Günther Kaufmann

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Rezension zu "Der weiße Neger vom Hasenbergl" von Günther Kaufmann

Liebe bis zur Selbstaufgabe
monja1995vor 5 Jahren

Klappentext:

Um seine Frau zu schützen, gesteht der Schauspieler Günther Kaufmann eine Mordtat, die er nicht begangen hat. 831 Tag sitzt er dafür im Gefängnis. Dann werden die mutmaßlichen Täter gefaßt. In seinem Buch erzählt er von seiner Kindheit in München als Sohn eines schwarzen Gis, wie er von Fassbinder zum Star gemacht wird und Jahrzehnte später die Tragödie seines Lebens erlebt.

Mein Umriss:

Günther Kaufmann wurde 1947 als Kind einer Münchnerin und einem Besatzungssoldaten geboren. Als der Mann seiner Mutter aus der Gefangenschaft zurück kehrte, nahm er den Jungen wie seinen eigenen an, ohne es ihn jemals spüren zu lassen, dass er nicht von ihm war. Kaufmann wuchs wohlbehütet auf und zog später mit seinen Eltern von Schwabing ins Hasenbergl. Er wollte unbedingt Trompeter werden, was ihm sein Vater aber nicht gestattete. Also erlernte er erst einen soliden Beruf, bevor er sich auf die Suche nach seiner Berufung machte. Aber erstmal stand die Pflicht an und zwar mußte er zur Bundeswehr. Sein Wunsch war als Zeitsoldat bei der Marine zu dienen, was ihm auch gelang. Dort machte er auch zum ersten mal Bekanntschaft mit homosexuellen Männern, die sich scheinbar zu ihm hingezogen fühlten. Es sollte nicht bei dem einen mal bleiben, dass er sich Annäherungsversuchen erwehren mußte. 1969 entdeckte ihn Rainer Werner Fassbinder, für den er immer wieder Nebenrollen besetzen durfte. Nun war er seinem gefaßten Ziel Schauspieler zu werden schon ganz nahe. Seine wilde Anfangszeit als Schauspieler wurde von Frauengeschichten, Saufgelagen und zwei zerbrochenen Ehen begleitet.
Als er dann seine dritte Frau Sandra kennenlernte, meinte er das große Glück endlich gefunden zu haben. Die ersten Jahre war dieses auch nahezu ungetrübt. Er leistete sich ein Anwesen in der Algarve und konnte sich weiterhin über zahlreiche Rollen in den Fassbinder-Filmen freuen. Es schien, als lebten er und Sandra auf der Sonnenseite des Lebens. Bis sie an Krebs erkrankte. Schnell waren die Ersparnisse aufgebraucht und ihm blieb nichts anderes übrig, als das Anwesen in Portugal zu verkaufen. Da machte ihm Sandra den Vorschlag, das für ihn in die Hand zu nehmen. Schnell war das gesamte Geld aufgebraucht und sie brauchten einen Geldgeber. Den fanden sie im Steuerberater Hartmut Hagen, den Sandra im Laufe der Zeit um ein stattliches Vermögen brachte. Als Hagen dann einem Mord zum Opfer fiel, gerät Kaufmann in dringenden Tatverdacht und beschließt als ohnehin Verdächtiger alles auf sich zu nehmen, um seine Frau zu schützen. Für sie ging er ins Gefängnis, wo ihm nach langer Zeit die Augen geöffnet wurden…..

Mein Eindruck:

Günther Kaufmann erzählt in dieser Biografie aus seiner Kindheit als Besatzungskind, die Hänseleien der Mitschüler, die sich über seine dunkle Hautfarbe lustig machten. Seine für ihn verwunderliche Entdeckung und die spätere Karriere als Schauspieler stellt er als wahrgewordenen Traum dar. Ebenso wie sein schlafwandlerisches Vertrauen in seine dritte Frau, die ihn nach Strich und Faden belog und betrog und nicht einmal kurz vor ihrem Tod die Wahrheit sagte, weshalb er damit rechnen mußte, die 15 Jahre Gefängnis für eine nie von ihm durchgeführte Tat verbüßen zu müssen. Den Schmerz den er beschreibt, als sich sein Sohn von ihm abwandte spürt man als Leser fast körperlich.
Dieses Gefühlschaos das Günther Kaufmann durch seine Erzählung heraufbeschwört, kommt mit Sicherheit dadurch zustande, dass Kaufmann schrieb, wie ihm der Schnabel gewachsen war.
Hätte ihn seine Tochter nicht immer wieder dazu angehalten, wäre diese Biografie wohl nie zustande gekommen.

Mein Fazit:

Die aufregende Lebensbeichte eines Mannes, der immer wieder auf die Füße fiel, egal wie tief der Fall war

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