Günter Hannich

 2,8 Sterne bei 4 Bewertungen

Lebenslauf

Günter Hannich, geboren 1968, ist parteilos, studierte ursprünglich Chemie und ist seit 1998 als Autor von inzwischen dreizehn Büchern zum Thema Finanzen, Geldsystem und Gesellschaft tätig. Seine treffsicheren Prognosen sind erstaunlich: Schon vor dem Internetcrash im Jahr 2000 warnte er beispielsweise vor dem Platzen der Börsenblase, tat dies ebenfalls vor der Finanzkrise 2008 und vor der Eurokrise im Jahr 2011. Jetzt sieht er eine Krise kommen, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen wird. - Internetseite des Autors: www.geldcrash.de - Facebook-Account: Günter Hannich - Instagram-Account: guenterhannich - Youtube Kanal: Günter Hannich

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Günter Hannich

Neue Rezensionen zu Günter Hannich

Cover des Buches Plünderland (ISBN: 9783989920194)
Zsadistas avatar

Rezension zu "Plünderland" von Günter Hannich

Zsadista
Rezension zu "Plünderland"

Ich habe das Buch „Plünderland“ aus der Feder des Autors Günter Hannich gelesen. 

 

Optisch sieht das Buch super aus. Die Aufmachung ist farblich gelungen, die Inhaltsangabe verspricht mit wahren Schrecken aufzufahren.

 

Das Buch ist von den Maßen her kleiner als normale Taschenbücher. Also beim Erhalt nicht erschrecken. 

 

Vom Inhalt her bin ich allerdings schon enttäuscht. 

 

Was ich hier gleich mal sage, der persönliche Erzfeind des Autors ist der Beamte. Angeblich sind sie überbezahlt und unglaublich reich. 

 

Deswegen hier an der Stelle einige Fakten über mich. Mein Mann ist Beamter, in der höchsten Verdienststufe, die er erreichen kann. Er verdient trotzdem weniger als eine neu eingestellte Pflegefachkraft ohne Zulagen. Von dem Geld muss er zwar keine Steuern zahlen, dafür aber fast 400 Euro Private Krankenversicherung. Er wäre gerne in einer gesetzlichen Krankenkasse. Dazu müssen wir jede Arztrechnung von unserem Konto bezahlen. Erstattet bekommt er auch nicht alle Kosten von Krankenversicherung und Beihilfe und oft dauert es Monate, bis dann was zurück- kommt. Also haben wir auch da noch Kosten zu stemmen. Ich kann nicht zu Hause bleiben, weil nur er versichert ist und ich eine eigene Krankenversicherung brauche. Ich habe drei Jobs und zahle mehr als genug Steuern und Abgaben. Trotzdem müssen wir am Ende des Jahres Steuern ans Finanzamt bezahlen, wo jeder andere eine Erstattung erhält. Also, bitte mal ein bisschen runterkommen, von wegen der böse, überbezahlte Beamte. 

 

Ich kann das Buch jetzt nicht so rezensieren, wie ich es müsste. Ich habe auf fast jeder Seite eine Anmerkung geschrieben. Das würde die Länge der Rezension echt sprengen, wenn ich auf jede Anmerkung eingehen würde. 

 

Am Anfang fällt der Autor über die Leute her, die Vermögen haben. Er meint tatsächlich, die alten Leute sollten ihr Hab und Gut schon recht früh an die Erben verteilen. Schön, wenn der Autor eine so nette Familie hat, der er alles an seinem Vermögen frühzeitig vermachen möchte. Denn die nette Familie will ja schließlich früh genug etwas vom Erbe haben. ( Seite 18 )

 

Ich finde diese Einstellung unverschämt und dämlich. Jeder soll sich doch selbst anstrengen, es zu etwas zu bringen. Vor allen Dingen ist das dämlich, da der Autor gleich auf den nächsten Seiten sich selbst widerspricht. So meint er auf Seite 21: Nicht umsonst gibt es ein Sprichwort, das besagt: „Eine Erbschaft lässt die Muskeln schwinden und das Gehirn schrumpfen.“ 

 

Dazu wüsste ich auch nicht, warum die Reichen ihr Vermögen auf die Bevölkerung umlegen sollten. Auch stimmt es nicht, dass nur vermögend wird, der erbt. Ich sehe das an mir, wer sich anstrengt, sparsam ist und sein Geld ein bisschen zusammen hält, kann auch schön was ansparen. Und ich habe nichts geerbt.

 

Die Vergleiche zu Nachbarländern kann man auch nicht wirklich ziehen. Klar kann es sein, dass die Leute dort mehr verdienen oder weniger Steuern bezahlen. Aber wie sieht es vergleichsweise mit den Ausgaben und der Lebenshaltung dort aus? Also zählen solche Angaben für mich nicht, wenn man nur bestimmte Werte vergleicht, anstatt sich die Kaufkraft des jeweiligen Landes anzusehen und zu vergleichen. 

 

Der Autor wettert auch gerne gegen die Rente. Erhält er später keine Rente vom Staat? Verzichtet er freiwillig darauf? Wohl kaum. Wir haben nicht zu viele Rentner, wir haben zu viele Leute, die keine Lust haben, zu arbeiten. Es gibt genug offene Stellen, aber viele sind sich zu fein, arbeiten zu gehen, solange das Geld ohne Probleme vom Staat auf das Konto fliest. 

 

So findet der Autor auch, dass zB die Türkei und Griechenland mehr Rente bezahlen, wie Deutschland. Mal überlegt, wie diese Länder finanziell dastehen? Diese Zahlungen müssen von anderen Ländern getragen werden. 

 

Ständig tauchen die bösen Beamten auf. So auch auf Seite 81. So soll ein Beamter in seinem Leben den Staat 5-6 Millionen Kosten. Das kann schon sein, wenn man Richter damit meint. Aber der normale kleine Beamte, der das abbekommt, kostet bei weiten keine 5-6 Millionen in seiner Lebensarbeitszeit. Lächerlich.

 

Weiter geht es auf Seite 55. Hier führt der Autor die höchsten Baukosten in Europa an. Weil sich nicht jeder ein Eigenheim mit Garten leisten kann. Ich finde das auch gut so. Stell euch mal vor, jede Person hätte ein Eigenheim mit Garten. Wo sollten denn die ganzen Häuser hin? Es ist nun einmal so, dass nicht jeder ein eigenes Haus haben kann und trotzdem führt der Autor das im Buch auf.

 

Dazu kommt er dann auf Seite 85 auf den abgeschafften Mieterschutz zurück. Ich würde das in anderer Richtung mal eher sagen. Die armen Vermieter, die Mietnomaden nicht mehr aus den Vier Wänden herausbekommen. Die Mieter, die nicht mehr bezahlen, nicht losbekommen. Um dann natürlich auf die Richter zu kommen, die angeblich Mieter schneller rauswerfen, weil sie selbst Wohneigentum haben. Ich könnte dazu etwas genaueres schreiben, ich sage aber nur so viel. Wenn man sich beim Grundbuchamt mal in den Unterlagen umsieht, sieht man, dass fast alles Wohneigentum mittlerweile auf ausländische Namen läuft. Und da hat eine Person mehrere Häuser und es sind keine Richter. Vielleicht ist das in München oder Berlin der Fall. Das kann man aber echt nicht als Zugpferd vor den Karren spannen. 

 

Und jetzt kommt das Kapitel, bei dem ich fast mit dem Lesen aufgehört habe. Seite 99 – Die niedrigste Geburtenrate der Welt. Also, als Frau sollte man eigentlich die nächsten Seiten überspringen, sonst kann man ziemlich erhöhten Blutdruck bekommen. Wir haben eine zu kleine Geburtenrate. Hat sich der Autor mal die Entwicklung der Weltbevölkerung in den letzten 50 Jahren angesehen? Die Menschheit explodiert regelrecht. Muss dann wirklich jede Frau, ob sie will oder nicht, 3-4 Kinder in die Welt setzen? Und dann auch noch auf die Pille schimpfen, dass deswegen die Frauen weniger Kinder bekommen? Sorry, wenn ich in dem Augenblick gekonnt hätte, hätte ich dem Autor eins übergebrezelt. 

 

Dazu kommt der Autor auf den folgenden Seiten noch zu einem angeblichen Überschuss an Männern. Männer, Frauen, Hetero. Hier vergisst der Autor, es gibt eben auch Schwule und Lesben, die keinen Bock auf Leute des anderen Geschlechts haben. Es gibt mit Sicherheit auch genug Männer und Frauen, die keine Beziehung wollen oder nicht mehr wollen. Wie kann man dann so etwas überhaupt in einem Buch über „Plünderland“ aufführen. Das hat mit der eigentlichen Materie nichts zu tun. 

 

So etwa auf Seite 124 kommt der Autor dann zur Begrenzung der Produktlebensdauer. Er führt auf, dass die Leute extra neue PCs, Handy und Geräte kaufen, weil die Lebensdauer abgelaufen ist und das Gerät defekt ist. Sorry, mein letzter PC war über 10 Jahre alt. Mein Handy ist auch gut 6 Jahre alt. Mein PC war mittlerweile zu langsam und es gab auch seit Jahren keine Updates mehr. Deswegen habe ich mir einen neuen gekauft. Das Gerät lief einwandfrei. Auch mein Handy ist zwar nicht mehr das neueste, es läuft aber noch perfekt. Der Fernseher ist auch bereits 5 Jahre alt. Ich sehe da eher das Problem der Menschen an sich, immer das neueste Gerät zu haben und mit dem alten nicht mehr zufrieden zu sein. Das kann man also auch nicht auf die Sache „Plünderland“ draufhauen. Es ist keiner gezwungen ein neues Gerät anzuschaffen, wenn das alte noch funktioniert. Da müsste man etwas am Verhalten der Personen ändern. Gleiches gilt für Lebensmittel. Was der Autor aber nicht anführt, daher schreibe ich an der Stelle auch nicht mehr darüber. 

 

Manchmal weiß der Autor auch nicht, was er vorher schon mal geschrieben hat. Einmal rät er von Immobilien als Werterhalt ab, hinten schreibt er dann, man soll sich Immobilien aneignen. 

 

Absolut überflüssig ist der Anhang Teil 3 von wegen „So sichern Sie sich gegen die weitere Verarmung ab“. Größtenteils führt er hier auf, was er im Buch auch schon erwähnt hat. Den Rest weiß man entweder schon oder ist Blödsinn. Gerade das Horten von Fremdwährung finde ich nicht gerade super. Ich habe so einiges altes Bargeld, mit dem man heute nichts mehr anfangen kann. Außerdem muss man dann auch erst einmal in das entsprechende Land kommen, um damit etwas anfangen zu können und der Euro ist schon weit um uns herum verbreitet. 

 

Leider konnte ich über den Autor im Netz nichts Privates erfahren oder ich habe es nicht gefunden. Es hätte mich einmal interessiert, ob er verheiratet ist und wie viele Kinder er hat. Und ob es auch ja nur Mädchen sind, denn wir haben ja schließlich einen Männerüberschuss und müssen Frauen produzieren. 

 

Natürlich stimme ich dem Autor auch in der ein oder anderen Sache zu. So finde ich die vielen Investitionen in erneuerbare Energie überflüssig. Wer eine eigene Solaranlage auf dem Dach hat, weiß, wann es damit keinen Strom mehr gibt. Und nur weil der Nachbar auch eine hat, wird der Strom nicht mehr. Genauso ist es mit Windenergie. Zumal über all dort, wo Anlagen gebaut werden sollen, gibt es Bürgerproteste, weil es die Aussicht verschandelt. 

 

Ich finde auch, man sollte nicht unsere Steuergelder in alle Welt hinauswerfen. Wenn wir in unser Land sehen, brauchen wir bald selbst Entwicklungsgelder, weil alles zerfällt. 

 

Es gibt noch so ein paar Punkte, bei denen ich dem Autor schon recht geben muss. Die ganzen Punkte sind allerdings in der Minderheit, im Gegensatz zu dem geschriebenen Rest. 

 

Man braucht schon Nerven, um das Buch komplett zu lesen. Und man muss auch viel denken und überlegen. Einfach so lesen und erschüttert sein, sollte hier nicht drin sein, denn zu viel ist einfach ohne Sinn und Verstand herunter geschrieben. Auch helfen die vielen Fußnoten hier nicht. Wenn man das alles nachprüfen möchte, hat man echt viel zu tun. 

 

So vergebe ich hier noch 2 Sterne. 

 

"Wirklich gelernt hat die Menschheit als Ganzes aus der Vergangenheit nie etwas"

In Zeiten, in denen immer neue enorme gesamtgesellschaftliche Risiken entstehen, muss man sich nicht wundern, wenn sich Crashvorhersagen häufen. Günter Hannich sagt in diesem Buch einen Megacrash des Finanzsystems und damit der Gesamtkonstruktion der westlichen Gesellschaften voraus. Damit ist er nicht alleine, denn die Spannungen im ökonomischen System der westlichen Welt sind gigantisch. Eine wesentliche Zinserhöhung halten zum Beispiel einige europäische Nationen, etwa Italien, nicht mehr aus. Sie würden in die Pleite rutschen und das gesamte Euro-System mitreißen. Man muss inzwischen wahrlich kein Prophet sein, um das vorauszusagen.

Hannich gehört zu den Autoren, die in diesem Zusammenhang eine Deflation erwarten. Auch damit wird er wahrscheinlich Recht behalten. Seine Vorsorge-Ratschläge sind nicht wirklich überraschend. Für den Ernstfall sollte man Einiges an Bargeld bei sich haben, möglichst in kleinen Scheinen, vielleicht dazu Fremdwährungen, wie zum Beispiel die norwegische Krone, und Edelmetalle in kleinen Stückelungen, etwa Gold oder Platin. Darüber hinaus rät er zur Vorsorge bei Lebensmitteln und Wasser. Darauf kann man selbst kommen, wenn man ein wenig über solche Situationen nachdenkt.

Ein Buch muss man darüber also nicht unbedingt schreiben. Und deshalb holt Hannich auch etwas weiter aus und kritisiert „das System“. Seinen Fans oder Leuten, die sich nicht wirklich in ökonomischen Fragen tiefer auskennen, werden ihm sicher alles glauben, was in diesem Buch steht. Ich habe das leider nicht geschafft. Und ehrlich gesagt begreife ich nicht, wie man die in diesem Buch vorhandenen Widersprüche als Autor nicht selbst bemerken kann.

Hinten im Buch beschreibt Hannich die Szenarien einer Deflation. Insbesondere warnt er vor dem Kauf kreditfinanzierter Immobilien, weil diese gegenwärtig völlig überteuert seien und diese Blase zwangsläufig platzen werde. Kommt es dazu, fallen also die Immobilienpreise, dann könnten Kreditnehmer allein schon deshalb in Schwierigkeiten kommen, weil die Sicherheiten, die Banken für ihre Kredite verlangen, plötzlich nicht mehr in der Höhe des Kredits vorhanden sind. Ein eventueller Verlust des Jobs der Kreditnehmer verschlimmert das Szenario dann noch zusätzlich. Kurz gesagt: Kredite können mit der Blase platzen. Die Krise in den USA von 2007 und 2008 ist dafür ein Muster.

Vorne im Buch kann es sich Hannich jedoch nicht verkneifen, sich über exponentielles Wachstum auszulassen. In diesem Zusammenhang zelebriert er den Josephspfennig, den Gegner des sogenannten Zinseszinssystems immer als Beispiel für dessen Fehlkonstruktion ansehen. Wenn also der gute Joseph für seinen Jesus bei dessen Geburt einen Pfennig zu jährlich fünf Prozent Zinsen angelegt hätte, wären daraus im Jahre 2000 so ungefähr 200 Milliarden Erdenkugeln aus purem Gold geworden.

Du meine Güte, da staunt der verblüffte Mensch. Und er wundert sich, warum so ein Zuwachs an Reichtum auf diese Weise noch bei niemandem in der Realität wenigstens ansatzweise geglückt ist. Ja, warum wohl? Weil mit dieser ganzen Rechnung, die übrigens stimmt, ein fataler Denkfehler verbunden ist, den Ökonomen gerne machen. Sie vergessen nämlich konsequent die Voraussetzungen, wenn sie irgendeine Art von Mathematik anwenden. Und hier lautet sie: Geld zu verleihen ist risikolos. Haben wir aber von Herrn Hannich nicht auch in diesem Buch gelernt, dass Kredite platzen können? Es hätte dem guten Joseph und seinen nicht vorhandenen Nachfahren also während eines so langen Zeitraumes mit hoher Wahrscheinlichkeit passieren können, dass ihr immer als Ganzes verliehenes Geld auf einmal futsch gewesen wäre.

Wer übrigens das sogenannte Zinseszinssystem abschaffen will, muss den Zins abschaffen. Das ist einfache Logik. Später im Buch beschreibt Hannich Wechselkurse und betont, dass sie wichtige ökonomische Informationen enthalten. Ja, auch der Zins enthält solche enorm wichtigen Informationen. Allerdings muss er dazu ökonomisch frei sein und darf nicht von einer Zentralbank planwirtschaftlich festgelegt werden. Realistische Zinsen hätten selbst im gegenwärtigen Geldsystem viele Blasen nicht entstehen lassen.

Leider ist hier nicht der Platz, um die Rolle des Zinses darzulegen. Tatsache ist jedoch, dass das Währungssystem, mit dem wir jetzt leben müssen, die wahre Ursache für sein nicht aufzuhaltendes Kollabieren ist und keineswegs der Zins. Jedes Papiergeldsystem kracht irgendwann deshalb zusammen, weil es beliebig ausgedehnt werden kann, ohne dass noch ein Zusammenhang mit der realen ökonomischen Welt besteht. Papiergeld besitzt eben keinen inneren Wert. Und unser jetziges Geld ist nur Kredit. Es entsteht als Kredit und verschwindet, wenn dieser abbezahlt ist. Diese Zusammenhänge sind leider vielen Menschen nicht wirklich bewusst. Wahres Geld verschwindet nicht, weil es einen inneren Wert besitzt. Und es würde immer wertvoller werden, wenn sein Umfang begrenzt wäre und die Wirtschaft immer mehr Produkte erzeugt.

Abgesehen von diesen mit dem Zins verbundenen Irrtümern und einigen anderen fragwürdigen Stellen (etwa zu den Ursachen der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre) kann man in Hannichs Buch zahlreiche Informationen finden, die die jetzt entstandene Situation beleuchten. Übrigens auch unerwartete, etwa zur Bevölkerungsentwicklung. Mir war beispielsweise das dramatische Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern überhaupt nicht bewusst.

In den letzten Abschnitten geht es um den gesellschaftlichen Verfall, der durch die ungesteuerte Zuwanderung noch erheblich verschärft wird. Viele Menschen sind zwar inzwischen schon recht unruhig, doch offenbar sieht die Mehrheit die drohenden Gefahren nicht oder will oder kann sie nicht sehen. Wenn wenigstens die Hälfte der deutschen Kredite im Ausland inzwischen als verloren gelten (Target2), dann wird die deutsche Bevölkerung dafür blechen müssen. Das ist inzwischen ein Betrag, der die 500 Milliarden-Grenze bald überschritten haben wird. Dazu kommen noch Risiken aus der irrsinnigen Euro-Rettungsorgie. Implizite Staatschulden, beispielsweise für Pensionszusagen, gehören ebenso in dieses Szenario wie die expliziten Schulden durch Kredite.

Man muss Hannich außerdem danken, dass er in diesem Buch mit dem Mythos aufräumt, Deutschland wäre ein reiches Land. Das wird immer von denjenigen behauptet, die es aussaugen, wo immer sie können. Die Realität ist eine ganz andere.

Immobilienbesitzern oder Menschen, die Häuser als Krisenschutz ansehen, werden Hannichs Ausführungen zu Immobilien nicht gefallen. Leider wird er wohl Recht behalten, denn die historischen Erfahrungen sind dementsprechend. Selbstverständlich kann man die Ausführungen im letzten Kapitel zur persönlichen Vorsorge für leicht übertrieben halten. Das wird man insbesondere dann tun, wenn man Optimist ist und sich die entsprechenden Szenarien nicht vorstellen kann, weil man sie nicht kennt und die Generationen, die so etwas noch erlebt haben, wohl langsam aussterben.

Die gewohnte Welt kann allerdings schneller zusammenbrechen als man denkt. Die deutsche Geschichte der letzten hundert Jahre ist dafür voller Beispiele.

Cover des Buches Die Deflation kommt (ISBN: 9783942016506)
Dr_Ms avatar

Rezension zu "Die Deflation kommt" von Günter Hannich

Dr_M
Mit Zinsen in die Hölle, mit Schwundgeld ins Paradies?

Der Autor dieses Buches ist leidenschaftlicher Anhänger einer merkwürdigen Theorie. Er befürwortet die Einführung von Schwundgeld als Lösung all unserer ökonomischen Probleme. Das muss man wissen, wenn man diesen Text richtig einordnen will, denn es geht hier zwar um die Gefahr einer deflationären Entwicklung, begründet wird sie aber unter anderem mit der Theorie vom bösen Zins.

Dem ahnungslosen Leser wird das zunächst nicht auffallen. Erst gegen Ende des Textes auf den Seiten 147 und 148 bekommt er dieses grandiose Modell in sehr kurzer Form vorgestellt. Es soll wie folgt funktionieren: Da der Zins angeblich die Ursache allen Übels ist, wird er kurzerhand abgeschafft. Geld zu horten ist nach Ansicht des Autors ein böses Verhalten, das bestraft werden muss. Deshalb wird jeder gezwungen auf seine Geldscheine nach Ablauf einer gewissen Frist eine käuflich zu erwerbende Marke zu kleben. Hält man sein Geld also zu lange, wird es schnell immer wertloser, weil man dafür Gebühren bezahlen muss. Angeblich hätte die praktische Erprobung in den 1930er Jahren in einem österreichischen Ort wunderbare Erfolge gebracht. Meines Wissens entspricht das nicht der Wahrheit.

Mal abgesehen davon, dass jemand sich hinstellt und zu wissen glaubt, welches ökonomische Verhalten von Menschen richtig wäre und welches bestraft werden muss, führen einfache Überlegungen schnell zu den katastrophalen Folgen dieses Blödsinns. Wenn nämlich Sparen unter Strafe steht, dann wird und kann niemand mehr investieren, was in der Folge zum wirtschaftlichen Niedergang führen muss. Hinter dieser wirren Theorie stecken verschiedene Denkfehler. Einer davon ist der Gedanke, dass Sparen höchst schädlich für eine Wirtschaft wäre, weil man damit Geld aus dem Kreislauf nimmt. Das stimmt nur dann, wenn man es auch tatsächlich tut, also sein Geld unters Kopfkissen legt, anstatt es zur Bank zu bringen. Das werden wohl aber die wenigsten machen. Liegt das Geld jedoch auf der Bank, dann ist nicht verschwunden, sondern wird es in der Regel wieder verliehen. Leider verschließt sich diese einfache Wahrheit dem Autor.

Was hat das nun aber alles mit dem Titel des Buches zu tun? Offensichtlich befinden wir uns in einer höchst fragilen wirtschaftlichen Situation, die uns durchaus in eine sehr schwierige Deflation führen kann. Auch wenn seine Grundannahmen falsch sind, so erklärt der Autor das eigentliche Entstehen und die Folgen von Deflationen richtig. Auch die von ihm erläuterten Vorschläge, die uns vor einer solchen Entwicklung wenigstens etwas schützen sollen, sind durchaus plausibel und vernünftig. Doch leider habe ich, nachdem ich nun mit diesem ein zweites Buch des Autors gelesen habe, immer mehr den Eindruck, dass er sich auch gerne einmal die Fakten so zurechtbiegt, dass sie in seine Theorie vom bösen Zins und dem noch böseren Zinseszins passen.

Mit dieser Theorie, die natürlich nicht wirklich begründet wird, beginnt das Buch. Der Autor behauptet, dass Zins und Zinseszins immer wieder zum Zusammenbruch von Wirtschaftssystemen führen müssen, weil das Wirtschaftswachstum mit dem durch die Verzinsung exponentiell wachsenden Geldvermögen nicht mithalten kann. Deshalb müsse es zwangsläufig zu immer mehr Schulden kommen. Das klingt irgendwie logisch und wird natürlich mit dem berühmten Josefs-Pfennig scheinbar anschaulich verdeutlicht. Hätte man einen Pfennig seit dem Jahre Null immer wieder zu fünf Prozent Zinsen angelegt, dann wäre daraus heute ein Besitz von über 300 Milliarden Erdkugeln aus purem Gold geworden. Das stimmt rechnerisch wirklich. Allerdings vergisst auch dieser Autor nur zu gerne zu erwähnen, dass dies nur unter einer Voraussetzung so gekommen wäre, nämlich dann, wenn jeder Schuldner in all den 2010 Jahren immer die Schuld getilgt und den Zins bezahlt hätte, es also einen risikolosen Zins gäbe. Das jedoch ist eine realitätsfremde Voraussetzung, die entsprechend auch zu kuriosen Resultaten führt.

Eine Rezension bietet nicht den Platz, um auf alle sonderbaren Behauptungen in Hannichs Buch einzugehen. Erwähnt werden muss jedoch unbedingt, dass der Autor den Geldschöpfungsprozess der Zentral- und Privatbanken kategorisch abstreitet. Seine dortige Gedankenführung und seine eher lustigen Beispiele und Argumente zeigen, dass er diesen Prozess noch nicht einmal in der theoretischen Beschreibung (übrigens durch die Zentralbanken selbst) verstanden hat. Schwundgeldtheoretiker verdammen darüber hinaus den Goldstandard. Dass dies auch der Autor tut, verwundert also nicht.

Immerhin erklärt das Buch richtig, dass es den Zentralbanken nur schwer gelingen kann, eine Inflation zu erzeugen und dass sie eine Deflation kaum verhindern können. Am Beispiel der japanischen Zentralbank, die sich schon fast 20 Jahre um eine Inflation bemüht, aber dabei nur deflationäre Tendenzen in Gang gesetzt hat und eifrig die Staatspleite Japans mit zunehmender Geschwindigkeit betreibt, sieht man, dass das Bemühen von Zentralbanken, eine Deflation durch inflationäres Handeln zu verhindern, direkt proportional zur Länge und Tiefe der schließlich doch eintretenden Deflation sein wird.

Da der Autor schlicht bestreitet, dass die Geldmengentheorie stimmt, existiert für ihn auch die Gefahr einer Inflation nicht. Doch die immer schneller verlaufende Vergrößerung der Geldmenge ist bereits schon nach Definition Inflation. Noch kommt dieses Geld nicht dort an, wo es nach dem Willen der Zentralbanken hin soll. Es tobt sich vielmehr nur innerhalb der Finanzwelt aus und verursacht dort immer heftiger werdende spekulative Blasen und anschließende Crashs, die jedoch bereits katastrophale Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben. Die amerikanische Subprime-Krise und die in der Folge drohende Deflation ("Kreditklemme", "Kaufzurückhaltung") konnte mit heftigen inflationistischen Maßnahmen der Zentralbanken gerade noch aufgehalten werden. Da jedoch dabei erneut der Irrsinn mit seinen Ursachen bekämpft wurde, werden solche Maßnahmen das Drama nur vergrößern und in die Zukunft verschieben. Insofern sind die Befürchtungen des Autors durchaus gerechtfertigt, auch wenn sie bei ihm ganz anders begründet werden.

Unter Inflation versteht Hannich lediglich eine sich beschleunigt drehende Lohn-Preisspirale. Dort sind wir in der Tat noch nicht angelangt, obwohl man zum Beispiel der Pressemitteilung 407 des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden vom 10.11.2010 entnehmen kann, dass der Index der Großhandelspreise im Oktober 2010 um 7,7% höher liegt als noch vor einem Jahr. Doch die Löhne steigen eben (noch) nicht in diesem Tempo.

Fazit.
Lässt man einmal die zahlreichen unsinnigen Begründungen und Behauptungen des Autors beiseite, dann erklärt dieses Buch zumindest die Entstehung, den Verlauf und die Folgen einer Deflation und erläutert, wie man sich vor einer solchen Entwicklung wenigstens teilweise schützen kann.

Gespräche aus der Community

Bisher gibt es noch keine Gespräche aus der Community zum Buch. Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Welche Genres erwarten dich?

Community-Statistik

6 Bibliotheken

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks