Kindheit erscheint ihm immer wieder ein mysteriöser dunkler Turm, an den verschiedensten Orten, ihm nähern kann er sich nie. Wieder eine neue Ebene des Buches, die philosophische, ja vielleicht sogar metaphysische. Eines Tages fällt ihm ein kleiner Junge ins Auge, den er beim Klauen beobachtet. Erinnert er ihn an sich selbst als Kind? Jedenfalls bricht sein Panzer auf, er lässt sich berühren, nimmt sich des Kleinen an. Und seiner Mutter, einer Prostituierten, die das Kind zum Stehlen schickt. Dies macht unseren Dieb verwundbar, denn er gerät erneut ins Visier der Yakuza. Der Chef Kigazi zwingt ihn zur Erledigung dreier nahezu nicht zu bewältigender krimineller Aufträge. Sein Druckmittel ist der Junge. Aber der Dieb weiß auch, wenn er sie nicht schafft, ist er ein toter Mann. Nakamura entwirft ein tiefschwarzes Bild der japanischen Gesellschaft, ein existentialistisches Drama um einen Ausgestoßenen, eine Kritik am Kapitalismus und das alles in einem knappen, in nüchterner, beinahe kalter Sprache geschriebenen Thriller. Hut ab! Dostojewski und Kafka sind die Namen, die in nahezu jeder Kritik auftauchen. Keine schlechte Gesellschaft.

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    • 2
  • Melancholischer Robin Hood in Tokio

    Der Dieb

    Vinschen

    14. February 2016 um 20:38

    Die Hauptfigur im weltweit hochgelobten Roman von Fuminori Nakamura heißt Nishimura. Er ist ein Dieb, ein Taschendieb, um genau zu sein. Nishimura macht sich nichts aus Geld. Er hat einen Kodex. Mit großer Kunstfertigkeit bestiehlt er nur die Reichen, nimmt nur das Bargeld und wirft das Portemonnaie in den Briefkasten, da es so den Weg zurück zu seinem Besitzer findet. Sein Betätigungsfeld sind die Straßen von Tokio, vorzugsweise die U-Bahn, aber auch der Flughafen oder Hotels. Er ist gut gekleidet, denn so fällt er nicht auf. Er ist ein Profi, nein, ein Künstler, denn als Kunst sieht er selbst sein Tun. Die Geschichte beginnt langsam und ruhig, doch die Sprache vermittelt von Anfang an eine ungeheure Spannung. So entwickelt sich die Geschichte Stück für Stück zu einem spannenden Thriller. Der junge japanische Autor, Fuminori Nakamura, besticht durch eine klare, zum Teil reduzierte, aber immer deutliche Sprache. Bereits mit 26 Jahren debütiert Nakamura und inzwischen hat der 1977 geborene Schriftsteller bereits über ein Dutzend Romane in Japan veröffentlicht. Spätestens mit seinem Roman „Der Dieb“, welcher im Diogenes Verlag in deutscher Sprache erschienen ist, hat er weltweit Aufmerksamkeit erzielt. Auf nur etwas mehr als 200 Seiten schafft Fuminori Nakamura ein komplexes Gebilde. Der Roman ist nicht nur ein Thriller, ein Krimi; vielmehr taucht der Leser mit dem Protagonisten in eine kafkaeske Geschichte, die sich wirklich so ereignen könnte. Ungerechtigkeit, Gewalt und eine schier unlösbare Aufgabe, aber auch Hoffnung, Zuneigung und Menschlichkeit leiten den Leser und ziehen ihn, wie in einem Strudel, immer weiter in ihren Bann. Am Ende steht die große Frage, ob das Schicksal unumkehrbar ist, oder ob man dieses wirklich selbst bestimmen kann. Eine gelungene Geschichte, die extrem durch ihre Sprache wirkt.

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  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

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    • 1702
  • Großartig knappe Noir-Story

    Der Dieb

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    26. November 2015 um 12:10

    Ein kleiner Taschendieb erledigt in Tokyo dezent seine Arbeit. Gezielt sucht er nach reichen Männern, denen er geschickt das Geld abknöpft. Weiter geht er nicht. Er verzichtet auf das Ausschlachten oder den Weiterverkauf von Kreditkarten und anderen Dingen in der Geldbörse, denn er will nicht viel mehr als einen kleinen Lebensunterhalt. Er lebt unauffällig, einsam und zurückgezogen und hat nur einen nennenswerten Kontakt, den Taschendieb Ishikawa. Die beiden arbeiteten einst als Team und es verbindet sie eine Art berufliche Freundschaft. Man gibt sich Tipps, raucht zusammen und hockt hin und wieder beieinander. Ansonsten geht jeder seine eigenen Wege. Ishikawa ist ambitionierter und arbeitet für den einflussreichen Yakuza Kizaki. Kizaki erfährt von der Bekanntschaft und lässt die beiden Kollegen bei einem merkwürdigen Coup zusammen arbeiten. Beide verschwinden danach von der Bildfläche, doch als der Taschendieb nach Tokyo zurückkommt, läuft er erneut in Kizakis Arme: „Du kannst mir nützlich sein und mich zugleich ein wenig unterhalten ..." Kizaki hat einen Trumpf in der Tasche. „Obwohl ihr euch für ein Leben als Gangster entschieden habt, werdet ihr anhänglich.“ Der überaus gut informierte Kizaki weiß, dass sich der Dieb um einen kleinen Jungen kümmert. So sehr die Kleinkriminellen für ihren Job freiwillig ungebunden leben, ihr Verantwortungsgefühl haben sie nie ganz verloren. Der Junge, der ihn an seine eigene Kindheit, seinen eigenen Werdegang erinnert, wird beschützt vor aufmerksamen Ladendetektiven und bekommt die eine oder andere Lehrstunde, um ihm die von der Mutter zugeteilte Aufgabe besser erledigen zu können. Mit einem skrupellosen Gangster wie Kizaki können sie es nicht aufnehmen. Er setzt den Dieb und seinen Lehrling ein wie Spielfiguren, denn genau so versteht er sein Metier. Nakamura spielt in seinem Roman geschickt mit den Motiven der Einsamkeit, einem typischen Thema der hierarchischen und strukturierten Gesellschaft Japans. Über das Spiel mit dem Nachnamen bleiben die kleinen, unerkannten Gauner austauschbar. Ishikawa nennt sich irgendwann aus Sicherheitsgründen Niimi, der Taschendieb selbst bleibt im Roman fast namenlos - das passt zu dieser Figur des einsamen Diebes, der keine gesellschaftlichen Wünsche und die Unauffälligkeit beruflich nötig hat. Nicht einmal Ishikawa weiß, mit wem er es genau zu tun hat. Es würde mich nicht wundern, wenn die Namen einem japanischen Leser Botschaften über die Charaktere auf den Weg geben (der falsche Zweitname Niimi enthält zum Beispiel sinnigerweise das Zeichen für „neu“). Bezeichnenderweise gibt es nur einen Menschen, der den Namen des Diebes herausfindet und ein Mal nennt, Kizaki. Damit gewinnt Kizaki eine besondere Macht über den Dieb. Das Wissen alarmiert, beeindruckt und hält ihn an der kurzen Leine. Der Dieb weiß genau, dass er besser nicht für Kizaki arbeiten sollte, aber bei diesem Wissen bleibt es. Nakamura beherrscht es, auf knapp mehr als 200 Seiten eine dichte Erzählung mit einem Minimum an Worten zu schaffen. Da ist kein Satz zuviel, da passiert alles geradeheraus und bündig. Man begreift, dass die Weichen gestellt sind, vielleicht noch viel später als der Taschendieb. Weil wir viel mehr gebunden sind, Sympathien empfinden und hoffen wollen. Alles Emotionen, die in der Welt Kizakis nicht existieren. Als wäre diese kühle Logik nicht genug, fordert Kizaki  unser Verständnis von Schicksal heraus. Verläuft das Leben absolut oder haben wir eine Wahl? So geschickt der Dieb beruflich arbeitet und plant, so wenig Energie steckt er in sein Leben. Lohnt es sich oder lohnt es sich nicht, in dieses Leben Struktur reinzubringen und persönliche Ziele zu haben? Oder gibt es Menschen wie Kizaki, die für unsere Bahnen verantwortlich sind? Der Dieb begreift seinen Auftrag, er erkennt die Bahn und nimmt sie kommentarlos als die seine an. Nakamura sagte einmal in einem Interview: „Ich spüre, dass Menschen unvermeidlich Böses in sich tragen, zugleich aber nach dem Besseren streben. Ich schreibe über Leute, die irgendwo dazwischen gefangen sind.“ Vermutlich ertappt sich auch der Leser bei so einem Kampf im Kleinen, wenn er mit dem Taschendieb mitfiebert. Natürlich, der Mann hat Prinzipien, eigene Regeln und beweist fürsorgliche Fähigkeiten. Aber er ist nun mal ein Kleinkrimineller, einer, den wir ansonsten nicht in die Nähe der Haustür lassen würden. Für mich ist das Fazit bei diesem roman noir ziemlich klar: Nakamuras deutschsprachiges Debut wirkt lange nach und hinterlässt den Wunsch nach mehr.

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  • Wärme

    Der Dieb

    walli007

    25. November 2015 um 16:27

    In den belebten Straßen Tokios wandert er umher. Mit flinken Fingern erleichtert er die Reichen um Geld meist, die Geldbörsen, die er in seinen Besitz gebracht hat, wirft er in Postkästen. Mit Glück erhalten ihre Eigentümer sie zurück. Er lebt in den Tag, er lebt nicht schlecht, er verschwindet in der Masse, er wird nicht gefasst. Doch er wird angreifbar als er beginnt einem kleinen Jungen zu helfen. In der Vergangenheit war sein Leben nicht immer so leicht und selbstbestimmt. Da gibt es einen dunklen Punkt und eine Geschichte, die er erzählt bekommen hat. Ein seltsames kleines Büchlein haben wir hier. Ein Dieb, der zufrieden ist mit seinem Leben, ein Leben allerdings, das er anderen nicht zumuten möchte. Ein Dieb, der feststellen muss, dass Freiheit für ihn eine leere Worthülse ist. Er gaukelt sich vor, dass er die Wahl hat. Doch eigentlich kann er sich nur zwischen Pest und Cholera entscheiden. Sein Leben scheint wie ferngesteuert, so wie festgestellt wurde, dass Entscheidungen, die wir meinen mit unserem freien Willen zu treffen, sich in bestimmten Gehirnregionen schon abzeichnen bevor wir uns ihrer bewusst werden. Kann ein kleiner Dieb einen freien Willen haben oder wird über sein Leben entschieden bevor ihm klar wird, was mit ihm geschehen wird.  Zunächst eher ruhig beginnt dieser von der Kritik gelobte Roman. Man weiß nicht recht, ob einem dieser Protagonist sympathisch werden kann. Schließlich ist er ein Dieb, der sich auf Kosten anderer durchschlägt. Nun, er klaut von den Reichen, aber Diebstahl bleibt es dennoch. Sein Umgang mit dem kleinen Jungen lässt ihn schließlich sehr menschlich wirken. Für das Kind nimmt er eine Art Vaterstellung ein und er versucht, dem Jungen eine Zukunft zu geben. Und so bewirkt hier die Wärme, die den Dieb beim Klauen durchströmt, wie ein warmer Sonnenstrahl im Dasein des Jungen. In dem Moment, in dem die Handlung ihre ruhigen Bahnen verlässt, wird es plötzlich so spannend, dass die Augen nur so über die Buchstaben fliegen. So heftig sie Spannung wird, so schnell ist das Buch dann abgeschlossen, mit einer Entscheidung, die nicht der Dieb getroffen hat und mit einer Hoffnung.

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  • Der Dieb

    Der Dieb

    MaikeHerzpotenzial

    23. October 2015 um 16:07

    Der namenlose Ich-Erzähler ist ein moderner Robin Hood: Bei seinen Streif- bzw. Raubzügen in den Tokioter Straßen und überfüllten U-Bahnen sucht er sich seine Opfer sehr genau aus. Immer sind sie wohlhabend (er erkennt sie an der guten Kleidung) und männlich. Und die meisten machen es ihm auch wahnsinnig einfach, sie tragen ihre Portemonnaies an leicht zu erreichenden Stellen. Hat er seine Beute, dann sorgt er dafür, dass die Besitzer den Rest ihres Eigentums zurückerhalten und wirft die ums Bargeld erleichterten Börsen in Briefkästen.  Eigentlich ist er nur einer von vielen Taschendieben in Tokio und die Geschichte könnte hier sterbenslangweilig sein. Doch dann taucht Ishikawa auf, ein alter Freund unseres Ich-Erzählers, und bittet ihn um Hilfe. Es geht um einen bewaffneten Raubüberfall, der für Ishikawas Boss Kizaki durchgeführt werden soll. Letzterer ist ziemlich eindeutig ein Mitglied der japanischen Mafia, und der Auftrag eigentlich nicht in der Größenordnung, in der sich der Ich-Erzähler bewegt. Dennoch steht er dem Freund zur Seite – außerdem stimmt die Bezahlung. Der Coup gelingt und sorgt für Aufsehen in Politik und Wirtschaft, doch Ishikawa ist seitdem spurlos verschwunden. Eines Tages beobachtet der Ich-Erzähler beim Einkaufen einen kleinen Jungen, der von seiner Mutter zum Stehlen angehalten wird. Nach mehreren Begegnungen freunden sich die beiden an und er wird für ihn zu einer Bezugsperson. Genau hier wird der Roman spannend, denn nur weil Ishikawa aus seinem Leben verschwunden ist, gilt das nicht für Kizaki. Nakamuras Roman ist ein verhältnismäßig dünnes Büchlein, wenn man bedenkt, wie viel der Autor auf den Seiten unterbringt. Doch schon nach den ersten Seiten ist klar, warum ihm das gelingt. Seine Sprache ist knapp und sehr genau gewählt, er schreibt schnörkellos, prägnant und beschränkt sich auf die wichtigsten Informationen. Der Leser erfährt nichts, was für die Handlung nicht unbedingt erforderlich ist. Das ist auch gut, denn die hat es in sich. Die verschiedenen Handlungsstränge sind elegant miteinander verwoben und nach und nach erkennt man, dass vieles von langer Hand geplant und weniges Zufall war. Es geht um Macht, Machtlosigkeit und das eigene Schicksal. Und es bleibt bis zum Ende spannend und herausragend. So sehr, dass ich immer schneller gelesen habe und das Buch trotz Buchmesse-Müdigkeit einfach nicht weglegen konnte. Und dabei lese ich sonst gar keine Thriller…

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  • Ein Krimi der anderen Art... Schnörkellos und voller Intensität.

    Der Dieb

    Navi_M_Gray

    11. October 2015 um 14:24

    Ein Krimi der anderen Art... Schnörkellos und voller Intensität. Der Dieb erzählt seine Geschichte. Wir erfahren, wie er mit dem Stehlen begonnen hat, wer ihn unterwiesen hat, was er lernen dufte. Er bestiehlt nur die Reichen. Behält nur das Bargeld, das Portemonnaie wirft er anschliessend in einen Briefkasten, da er gehört hat, dass die Post, Geldbörsen an den Besitzer zurückschickt. Die Geschichte beginnt ganz gemächlich und ruhig. Dann lernt er jedoch eine Frau mit Kind kennen, die er beim Stehlen im Supermarkt erwischt. Zwischen ihm und dem Jungen entwickelt sich eine Art Freundschaft. Schliesslich wird er von seiner Yakuza-Vergangenheit eingeholt. Er und ein alter Freund müssen bei einem Einbruch mit Mord helfen. Alles geht gut, jedoch verschwindet sein Freund hinter her auf nimmer wiedersehen. Er selbst sollte die Stadt verlassen, tut es nicht und gerät erneut in die Fänge der Yakuza... Fuminori Nakamura verschwendet kein einziges Wort. Ohne Schnörkel und voller Intensität beschreibt er das Fühlen und Handeln seiner Figur. Ein bewegender Roman, der es vermag tief zu berühren und so ein breites Publikum anzusprechen vermag. Wieder ein wunderbares Buch aus dem Diogenes-Verlag.

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  • Aus dem Leben eines Taschendiebs

    Der Dieb

    Nespavanje

    01. October 2015 um 10:03

    Im Vordergrund steht ein kleiner Taschendieb, aus dessen Blickwinkel man die Großstadt Tokio erlebt und aus dessen Blickwinkel man verschiedene Menschen kennen und lieben lernt.  Die Großstadt ist sein Revier und in den alltäglichen Massen an Menschen, stiehlt er die Geldbörsen von Fremden so reibungslos, dass er sich manchmal gar nicht mehr bewusst an den Diebstahl erinner kann. Der Dieb hat keine Familie, keine Freunde, aber er hat eine Vergangenheit von der er eingeholt wird. Ishikawa war sein erster Partner und er bietet ihm eine Arbeit an, die er nicht ablehnen kann. Ich lese gerne asiatische und vor allem japanische Literatur. Die Liebe dazu wurde mir ganz früh zuteil, als ich mit 13 oder 14 Jahren, die Frauen des Hauses Wu von Pearl S. Buck gelesen habe. Der eine oder andere Leser wird mir nun vorwerfen, dass es sich um Frau Buck um eine amerikanische Schriftstellerin handelt. Allerdings hatten gerade die Unterschiede zwischen westlicher und fernöstlicher Kultur großen Einfluss auf die Werke der Schriftstellerin. Aber zurück zu Fuminori Nakamura und sein Werk, Der Dieb: Der Dieb ist der erste Roman, der von Fuminori Nakamura auf Deutsch erschienen ist und hoffentlich nicht der Letzte. 2010 wurde er bereits in Japan mit dem  Ōe-Kenzaburō-Preis ausgezeichnet und ist meiner Meinung nach ein Werk eines großartigen japanischen Literaten. Dieser Roman ist aber ein wenig mehr als ein konventioneller Thriller, er ist ein bewegendes, aber sehr reduziert erzähltes Stück Literatur und ein Roman der ohne lange und verschachtelte Sätze auskommt. Gegen Ende ahnt man es schon und tatsächlich bleibt das Ende offen. Ich mag solche intelligente Romane, auch wenn ich sie viel zu schnell ausgelesen habe, die auch nach dem Lesen lange in meinen Gedanken hängen bleiben. Hoffentlich werden bald mehr seiner Romane ins Deutsche übersetzt, die bestimmt auch weiterhin einen Weg in mein Bücherregal finden werden.

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  • Ob stehlen wirklich so einfach ist?

    Der Dieb

    Bibliomania

    07. September 2015 um 22:54

    Meisterhaft wird schon die erste Szene beschrieben: Wie einfach der Ich-Erzähler die Portemonnaies reicher Menschen an sich bringt, das Geld herausnimmt, aber die Brieftasche immerhin in deren Besitz zurück überführt. Doch plötzlich gerät alles in seinem Leben durcheinander. Er lernt eine Frau und einen kleinen Jungen kennen und wird von einem ehemaligen Auftraggeber angeheuert den Coup seines Lebens durchzuführen. Absolut spannend und mitreißend. Man fiebert mit und muss einfach wissen, was weiter passiert. Eine Entdeckung!

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