Die Maske

von Fuminori Nakamura 
4,3 Sterne bei25 Bewertungen
Die Maske
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Positiv (21):
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Meisterhaft, sperrig, verstörend. Es ist eine Herausforderung, diese Buch zu lesen - aber sie lohnt sich!

Kritisch (1):
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Leider eine Enttäuschung!

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Inhaltsangabe zu "Die Maske"

Die mächtige japanische Kuki-Familie folgt einer menschenverachtenden Tradition: der jeweils jüngste Sohn wird dazu erzogen, das Böse über die Menschheit zu bringen. Und so erhält Fumihiro eine Ausbildung, deren Ziel Zerstörung und Unglück ist, so viel ein einzelner Mensch nur vermag. Doch er hat andere Pläne: Fumihiro liebt das Waisenmädchen Kaori und will sie beschützen – und damit wird sein eigener Vater zu seinem schlimmsten Feind.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783257070217
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:352 Seiten
Verlag:Diogenes
Erscheinungsdatum:28.02.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    Schurkenblogvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Eine bösartige, düstere, hoffnungslose Familientradition sorgt für fesselnde Lesestunden. Absoluter Lesetipp!
    Bösartig, düster, hoffnungslos! Lesetipp!

    Tradition wird in Japan groß geschrieben. Ganz besonders dann, wenn man zum Kuki-Clan gehört. Fumihiro ist gefangen, denn sein Vater hat etwas ganz Besonderes mit dem Jungen vor. Er will der Welt ein Geschwür des Bösen geben. Dieses Geschwür hat einen Namen: Fumihiro.
    Der Clanpatriach verspricht den Jungen, dass er zum vierzehnten Geburtstag die Hölle kennen lernen wird. Dass bei diesem Plan seine Adoptivschwester Kaori eine große Rolle spielen ahnt er noch nicht. Grausam setzt der Patriach seine Familientradtion fort. Dann rückt der Geburtstag näher und so nach und nach tut sich das Grauen des Bösen auf.

    Fuminori Nakamura ist wohl auch so ein Japaner mit zwei Gesichtern. Sein erstes übersetztes Buch „Der Dieb“ liest sich nämlich ganz anders, das ist so eine Geschichte, die den Schalk im Nacken hat. In „Die Maske“ geht es auch um die Unterwelt Tokios, aber viel bösartiger, dunkler, hoffnungsloser.
    Beim Lesen war ich von der ersten Seite an gefesselt und tastete mich mit Beklemmungsgefühlen voran. Denn dieser alte böse Mann, Fumihiros Vater, lässt dem Jungen keine Chance. Und man ahnt: Das kann nur böse enden und überhaupt, diesen Traditionen entkommt man nicht. So ergeht es auch Fumihiro, der eigentlich ein guter Junge ist, dem aber keine Chance bleibt, sein Leben im Guten zu führen. In so einer Familie ist einfach kein Platz für Gutes, und genau das beweist Nakamura auf jeder Seite. Gut ist es nur für den Leser: Denn der verfolgt das fortschreitende Grauen und weiß: Das wird böse enden.
    Wieder einmal hat mich Fuminori Nakamura fesseln können. Und zwar von Anfang an. Denn auch sein zweites, sein richtig böses, Gesicht steht dem japanischen Autor richtig gut. Wer sich auf eine hoffnungslose Familientradition einlassen möchte, kommt um dieses Buch nicht rum. Bei all dem Bösen ist es nämlich verdammt gut zu lesen. Lesetipp!

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    Cornelia_Ruoffs avatar
    Cornelia_Ruoffvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Faszinierend und zugleich abstoßend!
    Faszinierend und zugleich abstoßend!

    „DIE MASKE“ VON FUMINORI NAKAMURA

    2. ZUM INHALT

    Der japanische Schriftsteller Fuminori Nakamura erzählt uns eine Geschichte, die ihresgleichen sucht.

    Es ist die Geschichte eines alten desillusionierten und überdrüssigen Mannes, der als Vermächtnis Schrecken und Terror in der Welt zurücklassen möchte, um seine Macht zu demonstrieren.

    Es ist die Geschichte eines Kindes, das mit elf Jahren seiner Kindheit beraubt wird und der letztendlich in einem Drama die Hauptrolle spielt. Der Vater inszeniert dieses Drama, indem er ein junges Mädchen adoptiert und der Natur ihren Lauf lässt..

    Fumihiro liebt Kaori, die von seinem Vater missbraucht wird. Schnell erkennt Fumihiro, dass die Hölle, die ihm sein Vater zeigen will, mit Kaori zu tun hat. Er will seine erste Liebe schützen und entwirft Pläne, seinen Vater zu töten.

    Fumihiro lebt mit dem Wissen, für das Böse bestimmt zu sein. Kann er aus dieser Rolle ausbrechen? Und zu welchem Preis?

    Als ein schreckliches Highlight des Romans, empfand ich die Szene im Keller, als sich Fumihiro seinem Vater entgegenstellt und er erkennt, dass auch dieser Schritt zum Plan seines Vaters gehört. Er kommt nicht aus diesem Fahrplan raus.

    „Verfluche das Glück! Menschen, die einen Menschen getötet haben, können unmöglich wieder vollkommen werden. Aber ganz böse, das geht. Das ist dein Lebensweg!

    Das Höllenfeuer ist eine lodernde teuflische Kraft, die alles Glück in der Welt zerstört. Sich ihr hinzugeben bedeutet ein unvergleichliches und berauschendes Vergnügen – wenigstens für einen kurzen Moment.“

    Der Vater wird von seinen nihilistischen und zerstörerrischen Gedanken zerfressen und geht unter mit der Hoffnung, die Familientradition mit Fumihiro weiter getragen zu haben.

    Fumihiro, der seinem Vater äußerlich immer ähnlicher wird, hat Angst, es auch innerlich zu werden. Er lässt sich operieren, hat nun das Gesicht eines Toten und nimmt dessen Identität an. Fumihiro, die Spielfigur seines Vaters, ist zerstört. Er hat sich seinem Schicksal entzogen.

    Sicherlich ist es auch als Gesellschaftskritik zu lesen. Firmen, die durch Krieg und Waffen ein hohes Einkommen erzielen,

    Diese Thematik, das „in der Rolle bleiben“, finden wir auch bei Haruki Murakami, sei es in 1Q84 oder Naokos Lächeln.

    Ich glaube, besonders in Asien hat das eine große Bedeutung,

    5/5 Punkten

    3. SPRACHLICHE GESTALTUNG

    Schon im Prolog erfahren wir, zu welchem Zweck Fumihiro gezeugt wurde. Das war für mich, wie ein Granateneinschlag. Kann ein Mensch den Willen haben, das Böse in die Welt zu setzen und sein eigenes Kind damit zu instrumentalisieren? Ich musste wissen, wie die Geschichte weitergeht. Ich war gefesselt.

    Dem Autor gelingt es, eine Atmosphäre zu schaffen, die dem Leser den Atem raubt. Es ist nicht alleine diese Unausweichlichkeit, sondern auch die Hilflosigkeit von Fumihiro und Kaori, die ich selbst beim Lesen empfand. Trotzdem hofft der Leser, dass es noch ein einigermaßen gutes Ende nimmt. Am meisten hat mich dabei beeindruckt, wie der Autor dem Leser diese unglaubliche Macht des Vaters vorführt. Das ist „Show ist, don’t Tell it“ vom Allerfeinsten.

    Der Roman spielt in einem Milieu des Kriminellen: Zuhälter, Mafia, korrupte Polizisten und Kriegstreiber. Der Krieg als Wirtschaftsmotor.

    Das Buch ist aus der Sicht Fumihiros und in der Ichform geschrieben. STOP! Eigentlich erzählt Schintani, die Identität seines neuen Gesichts. Er erzählt aus der Gegenwart (aus der Figur Schintani) von der Vergangenheit Fumihiros.  Mit seinem neuen Gesicht hat er Fumihiro abgelegt (Nihilismus?) Trotz der Ichform kommt das Geschehen nüchtern beim Leser an – geradezu emotionslos distanziert. Zumindest erging es mir so. Der Roman wird dem japanische Genre Noir zugeordnet.

    5/5 Punkten

    4. COVER UND ÄUSSERE ERSCHEINUN

    „Die Maske“ von Fuminori Nakamura, aus dem Japanischen von Thomas Eggenberg, hat 352 Seiten, einen Festen Einband und ist am 28.02.2018 unter der ISBN 9783257070217 bei Diogenes im Genre: Romane erschienen.
    Das Covermotiv ist ein Foto von Dan Winters. Ja! Ein schönes Motiv!

    Aber warum ein Weißkopfseeadler?

    Ich recherchierte über Dan Winters und über den Weißkopfseeadler. Dieser Adler hat eine lange Lebensdauer. Er hat außer dem Menschen keine natürlichen Feinde. Und er ist das Symbol der USA. Einem freiheitsliebenden Land. In Europa ist der Adler das Symboltier für Herrschaft, in Japan ist es der Drache.

    Ich glaube, der Weißkopfadler steht hier für Fumihiro, der aus seinem Schicksal „aussteigt“, die Identität eines Anderen annimmt und dessen Leben kopiert. Er allein hat es in der Hand, in welche Richtung die Zukunft geht. Wobei es bestimmt unterschiedliche Deutungsmöglichkeiten gibt.

    5/5 Punkten

    5. WAS SAGT FUMINORI NAKAMURA SELBST ZU SEINEM BUCH „DIE MASKE“?


    6. PAPEGO

    Diogenes nimmt mit diesem Buch am Papego Verfahren teil. Der Leser hat die Möglichkeit durch eine kostenlose App, das gedruckte und das digitale Buch zu lesen. Der Leser wählt zwischen Print und eBook.

    Das funktioniert so: Der Leser scannt die aktuelle Seite ein und die App öffnet die nächsten 100 Seiten. Die Darstellung ist minimalistisch – aber ausreichend. Ich lese tagsüber gerne Print – aber abends im Bett lieber digital. Man braucht kein Licht und stört den Partner nicht. Dafür gebe ich 6 von 5 Punkten. Einfach genial!

    Voraussetzung ist, dass die Verlage ihre Bücher für Papego freigeben. Als Kennzeichen liegt eine weiße Postkarte mit dem Schriftzug „Diogenes“ und „Lesen Sie jetzt, wie Sie wollen“ bei

    Es ist trotzdem kein eBook, sondern nur ein max. 25%iger Auszug daraus..

    7. FAZIT

    Friedrich Nietzsche sagt in „Jenseits von Gut und Böse“:

    „Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein“.

    Das Buch „Die Maske“ füllt dieses Zitat mit Leben. Ein Buch, das fasziniert und gleichzeitig Ekel hervorruft. Es ist ein Buch über menschliche Abgründe und auch als Warnung zu verstehen, sich nicht in eine Rolle pressen zu lassen, sondern sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

    Ich werde den ersten Roman von Fuminori Nakamura „Der Dieb“ auf meine Leseliste setzen. Nakamura ist ein Autor, der bestimmt noch einiges zu sagen hat. Sicherlich erinnert er an Haruki Murakami, weil beide Kritik an der japanischen Gesellschaft üben. Beide weisen darauf hin, dass Japan eine sehr hohe Selbstmordrate hat. Menschen verzweifeln an den Ansprüchen der Gesellschaft.

    Wie schon gesagt, werde ich von Fuminori Nakamura weitere Werke lesen. Ich kann ihn nur empfehlen! „Die Maske“ ist ein einzigartiges Buch..

    @diogenes
    Vielen Dank für das schöne Rezensionsexemplar!

    Ich vergebe insgesamt 5/5 Punkten.

    Connies Schreibblogg

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    MosquitoDiaos avatar
    MosquitoDiaovor 3 Monaten
    Skurril und fantastisch!

    Allein die ersten Seiten haben schon einen Einblick ermöglicht, was uns hier erwarten wird.
    Eine skurrile Geschichte, die einen abstößt und doch zugleich eine unglaublich faszinierende Wirkung auf einen hat.
    Ein Gedankengut, von dem man sich nicht vorstellen kann, dass es wirklich weiter getragen wird, weil es einfach zu abschreckend ist.

    Fumihiro ist der jüngste Sprössling der Kuki-Familie und trägt dadurch eine gewaltige Last auf seinen Schultern.
    Seine Geschwister sind weit älter und ihm völlig unbekannt, fast genauso wie seine Mutter. Scheinbar einzig sein Vater ist ihm geblieben, der jedoch weit mehr als nur exzentrisch zu bezeichnen ist.
    Selbst in seinen jungen Jahren durchschaut er schon wesentlich mehr, als ihm zu getraut wird und hat Zeichen davon auf seiner Seele getragen. Doch dann kommt das Waisenmädchen Kaori ins Spiel und scheint seinem Leben einen neuen Sinn zu geben.
    Bei jeder Handlung, Wendung und Erklärung habe ich an den Seiten gehangen und war gefangen zwischen Unbehagen und ungefesselter Neugier. Diese beiden jungen Menschen, denen die Welt eigentlich noch offen liegen sollte, scheinen ein Schicksal vorherbestimmt zu haben, das man niemandem wünschen würde.

    Der Autor schafft hier eine einzigartige Atmosphäre, die Spannung und Literatur zu einem Höhepunkt zusammenbringt, die ich kaum in Worte fassen kann. Es werden nicht nur alltägliche Aspekte in die Geschichte eingebunden, sondern vor allem Kuriositäten, die ich vorher nie für möglich gehalten hätte, hier aber blind geglaubt habe. Ich habe die Geschichte mit durchlebt und mich gefangen gefühlt in einem Netz, das scheinbar nicht zu durchbrechen ist.
    Der Schreibstil lässt es quasi gar nicht zu, dieses Buch aus der Hand zu legen, weil man keinesfalls ein Detail verpassen möchte, das dem ganzen zu einem glimpflichen Ende verhelfen könnte.

    Obwohl man der Geschichte aus der Sicht von Fumihiro folgt, scheint er dennoch unnahbar und seine Absichten stellen sich als wesentlich verzwickter heraus, als ich sie anfänglich eingeschätzt hätte.
    Allgemein hat diese Geschichte so viel bereitgehalten, auf das ich einfach nicht vorbereitet war. Der Klappentext lässt zwar schon auf eine einzigartige Geschichte vermuten, und dennoch trifft es einen einfach unvorbereitet.
    Der Abgrund der Menschheit muss nicht nur einen bösen Willen als Motiv haben, es reicht auch einen Menschen bis zum letzten Rest zu zerstören und damit leben zu lassen.

    „Was ich dir zu sagen habe, wird für dein Leben von großer Bedeutung sein…“

    FAZIT

    Mit Die Maske hat Fuminori Nakamura wahrlich ein Meisterwerk geschaffen, das einen die menschlichen Abgründe zeigt, ein Hauch von dem, was uns alle erwarten könnte und zeitgleich den Weg, um dies niemals zuzulassen.
    Eine Geschichte, die mich einfach nicht mehr losgelassen hat und mir noch sehr lange Zeit in Erinnerung bleiben wird.
    Man liest dieses Buch nicht einfach nur, man lebt es. Und wenn es endet, versucht man den Schock zu überwinden und wieder an die Oberfläche zu gelangen.

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    Bibliomanias avatar
    Bibliomaniavor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Mysteriös, verzwickt, japanisch! Fast so gut wie "Der Dieb", mehr davon bitte!
    Die Maske

    Mit seinem Buch "Der Dieb" hat sich Fuminori Nakamura sofort in mein Japan-Liebhaber-Herz geschrieben. So war ich natürlich gespannt auf das zweite Buch und wie es bei Diogenes so üblich ist, wurde ich nicht enttäuscht.

    Fumihiro Kuki ist der jüngste Sohn in dem mächtigen Clan der Kuki-Familie. Sein Vater ist schon recht alt und folgt einer Familientradition: der jüngste Sohn wird zu einem "Geschwür" ausgebildet und soll Böses über die Menschheit bringen. Als Fumihiro noch ein Junge ist, wird ein Waisenmädchen in die Familie aufgenommen. Er ist sofort von ihr fasziniert und verliebt sich sehr schnell in das hübsche Mädchen. Doch Fumihiro wird älter und sein Vater macht ihm immer wieder deutlich, dass er ihm die Hölle zeigen wird. Fumihiros Gedanken kreisen immer mehr um Kaori und er macht es sich zum Lebenssinn sie auf immer und ewig zu beschützen.
    Ein spannender Roman voller Emotionen. Die Beschreibung Fumihiros und seiner Gedankenwelt brennen sich dem Leser ein. Man leidet mit ihm, kann ihn verstehen und auch wieder nicht. Möchte ihm helfen und dafür sorgen, dass sich alles fügt. Möchte ihm Mut oder Zurückhaltung verleihen. Seine Liebe zu Kaori ist echt und tief. Als Leser wünscht man den beiden Glück und eine Zukunft. Doch so einfach ist es für Fumihiro nicht. Immer wieder trifft er auf Menschen oder suchen ihn auf, um ihn auf ihre Seite zu ziehen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, dabei will Fumihiro doch nur eins: glücklich sein.
    Ich bin so sehr in die Geschichte eingetaucht, dass ich das Ende erst bemerkte, als ich keine Seite mehr umblättern konnte. Faszinierend und spannend geschrieben, eine tolle Idee, die Nakamura sehr gut umgesetzt hat. Der Kampf eines einzelnen gegen Viele. Und am Ende bleibt die Frage: Kann man glücklich werden?

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    Ricchizzis avatar
    Ricchizzivor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Eine unerwartete Tiefgründigkeit über die menschlichen Abgründe. Wahnsinnig gut geschrieben.
    ABSTRAKT. FASZINIEREND. WAHNSINNIG.

    „Was ich dir zu sagen habe, wird für dein Leben von großer Bedeutung sein“, damit beginnt der Roman und legt eine beeindruckende Startvorlage hin. Fuminori Nakamura lockte mich durch seinen Klappentext, der jedoch rückblickend so viel weniger über den Roman aussagt und einen nicht auf das vorbereitet, was im Roman letztendlich auf einen wartet: Die menschliche Tiefe.

    Warum tat ich das alles nur, wenn ich doch eigentlich gar nicht existieren wollte?
    Die Maske | Fuminori Nakamura

    Der Schreibstil ist recht distanziert, obgleich er aus der Perspektive des Protagonisten in Ich-Form geschrieben ist, so betrachten wir das Geschehene relativ nüchtern. Was die Gesamtvorstellung jedoch umso grotesker, makabrer und faszinierender gestaltete. Obwohl es nicht emotional geschrieben wurde, fühlt man sich dem Geschehenen dennoch nahe und kann jeden einzelnen Gedankengang perfekt nachvollziehen.

    Wenn wir nachdenken, brauchen wir Wörter. Leute, die Bücher schreiben, denken über nichts anderes als Wörter nach. Während alle anderen eine Menge Dinge tun, beschäftigen sie sich ausschließlich damit, wie das Leben in Sprache übersetzt werden kann. Wenn ich deren Bücher lese, dann könnte das meine Gedanken bereichern, mich aus meiner eigenen Welt befreien, dachte ich.
    Die Maske | Fuminori Nakamura

    Die Gedankengänge sind es, die mich am meisten in den Bann zogen. Der Autor ließ uns in die tiefen Abgründe der menschlichen Psyche blicken und rollte Themen auf, die absolut nicht alltäglich sind. Wir verfallen einem Wahnsinn, der kaum in Worte auszudrücken ist. Die negativen Aspekten der Menschheit werden hier in den Vordergrund gerückt und ließen mich nicht nur einmal erschaudern. Meist spielt ein Roman eher darauf ab, das Leben in seiner ganzen Schönheit zu betrachten. Doch hier steht der Fokus auf der gegenteiligen Seite: Es geht um Mord, Tot, Krieg und die Sinnlosigkeit des Lebens. Während des Lesens verfällt man stellenweise dem Größenwahn der überall durchsickert. Und obwohl die Thematik von negativer Natur ist, fühlte ich mich selbst, eben durch den distanzierten Schreibstil, nicht befangen oder in meiner Laune beeinträchtigt. Es war schlichtweg wahnsinnig interessant und gleichsam erschreckend aufregend diese Geschichte zu lesen.

    Ich fühlte mich von mir und meinem vergangenen Leben wie losgelöst. Alles schien mir seltsam klar. Vielleicht habe ich diesen Zustand damals sogar genossen. Sämtliche Hoffnungen und Wünsche verloren zu haben und nur noch Zuschauer zu sein, das erleichterte mich.
    Die Maske | Fuminori Nakamura

    Der Roman ist in mehrere Abschnitte eingeteilt, die alle für sich einen Zweck verfolgen. Die Entwicklung des Protagonisten und auch der Nebenfiguren waren beeindruckend ausgearbeitet. Die menschliche Psyche analysierte Fuminori Nakamura ausgesprochen akribisch und machte sich Schritt für Schritt Gedanken um die Konsequenzen jedes Handelns.

    Und ich bin immer noch am Leben. Immerhin. Ich werde hungrig, schwitze, habe das Bedürfnis, von einer Frau berührt zu werden, so wie jetzt. Diese körperlichen Zwänge waren mir schon immer unangenehm, aber ich kann ja nichts dagegen machen. Sie lassen mich spüren, dass ich lebendig bin. Als dränge sich mir das Leben mit aller Macht auf, als wollte es mich dem Abgrund entreißen.
    Die Maske | Fuminori Nakamura

    Die Maske ist ein Roman, bei dem ich nicht mit solch einer Tiefgründigkeit gerechnet habe. Die Abgründe, in denen wir uns begeben, treten unerwartet und schockierend auf. Durch diesen unvermuteten Handlungsverlauf, entfaltete sich für mich eine spannende Lektüre, die mich Seite um Seite packte. Trotz der einnehmenden und wirklich anspruchsvollen Thematik rund um die menschliche Psyche, wurde es nicht ansatzweise langweilig oder langatmig: Eher im Gegenteil. Je mehr ich mich in den Gedankengängen und Reden über das Leben einlas, desto mehr wollte ich darüber erfahren.

    Ich denke oft, am Ende besteht unser Leben nur aus Verstrickungen. Unser Wille und unsere Wünsche, sie treiben uns vielleicht an, aber sie sind eben auch nur Resultat unserer Verstrickungen. Verstehst du, was ich meine?
    Die Maske | Fuminori Nakamura

    Der rote Faden ist zunächst nicht ersichtlich, doch gerade durch diese Art zu schreiben, wurde der Roman zu einer Art Kunstwerk. Das Gesamtkonzept ist grotesk und fast schon mit einem surrealen Gemälde zu vergleichen, welches nicht direkt Aufschluss über dessen Intention gibt. Doch gerade das ist der Grund, weshalb Die Maske so faszinierend ist: Es ist nie klar, wohin uns der Autor leitet und welche Abgründe wir noch erforschen sollen, welch makabrem Wahnsinn wir uns noch aussetzen müssen, bevor er den Schlussstrich mit dem Wort Ende zieht.

    Das ist der Vorteil einer Depression. Ich kann erkennen, dass der Tod nicht das ende ist. Er ist nur ein Baustein, ein Baustein auf dem Weg zu mir selbst.

    Fazit: 
    Mit Die Maske hat Fuminori Nakamura ein unfassbar beeindruckendes Werk über die Abgründe der Menschheit geschrieben, eingeflochten in einer Liebesgeschichte mit einer Tiefgründigkeit, die mich auch nachhaltig noch prägt. Dieser Roman ist unvorhersehbar, gleicht einem unergründlichen Kunstwerk, welches einen gleichzeitig begeistert, fasziniert und verwirrt. Ein unbedingt lesenswerter Roman, der einen in den Bann ziehen wird und Wege aufweist, über die man so gewiss nicht allzu häufig und in der Intensität nachgedacht hat.

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    letusreadsomebookss avatar
    letusreadsomebooksvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Düstere, brutale und spannungsgeladene Geschichte - atmosphärisch dicht und ein absoluter Pageturner!
    Düstere Geschichte über Schuld und Moral

    Als Fumihiro Kuki noch ein Kind ist, warnt ihn sein Vater, dass er ihn als Jugendlichen zu einem sogenannten Geschwür erziehen will. Nach einer alten Familientradition gebe es immer wieder jemanden, der im Namen der Familie Unheil über die Welt bringen solle, Tod, Gewalt, Verderben. Doch Fumihiro, der jeglicher Wärme und Vaterliebe entbehren musste, will sich seinem Vater widersetzen. Als das hübsche Waisenmädchen Kaori ins Haus einzieht, verliebt sich Fumihiro in sie und sieht sich gezwungen, sie gegen seinen Vater zu verteidigen. Doch Jahre später noch trägt Fumihiro die Lasten seiner frühen Taten mit sich herum. Unter einer fremden Identität lebt er nun in einer anderen Stadt und beauftragt einen Detektiv, seine Jugendliebe Kaori wiederzufinden, während er selbst gegen die Schatten seiner Vergangenheit ankämpft.

    „Nichts ändert sich. Du wirst ein Geschwür sein. Eine negative Kraft auf dieser Welt. Indem du mich tötest, werde ich ein untrennbarer Teil von dir. Das ist die eigentliche Bedeutung von Mord. Und genau darin liegt die größte Versuchung: sich einen anderen Menschen einzuverleiben, im Tausch gegen die Deformation des eigenen Wesens.“

    Die Maske ist nach Der Dieb erst Fuminori Nakamuras zweites Buch, das ins Deutsche übersetzt wurde. In Japan hat der 1977 geborene Schriftsteller bereits fünfzehn Romane und mehrere Kurzgeschichtensammlungen veröffentlicht. Warum der deutsche Buchmarkt erst so spät auf ihn aufmerksam wurde und zwischen den deutschsprachigen Veröffentlichungen von Der Dieb und Die Maske glatte drei Jahre verstreichen mussten (und auch, warum das Feuilleton letzten Monat geschlafen und nicht über das Buch berichtet hat), ist mir schleierhaft, denn Nakamura ist meiner Meinung nach ein ausgezeichneter Autor, sofern ich das nach nur einem seiner Romane beurteilen kann.

    Anfänglich kam ich zugegebenermaßen nicht umher, Die Maske mit Werken Murakamis zu vergleichen. Ob es an der schlichten aber eindringlichen Sprache oder doch an dem düsteren, etwas verqueren Setting oder auch an beidem lag, vermag ich nicht zu sagen. Gewisse Elemente, wie der seltsam hartnäckige Kommissar, der Fumihiro verfolgt, aber auch die weit zurückgreifenden Familiengeschichten, die mit dem Krieg verbunden sind, haben mich schon ein wenig an Bücher von Nakamuras japanischem Schriftstellerkollegen erinnert. Gerade Fumihiros Vater wirkte auf mich wie eine noch grausamere Version von Kafka Tamuras Vater aus Kafka am Strand gepaart mit Andreas Corelli, dem mysteriösen und zwielichtigen Verleger aus Carlos Ruiz Zafóns Das Spiel des Engels. Auch atmosphärisch habe ich gewisse Ähnlichkeiten zu Murakami und Zafón gespürt – vielleicht hat mir das Buch ja gerade deshalb so gut gefallen, weil ich diese beiden Autoren wahnsinnig gerne lese?!

    Aber trotz vermutlich unbeabsichtigter Parallelen – immerhin nennen sowohl Murakami als auch Nakamura Franz Kafka und Fjodor Dostojewski als ihre literarischen Vorbilder –, ist Die Maske ein sehr eigener Roman, der seinen ganz speziellen Charme hat. Düster, brutal, spannend und mitreißend ist die Geschichte um Fumihiro Kuki, sein neues Leben, seine alte Liebe und die Fesseln seiner Vergangenheit, die er einfach nicht abschütteln kann. Wäre Die Maske ein Film, wäre er definitiv in Schwarz-Weiß, vermutlich sogar ein Film Noir, mit stimmungsvoller Musik, beispielsweise Miles Davis „Lift to the Gallows“.

    Das Buch bewegt sich zwischen Großstadtroman, Kriminalgeschichte, (Polit)Thriller und äußerst dunkler Familiengeschichte. Ein einzelnes Genre möchte man ihm gar nicht zuweisen, ihm keine Grenzen setzen, denn dann kann es sich am besten mit all seiner Wirkung frei entfalten. Die Geschichte beginnt schon auf den ersten Seiten spannend, als sich anbahnt, welch ein Schicksal Fumihiro bevorsteht, und das Tempo und der Nervenkitzel lassen auch im Verlauf des Romans nicht nach. Geschickt verwebt Nakamura Fumihiros Suche nach Kaori mit dem Erscheinen einer terroristischen Gruppe, unbekannten Feinden sowie einem plötzlich auftauchenden älteren Bruder, der das ‚Familiengeschäft‘ der Kukis auf seine ganz eigene Art weiterführt. So tauchen ständig neue Hindernisse für den Protagonisten auf, die weder ihn noch die Leser verschnaufen lassen. Die Maske ist ein Pageturner im allerbesten Sinne des Wortes: man kann es kaum aus der Hand legen und ist traurig, wenn die verrückte und rasante Reise in die menschlichen Abgründe dann doch auf einmal vorbei sein soll.

    Fumihiros kontrastierende Wünsche, nicht so sein zu wollen, wie sein grausamer Vater, aber dennoch (oder gerade deswegen) dem Treiben des Vaters endlich ein Ende zu setzen, werden auf starke Weise dargestellt. Gleichsam der Umgang mit dem Verbrechen, mit dem Begehen eines Mordes: kann ich überhaupt weiterleben, wenn ich getötet habe? Wie schaffe ich das, ohne dem Wahnsinn zu verfallen? Obwohl der junge Fumihiro nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten wollte, tut er es doch, und zwar gleich mehrmals – um der Liebe willen, um Kaori zu beschützen und um diejenigen zu bestrafen, die selbst moralisch verwerflich gehandelt haben. Die innere Zerrissenheit des jungen Kuki-Sprosses wird trotz Distanz zwischen Protagonist und Leser extrem gut rübergebracht. Auch wenn ich mich nicht hundertprozentig mit Fumihiro verbunden fühlte, was vielleicht an der sehr ausgefallenen Story lag, konnte ich den internen Konflikt, der zeitweise philosophische Züge annimmt, durchaus mitfühlen und nachvollziehen.

    Der japanische Autor Fuminori Nakamura hat mit seinem düsteren und spannenden Roman Die Maske etwas geschafft, was schon länger kein mir vorher unbekannter Autor erreicht hat: er hat mich umgehauen, er hat mich mit seinem Sog und seiner dichten Atmosphäre mitgerissen und er hat mich wahnsinnig neugierig auf den Mann gemacht, der dieses Buch geschrieben hat. Ich möchte nun unbedingt auch Nakamuras anderen Roman, Der Dieb, lesen und hoffe, dass ganz bald weitere seiner Werke ins Deutsche übersetzt werden.

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    killmonotonyvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Ein düsteres Portrait einer eigentlich guten Seele, die zum Preis, ihre Liebe zu schützen, zerrissen wird.
    Rezension: Die Maske

    Bereits im Oktober, beim Bloggertreffen von Diogenes auf der Frankfurter Buchmesse, wurde Fuminori Nakamuras neuer Roman „Die Maske“ vorgestellt. Die Vorfreude steigerte sich bis Februar ins Unermessliche, bis das neue Werk dann endlich vor mir lag. Und dann wurde es an einem Tag verschlungen. Bereits letztes Jahr konnte mich Nakamuras „Der Dieb“ überzeugen und so war ich gespannt, wie der neue Roman werden würde. Der Klappentext versprach Spannung und einen Einblick in die menschlichen Abgründe. Es geht um Fumihiro, den letzten Sohn einer Industriegiganten-Familie, den Kukis, der von seinem Vater mit 60 Jahren gezeugt wurde und ganz der Tradition nach als „Geschwür“ aufwachsen soll, das Unheil über die Menschen bringt. Fumihiros Vater adoptiert ein junges Mädchen, das genauso alt ist wie sein jüngster Spross, und hält ihm zu Beginn des Buchs die Ansprache, die Fumihiros Leben verändern soll: Mit vierzehn Jahren würde er ihm die Hölle auf Erden zeigen, die ihm schließlich zu dem machen soll, wozu er genetisch bestimmt ist. Doch Fumihiro hegt andere Pläne, denn er will weder die fragwürdige Tradition fortführen noch seinen Vater, der für ihn nie einer war, über sein Leben bestimmen lassen. Er und Kaori, das adoptierte Mädchen, kommen sich derweil immer näher und als Fumihiro mitbekommt, was sie für seinen Vater für Dinge tun soll, fasst er den Entschluss, der in seinem Inneren bereits reifte, endlich in Worte: Vater muss sterben.

    Ist es wirklich immer falsch, einen Menschen zu töten? Ist es ein Verbrechen, jemanden zu töten, der alles daransetzt, dir zu schaden und demjenigen, der dir alles bedeutet? Oder ist das nur unser Egoismus?

    Ein spannendes Set-up, ein zu allem entschlossener Protagonist und der Vater, der zu seinem Erzfeind wird, das alles packt Fuminori Nakamura hier zu diesem grandiosen Werk zusammen. Wir begleiten Fumihiro dabei, wie er seinen Mord plant und wie es schließlich zur Ausführung kommt — wenn auch etwas anders, als er sich das vorgestellt hatte. In den folgenden Wochen leidet Fumihiro körperlich und geistig unter seiner Tat, ein Fieber quält ihn und zehrt ihn aus. Später bemüht er sich, sein normales Leben mit Kaori an seiner Seite wieder aufzunehmen, doch ausgemergelt wie er ist, scheint das Gesicht seines toten Vater mehr und mehr Besitz von ihm zu ergreifen. Er ist nicht mehr fähig, ein normales Teenager-Leben zu führen, alles scheint überschattet von dem Mord. Wir springen in die Gegenwart, wo er als junger, von Psychosen zerfressener Mann Kaori von einem Privatdetektiv überwachen lässt, um zu schauen, wie es der Liebe seines Lebens geht und ob sie ebenfalls an ihrer gemeinsamen Vergangenheit leidet. Wir begeben uns in die Abgründe der Menschlichkeit, sehen, wie eine zerrissene Seele zum Untergang eines Menschens führt. Fumihiro ist Opfer der selbst erfüllenden Prophezeiung und letzten Endes tatsächlich zum Geschwür geworden, auch wenn er zunächst niemandem mit seiner negativen Kraft schadet außer sich selbst. Sein Wesen deformiert sich, wird zu einem schwarzen Schmetterling, dessen Gedanken alles zu zerreißen drohen. Sein Vater trichterte ihm stets ein, dass Mord an einem Menschen widernatürlich sei, kein Tier der Welt töte seine Artgenossen, und so sei es auch mit den Menschen — Kaori merkte es damals und Fumihiro war sich in der ersten Nacht seines Fiebers bereits bewusst gewesen, dass von nun an alles anders sein würde.

    Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de/rezension/fuminori-nakamura-die-maske

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    killmonotonys avatar
    killmonotonyvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Ein düsteres Portrait einer eigentlich guten Seele, die zum Preis, ihre Liebe zu schützen, zerrissen wird.
    Rezension: Die Maske

    Bereits im Oktober, beim Bloggertreffen von Diogenes auf der Frankfurter Buchmesse, wurde Fuminori Nakamuras neuer Roman „Die Maske“ vorgestellt. Die Vorfreude steigerte sich bis Februar ins Unermessliche, bis das neue Werk dann endlich vor mir lag. Und dann wurde es an einem Tag verschlungen. Bereits letztes Jahr konnte mich Nakamuras „Der Dieb“ überzeugen und so war ich gespannt, wie der neue Roman werden würde. Der Klappentext versprach Spannung und einen Einblick in die menschlichen Abgründe. Es geht um Fumihiro, den letzten Sohn einer Industriegiganten-Familie, den Kukis, der von seinem Vater mit 60 Jahren gezeugt wurde und ganz der Tradition nach als „Geschwür“ aufwachsen soll, das Unheil über die Menschen bringt. Fumihiros Vater adoptiert ein junges Mädchen, das genauso alt ist wie sein jüngster Spross, und hält ihm zu Beginn des Buchs die Ansprache, die Fumihiros Leben verändern soll: Mit vierzehn Jahren würde er ihm die Hölle auf Erden zeigen, die ihm schließlich zu dem machen soll, wozu er genetisch bestimmt ist. Doch Fumihiro hegt andere Pläne, denn er will weder die fragwürdige Tradition fortführen noch seinen Vater, der für ihn nie einer war, über sein Leben bestimmen lassen. Er und Kaori, das adoptierte Mädchen, kommen sich derweil immer näher und als Fumihiro mitbekommt, was sie für seinen Vater für Dinge tun soll, fasst er den Entschluss, der in seinem Inneren bereits reifte, endlich in Worte: Vater muss sterben.

    Ist es wirklich immer falsch, einen Menschen zu töten? Ist es ein Verbrechen, jemanden zu töten, der alles daransetzt, dir zu schaden und demjenigen, der dir alles bedeutet? Oder ist das nur unser Egoismus?

    Ein spannendes Set-up, ein zu allem entschlossener Protagonist und der Vater, der zu seinem Erzfeind wird, das alles packt Fuminori Nakamura hier zu diesem grandiosen Werk zusammen. Wir begleiten Fumihiro dabei, wie er seinen Mord plant und wie es schließlich zur Ausführung kommt — wenn auch etwas anders, als er sich das vorgestellt hatte. In den folgenden Wochen leidet Fumihiro körperlich und geistig unter seiner Tat, ein Fieber quält ihn und zehrt ihn aus. Später bemüht er sich, sein normales Leben mit Kaori an seiner Seite wieder aufzunehmen, doch ausgemergelt wie er ist, scheint das Gesicht seines toten Vater mehr und mehr Besitz von ihm zu ergreifen. Er ist nicht mehr fähig, ein normales Teenager-Leben zu führen, alles scheint überschattet von dem Mord. Wir springen in die Gegenwart, wo er als junger, von Psychosen zerfressener Mann Kaori von einem Privatdetektiv überwachen lässt, um zu schauen, wie es der Liebe seines Lebens geht und ob sie ebenfalls an ihrer gemeinsamen Vergangenheit leidet. Wir begeben uns in die Abgründe der Menschlichkeit, sehen, wie eine zerrissene Seele zum Untergang eines Menschens führt. Fumihiro ist Opfer der selbst erfüllenden Prophezeiung und letzten Endes tatsächlich zum Geschwür geworden, auch wenn er zunächst niemandem mit seiner negativen Kraft schadet außer sich selbst. Sein Wesen deformiert sich, wird zu einem schwarzen Schmetterling, dessen Gedanken alles zu zerreißen drohen. Sein Vater trichterte ihm stets ein, dass Mord an einem Menschen widernatürlich sei, kein Tier der Welt töte seine Artgenossen, und so sei es auch mit den Menschen — Kaori merkte es damals und Fumihiro war sich in der ersten Nacht seines Fiebers bereits bewusst gewesen, dass von nun an alles anders sein würde.

    Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de/rezension/fuminori-nakamura-die-maske

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    Flaventusvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Der Wechsel der Zeitebenen gepaart mit dem nicht heldenhaften Hauptprotagonisten haben für eine sehr hohe Lesemotivation gesorgt.
    Spannend, anders, verstörend

    Ich fand dieses Buch verstörend. Wie in aller Herrgotts Namen kann man sein jüngstes Kind zu einem Geschwür erziehen, dessen einziges Ziel sein soll, Unheil über die Welt zu bringen? Das zeugt von jener fremdländischen Kultur, die die Herkunft des Autors verspricht.

     

    Anders

    Mein von den Medien geprägtes Halbwissen über Japan scheint mit diesem Buch bestätigt. Vieles, was die japanische Kultur ausmacht, ist für uns Abendländer fremd. Diese Andersartigkeit übt aber auch einen gewissen Reiz aus, so dass allein schon dadurch dieses Buch etwas besonderes ist (zumindest für all jene, die nicht häufiger zu japanischer Literatur greifen).

    Allein schon die Gestaltung der Dialoge spiegelt das japanische Sein wieder, wie ich es aus hiesiger Literatur nicht kenne. Schade dabei ist allerdings, dass die Ausarbeitung der Charaktere und der Umgebung ein wenig hinter der Erzählung zurückstecken musste. Gerade dadurch, dass die Geschichte aus der Ich-Perspektive eben jenes jüngsten Sohns Fumihiro erzählt wird, hätte mehr drinnen sein können.

     

    Geschwür

    Dennoch gewährt Nakamura einen Blick auf die Taten und Motivation des Hauptprotagonisten und spielt dabei gekonnt mit Vergangenheit und Gegenwart. Liegt der Schwerpunkt der Erzählung am Anfang in der Vergangenheit, verschiebt sich dieser nach und nach zur Gegenwart und verweilt dort zum Ende hin. Dadurch wird ein angenehmer Spannungsbogen erzeugt.

    Ein bisschen im Unverständnis blieb mir persönlich die Motivation verborgen, weshalb es in einem japanischen Klan unbedingt eine Person geben muss, deren Aufgabe darin besteht, Unheil über die Welt zu bringen. Hier hätte ich mir mehr Einblicke gewünscht. Hinter dieser Fassade versteckt sich dann allerdings ein mehr oder weniger gewöhnlicher Krimi bzw. Thriller, was dafür spricht, dass diese Elemente eher Mittel zum Zweck sind.

     

    Fazit

    Das Buch hat einen gewissen Reiz. Auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass ein bisschen mehr Charakterausgestaltung vorhanden und mehr über die Lebensweise der Japaner vermittelt worden wäre, konnte mich das Buch über weite Strecken fesseln. Der Wechsel der Zeitebenen gepaart mit dem eben nicht vollkommenen oder gar heldenhaften Hauptprotagonisten haben zumindest bei mir für eine sehr hohe Lesemotivation gesorgt, so dass ich dieses Buch bedenkenlos weiterempfehlen kann.


    Diese und weitere Rezensionen finden sich auf meinem Bücherblog.

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    MitAussichts avatar
    MitAussichtvor 7 Tagen
    Kurzmeinung: Meisterhaft, sperrig, verstörend. Es ist eine Herausforderung, diese Buch zu lesen - aber sie lohnt sich!
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