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Rezension zu "SNAKE 01: Terror-Hölle Kenia" von G.G. Grandt

Terror-Hölle Kenia
Elmar Hubervor 3 Jahren

„Mohammed Abdirahman wollte das Satellitentelefon betätigen, hielt jedoch erneut inne. Dieses Mal war es nicht nur das Licht am Himmel, das sich schlagartig veränderte, sondern auch die Luft. Es war fast so, als würde sie erzittern. Und dann dieses seltsame, tief brummende Geräusch. Das hochfrequente Surren von Drohnenpropellern ...

Weiter kam der Milizenkommandeur in seinen Überlegungen nicht. Denn plötzlich explodierte alles um ihn herum in einem ohrenbetäubenden Krachen und gleißenden Flammenmeer.“

STORY

Nach einem Drohnenangriff der USA gilt der Terrorführer Mohammed Abdirahman als tot. In Wirklichkeit konnte er dem Angriff jedoch knapp entkommen und bereitet seine Vergeltung vor. Kurz darauf quartiert sich im beliebten und gut besuchten kenianischen Hotel Simba Gate am Diani Beach der deutsche Andreas Maier ein, auch bekannt als Ahmed Kalif. In seinem Gepäck befindet sich eine Bombe, die er in dem Hotel zündet. Ein Anschlag, dem auch der Hotelbesitzer Carsten Heininger zum Opfer fällt. Das „Global Diplomatic Bureau“ in Person seines besten Mannes, Prinz Silko von Nake, kurz SNAKE, wird eingeschaltet. Sein Auftrag lautet, in dieses politisch instabiles Pulverfass zu klettern um Abdirahman aufzuspüren und auszuschalten. SNAKE hat außerdem ein persönliches Interesse an dem Fall, denn Heininger war einer seiner besten Freunde.

„Alles trat in den Hintergrund: das schwache Rauschen des Meeres, das Zwitschern der Vögel in den Kronen der Palmen, die Schussdetonationen um ihn herum. Sogar seine Gedanken schienen stillzustehen. Es gab nur noch ihn und sein anvisiertes Ziel, das sich geradezu überdimensional vor seinem Blick abzeichnete.“

MEINUNG

Man traut sich was beim Blitz Verlag, einen „Erben“ von Gérard de Villiers MALKO ins Rennen zu schicken. Immerhin war die Serie ein großer internationaler Erfolg und lief in ihrem Heimatland durchgehend von 1965 – 2013, also selbst noch als die Themen Spionage und Terror den exotischen Anstrich der klassischen James Bond-Ära verloren hatten und mit einem weltweiten Schock ins Bewusstsein der Allgemeinheit eingefräst wurden. Damit haftet den Themen international operierender Terrorzellen, Remote Killing und Kollateralschäden, die auch von den „Guten“ mit einem Achselzucken hingenommen werden, nicht mehr der Hauch des „harmlosen“ Abenteuers an, das in sicherer Entfernung des Lesers stattfindet, wie es vielleicht vor dem Jahrtausendwechsel noch der Fall war. Die Welt rückt zusammen und das tödliche Spiel der Mächtigen und Skrupellosen findet inzwischen vor unser aller Haustür statt; die Nachrichten sind voll davon. Von daher ist die Entscheidung, eine solche Serie zu starten schon ein Schritt aufs verlegerische Glatteis. Zumal Präsentation und Tonart der Serie durchaus ernst, ohne jedes Augenzwinkern, ohne jede ironische Brechung daherkommen. Auch die kraftvolle Eleganz bekannter Filmagenten sucht man vergeblich. Stattdessen wird ein unmissverständliches gut/böse-Schema präsentiert, die die finale Liquidation der anders denkenden Bösewichte ohne zu Zögern rechtfertigt. Die Frage sollte also gestellt werden, ob man diesen realen Horror tatsächlich noch im Rahmen der Unterhaltungsliteratur braucht.

Abseits dieser Frage, die jeder potentielle Leser für sich selbst entscheiden muss, bietet TERRORHÖLLE KENIA Action pur, die auch des Öfteren mal dreckig, physisch und psychisch brutal wird. G. G. Grandt schreckt nicht davor zurück, zwischen Verfolgungsjagden, Schießereien und sogar Hubschrauberabstürzen im Stadtgebiet noch SNAKES Gefährtin und Bettgenossin Nadifa gleich im Rudel übel vergewaltigen zu lassen. Was wenigstens einen guten Ansatzpunkt für eine Racheepisode und damit für Nadifas Figurenentwicklung geboten hätte, bleibt jedoch ungenutzt und damit reiner Selbstzweck. Dass unser gutaussehender, potenter und integrer Titelheld der Gute in dieser Geschichte ist, muss man dem Autor unbesehen abnehmen, denn eine irgendwie geartete „Greifbarmachung“ der Figur fehlt völlig. Ein Umstand, den es auszumerzen gilt, soll SNAKE tatsächlich in den Folgeromanen einige Sympathiepunkte beim heutigen Leser ernten wollen. Dazu würde auch beitragen, SNAKE mehr zum Teamplayer zu machen. Zwar versammelt der Agent eine ansehnliche Entourage um sich, doch bleiben die Nebenfiguren letztendlich bloße Stichwortgeber, wahlweise Kanonenfutter.

Alles in Allem bleibt TERRORHÖLLE KENIA in allen Belangen zu sehr an der Oberfläche, um zu überzeugen. Gerade die literarische Beschäftigung mit den Themen Terror und Terrorbekämpfung würde es doch anbieten, unterschiedliche Überzeugungen vorzustellen, die Protagonisten in die moralische Defensive zu drängen, Grundsätze und Befehle zu hinterfragen, undundund. Dafür müssten jedoch einige Seite mehr angeboten werden. Innerhalb eines Romanumfangs von rund 150 Seiten ist das kaum zu bewerkstelligen. Es bleibt zu hoffen, dass dies nachgeholt wird, denn „SNAKE kehrt zurück“ in HEXENKESSEL UKRAINE.

Für das Coverdesign hat Blitz-Hausgrafiker Mark Freier kein eigenes Titelbild entworfen, doch immerhin ein gelungenes Serienlayout, das sich bewusst stark an den MALKO-Covern orientiert und in das ein Shutterstock-Bild eingefügt wurde. Wie beim seligen „Original“ ein Hingucker für die „Chicks’n’Guns“-Fraktion.

FAZIT

Eindimensionaler und oberflächlicher Terror-Action-Thriller, der wenig zimperlich die Klischees des Genres abfeiert.  

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