Günter Grass Das Treffen in Telgte

(34)

Lovelybooks Bewertung

  • 42 Bibliotheken
  • 2 Follower
  • 0 Leser
  • 3 Rezensionen
(5)
(11)
(13)
(3)
(2)

Inhaltsangabe zu „Das Treffen in Telgte“ von Günter Grass

»Grass erzählt das Märchen von den einträchtigen deutschen Dichtern stets in bester Laune, mit zarter Ironie und mit robustem Humor – und mit einer Kunst, die in der deutschen Literatur ihresgleichen nicht hat.« Marcel Reich-Ranicki Sowie Hans Werner Richter, Alfred Andersch, Walter Jens und die anderen sich 1947 trafen, um über die Möglichkeit des Weiterschreibens nach Holocaust und Zweitem Weltkrieg zu diskutieren, so treffen sich 1647 auf Einladung Simon Dachs die deutschen Barockdichter in Telgte bei Münster, wo zur selben Zeit der Westfälische Frieden geschlossen wird, um sich ihrer dichterischen Existenz zu versichern. Grimmelshausen verschafft ihnen Quartier, die Landstörtzerin Courage ist die Wirtin, während die Autoren ihre Werke lesen und diskutieren … Günter Grass’ poetische Hommage an den Gründer der »Gruppe 47« Hans Werner Richter.

„Da kann man was von lernen“ - @meine Vorrezensenten ;-)

— Joachim_Tiele
Joachim_Tiele

Das war`s wohl mit meiner Grass-Phase

— Surfer-H
Surfer-H

Stöbern in Romane

Heimkehren

Intensiver Roman, der eine Familie über mehrere Generationen hinweg verfolgt

lizlemon

Durch alle Zeiten

Sehr spannend und bewegend

silvia1981

Dann schlaf auch du

Wem kann man seine Kinder anvertrauen?

silvia1981

Wie man es vermasselt

Frisch, jung und intelligent... ein absolutes Wahnsinns-Buch!

Tigerkatzi

Und jetzt auch noch Liebe

Turbulente Liebeskomödie mit sehr skurrilen Charakteren, um eine junge Frau, die durch eine ungewollte Schwangerschaft erwachsen wird.

schnaeppchenjaegerin

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Eine augenzwinkernde Einführung in die literarische Streitkultur (und mehr)

    Das Treffen in Telgte
    Joachim_Tiele

    Joachim_Tiele

    Günter Grass galt immer als der Streitbare in der deutschen Nachkriegsliteratur, sei es, weil er auch politisch Partei ergriff (für Willy Brandt und die SPD), sei es, weil er publizistischen Scharmützeln kaum aus dem Weg ging. Das Thema von Das Treffen in Telgte ist der literarische Streit als solcher. Oberflächlich gesehen, treffen sich im Sommer 1647, dem letzten Jahr des Dreißigjährigen Krieges, in einem Landgasthof in der Nähe von Münster und Osnabrück, wo ein Jahr später der Westfälische Friede geschlossen werden sollte, Schriftsteller, Verleger und Kritiker der damaligen deutschen Literaturszene, um über Wert und Wirkung der von ihnen verfassten, verlegten oder rezensierten Werke zu sprechen. Die zentrale Frage ist dabei, ob, und wenn ja, wie, Poeten und andere Literaten der Epoche zu einer Beendigung des Krieges beitragen können. Es kommt, wie es nicht anders kommen kann. Die herausragenden Vertreter des damaligen deutschsprachigen Literaturbetriebs streiten, an einigen Stellen auch in der Wortwahl wie die sprichwörtlichen Kesselflicker, und die Themen ihres Streits sind so weit gefächert wie die Themen ihrer Literatur, der Wirkung selbiger, der politischen Bedingungen, unter denen sie geschrieben wurde, der religiösen und landsmannschaftlichen Verwicklungen jener Zeit. Und natürlich: Eitelkeit, Eigensinn und der Wunsch, Landesherren, Verlegern oder Förderern gefallen zu wollen (und alle Widersprüchlichkeiten, die sich daraus ergeben), gehören auch dazu. Als das Buch 1979 erschien, war allen seinerzeit literarisch Interessierten klar, dass es in ihm eigentlich um die Gruppe 47 ging, ein Zusammenschluss von Autoren, Verlegern und Kritikern, dessen Ziel so etwas wie eine Neukonstitution der deutschsprachigen Literatur auf den Trümmern der Hitlerei ebenso wie der zerbombten deutschen Städte war. Initiator und Einladender der Treffen dieser Gruppe ab dem Spätsommer 1947 war Hans Werner Richter, dem das Buch gewidmet ist. Auch wenn es, im Gegensatz zu dem einen fiktiven Treffen in Telgte, zu einer ganzen Reihe von Treffen besagter Gruppe kam, so waren doch einige Themen die gleichen oder sehr ähnliche: ein Land am Ende eines fürchterlichen Krieges, bevorstehender oder im Beginn begriffener Wiederaufbau, die Rolle der Kultur und der Kulturschaffenden, der politische Anspruch, den Literatur und Literaten (nicht) haben sollten, und natürlich das alte Spiel um Geltung, Einfluss, die Befriedigung persönlicher Eitelkeit ebenso wie die Nähe zu den Brotkörben der Verleger. Dies führte dazu, dass Das Treffen in Telgte bei seinem Erscheinen nicht nur als Schlüsselroman, sondern geradezu als Schlüssellochroman gelesen wurde (auch wenn es in Struktur und Aufbau eher eine Erzählung ist): Wer ist wer und warum überhaupt… Sogar Marcel Reich-Ranicki lobte Grass (damals noch) und eine Rezension im Spiegel gab den Anstoß zu einem langandauernden heiteren Personenraten (1). Gut, zwei Geschichten in einer, und die andere anhand der einen erzählt. Interessant. Mehr nicht? Natürlich kann man Das Treffen in Telgte als Satire lesen, eine der Art, wie sie lange in autoritären und totalitären Regimen Gang und Gäbe war, indem man als Autor die Zeit und die Geographie veränderte, den Protagonisten andere, zum Beispiel historische, Namen gab, um damit die Zensur zu unterlaufen. 1979 gab es die Gruppe 47 schon seit mehr als zehn Jahren nicht mehr, ihr regelmäßiges Zusammenkommen und der Preis der Gruppe 47 waren im Klagenfurter Literaturwettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis aufgegangen. Die intellektuellen Schlachten der unmittelbaren Nachkriegszeit ebenso wie die der Achtundsechziger-Revolte waren geschlagen, zumindest im damaligen Westdeutschland war die literarische Freiheit garantiert (von wenigen nach wie vor auf dem Index stehenden Büchern einmal abgesehen). Hier zeigt sich – zumindest in der Wahrnehmung dieses Rezensenten – die Meisterschaft von Günter Grass, denn es gibt eine Geschichte in der Geschichte in der Geschichte. Und dies ist die Geschichte des Dreißigjährigen Krieges und der während dieser Zeit wichtig gewordenen deutschen Barockliteratur. Zwar ist das Treffen genau dieser Personen in genau diesem Ort Telgte fiktiv, aber die Kriegsschauplätze und politischen (wie vorgeblich religiösen) Standpunkte und Konfliktlagen sind es nicht, eben so wenig wie die Protagonisten auf Seiten der Schriftsteller, beim verlegerischen, politischen, kirchlichen und militärischen Personal. Das macht Das Treffen in Telgte zu einem der seltenen gelungenen historischen Romane (ich widerhole mich: eigentlich ist es eine Erzählung), die ohne die (inzwischen nahezu) genretypische Geschichtsklitterung auskommen. Wer sollte oder könnte diese Geschichte heute noch (eventuell sogar mit Genuss) lesen? Natürlich jede und jeder, die ein professionelles Interesse an der deutschen Geschichte und Literaturgeschichte haben, selbstverständlich auch alle, denen es um ihre Allgemeinbildung geht. Wikipedia im Browser oder ein gutes Konversationslexikon in Reichweite sollten (und können) dabei nützlich sein. Auch, und aus Sicht des Rezensenten unbedingt, empfohlen sei das Büchlein allen Germanistikstudenten im Grundstudium (und dies nicht nur, weil sein Verfasser Günter Grass ist). Irgendwann – nach oder zwischen Mittelhochdeutsch und den Lautverschiebungen – hebt auch die Barockliteratur ihr Haupt: Paul Gerhard, Hans Jacob Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau, Andreas Gryphius, Martin Opitz, Christoffel von Grimmelshausen (als einziger vielleicht noch aus der gymnasialen Oberstufenlektüre bekannt) und einige andere. Sie alle kommen nicht nur in der Erzählung vor, sondern mit Auszügen aus ihren Werken in einem fast siebzigseitigen Anhang zu Wort. Der Trick ist, dass sie von Grass keineswegs akademisch präsentiert werden. Eher taucht er selbst in Sprache und Setting des Barocks ein (ein paar Seiten der Geduld und des sich Einlesens sind bei manchen sicherlich erforderlich), aber dann kann man die Literatur des deutschsprachigen Barocks in ihrer politischen Dimension ebenso wie in ihrer prallen sprachlichen Sinnlichkeit erleben – eine Germanistik der anderen Art, völlig außerhalb des Hörsaals. Traut Euch! Und dann, nachdem man sich davon erholt hat, kann man sich der neueren deutschen Literaturgeschichte zuwenden, mit der Gruppe 47 und so… (Und Grass, selbst studierter Grafiker und Bildhauer, eben kein akademischer Literat, ist in den Augen des Rezensenten Volksschriftsteller genug gewesen, so dass sich wirklich jeder trauen kann.) Grass hat mit anderen Werken die Latte für seine Bewertung sehr hochgelegt. Wenn man Die Blechtrommel (als unbestrittene Weltliteratur, im Ausland stärker als solche geschätzt als hierzulande) mit fünf Sternen bewerten würde (müsste, sollte), dann diese Erzählung mit nur vier, für ein sehr gutes Buch eines Autors, der auch Überragend(er)es abgeliefert hat. Joachim Tiele, 17.01.2017 _____ (1) http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40351566.html

    Mehr
    • 9
  • Ich bin nicht Grass oder ein Buch vom Literaturbetrieb für den Literaturbetrieb.

    Das Treffen in Telgte
    Surfer-H

    Surfer-H

    03. July 2016 um 17:58

    Man muss wohl einen Nobelpreis gewonnen haben, um so etwas schreiben zu dürfen - und auch noch gelesen zu werden. Mir selbst wurde gesagt: Viel zu viele Personen am Anfang - und riet mir zu reduzieren, zu erklären und vorzustellen. Gut, danke für den Rat; ich hab's dann geändert. Erstaunt war ich aber dann, als ich "Das Treffen in Telgte" aufschlug. Was macht da der Günter Grass? Er fährt ein Staffage auf wie sie im 30. jährigen Krieg an Zahl wohl kaum gestorben sein dürfte; und - das Beste ist, er gibt sich noch nicht einmal die Mühe sie, die Staffage, vorzustellen. Als wenn es nicht schon schwer genug wäre, dem gepriesenen Wortakrobaten in seiner Erzählung inhaltlich zu folgen. Nach Seite 47 oder bei Kapitel 7 habe ich dann "Das Treffen in Telgte" oder auch das ketten gleiche Wortgeschwurbel zugeklappt. Basta! Schade, denn "mir zur Hand", eine grasssche Formulierung, die sich des öfteren bei ihm, z.B. in beim Zwiebelhäuten oder auch hier findet, ist wartend "Ein weites Feld". Ob ich mir das antue?

    Mehr
  • Rezension zu "Das Treffen in Telgte" von Günter Grass

    Das Treffen in Telgte
    Tikki

    Tikki

    12. June 2007 um 21:00

    Als gebürtige Telgterin war es natürlich mein Wunsch, dieses bekannte Werk zu lesen. Ich konnte die Größe und Schönheit dieses Romanes scheinbar nicht (be-)greifen, denn die Erzählweise machte es mir sehr schwer, das Buch überhaupt zu verstehen. Ich glaube, dieses Buch ist nicht für mich geschrieben. Daher wage ich nicht, diesem Buch eine Wertung zu geben.