Güner Yasemin Balci

 3.7 Sterne bei 43 Bewertungen
Autor von Arabboy, ArabQueen und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Güner Yasemin Balci

Arabboy

Arabboy

 (26)
Erschienen am 01.01.2010
ArabQueen

ArabQueen

 (9)
Erschienen am 19.01.2012
Das Mädchen und der Gotteskrieger

Das Mädchen und der Gotteskrieger

 (7)
Erschienen am 27.07.2017
Aliyahs Flucht

Aliyahs Flucht

 (1)
Erschienen am 22.03.2016

Neue Rezensionen zu Güner Yasemin Balci

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sabatayn76s avatar

Rezension zu "Das Mädchen und der Gotteskrieger" von Güner Yasemin Balci

‚Wie armselig ihr Leben doch war [...]'
sabatayn76vor einem Jahr

‚Wie armselig ihr Leben doch war, wie wenig Grund es gab, auf irgendetwas stolz zu sein! Es war an der Zeit, sich ernsthaft Gedanken zu machen und eine wichtige Frage zu stellen: Wie konnte sie ihrem Leben endlich einen Sinn geben?‘

Die 16-jährige Nimet lebt in Berlin und führt ein typisches Teenagerleben mit Clubnächten und Lippenstift. Mit ihrer Mutter versteht sie sich immer schlechter, und auch von ihrer Schwester trennen sie Welten. Da lernt sie die anfangs eher unsympathische Nour kennen, eine radikal-islamische Konvertitin, die neben vielen unangenehmen Eigenschaften auch ein ausgeprägtes Charisma aufweist, dem sich Nimet nicht entziehen kann. Mehr und mehr gerät die vormals nicht religiöse Nimet in islamistische Kreise, wird immer mehr zur gläubigen Muslima und verliebt sich zudem unsterblich in den 22-jährigen Saed, der in der Türkei lebt und sich anscheinend in der Flüchtlingshilfe engagiert, von dem sie eines Tages eine WhatsApp bekommen hat und der sie immer mehr an sich bindet.

‚Das Mädchen und der Gotteskrieger‘ ist sprachlich sehr einfach gehalten und dadurch leicht und schnell lesbar. Inhaltlich fand ich das Buch insgesamt fesselnd, obwohl ich die Hauptprotagonistin Nimet allzu naiv fand. Diese Blauäugigkeit Nimets ist so ausgeprägt, dass mein Lesevergnügen dadurch gemindert wurde, denn ich fand Nimet zu unglaubwürdig und die Geschichte dadurch unauthentisch, obwohl mir durchaus bewusst ist, dass der Inhalt des Romans und das Verhalten Nimets an die Realität angelehnt sind und eine solche Radikalisierung überall und immer wieder geschieht.

Vielleicht war es Nimets Unwissenheit über den Islam, die ich besonders unnachvollziehbar fand, denn obwohl sie aus einer nicht-religiösen Familie stammt, mangelt es ihr anscheinend an einfachstem Allgemeinwissen bezüglich des Islam, und sie ist erstaunt über und überrascht von den Dingen, die meiner Meinung nach jeder weiß.

Die Gehirnwäsche, der Nimet unterzogen wird, wurde - abgesehen von der hölzernen Sprache und der wenig überzeugenden psychologischen Darlegung - auf gelungene Weise geschildert und zeigt den Weg einer typischen Teenagerin, die allerdings aus schwierigen familiären Verhältnissen kommt und auf der Suche nach einem Sinn ist, in eine emotionale Abhängigkeit, in Terrorismus und Radikalismus.

Ich bin somit nicht ganz überzeugt von Güner Yasemin Balcis Roman, auch wenn ich Aspekte davon gelungen und spannend fand.

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Rezension zu "ArabQueen" von Güner Yasemin Balci

Rezension zu "ArabQueen" von Güner Y. Balci
Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren

Keine leichte Kost, das stand von Anfang an schon mal fest. Güner Balcı nimmt den Leser mit auf eine Reise in eine fremde Welt: eine Welt, in der fast nie Deutsch gesprochen wird. Eine Welt, in der Frauen eigentlich nur zum Gebären von Kindern, Dienen und Gehorchen ihres Mannes und Führen des Haushalts zu gebrauchen sind. Das Groteske ist jedoch, dass diese fremde Welt direkt bei uns vor der Haustür ist. „Diese Leute sind nicht integriert!„, schreien die Einen – „Solche Verhältnisse sind die Ausnahme!“, erwidern die Anderen.

Dass zumindest der letzte Satz so nicht ganz stimmen kann, zeigt uns die Autorin im vorliegenden Werk. Dass es ihr an Authentizität nicht mangelt, bestätigt ihr bisheriger Werdegang: die Journalistin, 1975 in Berlin als Tochter türkischer Gastarbeiter geboren, arbeitete als Sozialarbeiterin in einem Modellprojekt zur Gewalt- und Kriminalprävention im Rollbergviertel, einem sozialen Brennpunkt Neuköllns, sowie in einem Mädchentreff für Jugendliche aus türkischen und arabischen Familien. Bevor sie mit der Geschichte Mariams beginnt, informiert Balcı den Leser darüber, dass ArabQueen auf wahren Begebenheiten tatsächlich existierender Personen beruht - was das Ganze in meinen Augen noch schrecklicher macht.

Fernab von einer Diskussion, inwieweit dieses Leben, das Mariam und ihrer Schwester beschert ist, muslimisch geprägt sein mag oder nicht (darüber könnte man nämlich stundenlang diskutieren und wäre am Ende leider genauso weit wie am Anfang auch), kann man sagen, dass es nicht dem entspricht, was der geneigte Westeuropäer unter Leben definieren würde. Die weiblichen Mitglieder in Mariams Familie haben tatsächlich fast keine Rechte. Die Schule wird den Mädchen gestattet, weil in Deutschland nun mal leider Schulpflicht herrscht und man Ärger mit den Ämtern riskiert. Aber nach 9 Jahren Schulpflicht ist auch damit Schluss und dann hat das Mädel gefälligst daheim zu bleiben. Okay, Tüten vom Supermarkt heimschleppen darf sie noch, aber so unmögliche Dinge wie Kino, spazieren oder gar bei einer Freundin übernachten? -undenkbar!

Mariam hat sich von Kindesbeinen an damit abgefunden, dass das Leben für sie nicht so spaßig werden würde wie für ihren Vater, ihre Brüder oder die restlichen männlichen Mitglieder der Familie. Die Brüder pflegen offenkundig ihre Liebschaften mit Mädels (bei denen es natürlich ausgeschlossen ist, später eine Ehe einzugehen, denn die hat man nur mit artigen, braven Jungfrauen) und auch der Vater geht gerne mal fremd. Wenn die Mutter diesbzgl. aufbegehrt oder der Vater mal wieder beim Kartenspiel sein Hartz IV verzockt hat, setzt es auch gerne für Mutter und Töchter eine Tracht Prügel – irgendwie muss man den Frauen ja zeigen, wer das Sagen hat in der Familie.

Doch eines Tages lernt Mariam Lena kennen und eine Transformation in ihr beginnt. Zu Hause mimt sie zwar noch die brave Tochter, die sich offensichtlich auch mit der Tatsache abgefunden hat, dass sie mit ihrem Cousin verheiratet werden soll. Im Geheimen jedoch „stiehlt“ sie sich immer wieder kleine Freiheiten wie mit Lena in die Disco zu gehen oder sich mit einem Jungen zu treffen. Wohlwissend, dass dies ernsthafte Konsequenzen haben kann (es ist auch überall bekannt, dass ein Mädchen, das die Familienehre beschmtutzt, dieses nicht immer lebendig übersteht), findet sie spätestens, seit sie in einem Mädchentreff ihres Viertels arbeitet, Gefallen am Geschmack der Freiheit.

Mir hat das Buch unheimlich gut gefallen, auch wenn es mich streckenweise sehr betroffen gemacht hat ob der in Mariams Familie und Umfeld herrschenden Umständen. Ich habe mich ziemlich oft dabei ertappt, wie ich mir selbst sagte Das können die doch nicht machen!, Das ist doch absolut unfair!, weil ich ab und an einfach nur schockiert war, weil auch hier wieder das bestätigt wurde, was sonst auch in diesen Familien als Alibi für die Behandlung der Frauen/Mädchen herhalten muss: die Religion. Nun könnte man streiten, wie rückständig, respektive fortschrittlich der Islam ist. Nicht streiten lässt sich jedoch über Fakten wie: auch Männer dürfen nicht fremdgehen, das Erlangen von Wissen und Bildung ist auch ein Privileg, das Frauen in Anspruch nehmen dürfen (und sogar müssen!) und nein – Töchter dürfen nicht, nur weil sie über einen Witz lachen, halbtot geschlagen werden.

Güner Balcı schreibt genau so, wie einer Mariam der Schnabel gewachsen ist und da ich ja selbst Migrationshintergund habe (klingt das nicht klasse?), kenne ich mich da auch ein bisschen aus und kann leider bestätigen, dass das, was ich hier lesen durfte, KEINE Ausnahme ist und immernoch hier mitten in Deutschland so gelebt wird. Die Handlung ist authentisch, rasant, brutal und beklemmend. Doch gegen Ende beginnt der Leser zusammen mit Mariam Hoffnung zu schöpfen und daran zu glauben, dass man Dinge, die unverrückbar scheinen, auch zum Guten wenden kann.

Wer von Berlin mehr erwartet als Brandenburger Tor und Siegessäule, bekommt mit ArabQueen einen guten Einblick in die Hinterhöfe der Brennpunkte Kreuzbergs und Neuköllns und deren – leider häufig auftretende - hässliche Fratze.

Von mir gibts 4 Sterne, da mich das Ende ein bisschen unbefriedigt zurückgelassen hat.

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Dupsis avatar

Rezension zu "Arabboy" von Güner Yasemin Balci

Rezension zu "Arabboy" von Güner Y. Balci
Dupsivor 8 Jahren

Rashids Geschichte beginnt im Gefängnis.
Nach eine Einbruch in eine Apotheke in Neukölln um sich Tilidin zu beschaffen, wurde er verhaftet.
Nach und nach wird nun seine Geschichte erzählt. Immer wieder wird dabei auch ein Blick auf seine gegenwärtige Situation im Gefängnis geworfen.
Rashid ist Berlin Neukölln aufgewachsen. Was im Kindesalter mit dem Stehlen einer Haribotüte bei Kaisers anfängt, wird mit den Jahren immer organisierter. Rashid verschafft sich Respekt und steigt in der Hierarchie des Neuköllner Kiezes immer weiter auf. Bis er schließlich von Aabid, dem angesehensten Typen in der Gegend das Angebot bekommt, für ihn zu arbeiten. Er genießt die Gunst des von allen nur "Mega Checker" genannten. Er scheint es geschafft zu haben, lacht sich sogar eine deutsche Freundin an, die ihr Leben für ihn komplett verändert.
Doch dann kommt er auf den Geschmack des Tilidins. Anfangs noch in dem Glauben, jederzeit wieder aufhören zu können, rutscht er immer weiter ab, verliert Ansehen und Ehre. Bis er schließlich im Gefängnos landet und die Abschiebung droht.

Auch dieses Buch habe ich für mein Examen gelesen. Nach "Arabqueen" schafft Balci es auch hier, einen Einblick in eine Welt zu geben, die parallel zur "normalen" zu existieren scheint. Eine Welt voller Gewalt, Drogen, Sex, Schutzgelderpressung und Aufrechterhaltung der Ehre. Eine brutale Welt, von der man nicht glauben möchte, dass sie existiert.
Da mich die Geschichte diesmal jedoch nicht ganz so sehr mitgerisssen hat wie "Arabqueen", gibt es diesmal nur vier Sterne.

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