Günter Hannich

 3.3 Sterne bei 4 Bewertungen

Alle Bücher von Günter Hannich

Megacrash – Die große Enteignung kommt

Megacrash – Die große Enteignung kommt

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Erschienen am 22.03.2018
Die kommende Euro-Katastrophe

Die kommende Euro-Katastrophe

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Erschienen am 01.08.2009
Die Deflation kommt

Die Deflation kommt

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Erschienen am 19.11.2010
Geldcrash

Geldcrash

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Erschienen am 01.11.2008
Staatsbankrott

Staatsbankrott

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Erschienen am 20.06.2006

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Rezension zu "Megacrash – Die große Enteignung kommt" von Günter Hannich

"Wirklich gelernt hat die Menschheit als Ganzes aus der Vergangenheit nie etwas"
R_Mantheyvor 7 Monaten

In Zeiten, in denen immer neue enorme gesamtgesellschaftliche Risiken entstehen, muss man sich nicht wundern, wenn sich Crashvorhersagen häufen. Günter Hannich sagt in diesem Buch einen Megacrash des Finanzsystems und damit der Gesamtkonstruktion der westlichen Gesellschaften voraus. Damit ist er nicht alleine, denn die Spannungen im ökonomischen System der westlichen Welt sind gigantisch. Eine wesentliche Zinserhöhung halten zum Beispiel einige europäische Nationen, etwa Italien, nicht mehr aus. Sie würden in die Pleite rutschen und das gesamte Euro-System mitreißen. Man muss inzwischen wahrlich kein Prophet sein, um das vorauszusagen.

Hannich gehört zu den Autoren, die in diesem Zusammenhang eine Deflation erwarten. Auch damit wird er wahrscheinlich Recht behalten. Seine Vorsorge-Ratschläge sind nicht wirklich überraschend. Für den Ernstfall sollte man Einiges an Bargeld bei sich haben, möglichst in kleinen Scheinen, vielleicht dazu Fremdwährungen, wie zum Beispiel die norwegische Krone, und Edelmetalle in kleinen Stückelungen, etwa Gold oder Platin. Darüber hinaus rät er zur Vorsorge bei Lebensmitteln und Wasser. Darauf kann man selbst kommen, wenn man ein wenig über solche Situationen nachdenkt.

Ein Buch muss man darüber also nicht unbedingt schreiben. Und deshalb holt Hannich auch etwas weiter aus und kritisiert „das System“. Seinen Fans oder Leuten, die sich nicht wirklich in ökonomischen Fragen tiefer auskennen, werden ihm sicher alles glauben, was in diesem Buch steht. Ich habe das leider nicht geschafft. Und ehrlich gesagt begreife ich nicht, wie man die in diesem Buch vorhandenen Widersprüche als Autor nicht selbst bemerken kann.

Hinten im Buch beschreibt Hannich die Szenarien einer Deflation. Insbesondere warnt er vor dem Kauf kreditfinanzierter Immobilien, weil diese gegenwärtig völlig überteuert seien und diese Blase zwangsläufig platzen werde. Kommt es dazu, fallen also die Immobilienpreise, dann könnten Kreditnehmer allein schon deshalb in Schwierigkeiten kommen, weil die Sicherheiten, die Banken für ihre Kredite verlangen, plötzlich nicht mehr in der Höhe des Kredits vorhanden sind. Ein eventueller Verlust des Jobs der Kreditnehmer verschlimmert das Szenario dann noch zusätzlich. Kurz gesagt: Kredite können mit der Blase platzen. Die Krise in den USA von 2007 und 2008 ist dafür ein Muster.

Vorne im Buch kann es sich Hannich jedoch nicht verkneifen, sich über exponentielles Wachstum auszulassen. In diesem Zusammenhang zelebriert er den Josephspfennig, den Gegner des sogenannten Zinseszinssystems immer als Beispiel für dessen Fehlkonstruktion ansehen. Wenn also der gute Joseph für seinen Jesus bei dessen Geburt einen Pfennig zu jährlich fünf Prozent Zinsen angelegt hätte, wären daraus im Jahre 2000 so ungefähr 200 Milliarden Erdenkugeln aus purem Gold geworden.

Du meine Güte, da staunt der verblüffte Mensch. Und er wundert sich, warum so ein Zuwachs an Reichtum auf diese Weise noch bei niemandem in der Realität wenigstens ansatzweise geglückt ist. Ja, warum wohl? Weil mit dieser ganzen Rechnung, die übrigens stimmt, ein fataler Denkfehler verbunden ist, den Ökonomen gerne machen. Sie vergessen nämlich konsequent die Voraussetzungen, wenn sie irgendeine Art von Mathematik anwenden. Und hier lautet sie: Geld zu verleihen ist risikolos. Haben wir aber von Herrn Hannich nicht auch in diesem Buch gelernt, dass Kredite platzen können? Es hätte dem guten Joseph und seinen nicht vorhandenen Nachfahren also während eines so langen Zeitraumes mit hoher Wahrscheinlichkeit passieren können, dass ihr immer als Ganzes verliehenes Geld auf einmal futsch gewesen wäre.

Wer übrigens das sogenannte Zinseszinssystem abschaffen will, muss den Zins abschaffen. Das ist einfache Logik. Später im Buch beschreibt Hannich Wechselkurse und betont, dass sie wichtige ökonomische Informationen enthalten. Ja, auch der Zins enthält solche enorm wichtigen Informationen. Allerdings muss er dazu ökonomisch frei sein und darf nicht von einer Zentralbank planwirtschaftlich festgelegt werden. Realistische Zinsen hätten selbst im gegenwärtigen Geldsystem viele Blasen nicht entstehen lassen.

Leider ist hier nicht der Platz, um die Rolle des Zinses darzulegen. Tatsache ist jedoch, dass das Währungssystem, mit dem wir jetzt leben müssen, die wahre Ursache für sein nicht aufzuhaltendes Kollabieren ist und keineswegs der Zins. Jedes Papiergeldsystem kracht irgendwann deshalb zusammen, weil es beliebig ausgedehnt werden kann, ohne dass noch ein Zusammenhang mit der realen ökonomischen Welt besteht. Papiergeld besitzt eben keinen inneren Wert. Und unser jetziges Geld ist nur Kredit. Es entsteht als Kredit und verschwindet, wenn dieser abbezahlt ist. Diese Zusammenhänge sind leider vielen Menschen nicht wirklich bewusst. Wahres Geld verschwindet nicht, weil es einen inneren Wert besitzt. Und es würde immer wertvoller werden, wenn sein Umfang begrenzt wäre und die Wirtschaft immer mehr Produkte erzeugt.

Abgesehen von diesen mit dem Zins verbundenen Irrtümern und einigen anderen fragwürdigen Stellen (etwa zu den Ursachen der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre) kann man in Hannichs Buch zahlreiche Informationen finden, die die jetzt entstandene Situation beleuchten. Übrigens auch unerwartete, etwa zur Bevölkerungsentwicklung. Mir war beispielsweise das dramatische Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern überhaupt nicht bewusst.

In den letzten Abschnitten geht es um den gesellschaftlichen Verfall, der durch die ungesteuerte Zuwanderung noch erheblich verschärft wird. Viele Menschen sind zwar inzwischen schon recht unruhig, doch offenbar sieht die Mehrheit die drohenden Gefahren nicht oder will oder kann sie nicht sehen. Wenn wenigstens die Hälfte der deutschen Kredite im Ausland inzwischen als verloren gelten (Target2), dann wird die deutsche Bevölkerung dafür blechen müssen. Das ist inzwischen ein Betrag, der die 500 Milliarden-Grenze bald überschritten haben wird. Dazu kommen noch Risiken aus der irrsinnigen Euro-Rettungsorgie. Implizite Staatschulden, beispielsweise für Pensionszusagen, gehören ebenso in dieses Szenario wie die expliziten Schulden durch Kredite.

Man muss Hannich außerdem danken, dass er in diesem Buch mit dem Mythos aufräumt, Deutschland wäre ein reiches Land. Das wird immer von denjenigen behauptet, die es aussaugen, wo immer sie können. Die Realität ist eine ganz andere.

Immobilienbesitzern oder Menschen, die Häuser als Krisenschutz ansehen, werden Hannichs Ausführungen zu Immobilien nicht gefallen. Leider wird er wohl Recht behalten, denn die historischen Erfahrungen sind dementsprechend. Selbstverständlich kann man die Ausführungen im letzten Kapitel zur persönlichen Vorsorge für leicht übertrieben halten. Das wird man insbesondere dann tun, wenn man Optimist ist und sich die entsprechenden Szenarien nicht vorstellen kann, weil man sie nicht kennt und die Generationen, die so etwas noch erlebt haben, wohl langsam aussterben.

Die gewohnte Welt kann allerdings schneller zusammenbrechen als man denkt. Die deutsche Geschichte der letzten hundert Jahre ist dafür voller Beispiele.

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Rezension zu "Die Deflation kommt" von Günter Hannich

Mit Zinsen in die Hölle, mit Schwundgeld ins Paradies?
R_Mantheyvor 3 Jahren

Der Autor dieses Buches ist leidenschaftlicher Anhänger einer merkwürdigen Theorie. Er befürwortet die Einführung von Schwundgeld als Lösung all unserer ökonomischen Probleme. Das muss man wissen, wenn man diesen Text richtig einordnen will, denn es geht hier zwar um die Gefahr einer deflationären Entwicklung, begründet wird sie aber unter anderem mit der Theorie vom bösen Zins.

Dem ahnungslosen Leser wird das zunächst nicht auffallen. Erst gegen Ende des Textes auf den Seiten 147 und 148 bekommt er dieses grandiose Modell in sehr kurzer Form vorgestellt. Es soll wie folgt funktionieren: Da der Zins angeblich die Ursache allen Übels ist, wird er kurzerhand abgeschafft. Geld zu horten ist nach Ansicht des Autors ein böses Verhalten, das bestraft werden muss. Deshalb wird jeder gezwungen auf seine Geldscheine nach Ablauf einer gewissen Frist eine käuflich zu erwerbende Marke zu kleben. Hält man sein Geld also zu lange, wird es schnell immer wertloser, weil man dafür Gebühren bezahlen muss. Angeblich hätte die praktische Erprobung in den 1930er Jahren in einem österreichischen Ort wunderbare Erfolge gebracht. Meines Wissens entspricht das nicht der Wahrheit.

Mal abgesehen davon, dass jemand sich hinstellt und zu wissen glaubt, welches ökonomische Verhalten von Menschen richtig wäre und welches bestraft werden muss, führen einfache Überlegungen schnell zu den katastrophalen Folgen dieses Blödsinns. Wenn nämlich Sparen unter Strafe steht, dann wird und kann niemand mehr investieren, was in der Folge zum wirtschaftlichen Niedergang führen muss. Hinter dieser wirren Theorie stecken verschiedene Denkfehler. Einer davon ist der Gedanke, dass Sparen höchst schädlich für eine Wirtschaft wäre, weil man damit Geld aus dem Kreislauf nimmt. Das stimmt nur dann, wenn man es auch tatsächlich tut, also sein Geld unters Kopfkissen legt, anstatt es zur Bank zu bringen. Das werden wohl aber die wenigsten machen. Liegt das Geld jedoch auf der Bank, dann ist nicht verschwunden, sondern wird es in der Regel wieder verliehen. Leider verschließt sich diese einfache Wahrheit dem Autor.

Was hat das nun aber alles mit dem Titel des Buches zu tun? Offensichtlich befinden wir uns in einer höchst fragilen wirtschaftlichen Situation, die uns durchaus in eine sehr schwierige Deflation führen kann. Auch wenn seine Grundannahmen falsch sind, so erklärt der Autor das eigentliche Entstehen und die Folgen von Deflationen richtig. Auch die von ihm erläuterten Vorschläge, die uns vor einer solchen Entwicklung wenigstens etwas schützen sollen, sind durchaus plausibel und vernünftig. Doch leider habe ich, nachdem ich nun mit diesem ein zweites Buch des Autors gelesen habe, immer mehr den Eindruck, dass er sich auch gerne einmal die Fakten so zurechtbiegt, dass sie in seine Theorie vom bösen Zins und dem noch böseren Zinseszins passen.

Mit dieser Theorie, die natürlich nicht wirklich begründet wird, beginnt das Buch. Der Autor behauptet, dass Zins und Zinseszins immer wieder zum Zusammenbruch von Wirtschaftssystemen führen müssen, weil das Wirtschaftswachstum mit dem durch die Verzinsung exponentiell wachsenden Geldvermögen nicht mithalten kann. Deshalb müsse es zwangsläufig zu immer mehr Schulden kommen. Das klingt irgendwie logisch und wird natürlich mit dem berühmten Josefs-Pfennig scheinbar anschaulich verdeutlicht. Hätte man einen Pfennig seit dem Jahre Null immer wieder zu fünf Prozent Zinsen angelegt, dann wäre daraus heute ein Besitz von über 300 Milliarden Erdkugeln aus purem Gold geworden. Das stimmt rechnerisch wirklich. Allerdings vergisst auch dieser Autor nur zu gerne zu erwähnen, dass dies nur unter einer Voraussetzung so gekommen wäre, nämlich dann, wenn jeder Schuldner in all den 2010 Jahren immer die Schuld getilgt und den Zins bezahlt hätte, es also einen risikolosen Zins gäbe. Das jedoch ist eine realitätsfremde Voraussetzung, die entsprechend auch zu kuriosen Resultaten führt.

Eine Rezension bietet nicht den Platz, um auf alle sonderbaren Behauptungen in Hannichs Buch einzugehen. Erwähnt werden muss jedoch unbedingt, dass der Autor den Geldschöpfungsprozess der Zentral- und Privatbanken kategorisch abstreitet. Seine dortige Gedankenführung und seine eher lustigen Beispiele und Argumente zeigen, dass er diesen Prozess noch nicht einmal in der theoretischen Beschreibung (übrigens durch die Zentralbanken selbst) verstanden hat. Schwundgeldtheoretiker verdammen darüber hinaus den Goldstandard. Dass dies auch der Autor tut, verwundert also nicht.

Immerhin erklärt das Buch richtig, dass es den Zentralbanken nur schwer gelingen kann, eine Inflation zu erzeugen und dass sie eine Deflation kaum verhindern können. Am Beispiel der japanischen Zentralbank, die sich schon fast 20 Jahre um eine Inflation bemüht, aber dabei nur deflationäre Tendenzen in Gang gesetzt hat und eifrig die Staatspleite Japans mit zunehmender Geschwindigkeit betreibt, sieht man, dass das Bemühen von Zentralbanken, eine Deflation durch inflationäres Handeln zu verhindern, direkt proportional zur Länge und Tiefe der schließlich doch eintretenden Deflation sein wird.

Da der Autor schlicht bestreitet, dass die Geldmengentheorie stimmt, existiert für ihn auch die Gefahr einer Inflation nicht. Doch die immer schneller verlaufende Vergrößerung der Geldmenge ist bereits schon nach Definition Inflation. Noch kommt dieses Geld nicht dort an, wo es nach dem Willen der Zentralbanken hin soll. Es tobt sich vielmehr nur innerhalb der Finanzwelt aus und verursacht dort immer heftiger werdende spekulative Blasen und anschließende Crashs, die jedoch bereits katastrophale Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben. Die amerikanische Subprime-Krise und die in der Folge drohende Deflation ("Kreditklemme", "Kaufzurückhaltung") konnte mit heftigen inflationistischen Maßnahmen der Zentralbanken gerade noch aufgehalten werden. Da jedoch dabei erneut der Irrsinn mit seinen Ursachen bekämpft wurde, werden solche Maßnahmen das Drama nur vergrößern und in die Zukunft verschieben. Insofern sind die Befürchtungen des Autors durchaus gerechtfertigt, auch wenn sie bei ihm ganz anders begründet werden.

Unter Inflation versteht Hannich lediglich eine sich beschleunigt drehende Lohn-Preisspirale. Dort sind wir in der Tat noch nicht angelangt, obwohl man zum Beispiel der Pressemitteilung 407 des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden vom 10.11.2010 entnehmen kann, dass der Index der Großhandelspreise im Oktober 2010 um 7,7% höher liegt als noch vor einem Jahr. Doch die Löhne steigen eben (noch) nicht in diesem Tempo.

Fazit.
Lässt man einmal die zahlreichen unsinnigen Begründungen und Behauptungen des Autors beiseite, dann erklärt dieses Buch zumindest die Entstehung, den Verlauf und die Folgen einer Deflation und erläutert, wie man sich vor einer solchen Entwicklung wenigstens teilweise schützen kann.

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Rezension zu "Die kommende Euro-Katastrophe" von Günter Hannich

Ökonomische Gesetze lassen sich nicht politisch aushebeln
R_Mantheyvor 3 Jahren

In der Krise verwundert es wohl kaum, wenn immer mehr Bücher auf den Markt geworfen werden, die den Niedergang erklären oder uns auf noch schlimmere Zeiten vorbereiten wollen. Das vorliegende Werk ist in seiner Kernaussage nicht neu. Doch leider ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Prognosen des Autors eintreffen, ziemlich groß.

Als der Euro eingeführt wurde, erklärte uns die staatliche Medienoffensive, dass es dazu keine Alternative gäbe und wir nur Vorteile von der neuen Währung hätten. In Wirklichkeit, so schreibt der Autor, war der Euro jedoch der Preis der deutschen Vereinigung. Wir tauschten die starke Deutsche Mark gegen eine Einheitswährung die starre Wechselkurse zwischen den Teilnehmerländern festschreibt und damit den Weg in eine ungeheure ökonomische Katastrophe freimacht. Noch nie hat eine solche Währungskonstruktion in der Geschichte funktioniert. Und das hat objektive und leicht durchschaubare ökonomische Gründe.

Währungen widerspiegeln die Wirtschaftskraft eines Landes. Besitzt ein Staat eine starke Wirtschaft, so hat er in der Regel auch eine starke Währung. Schwächere Wirtschaftsgefüge gleichen dies durch eine schwächere Währung aus, verbilligen ihre eigentlich vergleichsweise teureren Leistungen damit also nach außen und bleiben auf diese Weise konkurrenzfähig. Nimmt man den unterschiedlichen Volkswirtschaften dieses Ausgleichsventil, indem man Wechselkurse festschreibt, obwohl sich die wirtschaftlichen Verhältnisse ändern, dann wird sich der Druck im Kessel irgendwann so erhöht haben, dass es zur Explosion kommt. Denn was bleibt einer schwachen Wirtschaft in einem Starkwährungsgebiet noch als Ausgleich? Um die Produktionskosten zu verringern, helfen kurzfristig nur noch Lohnkürzungen. Wenn das nicht mehr funktioniert, verschwindet die Industrie aus diesen Gebieten. In der Folge kommt es dann zu riesigen Transferleistungen aus den wirtschaftlich starken Gebieten in die schwächeren. Doch das löst die Probleme nicht wirklich und schwächt darüber hinaus die Geber. Außerdem entstehen Wanderbewegungen in die ökonomisch stärken Gebiete und (damit verbunden) soziale und politische Spannungen.

Wie und in welcher Geschwindigkeit ein solcher ökonomischer Zusammenbruch abläuft, konnte man in Ostdeutschland beobachten. Über Nacht musste eine schwache Wirtschaft Löhne in DM zahlen. Diese konnte sie aber überhaupt nicht erwirtschaften, weil sich ihre früheren Handelspartner die Produkte in einer Hartwährung nicht mehr leisten konnten. Doch die wirtschaftlichen Folgen der Vereinigung der beiden deutschen Staaten ließen sich politisch wohl nicht verhindern, auch wenn der Autor das anders sieht. Er schlägt sogar vor, dass Deutschland in drei Währungszonen eingeteilt werden sollte, nämlich in Nord, Süd und Ost. Wer an dieser Stelle verwirrt aufblickt, kann sich im Internet darüber informieren, dass Herr Hannich Anhänger einer politischen Splitterpartei ist, die eine andere Gesellschaftsform anstrebt.

Was man in Deutschland beobachten konnte, findet in viel größerem Maßstab so ähnlich in Europa statt. Während man den wirtschaftlichen Niedergang einzelner Regionen noch einigermaßen beherrschen kann, so führt der Zusammenbruch ganzer Volkswirtschaften in eine Katastrophe riesigen Ausmaßes. Dass dies in Europa inzwischen unausweichlich geworden ist, stellt die Hauptthese des Autors dar. Er hat sie schon vor Jahren in einem anderen Buch entwickelt und vertieft und erneuert sie nun hier unter den Aspekten der gegenwärtigen Krise, die den Niedergang einiger unter dem Euro leidenden europäischer Volkswirtschaften heftig beschleunigen wird. Hannich entwirft mehrere Szenarien, wie Europas ökonomischer Untergang ablaufen wird.

Ein anderes schreckliches Beispiel für den politisch gewollten ökonomischen Unsinn starrer Wechselkurse liefert übrigens die Kopplung der argentinischen Währung an den Dollar, die ein enormes wirtschaftliches Chaos in Argentinien anrichtete. Auch hier konnte man sehr gut verfolgen, wie ökonomische Gesetze wirken und was größenwahnsinnige Politiker anrichten können, wenn sie glauben, sie besäßen die Fähigkeit solche Gesetze willkürlich umzuschreiben.

Wir lernen darüber hinaus, dass auch die Wiedereinführung einer goldgestützten Währung keine Lösung unserer Probleme ist. Auch das kann man leicht einsehen, denn erstens besitzt nicht jedes Land genug Gold und zweitens stellt der Goldstandard nur eine andere Variante fester Wechselkurse dar. Die Geschichte hat gezeigt, dass sich der Goldstandard genau wie feste Wechselkurse oder gar eine politisch gewollte Einheitswährung nicht lange halten können, weil sie einfach ein starrer Parameter in einem sehr dynamischen System sind. Sowie diese Dynamik gewisse Grenzen überschreitet, wird ein starres Gerüst zur Explosion der ganzen Konstruktion führen.

Neben all diesen Themen widmet sich der Autor auch den Ursachen der gegenwärtigen Schuldenkrise, dem Schicksal des Dollars und der scheinbar unbemerkt voranschreitenden politischen Entmündigung der europäischen Nationalstaaten durch die EU-Bürokratie. Schließlich erteilt er uns noch praktische Ratschläge, wie wir unser eventuelles Vermögen gegen die kommende Katastrophe absichern sollten.

Fazit.
Der Autor hat uns ein leicht lesbares Buch vorgelegt, das die ganze Problematik der politisch gewollten und ökonomisch unsinnigen europäischen Einheitswährung hervorragend erläutert. Sowie er jedoch zu allgemeineren Themen übergeht, wie etwa der Zinsproblematik oder dem Wesen des Papiergeldes, wird er oberflächlich und unpräzise. Seine Auslegung historischer Ereignisse im Sinne seiner Thesen über das "Zinsgeld" oder den "Zinskapitalismus" erschienen mir etwas vordergründig.

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