Güner Yasemin Balci ArabQueen

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Inhaltsangabe zu „ArabQueen“ von Güner Yasemin Balci

Ein packender und erschütternder Einblick in die andere deutsche Wirklichkeit.Mariam führt ein Doppelleben: Zu Hause die folgsame Tochter kurdischer Eltern, in der Welt außerhalb die selbstbewusste »ArabQueen«, die heimlich mit ihrer deutschen Freundin Lena Tanzen geht und Jungs trifft. Als sie ihren Cousin Walid heiraten soll, weiß Mariam, dass sie eine Entscheidung treffen muss, an der sie zu zerbrechen droht.Die Journalistin Güner Balci, die selbst jahrelang in einem Mädchentreff in Neukölln gearbeitet hat, erzählt eindrucksvoll am Schicksal Mariams, wie es ist, in zwei unvereinbaren Welten zu leben – für viele junge muslimische Frauen in Deutschland die bittere Realität – und welchen Preis die Freiheit hat.

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  • Rezension zu "ArabQueen" von Güner Y. Balci

    ArabQueen
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    25. May 2011 um 16:26

    Keine leichte Kost, das stand von Anfang an schon mal fest. Güner Balcı nimmt den Leser mit auf eine Reise in eine fremde Welt: eine Welt, in der fast nie Deutsch gesprochen wird. Eine Welt, in der Frauen eigentlich nur zum Gebären von Kindern, Dienen und Gehorchen ihres Mannes und Führen des Haushalts zu gebrauchen sind. Das Groteske ist jedoch, dass diese fremde Welt direkt bei uns vor der Haustür ist. „Diese Leute sind nicht integriert!„, schreien die Einen – „Solche Verhältnisse sind die Ausnahme!“, erwidern die Anderen. Dass zumindest der letzte Satz so nicht ganz stimmen kann, zeigt uns die Autorin im vorliegenden Werk. Dass es ihr an Authentizität nicht mangelt, bestätigt ihr bisheriger Werdegang: die Journalistin, 1975 in Berlin als Tochter türkischer Gastarbeiter geboren, arbeitete als Sozialarbeiterin in einem Modellprojekt zur Gewalt- und Kriminalprävention im Rollbergviertel, einem sozialen Brennpunkt Neuköllns, sowie in einem Mädchentreff für Jugendliche aus türkischen und arabischen Familien. Bevor sie mit der Geschichte Mariams beginnt, informiert Balcı den Leser darüber, dass ArabQueen auf wahren Begebenheiten tatsächlich existierender Personen beruht - was das Ganze in meinen Augen noch schrecklicher macht. Fernab von einer Diskussion, inwieweit dieses Leben, das Mariam und ihrer Schwester beschert ist, muslimisch geprägt sein mag oder nicht (darüber könnte man nämlich stundenlang diskutieren und wäre am Ende leider genauso weit wie am Anfang auch), kann man sagen, dass es nicht dem entspricht, was der geneigte Westeuropäer unter Leben definieren würde. Die weiblichen Mitglieder in Mariams Familie haben tatsächlich fast keine Rechte. Die Schule wird den Mädchen gestattet, weil in Deutschland nun mal leider Schulpflicht herrscht und man Ärger mit den Ämtern riskiert. Aber nach 9 Jahren Schulpflicht ist auch damit Schluss und dann hat das Mädel gefälligst daheim zu bleiben. Okay, Tüten vom Supermarkt heimschleppen darf sie noch, aber so unmögliche Dinge wie Kino, spazieren oder gar bei einer Freundin übernachten? -undenkbar! Mariam hat sich von Kindesbeinen an damit abgefunden, dass das Leben für sie nicht so spaßig werden würde wie für ihren Vater, ihre Brüder oder die restlichen männlichen Mitglieder der Familie. Die Brüder pflegen offenkundig ihre Liebschaften mit Mädels (bei denen es natürlich ausgeschlossen ist, später eine Ehe einzugehen, denn die hat man nur mit artigen, braven Jungfrauen) und auch der Vater geht gerne mal fremd. Wenn die Mutter diesbzgl. aufbegehrt oder der Vater mal wieder beim Kartenspiel sein Hartz IV verzockt hat, setzt es auch gerne für Mutter und Töchter eine Tracht Prügel – irgendwie muss man den Frauen ja zeigen, wer das Sagen hat in der Familie. Doch eines Tages lernt Mariam Lena kennen und eine Transformation in ihr beginnt. Zu Hause mimt sie zwar noch die brave Tochter, die sich offensichtlich auch mit der Tatsache abgefunden hat, dass sie mit ihrem Cousin verheiratet werden soll. Im Geheimen jedoch „stiehlt“ sie sich immer wieder kleine Freiheiten wie mit Lena in die Disco zu gehen oder sich mit einem Jungen zu treffen. Wohlwissend, dass dies ernsthafte Konsequenzen haben kann (es ist auch überall bekannt, dass ein Mädchen, das die Familienehre beschmtutzt, dieses nicht immer lebendig übersteht), findet sie spätestens, seit sie in einem Mädchentreff ihres Viertels arbeitet, Gefallen am Geschmack der Freiheit. Mir hat das Buch unheimlich gut gefallen, auch wenn es mich streckenweise sehr betroffen gemacht hat ob der in Mariams Familie und Umfeld herrschenden Umständen. Ich habe mich ziemlich oft dabei ertappt, wie ich mir selbst sagte Das können die doch nicht machen!, Das ist doch absolut unfair!, weil ich ab und an einfach nur schockiert war, weil auch hier wieder das bestätigt wurde, was sonst auch in diesen Familien als Alibi für die Behandlung der Frauen/Mädchen herhalten muss: die Religion. Nun könnte man streiten, wie rückständig, respektive fortschrittlich der Islam ist. Nicht streiten lässt sich jedoch über Fakten wie: auch Männer dürfen nicht fremdgehen, das Erlangen von Wissen und Bildung ist auch ein Privileg, das Frauen in Anspruch nehmen dürfen (und sogar müssen!) und nein – Töchter dürfen nicht, nur weil sie über einen Witz lachen, halbtot geschlagen werden. Güner Balcı schreibt genau so, wie einer Mariam der Schnabel gewachsen ist und da ich ja selbst Migrationshintergund habe (klingt das nicht klasse?), kenne ich mich da auch ein bisschen aus und kann leider bestätigen, dass das, was ich hier lesen durfte, KEINE Ausnahme ist und immernoch hier mitten in Deutschland so gelebt wird. Die Handlung ist authentisch, rasant, brutal und beklemmend. Doch gegen Ende beginnt der Leser zusammen mit Mariam Hoffnung zu schöpfen und daran zu glauben, dass man Dinge, die unverrückbar scheinen, auch zum Guten wenden kann. Wer von Berlin mehr erwartet als Brandenburger Tor und Siegessäule, bekommt mit ArabQueen einen guten Einblick in die Hinterhöfe der Brennpunkte Kreuzbergs und Neuköllns und deren – leider häufig auftretende - hässliche Fratze. Von mir gibts 4 Sterne, da mich das Ende ein bisschen unbefriedigt zurückgelassen hat.

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  • Rezension zu "ArabQueen" von Güner Y. Balci

    ArabQueen
    Dupsi

    Dupsi

    10. April 2011 um 17:50

    Mariam Omar ist 18 Jahre alt. Zusammen mit ihrer Familie wohnt sie im Berliner Wedding. Ihre Familie, vor allem aber ihre Eltern leben streng nach muslimischen Grundsätzen. Nach Werten, die sie aus ihrem Heimatland Arabien mit nach Deutschland gebracht haben. Mariam und ihre Geschwister sind in Deutschland aufgewachsen und kennen auch die deutsche Kultur, wissen, dass sie anders lebe. Dass sie andere Regeln haben, andere Pflichten, Freiheiten. Mariam freundet sich mit Lena an, die als Deutsche im Wedding lebt. Zwei Kulturen treffen aufeinander. Lena versteht oft nicht, warum Mariam sich anders verhält als sie selbst. Nicht selten gibt es deshalb Konflikte zwischen beiden. Und doch versucht Mariam ihrem Schicksal, das letztendlich in eine Zwangsverheiratung mündet, zu entkommen. Der Bericht beruht auf wahren Gegegenenheiten. Mariams Geschichte ist wirklich passiert, nur dass sie im wahren Leben nicht glücklich ausgegangen ist. Güner Yasemin Balci hat ihrer Geschichte in dem Buch jedoch ein positives Ende verschafft. Hier sei darauf hinzuweisen, dass es sich nicht um einen Spoiler handelt. Der Ausgang der Geschichte steht bereits im Vorwort. Ich habe "ArabQueen" für mein Examen gelesen und war überrascht, wie gut es mir gefallen hat. Weil der Bericht auf Tatsachen beruht gibt er einen guten Einblick in das Leben eines Mädchens, dessen Eltern nicht deutscher Herkunft sind, das in Berlin aufwächst und das zwischen zwei Kultiren seinenPlatz finden muss. Die Schilderungen wirken teilweise sehr beklemmend, wenn zum Beispiel beschrieben wird, dass Mariam aufgrund eines Vergehens in ihr Zimmer eingesperrt wird und es ihr nicht einmal erlaubt ist, aus dem Fenster zu schauen. Ebenso die Tatsache, dass der Vater seine beiden Töchter durch die Wohnung prügelt, das Mariam lügen muss um sich die kleinsten Freiheiten zu erkämpfen wie einen Bummel durchs Einkaufszentrum oder einen Besuch bei ihrer Tante oder ihrer Freundin Lena. Ein Buch, das man lesen sollte, wenn man sich mit anderen Kulturen beschäftigt. Ein Buch, das die Augen öffnet.

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