Günter Wallraff

 4.1 Sterne bei 286 Bewertungen
Autor von Ganz unten, Aus der schönen neuen Welt und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Günter Wallraff

Günter Wallraff, Jahrgang 1942, lebt und arbeitet in Köln. Veröffentlichungen u.a.: Wir brauchen dich. Als Arbeiter in deutschen Industriebetrieben (1966; 1970 unter dem Titel Industriereportagen), 13 unerwünschte Reportagen (1969), Ihr da oben, wir da unten (mit Bernt Engelmann), Unser Faschismus nebenan (1975), die Dokumentation einer in Athen durchgeführten Protestaktion Wallraffs gegen das griechische Obristenregime. Besonderes Aufsehen erregte Wallraff 1977 mit seinen verdeckten Recherchen innerhalb der Redaktion der Bild-Zeitung ( Der Aufmacher und weitere Bücher zum Thema). Mit über 5 Mio. Exemplaren der deutschsprachigen Ausgabe und 38 Übersetzungen war Ganz unten (1985), die Reportage über den menschenverachtenden Handel mit Leiharbeitern, das erfolgreichste Sachbuch der Nachkriegszeit. Große Medien- und Leserresonanz fanden die Reportagen in dem Band Aus der schönen neuen Welt (2009, 2012) und dem von ihm herausgegebenen Band Die Lastenträger (2014).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Günter Wallraff

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Buchformat:
Cover des Buches Ganz unten9783462305913

Ganz unten

 (87)
Erschienen am 05.10.2017
Cover des Buches Aus der schönen neuen Welt9783462306576

Aus der schönen neuen Welt

 (55)
Erschienen am 10.09.2012
Cover des Buches Der Aufmacher9783462026634

Der Aufmacher

 (46)
Erschienen am 01.04.2009
Cover des Buches Zeugen der Anklage9783462015409

Zeugen der Anklage

 (8)
Erschienen am 01.01.1979
Cover des Buches Ihr da oben - wir da unten9783462305937

Ihr da oben - wir da unten

 (8)
Erschienen am 05.10.2017
Cover des Buches Industriereportagen9783837501469

Industriereportagen

 (7)
Erschienen am 13.03.2009

Neue Rezensionen zu Günter Wallraff

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Rezension zu "ganz unten" von Günter Wallraff

Wahnsinnig erschreckend und auch nach 35 Jahren noch mega wichtig
Lemas_Buecherweltvor einem Monat

Zwei Jahre lang war Günter Wallraff als türkischer Gastarbeiter Ali Levent unterwegs. Diesmal „ganz unten“, da wo noch Nichtmal Mindestlohn gezahlt wird und der Schritt zum „Sklavenmarkt“ nur ein Bruchteil entfernt ist. Ob als Hilfskraft bei McDonalds, Versuchskaninchen bei einer Medikamentenerprobung, Arbeiter in einer Leiharbeiterkolonne bei Thyssen oder als illegale Arbeitskraft auf der Großbaustelle. Für Günter Wallraff ist kein Job zu dreckig oder zu ausbeuterisch. Dabei fällt ihm immer wieder Rassismus in der allerheftigsten Form auf, denn „mit euch Türken kann man es ja machen.“ Trotz seines nur mäßigen „gebrochenen Deutsch“ ist seine Tarnung perfekt. Dadurch das er bewusste Provokationen sowohl unter den Kollegen mit Migrationshintergrund als auch unter seinen deutschen Kollegen streut, rutscht das Ganze schnell mal ins makabere bis absurde. Die komplett gesteigerte Entmenschlichung, wo nur der Profit gesehen wird und die Arbeiter sprichwörtlich verheizt – in einem der ältesten Atomkraftwerke Deutschlands. Auch wenn der Auftrag für das AKW eine abgesprochene Inszenierung rund um die verdeckten Ermittlungen von Günter Wallraff hat mich richtig schockiert. Dicht gefolgt von der Teilnahme an der Medikamentenstudie, Nebenwirkungen am lebenden Objekt zu erfahren mit dem Risiko dass die Nebenwirkungen tödlich sein könnten. Was bei mir blankes Entsetzen ausgelöst hat ist für Wallraff ebenfalls ein Grund dieses Experiment abzubrechen. So müssen sich tagtäglich nicht nur Probanden fühlen, welche nach wie vor gesucht werden, sondern auch viele tausend Ratten und Mäuse. Für mich ein Fall, der definitiv zum nachdenken angeregt hat und ich zolle jedem Tribut egal ob Mensch oder Tier, damit Medikamente nahezu unbedenklich genommen werden können. Auch wenn das Buch mittlerweile stolze 35 Jahre auf dem Buckel hat, kann ich mir einen aktuellen Bezug herleiten. Denn immer noch herrscht Ungleichheit was die Löhne zwischen Ost/West und Frau/Mann betrifft und der Leistungsdruck ist meines Erachtens nach noch größer geworden. Wer nicht leisten kann, verliert.

Obwohl die Erlebnisse von Günter Wallraff in der Mitte der 1980er Jahre stattgefunden haben, hat er bis heute mit gesundheitlichen Konsequenzen zu kämpfen. Neben der ausführlichen Berichterstattung sind zur Veranschaulichung auch Bilder mit ins Setting genommen worden sowie Hintergrundrecherchen die einem den Ernst der Lage verdeutlichen. Mit seinem sachlich fundierten Schreibstil schafft Günter Wallraff eine kühle, rationale Atmosphäre die einen tief beeindruckt und berührt. Umso wichtiger ist es, dass es endlich vernünftige Regelungen für den Arbeitsmarkt bundesweit geltend gemacht werden.

Kommentare: 1
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Rezension zu "Aus der schönen neuen Welt" von Günter Wallraff

Hammer !
supersusivor 3 Jahren

Erschütternd, was hier in Deutschland los ist. Man hat ja schon das ein oder andere gehört, aber dass die Zustände so heftig sind und die Verantwortlichen damit durchkommen, hätte ich nie für möglich gehalten.

Danke Herr Wallraff, dass sie die Leute nicht allein lassen, sondern auf diese horrenden Mißstände aufmerksam machen !

Herr Wallraff hat sich in diesem Buch wieder undercover unter´s Volk gemischt und eine Weile als Obdachloser, als Afrikaner, als Psychiatriepatient oder als Arbeiter gelebt. Was er da erleben mußte hat er hier offengelegt. Ob als Brötchenbäcker für Lidl, als Azubi bei einem Sternekoch oder in einem Callcenter, man ist geschockt, dass solche Arbeitsbedingungen hier möglich sind und geduldet werden. Es bleibt ein wenig Hoffnung, dass sich durch dieses Buch und die Reportagen etwas ändert.

Schockiert war ich auch über die Machenschaften der deutschen Bahn. Unfassbar, was dort hinter den Kulissen los ist. Aber die Paketdienstmitarbeiter haben mir noch mehr leid getan. Die ersten Stunden des Tages, in denen sie bereits Schwerstarbeit (wortwörtlich) leisten, indem sie die Pakete vom Band abladen und dann zum und in den LKW schleppen und somit bereits 2x 1 Tonne Gewicht geschleppt und gewuchtet haben (im Akkord), wird nicht bezahlt !!! Es sind arbeitsvorbereitende Maßnahmen, die nicht entlohnt werden. 3 Std. Knochenarbeit täglich für lau. Das gibt´s doch gar nicht, denkt man. Wir sind doch hier in Deutschland, da ist sowas doch gar nicht erlaubt ! Aber es geht eben doch. Und die Menschen, die auf den Job angewiesen sind werden fröhlich ausgebeutet. Die Behörden spielen mit, denn wer kündigt, bekommt eine Sperre und kein Arbeitslosengeld. Und wer das Pech hat, Ausländer zu sein, dem als Arbeitslosen die Abschiebung droht, der arbeitet weiter und muckt nicht auf.

Wie sehr unser Sozialstaat den Bach runter geht, da er von skruppellosen, geld- und machtgierigen Firmenchefs kaputtgewirtschaftet wird, sieht man im vorletzten Kapitel. Dort geht es um Anwälte, die Firmen beraten, wie sie systematisch ihre Mitarbeiter psychisch fertig machen können,(und teils in den Selbstmord treiben, was billigend in Kauf genommen wird), um sie loszuwerden. Rufmord, ungerechtfertigte Kündigungen, Verleumdungen, ausspionieren, Psychoterror auch zuhause, Anzeigen, Demütigungen usw. alles strategisch geplant mit Methode, effizient und zielgerichtet. Besagte Anwälte haben es bevorzugt auf Betriebsräte abgesehen, da diese sich für ihre Kollegen stark machen und auf Einhaltung des Arbeitsrechts achten. Ist man die erstmal los, kann die Firma ungehindert eine Schreckensherrschaft aufbauen und wo die Angst regiert, traut sich keiner was wegen unbezahlter Überstunden, fehlende Sicherheitsstandards, Gesundheitsschäden, Bezahlung unter´m Mindestlohn usw. zu sagen. Diese Anwälte geben sogar ganz öffentlich Seminare oder schreiben Bücher, "Wie werde ich unkündbare Mitarbeiter los". Eine grauenvolle Vorstellung, dass der Arbeitsalltag der Zukunft immer mehr so aussehen wird, denn anscheinend wird diesen Machenschaften kein Einhalt geboten.

Das Buch rüttelt auf, macht betroffen, nachdenklich und vor allem wütend.

Es werden wirklich schockierende Zustände aufgedeckt. Daher ist es auch ein sehr wichtiges Buch, das unbedingt gelesen und weitergereicht werden sollte. Wenn das die Zustände sind, die hier herrschen, sollte man jeden Tag für seinen Job dankbar sein, wenn man da nicht gemobbt wird und sich der Arbeitgeber an geltendes Recht hält. Ich dachte bislang, sowas sei selbstverständlich, aber für viele ist es das nicht. Dies Buch öffnet einem die Augen und sollte von Vielen gelesen werden.

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S

Rezension zu "Der Aufmacher" von Günter Wallraff

Hans Esser
spagettivor 5 Jahren

Günter Walraff schleust sich unter dem Namen Hans Esser in das Unternehmen der Bildzeitung ein.

1977 erschien dieser legendärer Bericht von Günter Walraff schon und er schlug wie eine Bombe ein. Er beschreibt darin, was er alles als Bild-Reporter "Hans Esser" erlebte.

Günter Walraff berichtet, wie es überhaupt zu diesen skandalösen Nachrichten in dieser Zeitung kommt. Seine Reportagen  musste er immer wieder abändern, und überdrehen, damit sie in dieser Tagespresse veröffentlicht werden konnten, denn die Leser sollten und mussten lesen, was die Redaktion von Bild ihm diktierte.

EIn Dutzend Verfahren wurden gegen ihn eingeleitet, er hat sie alle gewonnen.
 
Bravo, Herr Esser.

Fazit: Dieses Buch sollte gelesen werden, es ist eine Meisterleistung. So entsteht die Bildzeitung, liebe Leser.

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Günter Wallraff wurde am 01. Oktober 1942 in Burscheid bei Köln (Deutschland) geboren.

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