Günter Grass Grimms Wörter

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Inhaltsangabe zu „Grimms Wörter“ von Günter Grass

Eine Liebeserklärung an die deutsche SpracheDie Brüder Grimm erhalten im Jahr 1838 den Auftrag, ein Wörterbuch der deutschen Sprache zu erstellen. Voller Eifer forschen sie – und verzetteln sich gründlich. Am Ende ihres Lebens haben sie nur wenige Buchstaben bewältigt. Günter Grass erzählt das Leben von Jacob und Wilhelm Grimm als Liebeserklärung an die deutsche Sprache. Er durchstreift die Geschichte und schlägt manche Brücke in seine eigene Zeit.

Ein fulminanter Grass'scher Abschiedsgruß in Buchform sowie eine einnehmende Liebeserklärung ans Deutsche.

— bibliophilic
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  • Rezension zu "Grimms Wörter" von Günter Grass

    Grimms Wörter
    thursdaynext

    thursdaynext

    Eine wirklich fade , emotionslose Liebeserklärung ist hier zu finden. Dabei wäre eine Fülle faszinierender Themen abzuarbeiten gewesen. Das Leben der Brüder Grimm , das von ihnen erst zögerlich dann aber begeistert in Angriff genommene Wörterbuch , die Göttinger Sieben, die politische Lage Deutschlands zur damaligen Kleinstaatenzeit, die kurze Revolution... Nichts davon wird tiefer ausgearbeitet. Stattdessen nimmt der Autor an den fiktiven Spaziergängen der Brüder teil, ruft ihnen besserwisserische Weisheiten gewürzt mit zuwenig gewürdigten Heldentaten aus seinem eigenen politischen Leben zu. Alles Interessante wird permanent von den momentanen , gedanklichen Befindlichkeiten Grass´ willkürlich unterbrochen. Dabei wäre es spannend würde er sein fundiertes Wissen zur Thematik stringent mitteilen. So bleibt dem Leser nur resignierte Langeweile auf hohem sprachlichen Niveau. Einzig die Buchstabengedichte sind gelungen. Vergnügen kam bei mir beim Lesen kaum auf. Zu egozentriert und jammernd wurde erzählt. Auf eine solch schale Liebeserklärung ist gern verzichtet.

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  • Rezension zu "Grimms Wörter" von Günter Grass

    Grimms Wörter
    Gert

    Gert

    27. November 2010 um 13:04

    Dieses letzte Buch ist für mich der Höhepunkt des Grasschen Schaffens. Ein großartiges Lesevergnügen um und über die deutsche Sprache und Geschichte. Natürlich mit viel Rückblick auf die Werke und das Leben des Grass, natürlich mit der ihm eigenen Starrsinnigkeit und seinem Nazißmus. Aber so kennen wir ihn und so mag und akzeptiere ich ihn. Was anderes hätte mich sehr enttäuischt. Großartig die Rückblicke in die deutsche Geschichte, vor allem die preußische. Ich habe einige der Kapitel im Radio gehört, gelesen von ihm und das ist ein absoluter Genuß. Habe einen Stern weniger gegeben, weil er meines Erachtens zum Ende hin doch den Erzählfaden etwas hängen lässt und die Geschichte etwas langatmig wird.

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  • Rezension zu "Grimms Wörter" von Günter Grass

    Grimms Wörter
    Lysander

    Lysander

    14. November 2010 um 13:12

    Günter Grass ist hier auf der Höhe seiner Sprachkunst zu erleben. Sprachmächtig, immer in einem guten Sprachfluss, humorvoll und machmal traurig erzählt er die Geschichte des Deutschen Wörterbuchs der Brüder Grimm und entwirft damit zugleich ein Panorama deutscher Geschichte von der Romantik bis in unsere Zeit. Grass hat sich mit diesem Buch selbst ein Denkmal gesetzt: ein wunderschönes!

  • Rezension zu "Grimms Wörter" von Günter Grass

    Grimms Wörter
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Üblicherweise lasse ich außer dem geschriebenen Wort des Buches selten etwas in meine Rezensionen einfließen. Bei "Grimms Wörter" muss ich eine Ausnahme machen. Dieses Buch ist eines der liebevoll produziertesten, die ich in den letzten Jahren gekauft oder gesehen habe. Tolles Papier im und um das Werk, großartiger Einband, schöne Farben, Fadenbindung: mein bibliophiles Herz schlägt höher. Wenn es doch nur mehr solcher Kostbarkeiten geben würde........dann wäre mein Geldbeutel auch um einiges schmaler, denn das zahlt man halt mit. Genug. Günter Grass wendet für seine Ode an die deutsche Sprache ebenso viel Mühe, Hingabe und Liebe auf. Gerade zu Anfang bereiten die Wortspielereien, die Satzakrobatik und die köstlichen Alliteration viel Lesespaß. Doch musste ich mich schnell fragen, ob dieser Spaß bis zum Ende reichen wird, um mich das Buch genießen zu lassen, um meine Aufmerksamkeit zu erhalten. Denn auf der inhaltlichen Ebene fällt das Buch meines Erachtens deutlich ab. Grass erzählt einerseits die Lebensgeschichte der bekannten Brüder Grimm, insbesondere ihre Arbeit an einem deutschen Wörterbuch sowie dessen Vollendung nach deren Tod bis in die 1960er Jahre hinein. Andererseits verbindet er die Suche nach Wörtern für dieses mit biografischen Anekdoten seines eigenen Lebens. Zwar ist beides nicht uninteressant, allein die Verquickung gelingt nicht. Zu lose hängen die Geschichten aus dem Grass’schen Leben in der Luft. Zuweilen habe ich den Eindruck, der Autor musste sie sich vom Leibe schreiben und hat lediglich ein Vehikel dafür gesucht. Zum Ende gibt es gar inhaltliche Wiederholungen in Form fiktiver Begegnungen zwischen Grass und den Grimms, die mir eher grimmig einen gewissen Gram verpassen. So gelange ich am Ende zu der Erkenntnis, dass allein der kunstvolle Umgang mit der Sprache für mich persönlich nicht ausreicht, dieses Buch als großartig zu betrachten.

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  • Rezension zu "Grimms Wörter" von Günter Grass

    Grimms Wörter
    Mr. Rail

    Mr. Rail

    Die meist gezwiebelte und gehäutete Blechtrommel der deutschen Kultur hat zu neuem Wirbel angesetzt. Grass lebt und sein Trommelschlag hallt erneut durchs Land. Er rief mich rhythmisch und gar nicht blechern in die nächstgelegene Buchhandlung und zog mich zum neuesten Werk meines (und das gestehe ich gerne ein) Lieblingsautors. Der Klang des Grass`schen Schlagzeugs ist nicht modern – er erinnert mich eher an das 19. Jahrhundert, als die Trommelstöcke zu Revolution und Krieg in Europa riefen. Die Trommeln führen mich zu den Gebrüdern Grimm und dem Untertitel des Buches zufolge handelt es sich um eine Liebeserklärung. Was nur hat Grass bei den Märchenonkeln verloren – was treibt ihn zurück – oder besser – was hat er mit mir vor? Ich war gespannt. Das mit den Onkeln nehme ich natürlich sofort wieder zurück. Nicht nur Märchen wurden von den ungleichen Brüdern gesammelt, auch das 1837 begonnene Deutsches Wörterbuch hatten sie sich auf die Fahne geschrieben, um aus dem Flickenteppich der kleindeutschen Staaten ein einiges Vaterland, zumindest sprachlich voranzutreiben. An dieser Aufgabe war Jacob Grimm 1848 in der Frankfurter Nationalversammlung, wie so viele andere engagierte Deutsche gescheitert. Die Grimms unpolitisch in Erinnerung zu behalten wäre fatal, verloren sie wegen anhaltender Kritik an den Regierenden ihre Lehrstühle an der Göttinger Universität und zumindest Jacob wurde ausgewiesen – verbannt ins ferne Hessen. Um die erzwungene schöpferische Leere auszufüllen wurde ihnen das Mammutprojekt des Deutschen Wörterbuchs angeboten. Nach anfänglichem Zögern sagten sie zu und versuchten ein schier unmögliches Unterfangen beharrlich zu realisieren, um die Gegenwartssprache (seit Luther recht verkümmert) zu erneuern. Einerseits sollte eine organische deutsche Sprachgeschichte, andererseits ein Hausbuch entstehen, das jeder Deutsche regelmäßig zur Hand nehmen sollte, um seine Sprache aufzufrischen. Der Versuch musste scheitern… Alleine der Umfang von mehr als 331 000 Wörtern mit über einer Million Belegen (Zitaten die den Ursprung des Wortes in der deutschen Sprache von Luther bis Goethe nachwiesen) auf 34 000 Seiten war in einem Menschenleben nicht zu schultern. Und veraltet war das Werk bereits beim Erscheinen des ersten Bandes. Für die Schriftsteller der heutigen Zeit ist dieses Wörterbuch ein nationales Sprachmonument, eine Fundstelle und Quelle der ureigensten Sprachkultur und Günter Grass hat seine 32 Bände immer wieder erwähnt in seinen Werken. Nun legt er mit der Liebeserklärung mehr als eine Hommage an die Gebrüder Grimm vor. Er führt die Arbeit fort – er trägt zusammen, was in die heutige Zeit gehört, er ergänzt, schlägt Brücken von Arbeyth zur Agentur für Arbeit und Arbeitslosigkeit, von Einheit zu Einheitsbrei, von Jakob, der sein Weib erkannte bis zum Erkennungsdienst im geteilten Deutschland. Er wird zur Wanderer zwischen den Zeiten und verknüpft sein Wortgefühl mit seiner eigenen Vita. Und genau bei dieser Wanderung legt Günter Grass viele der Mäntel ab, mit denen er sich vormals vor der Kälte der Kritik zu schützen suchte – und er reflektiert seine Phasen des Vergessens und Verdrängens einer Vergangenheit im nationalsozialistischen Deutschland. Wer diese Selbstkritik finden will und kann, der wird einen erstaunlichen Nachlass finden. Bekenntnisse und Episoden die ein Schriftstellerleben prägten und noch prägen. Wer nicht finden möchte, dem kann hier nicht geholfen werden… Beeindruckend sind seine Aussagen zur Deutschen Einheit und seine Verweigerung des Eides auf unsere Verfassung, da sie den Bürgern eines geeinten Volkes gegenüber wortbrüchig wurde. Und genau dabei gesteht er früher geleistete Eide und seinen falschen Umgang mit der Vergangenheit. Kritisch stellt er seine Bemühungen um die Einheit des Landes dar, als er ungehört mit der Idee einer Föderation mit gleichen Rechten am Rande der Geschichte stand. Bedrückend ist es zu lesen, wie sich Günter Grass mit dem eigenen Alter auseinandersetzt. Bedrückend ist es, einen Teil Vermächtnis und letzten Wunsch zu finden. Mich fröstelt, wenn er über seinen Tod schreibt: “Noch fremdelt er, wird aber vertrauter mit jeder schlafarmen Nacht. Ich weiß: auf ihn ist Verlass.” Es macht mich nachdenklich zu lesen, dass er daran denkt, dass jedes Wort sein letztes sein könnte. Für mich ist diese Liebeserklärung nicht die eines selbstverliebten alten Mannes an sich selbst (so sehen es viele Kritiker…), sondern ein behutsames, lautes, zartes, krakelendes, schreiendes und flüsterndes persönliches Reflektieren unserer Sprachwurzeln mit einem meisterlichen Brückenschlag in unsere Zeit.

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    bernauerin

    bernauerin

    21. September 2010 um 07:23