Gérald Bronner

 4,6 Sterne bei 5 Bewertungen

Lebenslauf

Gérald Bronner ist Professor für Soziologie an der Université de Paris sowie Mitglied der bedeutenden wissenschaftlichen Gelehrtengesellschaften "Académie nationale de médecine" und "Académie des technologies". Er forscht über kollektiven Glauben, Fanatismus, Radikalisierung, Verschwörungstheorien und deren soziale Folgen und hat in Frankreich zahlreiche preisgekrönte Bücher veröffentlicht. "Apocalypse cognitive" wurde bereits mit dem "Prix Aujourd’hui", dem "Prix étudiant du Livre Politique – LCP" und dem "Grand prix BFM Business du livre éco" ausgezeichnet.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Gérald Bronner

Cover des Buches Kognitive Apokalypse (ISBN: 9783406791284)

Kognitive Apokalypse

 (4)
Erschienen am 15.09.2022
Cover des Buches Fake News und Verschwörungstheorien (ISBN: 9783964280138)

Fake News und Verschwörungstheorien

 (1)
Erschienen am 01.02.2019

Neue Rezensionen zu Gérald Bronner

Cover des Buches Kognitive Apokalypse (ISBN: 9783406791284)
wschs avatar

Rezension zu "Kognitive Apokalypse" von Gérald Bronner

Sehr frankophil und sehr lesenswert
wschvor einem Jahr

Gérald Bronner, Professor für Soziologie an der Universität Paris VII, zitiert verständlicherweise die Ergebnisse vieler Studien, die am Ende von an weiteren französischen Instituten durchgeführten Forschungen und Tests festzustellen waren. Was nicht weiter stört, denn diese Ergebnisse sind durchaus nicht nur auf Deutschland, sondern auf nahezu alle Länder der Welt übertragbar.

Beim Lesen des Buches sollte ein Fremdwörterbuch griffbereit liegen: einfach und flüssig zu lesen ist es nicht. 

Aber schon eine der ersten Feststellungen des Autors weckt das Interesse:

"Ein Schatz von unschätzbarem Wert - Auf lange Sicht weist in der menschlichen Geschichte alles auf eine ständige Zunahme der verfügbaren Gehirnzeit hin." (S. 46)


Und was geschieht in zunehmendem Maß mit dieser verfügbaren Gehirnzeit, also der Zeit, während der man eigenständig nachdenken oder auch die Natur geniessen könnte? Sie wird mit im Grunde genommen sinnlosem Starren auf den Bildschirm des PC oder in noch weitaus grösserem Maß Starren auf das Display des Smartphones vergeudet. Mit immer raffinierteren Tricks gelingt es den Beherrschern des Medien- und EDV-Marktes den Anwendern diese Zeit zu stehlen. Wer kennt sie nicht: die Fahrgäste in Bussen, UU-, S- und Straßenbahnen, Kinderwagen schiebende Mütter, Fußgänger, nahezu alle starren auf das Display, viele wischen wie die Wilden auf dem Mäuseklavier, 'Tastatur' genannt, ihres Smartphones rum. Als ob es nichts Wichtigeres, Schöneres, gäbe als zu erfahren, wie viele 'Likes' während der vergangenen paar Minuten hinzu gekommen sind. Von wildfremden Menschen...


"In den letzten Jahren sind fast 300 Menschen durch «Selficide» ums Leben gekommen. So nennt man es, wenn Menschen den Versuch, ein Selfie zu machen, mit dem Leben bezahlen, weil sie dabei zu nah an einem Abgrund oder einem vorbeifahrenden Zug stehen oder sich zum Spaß eine Pistole an die Schläfe halten. [...] Manche natürlichen Landschaften werden von Millionen Instagram-Nutzern verunstaltet, die unbedingt 'das' außergewöhnliche Foto aufnehmen und verbreiten wollen." (Seite 122f.)


"In öffentlichen Verkehrsmitteln, im Wartezimmer, ja selbst in unseren Betten beim Aufwachen oder Einschlafen vergeht kein Augenblick der Ruhe, in dem wir nicht versucht wären, uns die Leere durch einen Blick auf diese Geräte zu vertreiben. [...] ... Studie hat gezeigt, dass sich Versuchspersonen lieber Elektroschocks zufügen ließen als gezwungen zu sein, einen Augenblick der Stille (von 6 bis 15 Minuten Dauer) zu ertragen, die sie doch einfach mit Nachdenken hätten verbringen können." (Seite 246f.)


Der Autor analysiert auch, wie es beispielsweise Donald Trump durch massive Nutzung seines seinerzeitigen Lieblingsmediums Twitter gelungen ist, trotz seiner abertausenden Lügen Präsident der USA zu werden und die Nation zu spalten.


Es wird immer gefordert, den Kindern und Jugendlichen einen sinnvollen Umgang mit den neuen Medien zu vermitteln. Eine gerechtfertigte Forderung angesichts der alles durchdringenden Macht dieser Medien. Es ist jedoch keine schlechte Idee, sich nach der Lektüre dieses Buches selbst zu hinterfragen, ob man nicht selbst schon auf dem Weg in die 'kognitive Apokalypse' ist.


Cover des Buches Kognitive Apokalypse (ISBN: 9783406791284)
B

Rezension zu "Kognitive Apokalypse" von Gérald Bronner

Überraschende Bedeutung des Begriffs Apokalypse
belanaherminevor einem Jahr

Inhalt

Nach einem Vorwort teilt Herr Bronner sein Buch in drei Teile ein. Zuerst befasst er sich mit dem kostbarsten Gut, das wir haben - der kognitiven Zeit. Der zweite Teil befasst sich mit den hinter unseren Handlungen liegenden mehr oder weniger automatischen kognitiven Prozessen und wie sie beeinflussen, was ein Mensch tut und womit sich ein Mensch befasst. Im dritten Teil erklärt Herr Bronner seine These, dass die digitale Welt ebendiese Prozesse sehr deutlich sichtbar macht und welche Gefahrenpotentiale er darin sieht.

10 Seiten Anmerkungen und 13 Seiten Bibliografie sind am Ende des Buches zu finden.

Subjektive Eindrücke

Der Text ist wundervoll geschrieben und in abwechslungsreicher Sprache mit tollen Satzkonstruktionen gehalten. Hin und wieder kann das etwas herausfordernd erscheinen, hat mir aber durchaus Spaß gemacht.

Viele Sachverhalte, die Herr Bronner in seinem Buch aufdeckt, sind durchaus erschreckend. Ausgehend von seiner These, dass die kognitive Kapazität das Wertvollste ist, das die Menschen besitzen, sie aber insbesondere durch digitale Medien mehr und mehr in Anspruch genommen wird und damit eben nicht mehr für Anderes zur Verfügung steht, lässt aufhorchen. Wenn dann noch herausgestellt wird, dass dies durchaus den grundlegenden Anlagen des Menschen entspricht, dann könnte es einem gruseln.

Natürlich hat sich Herr Bronner das nicht alles allein ausgedacht. So begegnet einem im Buch durchaus auch Bekanntes. Es wird aber aus meiner Perspektive in einen neuen/anderen Kontext gesetzt, sodass sich für mich - trotz einigen Vorwissens - durchaus etliche Aha-Erlebnisse ergeben haben.

Fazit

Ein sehr interessantes und zum Nachdenken anregendes Buch.

Weitere Rezensionen von mir gibt es unter https://belanahermine.wordpress.com/catgeory/rezension/

Cover des Buches Kognitive Apokalypse (ISBN: 9783406791284)
Kristall86s avatar

Rezension zu "Kognitive Apokalypse" von Gérald Bronner

4 Sterne!
Kristall86vor einem Jahr

Klappentext:

„WIR DIGITALISIEREN UNS ZU TODE – EINE PATHOLOGIE DER GEGENWART


Wir sind reicher denn je. Zumindest gemessen an jener freien Zeit, in der wir ein Heilmittel gegen Krebs entwickeln, bedeutende Kunstwerke erschaffen und die Welt zu einem besseren Ort machen können. Doch wir laufen Gefahr, diesen kostbaren Schatz zu verspielen, lassen zu, dass die Verlockungen der digitalen Welt den Wettbewerb um unsere Aufmerksamkeit gewinnen. Wie werden wir also künftig diese begrenzte Ressource einsetzen, wenn davon nichts Geringeres als die Zukunft der Menschheit abhängt?


3,7 Stunden unserer wertvollen freien Zeit verbringen wir täglich vor Bildschirmen. Wir lesen Mails, schauen Videos, springen von einer Website zur nächsten, prüfen, wie viele Likes unser neues Profilbild hat, scrollen durch soziale Netzwerke, und selbst die Suche nach einem neuen Partner verlagert sich zunehmend in die digitale Welt. Wir swipen, klicken, liken, kommentieren und merken kaum, was es bedeutet, dass wir das Gros unserer freien Zeit in einer Welt zubringen, in der Hass, krude Theorien und Fake News oft mühelos Wahrheit, Wissenschaft und gute Argumente beiseiteschieben. In seiner Pathologie der digitalen Gesellschaft erklärt der renommierte Soziologieprofessor Gérald Bronner, gestützt auf soziologische, psychologische und neurowissenschaftliche Erkenntnisse, was unser Verhalten in der digitalen Welt über uns und unsere tiefsten Sehnsüchte offenbart.


Wie nutzen wir das Kapital unserer Aufmerksamkeit?


Die digitale Welt absorbiert unsere Aufmerksamkeit, es bleiben wenig Ressourcen für höhere kognitive Funktionen


Die Zukunft der Menschheit hängt davon ab, wie wir mit dem wertvollsten Schatz, der freien Gehirnzeit, umgehen


Ein wichtiges Buch für unseren Umgang mit der digitalen Welt“


Eigentlich bringt der Klappentext den Inhalt des Buches mehr als gekonnt auf den Punkt. Zudem ist dieser verständlich. Warum ich das sage? Autor Gérald Bronner berichtet in seinem aktuellen Buch mehr als ausgiebig und wenn ich ehrlich bin, spinnt er wohl bei jedem Satz ein neues rotes Spinnennetz welches man dann weiter verfolgen könnte - schlussendlich muss man aufpassen das man aber in keinem Spinnennetz Bronners hängen bleibt wenn man das Buch bis zum Schluss hin erlesen möchte. Kurzum: ja, es fällt hier sehr oft schwer am Ball zu bleiben und den Ausführungen des Autors zu folgen. Die Ausführungen an sich (also die einzelnen Spinnennetze wenn Sie so wollen) sind aber grandios erzählt, da gibt es keine Zweifel! Bronner verliert sich extrem darin und wenn man dann mal auf den Inhalt achtet, ist es erschreckend wie wir Menschen uns an die Technik regelrecht kleben und von ihr abhängig machen. Mittlerweile erleben die Mitte 30jährigen eine neue Generation heranwachsen, nämlich die, die mit dem Internet und allem drum dran in der Technik so aufwachsen. Bei den Ü30-jährigen gab es noch Zeiten wo dies keine Rolle spielte und bei den Altersgruppe davor sowieso nicht. Einerseits erliest man hier genau diese Thematik nur das Bronner eben weiter denkt, träumt, weiterspinnt mit seinen Netzen und ja, er hat recht aber es wäre ganz nett gewesen wenn er auch mal Themen etwas besser auf den Punkt gebracht hätte bzw. einen Abschluss jeweils gefunden hätte. 

Fazit: Bronner ist unheimlich gründlich und gräbt gerne tiefer und tiefer in den Themen. Lesenswert ist das Buch auf jeden Fall und irgendwie ist es auch Mahnung zugleich. Wollen wir wirklich uns von Medien, Technik und Maschinen abhängig machen lassen oder sind wir es nicht bereits schon? Einerseits philosophisch wie John Strelecky aber anderseits eben knallhart theoretisch und ehrlich Bronner eben. 4 Sterne hierfür!

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