Götz W. Werner Das bedingungslose Grundeinkommen

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Inhaltsangabe zu „Das bedingungslose Grundeinkommen“ von Götz W. Werner

Menschen können sich neue Aufgaben suchen, weil wir von vielen Arbeiten entlastet werden. Wir nutzen diese Chance nicht. »Wir verhungern« – wie Goethe im Faust formuliert – »in der Fülle.« Götz Werner – erfolgreicher Unternehmer und Chef der dm-Drogeriemarktkette – fordert ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Menschen: Jeder erhält ein Basiseinkommen und kann frei hinzuverdienen. So wird auf einmal Kulturarbeit wertvoll. Unter diesem Begriff versteht Werner so unterschiedliche Tätigkeiten wie die Pflege von Alten, das Engagement für Kunst oder die Erziehungsarbeit der Eltern. Finanziert wird das Ganze durch die Abschaffung aller Steuern, bis auf eine: Die Mehrwertsteuer bleibt und wird deutlich angehoben. Eine Utopie? Fachlich fundiert und zugleich überraschend unterhaltend formuliert Professor Werner, was unsere Gesellschaft im 21. Jahrhundert benötigt.
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  • Scheinbar sympathische Idee, die ein Grundproblem lösen will, aber viele Fragen offen lässt

    Das bedingungslose Grundeinkommen

    R_Manthey

    27. June 2015 um 16:23

    Im Oktober 2006 hielt Götz W. Werner einen Vortrag, in dem er seine, eigentlich auf Steiner zurückgehende Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens zu erklären versucht. Diesen Vortrag kann man sich auf dieser CD anhören. Leider ist nur das letzte Viertel dem eigentlichen Thema gewidmet. Vorher versucht Werner das Feld für seine Idee zu bestellen. Während viele nur abwehrend mit dem Kopf schütteln, wenn sie den Grundgedanken seiner Idee hören, sind andere völlig aus dem Häuschen vor Begeisterung. Sie glauben, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen die Lösung aller Probleme unserer Gesellschaft wäre. Werners Idee hat einen ernsthaften Hintergrund. Das deutsche Steuersystem stammt noch aus Zeiten, in denen ein völlig anderes wirtschaftliches Umfeld herrschte. Inzwischen ist dieses Steuersystem zu einem wesentlichen Hindernis für die Konkurrenzfähigkeit deutscher Produkte geworden. Während nämlich früher die menschliche Arbeitskraft kaum ein bedeutender Faktor bei der Preisfindung eines Produktes war, ist das heute ganz anders. Doch die menschliche Arbeit wird auch noch extrem besteuert und dadurch noch mehr verteuert. Das muss zwangsläufig zu einer Vernichtung von Arbeitsplätzen führen. Werner vertritt nun die Idee, die menschliche Arbeitsleistung, also insbesondere das daraus resultierende Einkommen, von jeglicher Steuer zu entlasten und stattdessen ausschließlich den Konsum zu besteuern. Obendrein solle jeder Bürger ein bedingungsloses Einkommen beziehen, so dass er nur arbeiten müsse, wenn er es denn wolle. Ob das mit dem Arbeiten dann auch wirklich funktioniert, will ich einmal dahingestellt lassen. Ein solches Modell hat es in der Wirklichkeit bisher noch nie gegeben. Ob es tatsächlich lebensfähig wäre, ist daher überhaupt nicht klar, sondern eher zweifelhaft, weil es die Grundlagen unserer Gesellschaft radikal verändern würde. Prognosen, die uns beschreiben, wie dieses Modell in der Wirklichkeit funktionieren könnte, sind unseriös. Wirtschaftswissenschaftlern gelingt es noch nicht einmal im bestehenden System vernünftige Voraussagen zu treffen. Werner selbst macht es sich in diesem Vortrag sehr einfach. Wir sollen das alles selber durchdenken, dann erst wären wir nützliche Vehikel dieser Idee. Die Gesellschaft ist jedoch ein hochkomplexes dynamisches System. Man kann deshalb nicht erwarten, dass man einfach an einer Schraube etwas verstellen kann, aber alles andere dann noch genauso funktioniert wie vorher. Leider beruhen viele sich scheinbar logisch anhörende Ideen aber auf genau dieser von unserem Gehirn sehr geliebten Schlussweise. Würde man (was Werner nicht vorschlägt) am 1. Januar nächsten Jahres dieses System in Deutschland einführen, dann würden die Steuereinnahmen des Bundes aus diesem Jahr gerade dafür reichen, um die halbe deutsche Bevölkerung monatlich mit jeweils 1000 Euro zu beglücken. Ob das zum Leben reichen würde, weiß niemand, denn die Preise würden sich gleichzeitig drastisch erhöhen, weil alle bisherigen Steuern auf Einkommen auf den Konsum gelegt würden. Bestimmte ungeliebte Arbeiten würden sich enorm verteuern, weil sie keiner mehr machen wollen wird. Wie sich das wiederum auf das Lohn- und Preisgefüge insgesamt auswirken würde, kann niemand vorher sagen. Schon wenn man im bisherigen System nur kleine Änderungen vornimmt, wirkt oft das Gesetz der ungewollten Folge. Was sich also schön und logisch anhört, kann zwar, muss aber nicht funktionieren. Das wirklich theoretisch zu überblicken, ist aufgrund der Eigendynamik eines gesellschaftlichen Systems, seiner enormen inneren Wechselwirkungskräfte und der unvorhersehbaren Selbstregulierung nicht möglich. Fazit. Götz W. Werner gibt sich in diesem Vortrag wirklich Mühe, seinen Zuhörern die Hintergründe seiner Grundidee eines bedingungslosen Grundeinkommens zu erläutern. Weil die steuerliche Entlastung der menschlichen Arbeit zur Finanzierung herangezogen werden soll, ist diese Idee prinzipiell bedenkenswert. Ob sie auch wirklich funktioniert, kann nur ein praktischer Versuch des langsamen Übergangs entscheiden. Zweifel vielfältigster Natur sind bei aller Sympathie allerdings nicht von der Hand zu weisen. Auf sie wird in diesem Vortrag nicht eingegangen.

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