Gaël Faye

 4.3 Sterne bei 23 Bewertungen
Autor von Kleines Land, Kleines Land und weiteren Büchern.
Gaël Faye

Lebenslauf von Gaël Faye

Gaël Faye wird in Burundi als Sohn eines Franzosen und einer ruandischen Mutter geboren. Dort wächst er auf bis er 1995, nach Anbruch des Bürgerkrieges und des Genozids an den Tutsi in Ruanda, nach Frankreich flüchten muss. Er studiert an einer Hochschule für Wirtschaft und schließt diese mit einem Master in Finanzwirtschaft ab. Danach arbeitet er zwei Jahre als Investmentbanker in London, bevor er nach Frankreich zurückkehrt. Dort widmet er sich der Musik und arbeitet als Sänger und Autor. "Kleines Land", sein erster Roman, wird 2016 unter anderem für den Prix Goncourt nominiert und erhält 2017 den Prix Goncourt des Lycéens.

Neue Bücher

Kleines Land

 (18)
Erscheint am 01.03.2019 als Taschenbuch bei Piper.

Alle Bücher von Gaël Faye

Kleines Land

Kleines Land

 (18)
Erschienen am 01.03.2019
Kleines Land

Kleines Land

 (3)
Erschienen am 02.10.2017
Kleines Land

Kleines Land

 (0)
Erschienen am 02.10.2017

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Neue Rezensionen zu Gaël Faye

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Rezension zu "Kleines Land" von Gaël Faye

Die Bedeutung von Heimat und Frieden
sommerlesevor 16 Tagen

Gaël Faye wurde 1982 in Burundi als Sohn einer Tutsi und eines französischen Vaters geboren. Sein autobiografisch geprägter Roman "Kleines Land" erschien im Oktober 2017 als deutsche Übersetzung von Brigitte Grosse und Andrea Alvermann im Piper Verlag. Das Buch wurde mit dem Prix Goncourt des Lycéens ausgezeichnet.


Gabriels Familie lebt in Burundi. Er ist noch ein Kind und trifft sich mit seinen Freunden auf der Straße, sie kommen alle aus gutsituierten Familien und haben eine paradiesische Kindheit. Seine Eltern trennen sich und zu der Zeit zerbricht auch sein kleines Land als nach einem Militärputsch der furchtbare Völkermord in Ruanda beginnt. Als der Krieg in seiner Wohnstraße angelangt ist, schickt sein Vater Gabriel und seine Schwester Ana nach Frankreich. Es dauert zwanzig Jahre, bis Gaby in seine alte Heimat zurückkehrt.

"Hinter scheinbarer Ruhe, einer lächelnden Fassade und großen, optimistischen Reden waren beständig dunkle, unterirdische Kräfte am Werk, um Gewalt und Zerstörung freizusetzen... 1965, 1972 und 1988. Ein böser Geist schaute regelmäßig vorbei, um die Menschen daran zu erinnern, dass Friede nur ein kleines Intervall zwischen zwei Kriegen ist." Zitat Seite 117


Über den Völkermord in Ruanda und Burundi zwischen Hutu und Tutsi wissen wir hierzulande nur wenig, die Informationen der Nachrichten geben die immense Anzahl der Getöteten mit bis zu 1.000.000 Menschen an und zeigen damit auch das Ausmaß dieser kriegerischen Katastrophe.


In diesem Roman wird aus der Sicht eines Kindes, des 11jährigen Gaby, über die Entwicklung im Lande Burundi erzählt. Anfangs friedlich zusammenlebende Hutu und Tutsi liefern sich im Jahre 1994 einen erbitterten Bürgerkrieg.

Gaby erzählt über eine Heimat, die im Krieg auseinanderbricht, wo Nachbarn zu Feinden werden und die Grausamkeiten unvollstellbar sind.

Seine anfangs glückliche Kindheit zerbricht als sich die Eltern trennen und als der Krieg ausbricht. Auch seine Freunde werden gewalttätig und lassen sich von den Auseinandersetzungen voller Haß anstecken und mitreißen.


Der Erzählstil des Autors hat mich sehr berührt und gefesselt, hier muss ich auch ein großes Lob an die perfekt gelungene Übersetzung aussprechen.

Der sprachliche Tonfall ist leicht zu verfolgen, sehr treffend und trotz der dramatischen Ereignisse immer irgendwie schonungslos und sachlich beschreibend. Das verleiht dem Buch eine ganz intensive Wirkung, der man sich als Leser nicht entziehen kann.

Gaby sagt über seine Heimat: "Nichts ist süßer als der Augenblick, in dem die Sonne hinter den Berggipfeln versinkt." Zitat Seite 81

Soviel Romantik vermutet man bei einem jungen Autor gar nicht. Überhaupt sieht er die Schönheit seiner Heimat ganz bildhaft und intensiv. Je mehr er sich an seine Kindheit erinnert, umso schöner beschreibt er die Umgebung. Während die kriegerischen Auseinandersetzungen und Morde ihm eine Welt voller Gewalt und Grausamkeit vor Augen halten, in die er letzten Endes auch hineingezogen wird und zu einer grausamen Tat gezwungen wird.

"Völkermord ist ein schwarzer Sumpf, wer nicht darin untergeht, ist für sein Leben verseucht." Zitat Seite 188

Das zeigt die furchtbare Atmosphäre nach dem Militärputsch, in deren Ungewissheit und Schusswechselstimmung, Gabys Leben nur in verschlossenen Zimmern stattfinden ließ. Er findet Ablenkung in Büchern, verdrängt die Situation, so gut er kann.

Gaël Faye berichtet aus kindlicher Perspektive von seiner unbeschwerten Kindheit, aber auch von aufkommendem Krieg, Mord und Vertreibung. Vom Kippen des Friedens in Gewalt und Zerstörung. Wie schnell sich vollziehen konnte, mussten Tausende Afrikaner am eigenen Leibe erfahren.

In Gabys Fall könnte man auch sagen: Vom Kinderparadies in die Hölle. Die Schrecken dieser Zeit lassen Gaby nicht los, seine Freunde greifen zu Waffen und die Hölle bricht los.
Als er lange Zeit später zurückkehrt, findet er gefällte Bäume vor, hohe Mauern statt Mangobäumen und Büschen.

Dieser Roman hat mir sehr eindringlich gezeigt, wie schnell Menschen von Freunden zu erbitterten Feinden und Bestien werden können. Einige Szenen hallen noch in mir nach und so wird dieser Roman mir noch lange in Erinnerung bleiben.


Intensiv erzählt und berührend stellt "Kleines Land" glückliche Kindheits- und Heimaterinnerungen und schreckliche Kriegserlebnisse nebeneinander und ist ein herausragendes und sehr ergreifendes Buch. Ein wichtiger Appell an die Vernunft für Heimat und Frieden!

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Rezension zu "Kleines Land" von Gaël Faye

Trauriges Buch über ein interessantes Thema.
buch_kativor 9 Monaten

Gäel Faye erzählt in seinem Roman über seine Kindheit Anfang der 90er Jahre in Burundi,genauer in der Hauptstadt Bujumbura. (Burundi grenzt an den Kongo, Tansania und Ruanda). Seine Mutter stammt aus Ruanda, der Vater ist Franzose. Gäel hat eine glückliche Kindheit, seine Familie scheint wohlhabend zu sein, da diese Angestellte haben. Sein Leben spielt sich zwischen Schule, Freundschaft und der so genannten Sackgasse (der Straße in der seine Familie wohnt) ab. Als 1994 der Bürgerkrieg in Ruanda ausbricht, schwappt dieser schnell auf Burundi über und nichts ist wie zuvor. 1995 verlässt Gäel das Land und kehrt später nach Ruanda zurück. 
Gäel erzählt die Geschichte aus der Sicht eines Kindes was oft sehr bedrückend ist. Insgesamt ein sehr interessantes Buch über ein trauriges Thema. 

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Rezension zu "Kleines Land" von Gaël Faye

Junger Mensch in kleinem Land
buecher-beavor einem Jahr

Burundi 1993: Gabriel (Gaby, 11 Jahre) lebt mit seiner drei Jahre jüngeren Schwester Ana in Bujumbura, der Hauptstadt. Sein Vater ist ein französischer Baustellenleiter, seine Mutter geflüchtete Tutsi aus Ruanda. Er genießt die Kindheit mit den Nachbarskindern in der Sackgasse, die ebenfalls privilegiert leben.  Er und seine Familie besuchen seine Familie in Ruanda und den französischen, alten Freund des Vaters in Zaire (Dem. Rep. Kongo), dessen rassistische Ansichten unüberhörbar sind.
Es ist das Jahr, in dem in Burundi das erste mal Wahlen stattfinden und der Hutu-Kandidat gewinnt. Und es ist das Jahr, in dem der Friedensvertrag in Ruanda wackelt und eine Katastrophe losbricht, als 1994 der ruandische Präsident im Flugzeug abgeschossen wird.

Erschütternd und berührend zugleich erzählt ein junger Mann Anfang 30 von den Jahren in seinem Heimatland, als er eine schöne unbeschwerte Kindheit verlor, als Hass und Gewalt über das Land hereinbrechen und auch er zum Mörder wird.
Der Autor hat diesen Erfahrungsbericht wunderbar geschrieben, er nutzt viele Bilder in der Sprache und manche Sätze muss man erneut lesen, um sie sich "auf den Augen zergehen zu lassen". Dieses Buch verdeutlicht erneut die Unfassbarkeit und die Grausamkeit des Krieges gepaart mit Unverständnis, warum Menschen sich gegenseitig so etwas antun. Das Ende hat mich überrascht und mir sehr gefallen.

Es ist der erste Roman von Gael Faye, er erhielt den Prix Goncourt de Lycéens und andere Auszeichnungen. 

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Zusätzliche Informationen

Gaël Faye wurde am 01. Januar 1982 in Bujumbura, Burundi geboren.

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