Günter de Bruyn Preisverleihung

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Inhaltsangabe zu „Preisverleihung“ von Günter de Bruyn

Günter de Bruyn legt in der ›Preisverleihung‹ mit gewohnt elegant lakonischer Sprache und Ironie einen reizvollen und immer unterhaltenden Roman über den Kulturbetrieb der ehemaligen DDR vor - ein Roman, des Autors der erfolgreichen Autobiographie ›Zwischenstation‹ (S. Fischer), der zu den amüsanteren Stücken deutschsprachiger Gegenwartsliteratur gehört.

Die Hauptfiguren in dieser turbulenten Dreiecksgeschichte sind Dr. Teo Overbeck, Literaturwissenschaftler, dessen Frau Irene und deren gemeinsamer Schriftstellerfreund Paul Schuster - Irenes ehemaliger Geliebter. Die Geschichte wird um so vertrackter, als dieser sich in die siebzehnjährige Tochter der Overbecks verliebt, deren wirklicher Vater er selber ist.

Anlaß für ihr Wiederbegegnen ist eine Preisverleihung. Teo Overbeck soll die Laudatio des Buches halten, das Schuster bereits vor achtzehn Jahren geschrieben, aber aufgrund von Overbecks übermächtigen Einfluß immer wieder umgeschrieben hat. Nur: den Glauben an das Buch - und damit den Glauben an einen Literaturbetrieb, 'dem Grenzen jeglicher Art mehr bedeuten als die Pflichten des Autors, ihrer zu spotten' -, diesen Glauben hat Teo Overbeck inzwischen verloren.

Eine Geschichte von Glück und Unglück, Geheimnis und Gegengeheimnis, Schein und Sein im DDR-Alltag - brillant und pointiert aufgeschrieben.

— franzzi

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    Preisverleihung

    franzzi

    "Irene Overbeck gehörte nicht zu den von Tragik umwitterten Gestalten, die an der Inkongruenz von Ideal und Wirklichkeit zu zerbrechen drohen. Sie hat die Fähigkeit, sich ihren Vorstellungen von der Wirklichkeit auch zu erfreuen, wenn diese ihnen nicht entsprach." (S. 63) Günter de Bruyn schildert in seinem Roman von 1972 einen einzigen Tag im Leben der Familie Overbeck. Ein Tag, an dem Vater, Mutter und Tochter um ihre Zukunft bangen und in der Gegenwart, just an diesem einen Tag, das Scheitern erleben, jeder für sich und doch alle zusammen. Mir wurde der Roman empfohlen von einem Kameruner, der nach Leipzig kam, um hier zur DDR-Literatur zu promovieren. Ihm sei kaum je ein Roman in die Hand gefallen, der so genau beobachte und so geschliffen und gekonnt die deutsche Sprache einsetze, sagte er. Jetzt, vier Jahre später, und ohne zu wissen, wo er inzwischen ist, kann ich ihm nur Recht geben. Der Romantitel "Preisverleihung" gibt schon den großen Rahmen dieses einen Tages vor. Dr. Teo Overbeck soll eine Rede halten, eine Preisrede, eine Laudatio auf den Schriftsteller Paul Schuster. Doch Overbeck windet sich. Nicht, weil er Paul Schuster von früher kennt und ihm einst die Frau ausspannte, auch wenn seine Frau eher sagen würde, er habe sie vom egozentrischen, alles vereinnahmenden Paul gerettet. Nicht, weil es just die nun gedruckte Fassung des Romans ist, an dem Paul in ihrer gemeinsamen Zeit in einer Wohnung in Berlin feilte und dessen Druck er damals selbst verweigerte. Nein, es liegt vielmehr an den Veränderungen am Roman, die Paul seitdem eingebaut hat, um ihn gesellschaftsfähig - und aus Sicht der Staatsspitze preiswürdig zu machen. Ein Plan der aufging, und der Teo Overbeck zutiefst zuwider ist. Trotzdem muss er die Laudatio halten - und weiß nicht wie. Seine Tochter indes ringt mit sich, weil sie nicht weiß, ob und wie sie ihren Schwarm ansprechen soll - und was passiert, wenn die Nachricht kommt, ob sie, wie sehnlichst gewünscht, Psychologie studieren darf oder nicht. Und Irene Overbeck schließlich, die Frau mit dem scheinbar unzerrüttbaren sonnigen Gemüt, hat Angst vor dem Wiedersehen mit dem einstigen Liebhaber, denn sie fürchtet um ein Geheimnis, das sie all die Jahre so gut behütet glaubte. Und so flechtet de Bruyn die drei Einzelgeschichten dahin, mit einer großen Portion Ironie, gerade wenn er seinen Doktor mit den Universitätskollegen der Literaturwissenschaft über Literatur und Politik diskutieren lässt, über das Problem der Pflicht versus der eigenen Überzeugung. Der Hohn über die hohen Reden der Politiker und den Karrieristen in ihrer Umgebung ist kaum versteckt und wunderbar pointiert. Da wundert es wenig, dass de Bruyn in den 1980er Jahren zu denjenigen Schriftstellern gehörte, die offen und unverhohlen ihre Kritik an der Politik der DDR-Spitze aussprachen. Und es wundert ebenso wenig, dass der S.Fischer-Verlag ausgerechnet de Bruyns Bücher nach der deutschen Wiedervereinigung wieder aufgelegt hat. Bereits in seinem vorher entstandenen Roman "Preisverleihung" sind die Beobachtungen geschliffen, alle Personen, analysieren knallhart sich selbst, ihre eigene Situation und ihre Umgebung. - Zumindest an diesem einen Tag, an dem Tag, an dem so viel schief zu gehen droht. "Er war damals von einer Literatur beeindruckt, die den Zugang zur Wirklichkeit mehr verbaute als eröffnete, umgab sich mit Leuten, die wie er Wunschvorstellungen für Realität, Realität für Schönheitsfehler hielten und mit uneingestandenem Hochmut auf Leute herabsahen, die ihnen unterentwickelt schienen. Sie verdammten alle Elitetheorien und waren in ihnen befangen. Weil der Turm, in dem sie hausten, nicht aus Elfenbein war, schien er ihnen kein Turm zu sein. Sie konnten von ihm aus nur weit sehen, bis in die Zukunft, über die sie alles wussten, besonders aber, daß sie ihnen gehörte." (S. 35)

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