Kleines Land

von Gaël Faye 
4,1 Sterne bei14 Bewertungen
Kleines Land
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Himmelfarbs avatar

Unfassbar berührend. Ein so wichtiges Buch- unbedingt lesen!

buecher-beas avatar

Erschütternd und berührend erzählt ein junger Mann Anfang 30 von den Jahren in seinem Heimatland, als er eine unbeschwerte Kindheit verlor.

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Inhaltsangabe zu "Kleines Land"

»Bevor all das geschah, von dem ich hier erzählen werde, gab es nur das Glück, das nicht erklärt werden musste. Wenn man mich fragte, wie geht es dir, habe ich geantwortet: gut.« Damals traf sich Gabriel mit seinen Freunden auf der Straße, erlebte seine Kindheit wie in einem paradiesischen Kokon. Bis seine Familie zerbrach und fast zur selben Zeit sein kleines Land, Burundi, unvorstellbare Grausamkeiten erdulden musste. Und seine Mutter den Verstand verlor. Zwanzig Jahre später erst, nach der Flucht mit seiner Schwester in ein fernes, fremdes Frankreich, kehrt Gabriel in eine Welt zurück, die er längst verschwunden glaubte. Doch er findet dort etwas wieder, das er für unwiederbringlich verloren hielt. – »Kleines Land« ist ein überwältigendes Buch, voller Schrecken und Glückseligkeit, Güte und ewiger Verlorenheit – ein Stück französischer Weltliteratur im allerbesten Sinne.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783492314053
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:224 Seiten
Verlag:Piper
Erscheinungsdatum:01.03.2019
Das aktuelle Hörbuch ist am 02.10.2017 bei OSTERWOLDaudio erschienen.

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    buecher-beas avatar
    buecher-beavor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Erschütternd und berührend erzählt ein junger Mann Anfang 30 von den Jahren in seinem Heimatland, als er eine unbeschwerte Kindheit verlor.
    Junger Mensch in kleinem Land

    Burundi 1993: Gabriel (Gaby, 11 Jahre) lebt mit seiner drei Jahre jüngeren Schwester Ana in Bujumbura, der Hauptstadt. Sein Vater ist ein französischer Baustellenleiter, seine Mutter geflüchtete Tutsi aus Ruanda. Er genießt die Kindheit mit den Nachbarskindern in der Sackgasse, die ebenfalls privilegiert leben.  Er und seine Familie besuchen seine Familie in Ruanda und den französischen, alten Freund des Vaters in Zaire (Dem. Rep. Kongo), dessen rassistische Ansichten unüberhörbar sind.
    Es ist das Jahr, in dem in Burundi das erste mal Wahlen stattfinden und der Hutu-Kandidat gewinnt. Und es ist das Jahr, in dem der Friedensvertrag in Ruanda wackelt und eine Katastrophe losbricht, als 1994 der ruandische Präsident im Flugzeug abgeschossen wird.

    Erschütternd und berührend zugleich erzählt ein junger Mann Anfang 30 von den Jahren in seinem Heimatland, als er eine schöne unbeschwerte Kindheit verlor, als Hass und Gewalt über das Land hereinbrechen und auch er zum Mörder wird.
    Der Autor hat diesen Erfahrungsbericht wunderbar geschrieben, er nutzt viele Bilder in der Sprache und manche Sätze muss man erneut lesen, um sie sich "auf den Augen zergehen zu lassen". Dieses Buch verdeutlicht erneut die Unfassbarkeit und die Grausamkeit des Krieges gepaart mit Unverständnis, warum Menschen sich gegenseitig so etwas antun. Das Ende hat mich überrascht und mir sehr gefallen.

    Es ist der erste Roman von Gael Faye, er erhielt den Prix Goncourt de Lycéens und andere Auszeichnungen. 

    Kommentare: 2
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    niklas1804s avatar
    niklas1804vor einem Jahr
    Kurzmeinung: bewegend und berührend
    Kleines Land

    Klappentext:

    »Bevor all das geschah, von dem ich hier erzählen werde, gab es nur das Glück, das nicht erklärt werden musste. Wenn man mich fragte, wie geht es dir, habe ich geantwortet: gut.« Damals traf sich Gabriel mit seinen Freunden auf der Straße, erlebte seine Kindheit wie in einem paradiesischen Kokon. Bis seine Familie zerbrach und fast zur selben Zeit sein kleines Land, Burundi, bei einem Militärputsch unvorstellbare Grausamkeiten erdulden musste. Und seine Mutter den Verstand verlor. Zwanzig Jahre später erst, nach der Flucht mit seiner Schwester in ein fernes, fremdes Frankreich, kehrt Gabriel in eine Welt zurück, die er längst verschwunden glaubte. Doch er findet dort etwas wieder, das er für unwiederbringlich verloren hielt.


    Gabriel ist der Sohn eines französischen Bauunternehmers und einer Tutsi aus Ruanda. Zusammen leben sie in einer Stadt in Burundi ein friedliches und ruhiges Leben.
    Er ist der typische 10-jährige, der gerne mit seinen Freunden unterwegs ist, um seine "Abenteuer" zu erleben. Gabriel ist super charakterisiert und macht eine tragische und bewundernswerte Entwicklung durch.
    Denn dann kommt der Bürgerkrieg und verändert sein Leben komplett...
    Der Roman ist einfach wunderbar, bewegend und berührend geschrieben. Die Atmosphäre, das afrikanischen Wetter, die Natur und auch die Menschen, die Gabriel umgeben, detailgtreu und einfach atmosphörisch geschrieben. Und mittenrein treffen die Beschreibungen des Krieges und die Verzweiflung von Kindern, die zu schnell zu Erwachsenen werden müssen.
    Kleines Land ist ein absolut lesenswerter Roman voller Traurigkeit, Gefühl und Hoffnung.


    Fazit:
    Bewegend und berührend!

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    H
    HannahsBooksvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Schönes autobiographisches Debüt
    Berührende Geschichte über die Zerissenheit eines jungen Mannes

    Inhalt:
    "Bevor all das geschah, von dem ich hier erzählen werde, gab es nur das Glück, das nicht erklärt werden musste. Wenn man mich fragte, wie geht es dir, habe ich geantwortet: gut." Damals traf sich Gabriel mit seinen Freunden auf der Straße, erlebte seine Kindheit wie in einem paradiesischen Kokon. Bis seine Familie zerbrach und fast zur selben Zeit sein kleines Land, Burundi, bei einem Militärputsch unvorstellbare Grausamkeiten erdulden musste. Und seine Mutter den Verstand verlor. Zwanzig Jahre später erst, nach der Flucht mit seiner Schwester in ein fernes, fremdes Frankreich, kehrt Gabriel in eine Welt zurück, die er längst verschwunden glaubte. Doch er findet dort etwas wieder, das er für unwiederbringlich verloren hielt.

    Meinung:
    Das Buch beginnt mit einem Mann, dem man direkt anmerkt, dass er sich in an dem jetzigen Ort nicht heimisch und zuhause fühlt. Gaby lebt in Frankreich, wie es dazu gekommen ist, erfährt der Leser im Rest des Buches, welches Gabys Kindheit erläutert. Es erzählt die Geschehnisse vom Völkermord in Afrika 1994 und wie Gaby dies erlebte, bis hin zu seiner Flucht. Von einer fröhlichen Kindheit bis hin zum erzwungenen Erwachsenwerden werden dem Leser das Erlebte näher gebracht. Gaby wird gezwungen sich auf eine Seite zu schlöagen, obwohl er dies schwachsinnig findet und eigentlich nur Kind sein will.
    Dem späteren 30 jährigen Gabriel merkt man deutlich an, wie zerissen er sich fühlt und dass er kein Heimatgefühl zu Frankreich entwickelt hat, obwohl er viele Jahre dort verbrachte.
    Mir hat das Buch sehr gut gefallen, man hat deutlich den Umsprung gemerkt, als die Freunde von Gaby anfingen sich nicht mehr wie Kinder, sondern wie Kämpfer zu verhalten. Auch finde ich es besonders gut gelungen, dass Gaby mit dem ganzen Krieg nicht viel anfangen kann und sich eine eigene Meinung dazu bildet, obwohl ihn seine Freunde in eine Richtung drängen wollen.  Doch trotz den schlechten Erinnerungen an seine letzten Tage in Afrika, überwiegen die schönen, friedlichen Kindheitserinnerungen, sodass Gaby seinen Weg zurück nach Hause findet. Gut gelungen 4 von 5 Sternen.

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    yellowdogs avatar
    yellowdogvor einem Jahr
    Junge französische Literatur mit afrikanischen Wurzeln

    Der kurze französische Roman über Kindheit, Bürgerkrieg und den Verlust der Heimat, hier konkret Burundi, kann mit seiner gut gemachten, musikalisch wirkenden Sprache überzeugen. Der Stil erinnert an eine Afrika-spezifische Art des italienischen Neorealismus.

    Die Kindheit des Erzählers Gabe scheint bis zum Alter von 11 Jahren paradiesisch, aber da aus der Gegenwart in Frankreich zurückdenkend erzählt wird, ahnt man schon, dass dieser Zustand mit dem nahenden Bürgerkrieg 1994 bald enden wird,
    Zwischen Hutu und Tutsi kommt es in Ruanda zum blutigen Konflikt, der auch auf das Nachbarland Burundi ausstrahlt. Es kommt zu schockierend brutalen Massakern, in der auch Gabe und seine Familie hineingezogen werden. Diese Erlebnisse werden Gabe auch im Exil nicht mehr loslassen.

    Das Buch ist ein Debüt und wurde in Frankreich mit dem Prix Goncourt des Lycéens ausgezeichnet.
    Man kann in Lesepausen einen Soundtrack zum Buch zusammenstellen, mit dem im Roman erwähnten Sänger Geoffrey Oryema oder dem Autor selbst, der auch HipHop-Musiker ist.

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    Barbara62s avatar
    Barbara62vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine Kindheit zwischen den Bürgerkriegsländern Burundi und Ruanda und die Flucht nach Frankreich, sehr berührend erzählt.
    „Das Glück sieht man nur durch den Rückspiegel“

    Gabriel, genannt Gaby, hat nach seiner Flucht aus dem Bürgerkriegsland Burundi Jahre gebraucht, um sich in Frankreich zu integrieren. Auch nach 20 Jahren ist er besessen vom Gedanken an eine Rückkehr: „Ich muss zurück. Und wenn auch nur, um klar zu sehen. Um ein für alle Mal abzuschließen mit dieser Geschichte, die mich verfolgt. Um für immer die Tür hinter mir zuzuschlagen.“ Und so macht er sich mit 33 Jahren auf den Weg zurück und erzählt seine Geschichte.

     

    Die glückliche Kindheit endet für Gaby 1992. Er ist zehn Jahre alt, seine Schwester Ana sieben, als die Mutter die Familie verlässt. Als Tutsi aus Ruanda hat sie sich nie in Burundi wohlgefühlt, wo Armut, Ausgrenzung, Diskriminierung und Heimweh die täglichen Begleiter der Flüchtlinge sind. Die Ehe mit einem Franzosen war eine Liebesheirat, doch nun ist bei ihr nichts mehr davon übrig, denn die Eltern „teilen nur ihre Illusionen, nicht ihre Träume“. Die Mutter träumt vom sicheren Leben in Frankreich, der Vater liebt Afrika und genießt den Luxus und die Privilegien seiner Klasse.

     

    Gaby besucht die französische Schule in Bujumbura, fühlt sich als Burundier, liebt seine Sackgasse und die Freunde dort und hält sich an die Maxime des Vaters, nach der Politik nichts für Kinder ist. Doch kann auch diese Vorgabe nicht verhindern, dass die Angst schleichend bei den Freunden in der Sackgasse Einzug hält und auch dort eine schleichende Radikalisierung Einzug hält. Die Hoffnung auf Demokratie und ein Ende der Staatsstreiche nach den Wahlen in Burundi vom Juni 1993 wird durch einen erneuten Putsch im Oktober mit anschließendem Bürgerkrieg zunichte gemacht. Der Abschuss des Flugzeugs mit den Staatsoberhäuptern Burundis und Ruandas im April 1994 gibt das Signal zur systematischen und methodischen Ausrottung der Tutsi in Ruanda und Gabys Mutter muss ohnmächtig der Abschlachtung ihrer in Ruanda verbliebenen Familienmitglieder zusehen und verliert darüber den Verstand. Als sich der Hass auch gegen die Franzosen richtet, lässt der Vater Gaby und Ana ausfliegen, wodurch sie gleichzeitig ihre Familie, ihre Freunde und ihr Land verlieren. Tausende von Kilometern trennen sie jetzt von Burundi und ihrem früheren Leben.

     

    Auch wenn „Kleines Land“ kein autobiografischer Roman ist, so hat Gaël Faye doch vieles von dem erlebt, über das Gaby berichtet. Er ist wie sein Protagonist 1982 geboren, sein Vater ist Franzose, seine Mutter eine ruandische Tutsi und er lebte lange Zeit in Frankreich, bevor er vor zwei Jahren mit seiner Familie nach Ruanda zog. Für seinen Debütroman hat er den Prix Goncourt des lycéens erhalten, den von der Jugendjury vergebenen französischen Literaturpreis.

     

    Der Roman hat mir Einblicke in eine Welt eröffnet, die ich sonst nur aus Horrorberichten in Nachrichtensendungen kenne. Gaël Faye gibt dem Grauen ein Gesicht und macht den Schmerz Gabys über den Verlust von Heimat, Familie und Freunden auf sehr berührende Weise nachfühlbar. Er hat mich genauso bewegt wie vor einigen Jahren Andrea Hiratas "Die Regenbogentruppe" über eine Kindheit in Indonesien, wobei die Dramatik nicht vergleichbar ist. In beiden Fällen sind die Schicksale jedoch tief ergreifend erzählt, allerdings  kann die sprachliche Qualität die inhaltliche jeweils nicht ganz erreichen. 


    http://mit-büchern-um-die-welt.de/gael-faye-kleines-land/

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    Buecherschmauss avatar
    Buecherschmausvor einem Jahr
    Kleines Land

    Es ist ein kleines Land, aus dem dieser Roman berichtet und aus dem der 1982 geborene Autor Gaёl Faye stammt. Es ist kleiner als Belgien, aber genauso dicht besiedelt. Es liegt im Landesinneren des östlichen Afrika, am Tanganjikasee, 46% seiner Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre. Neben Kirundi ist auch Französisch Amtssprache. Die Menschenrechtslage ist äußerst problematisch.
    Burundi ist laut Welthunger-Index das ärmste Land der Erde.
    Ich muss zugeben, dass ich bisher wenig über Burundi wusste.
    Nicht nur deswegen ist „Kleines Land“ ein wichtiges, ein unbedingt empfehlenswertes Buch. Es ist auch wunderbare Literatur, die 2016 den Prix Goncourt des lycéens gewann und nun, auch anlässlich des diesjährigen Buchmessenschwerpunkts „Francfort en français“, in Deutschland erscheint.
    Es erzählt von einer glücklichen Kindheit, die abrupt und tragisch endete, weil die Grausamkeit der afrikanischen Realität in sie eindrang. Der spielerische Prolog, eine Plauderei zwischen Vater und Sohn, lässt ahnen, welches Unheil sich zusammenbraut.
    „Ich weiß wirklich nicht, wie die Geschichte angefangen hat.
    Dabei hat Papa uns das mal im Pick-up erklärt. „In Burundi ist es wie in Ruanda, versteht ihr? da leben drei verschiedene Gruppen, Ethnien heißt das. Hutu gibt es am meisten, die sind klein und heben eine dicke Nase.“ (…) Etwas lag in der Luft. Und das konnte man riechen, egal, mit welcher Nase.“
    Gleichwohl fängt das Buch so heiter und unbeschwert an. Der kleine Gabriel, der einige Eckdaten mit dem Autor gemeinsam hat, wächst als Sohn eines französischen Vaters und einer ruandischen Mutter in sorglosen Verhältnissen auf. Eine kleine Sackgasse in Bujumbara ist seine Welt, die er mit seiner Schwester Ana und einer kleinen Kinderbande bevölkert. Der Diplomatensohn Armand, die Zwillinge, die auch einen französischen Vater haben und Gino, dessen belgischer Vater selten in Erscheinung tritt und dessen ruandische Mutter noch niemand zu Gesicht bekommen hat, bilden eine eingeschworene Gemeinschaft. Sie gehen in die französische Schule, stehlen Mangos, ärgern die Nachbarn und bauen sich einen alten VW-Bus als Treffpunkt aus. Koch Prothé, der Zairer Donatien und der Fahrer Innocent kümmern sich um das Wohl der Familie. Diese ist modern und aufgeklärt, aber im Umgang mit den Angestellten spürt man doch eindeutig die soziale Hierarchie, die herrscht. Noch greifbarer wird es bei Jacques, dem Familienfreund, der seine eindeutig koloniale Attitude ganz ungeniert pflegt. Von sozialen Spannungen oder politischen Turbulenzen werden die Kinder weitgehend ferngehalten, auch warum die Mutter Yvonne und Großmutter Rosalie einst aus Ruanda flohen und ihre Verwandten dort kaum besuchen, wird nie thematisiert. Es ist eine fröhliche, nur von kleinen Kindersorgen belastete Zeit.
    „Das Glück sieht man nur durch den Rückspiegel.“
    Doch dann bricht die Realität auch in diese kleine Enklave ein.
    1993 ließ der burundische Machthaber Buyoya nach einer langen Kette an Putschen, ermordeten Präsidenten und Aufständen erstmals lang ersehnte freie Wahlen zu, die der Hutu Ndadaye gewann. Aber auch dieser gewählte Präsident wurde bereits im selben Jahr ermordet, erneut begleitet von blutigen Aufständen und der Flucht Hunderttausender Hutu. Diese Eruptionen konnten auch an der kleinen Gemeinde in der Sackgasse nicht unbemerkt vorbeigehen. Ein ruandischer Onkel, Mitglied einer Rebellenorganisation, wird im Nachbarland getötet und die Meldungen von dort werden immer besorgniserregender. Mutter Yvonne und die Kinder reisen 1994 zur Hochzeit ihres Bruders nach Kigali. Dort geraten sie nach dem Flugzeugabschuss, dem sowohl der ruandische als auch burundische Präsident zum Opfer fielen, mitten in den beginnenden Völkermord, dem die Mutter als Angehörige der Tutsi-Volksgruppe nur knapp dank ihres französischen Passes entkommt. Diese Schilderung ihrer Reise durch Ruanda gehört mit zu den eindringlichsten und bedrückendsten Passagen des Buches.
    „Hinter scheinbarer Ruhe, einer lächelnden Fassade und großen, optimistischen Reden waren beständig dunkle, unterirdische Kräfte am Werk, um Gewalt und Zerstörung freizusetzen, die in wiederkehrenden Perioden durch Land fegten wie tückische winde: 1965, 1972, 1988. Ein böser Geist schaute regelmäßig vorbei, um die Menschen daran zu erinnern, dass Friede nur ein kleines Inrevall zwischen zwei Kriegen ist. Diese giftige Lava, die breiten Blutströme sollten bald wieder an die Oberfläche quellen. Wir wussten es noch nicht, aber die Zeit des Infernos war gekommen, und die Nacht ließ das Rudel der Hyänen und Wildhunde los.“
    Gaёl Faye macht aber auch deutlich, dass sowohl der Geheimdienst als auch ausländische Stellen sehr wohl über das Bevorstehende informiert und gewarnt waren.
    Wieder zurück in Burundi, muss die Familie feststellen, dass die Unruhen auch vor der Landesgrenze nicht halt gemacht haben, hier nur nicht so eskalieren wie im Nachbarland. Angst ist dennoch ein ständiger Begleiter und Gabriel muss erkennen, dass Machtlosigkeit manchmal auch Schuld nach sich zieht. Schließlich gelingt es dem Vater, die Kinder in letzter Minute ins sichere Frankreich ausfliegen zu lassen. Viele der Zurückgebliebenen wurden Opfer oder zu einem, der
    „aus dem Land floh wie so viele andere, im Gänsemarsch, eine Matratze auf dem Kopf, ein Bündel in der Hand, die Kinder an der anderen, Ameisen in einem Menschenmeer, das am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts die Straßen und Pisten Afrikas überflutete.“
    Als Rahmenhandlung kehrt der nunmehr 33jährige Gabriel aus Frankreich in seine alte Heimat zurück und macht dort eine berührende Entdeckung.
    „Ich torkele zwischen zwei Ufern, daran krankt meine Seele. Tausende Kilometer trennen mich von meinem früheren Leben. Aber es ist nicht die räumliche Entfernung auf der Erde, die die Reise lang macht, sondern die vergangene Zeit.“
    Gaёl Faye ist ein in Frankreich bekannter Musiker und Rapper. Es existiert auch ein Song und ein Video zu „Kleines Land“.

    Ihm gelingen eindrückliche Charaktere, ein Einblick in die verschlungenen, tragischen politischen Ereignisse, ein wenig Erkenntnis über die unfassbaren Grausamkeiten, die während des Völkermordes in Ruanda vor sich gingen. Es ist auch ein nostalgisches Buch, das über eine verlorene Kindheit berichtet - voller Liebe, aber ganz ohne Pathos -, das auch die ganz dunklen Seiten Afrikas nicht unerwähnt lässt. Ein unbedingt empfehlenswertes Buch!

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    Himmelfarbs avatar
    Himmelfarbvor einem Monat
    Kurzmeinung: Unfassbar berührend. Ein so wichtiges Buch- unbedingt lesen!
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    littleowls avatar
    littleowlvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Bewegend und aufrüttelnd!
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    diabolicangels avatar
    diabolicangelvor 7 Monaten
    Georgias avatar
    Georgiavor 9 Monaten

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