Gabor Fonyad Zuerst der Tee

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Inhaltsangabe zu „Zuerst der Tee“ von Gabor Fonyad

Eduard ist Tschuktschologe am Institut für Sprachen und Kulturen der Arktis in Wien und wird in Fachkreisen als junger, aufstrebender und vielversprechender Wissenschaftler gehandelt. Aufgrund interner Streitigkeiten in seinem Institut zieht er sich in die englische Kleinstadt Rye zurück, um dort unbehelligt eine bahnbrechende linguistische Studie fertigzustellen. Dabei hat er keineswegs vor, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, es reicht ihm schon der Umgang mit seiner Vermieterin, der fürsorglichen Witwe Mrs Wood. Eduard verfügt über eine eiserne Arbeitsdisziplin und regelt seinen Tagesablauf penibel, er verzichtet auf alles, was ihn ablenken oder seine Sinne stimulieren könnte.

Roman mit subtilem Humor, genialer Vielschichtigkeit und großem Interpretationspotenzial, mal was ganz anderes

— orfe1975
orfe1975

Ein Roman, der in keine Schublade passt.

— Jashrin
Jashrin

Ein interessantes Buch zum Schmökern und Nachdenken - letztlich aber ganz sicher "Geschmackssache"! :)

— Nepomurks
Nepomurks

Ein Buch zum Nachdenken mit wunderschönem Schauplatz

— MissKiss
MissKiss

Intellektueller und gleichzeitig kurzweiliger Roman, der frei von unnötigen Klischees ist. Sehr angenehme Lektüre!

— thelauraverse
thelauraverse

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  • Passt in keine Schublade...

    Zuerst der Tee
    Jashrin

    Jashrin

    Der Sprachwissenschaftler Eduard flüchtet von seiner Universität in Wien in das englische Städtchen Rye, um sich dort in aller Ruhe seiner Arbeit über die Kasussuffixe im Tschuktschischen zu widmen. Sein Leben besteht nur aus seiner Arbeit und er verbannt jeden möglichen Störfaktor aus seiner Umgebung. Nichts soll seinen akribischen Tagesablauf stören. Doch er hat seine Rechnung ohne den einzigen anderen Gast des Bed & Breakfasts gemacht, in welches er sich eingemietet hat. Pauline bereitet sich auf einen wichtigen Wettbewerb vor, doch statt diszipliniert zu üben, setzt sie sich nur dann an das Klavier, wenn sie gerade Lust dazu hat. Eine Arbeitsweise, die Eduard in keiner Weise nachvollziehen kann. Dennoch treffen sich die beiden regelmäßig in Eduards Pausen und nach einer Weile stößt mit Oskar eine weitere Person zu ihnen. Eduard wird immer wieder aus seinem gewohnten Arbeitsrhythmus gerissen. Doch wie soll er damit umgehen? „Zuerst der Tee“ ist der Debütroman des Wieners Gábor Fónyad. Sein Erzählstil ist ruhig und leise mit amüsanten Untertönen. Auch wenn insgesamt nicht viel passiert, so mochte ich das beschauliche Tempo und habe keinerlei Action vermisst. Auch wenn gerade zu Beginn viele linguistische Fachbegriffe fallen, so macht es nichts, wenn man damit ebenso wenig anfangen kann, wie auch die meisten anderen Menschen, denen Eduard begegnet. Der ein oder andere Leser mag vielleicht über diese Begriffe stolpern, doch mich haben sie nicht im Lesefluss gestört. Das Buch ließ sich gut lesen und ich hatte ein klares Bild von Eduard und Pauline vor Augen. Oskar konnte ich bis zum Ende nicht richtig fassen. Auch wenn Eduard bisweilen schon fast unfreundlich erscheint, mochte ich ihn und bewundere ihn für seine Disziplin. Pauline ist ein toller Gegenpart. Offen, lebenslustig und spontan. Grandios fand ich ihren Vergleich auf Seite 42 "Das heißt also: Du bist Tschuktschologe, ohne je einen Tschuktschen getroffen zu haben? Das ist ja, als würde ein Nudist Bademode entwerfen." Sehr interessant fand ich den Abschnitt über Texttreue, Noten und die Bibel. Wo darf man improvisieren, verunsichern, provozieren und wo muss man sich Buchstabe für Buchstabe, Note für Note an das Niedergeschriebene halten? Spannende Fragen, die mich zum Nachdenken angeregt haben. Leider gefiel mir das letzte Drittel nicht mehr so sehr. Zu viele Fragen blieben für mich offen. Für Eduard fand ich das Ende passend, doch insgesamt fehlte mir etwas. Vor allem habe ich mich gefragt, wo eigentlich der tiefere Sinn des Romans lag. Gut, manchmal ist auch der Weg das Ziel, aber so ganz kann ich das hier nicht sehen. Insgesamt kann ich sagen, dass mir der Schreibstil gut gefallen hat, ich es spannend fand, wie so unterschiedliche Charaktere wie Pauline und Eduard aufeinandertreffen und wie sie reagieren. Auch manche Theorien waren sehr interessant. Dennoch konnte mich der Roman nicht restlos überzeugen. Mein Fazit: Ein Roman, der sicher nicht jeden Geschmack trifft und der sich auch in keine Schublade stecken lässt. Man muss sich auf diese ruhige Geschichte und seine Protagonisten einlassen können. Vielen Dank an den Verlag Wortreich für das Rezensionsexemplar.

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  • Leserunde zu "Zuerst der Tee" von Gabor Fonyad

    Zuerst der Tee
    Fonyad

    Fonyad

    Hallo, liebe Freunde der Literatur, ich möchte eine Leserunde zu meinem Debüt-Roman "Zuerst der Tee" (Verlag Wortreich, Wien, 2015) veranstalten und lade euch ein mitzumachen! Es werden 7 Exemplare (Hardcover) verlost. Worum geht es in "Zuerst der Tee"? Eduard ist ein junger, etwas verschrobener Wissenschaftler aus Wien und zieht sich aufgrund interner Streitigkeiten in seinem Institut in das englische Städtchen Rye zurück, um dort in Ruhe eine Studie zu verfassen, von der er überzeugt ist, dass sie die Welt (zumindest die wissenschaftliche) aus den Angeln heben wird. Er möchte keineswegs mit anderen Menschen in Kontakt treten - doch es kommt natürlich anders, als er die chaotische französische Pianistin Pauline kennenlernt, deren entgegengesetzter Denk- und Lebensweise er sich dann doch nicht ganz entziehen kann. Und schließlich taucht noch Oscar auf, der auch seine Ruhe haben will - aber die drei kommen einander näher, als ihnen recht ist... Um eines der sieben Exemplare zu gewinnen, sollte folgende kleine Einstiegsfrage beantwortet werden: Womit beschäftigt sich Eduard genau? (Zusatzfrage: Gibt es das wirklich?) Ich freue mich auf eure Antworten und bin schon sehr gespannt, wie so eine Leserunde abläuft, da ich das erste Mal dabei bin! Bis bald und besten Gruß, Gábor Fónyad

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  • Ein Tschuktschologe in England

    Zuerst der Tee
    orfe1975

    orfe1975

    12. April 2016 um 00:46

    Cover: Das Cover zeigt blasenförmige Ausschnitte aus einem Rosengemälde, wobei die Blasen symbolisch für den Blickwinkeln der Hauptperson Eduards stehen könnten. Sie schlängeln sich wie ein Pfad, der von oben rechts nach unten rechts im Zickzackkurs läuft: Vom großen blinden Fleck zum großen Blick fürs Ganze, für die Schönheit der Natur und des Lebens. Doch auch andere Deutungen wären denkbar, denn das Cover lässt ebenso viele Interpretationen zu wie der Inhalt des Buches an sich. Das Bild wirkt schlicht, zeitlos schön und passt zum Titel, der ebenfalls leise klingend daherkommt.Inhalt:Eduard ist Wissenschaftler in Wien und hat sein Leben dem Erforschen der tschuktschischen Sprache verschrieben. Er kennt nur seine Wissenschaft, sein Leben verläuft routiniert und rein rational gesteuert vor sich hin. Um seiner Arbeit in Ruhe nachgehen zu können, mietet er sich in der englischen Kleinstadt Rye in eine Pension ein. Dort begegnet er der Musikerin Pauline, die das komplette Gegenteil von Eduard darstellt: sie ist spontan, nicht berechenbar und eben durch und durch Künstlerin. Feste Gesetze und Regelmäßigkeiten sind ihr im Gegensatz zu Eduard ein Gräuel. Beim Essen im Speisesaal kommen die beiden ins Gespräch und Pauline bringt dadurch Seiten in Eduard zum Klingen, die dieser bisher noch nicht kannte. Schließlich stößt zu dem ungleichen Duo noch Oscar hinzu, der eigentlich nach Rye gekommen ist, um seine Ruhe zu suchen. Obwohl alle drei eigentlich für sich sein wollten, stoßen sie in dem kleinen Ort immer wieder aufeinander und kommen sich so einander näher als sie ursprünglich wollten.Mein Eindruck:Bereits zu Beginn konnte ich kaum das Buch zur Seite legen, so angetan war ich von dem Schreibstil, es war wie eine Wellnessmassage für die Seele. Das liegt an den liebevollen Detailbeschreibungen von Eduards Charakter, aber auch dem geschickten Einflechten des umfangreichen Wissens des Autors über die Sprache Tschuktschisch, Musik, Kirche und Essen. Begleitet wird dies von einem stets vorhandenen subtilen Humor, der einem beim Lesen ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert.Die Hauptperson Eduard mochte ich von Beginn an. Er entspricht in extremen Maßen dem Klischee eines verschrobenen Wissenschaftlers, der mit seinen Gedanken nur bei der Arbeit ist. Er erlaubt sich keine Ablenkungen oder Emotionen, zieht jeden seiner Tage in einem vorbestimmten Rhythmus durch und versagt Alkohol, Kaffee und sonstigen Genussmitteln, die seinen Geist verändern könnten. Das Auftauchen der chaotischen Musikerin Pauline bringt sein akkurat geführtes Leben ins Wanken, mehr und mehr dringt sie in seine Denkweise ein und verwandelt seinen Blick für den Sinn des Lebens. Auch seine Gefühlswelt wird in Aufruhr versetzt, seine Emotionen steigern sich kontinuierlich während des Romans bis zu einem bestimmten Punkt, an dem er eine Entscheidung treffen muss, wie er damit umgeht.Pauline ist die Figur, die dem statische Leben Eduards neuen Schwung gibt, sie ist lebensfroh, spontan und oft wankelmütig. Das Auftauchen Eduards reizt sie, weil seine Lebenseinstellung völlig anders ist als die ihre. Dennoch ist unklar, ob die Begegnung mit ihm auch bei Ihr Spuren hinterlassen wird, er bleibt ihr ein Rätsel, sie sagt "Ich weiß wirklich nicht, ob dieser Mensch nicht doch ausschließlich aus Denken besteht, ohne Körper.... Wie ein Gespenst". Und dann ist da noch Oscar, den ein bestimmter Grund in den kleinen Ort Rye geführt hat. Er spielt, ebenso wie Mario, ein Freund Paulines, nur eine Randfigur, die immer wieder auftaucht, um neue Impulse zu setzen. Seine Beweggründe bleiben dabei undurchsichtig.Dieser Roman ist schwer zu beschreiben: er ist sehr faszinierend und doch nicht greifbar und in keine Schublade passend. Die Handlung ist sehr vielversprechend: die Interaktionen der einzelnen Personen und die zunächst kontinuierliche Veränderung Eduards, die die Spannung zum Ende hin immer weiter steigen lässt. Doch in den letzten Kapiteln erfährt der Roman eine unerwartete, überraschende Wende, die mich ratlos, verwirrt und ein wenig enttäuscht zurückließ. Dennoch finde ich ihn gut, denn neben der Sprache, dem subtilen Humor und den reizvollen Dialogen lässt der Roman, trotz des für mich eher enttäuschenden Endes einfach sehr viel geniales Potenzial der Interpretation, vom Cover angefangen bis hin zum Titel, den Dialogen der Figuren und schließlich dem Ende der Geschichte. Und das macht das nachhaltig Packende und Faszinierende dieses Romans aus. Fazit:Roman mit subtilem Humor, genialer Vielschichtigkeit und großem Interpretationspotenzial, mal was ganz anderes

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  • Ein interessantes Buch zum Schmökern und Nachdenken - letztlich aber ganz sicher "Geschmackssache"..

    Zuerst der Tee
    Nepomurks

    Nepomurks

    18. February 2016 um 22:23

    „Zuerst der Tee“ von Gábor Fónyad handelt von dem Wissenschaftler und Tschuktschologen Eduard, der wegen diverser Unstimmigkeiten an seiner Universität von Wien nach Rye, einem kleinen Städtchen an der englischen Küste flüchtet. Dort angekommen, muss er recht schnell feststellen, dass es für ihn auch dort jede Menge Ablenkungen gibt, die ihn von seinen ambitionierten Recherchen abhalten. Eine weitere Mitbewohnerin seines Gästehauses, einem von der urigen Mrs. Wood geführten Bed & Breakfast, bringt ihn – kaum angekommen – aus seinem akribisch festgelegten Konzept und Tagesablauf. Eduard muss man sagen, ist ein stoisch und zwanghaft wirkender, introvertierter junger Wissenschaftler, der außer seiner Forschung an der tschuktschologischen Sprache (sibirischer Volkes) offensichtlich nichts kennt. Dagegen wirkt die französisch-stämmige Pauline wie ein krasser Gegensatz: weltoffen, extrovertiert und dem Feiern nicht abgeneigt. Sie schafft es mit ihrer Art, Eduard's Aufmerksamkeit zu wecken und dringt von Kapitel zu Kapitel näher zu ihm vor. Aber auch Eduard's ungewöhnliche Art geht nicht spurlos an Pauline vorbei. Inhaltlich geht es demnach stark um die inneren Konflikte der Protagonisten, sowie um die Auseinandersetzung mit den eingebundenen Themen Kunst, Wissenschaft, Religion und Philosophie. Vor allem die Dialoge und Diskurse zwischen Eduard und Pauline nehmen sich der unterschiedlichen Standpunkte an und führen den Leser tief in die innere Welt der beiden Hauptprotagonisten. Die innere Zerrissenheit, die Suche nach Inhalten und Ausflüchte sind dabei recht gut beschrieben. Insgesamt ist der Schreibstil sehr unaufgeregt und stützt dadurch noch mehr die inhaltliche Ebene. Der Text ist flüssig geschrieben und gut lesbar, die Geschichte wirkt durchweg modern. Die Hauptprotagonisten werden im Verlauf noch um weitere Charaktere ergänzt, woraus sich (wie nicht anders zu erwarten) neue Entwicklungen ergeben. Die Figuren sind detailreich beschrieben, – mehr oder weniger – sympathisch und recht authentisch. Die Geschichte selber ist wohl eher Geschmackssache. Es gibt am stilistischen und inhaltlichen Aufbau eigentlich recht wenig zu mäkeln. Mein „Favourite“ war der Roman leider trotzdem nicht. Ich konnte das letzte Drittel des Buches nicht ganz nachvollziehen und mir lag auch das Ende der Geschichte nicht so sehr. Nach Beendigung des Lesens stellten sich mir einfach noch zu viele Fragen. Auch die eigentliche Aussage und der „tiefere Sinn“ des Romans haben sich mir nicht direkt, bzw. gar nicht erschlossen. Schlecht war die Geschichte trotzdem nicht, weswegen ich (unter Berücksichtigung des Faktors „eines rein persönlichen Gefallens / Misfallens“) 4 Sterne vergeben würde! :)

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  • Zuerst das Leben

    Zuerst der Tee
    MissKiss

    MissKiss

    13. February 2016 um 19:05

    "Zuerst der Tee" ist der Debütroman von dem jungen österreichischen Autor und Wissenschaftler Gábor Fónyad, ein Buch zum Nachdenken mit einem wunderschlönen Schauplatz. Rye ist ein süßer kleiner Ort mit einem Hafen und engen, verwickelten Straßen im Südosten Großbritanniens. Hier lernen sich drei junge Erwachsene mit drei sehr unterschiedlichen Charaktere kennen: Eduard aus Wien, der als Tschuktologe gerade an seiner Doktorarbeit arbeitet (arbeiten möchte), Pauline, die verträumte Pianistin, die sich auf ein Konzert vorbereitet (vorbereiten möchte) und Oscar, der zwischen seinen Weltabenteuern immer wieder in seine geliebte Heimatstadt, nach Rye zurückkehrt um die einzigartige Atmosphäre der Kleinstadt zu genießen (genießen möchte). Die drei ProtagonistInnen treffen sich zufällig hier um ein Stück ihres Lebensweges gemeinsam zu gehen. Und so können sie am Ende dieses Weges nie wieder so sein als vorher ... oder doch? "Zuerst der Tee" ist ein intelligenter und humorvoller Roman über Identität, Gefühle und Lebensziele, aber auch über philosophische Fragen, wie die Bedeutung der Musik oder Religion. Ein Buch, worüber ich noch sicher viel nachdenken werde. Eine große Empfehlung für jedeN!

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  • Linguistik trifft auf Musik, Disziplin auf Lebensfreude

    Zuerst der Tee
    thelauraverse

    thelauraverse

    10. February 2016 um 20:47

    Bereits im Klappentext wird das eigenwillige Forschungsgebiet des Protagonisten vorgestellt: die Kasussuffixe im Tschuktschischen. Wer bei solchen Begriffen kalte Füße bekommt und an die dunklen Zeiten der Schulgrammatik zurückdenken muss, kann beruhigt werden. Nein, der Debütroman von Gábor Fónyad ist kein Buch über linguistische Fachbegriffe und grammatische Phänomene (jedenfalls nicht zur Gänze). Vielmehr ist das Buch ein kurzweiliger Spaziergang durch die beschauliche englische Kleinstadt Rye, in der originelle und interessante Protagonisten aufeinandertreffen. Genauer gesagt geht es um den Tschuktschologen Eduard, der aus Wien flüchtet, um in der Ruhe des kleinen Städtchen seine wohl wichtigste Arbeit fertigzustellen, die die Fachwelt auf den Kopf stellen soll. Das Tschuktschische ist per definitionem die Sprache, die von der Bevölkerung der tschuktschischen Halbinsel in Nordsibirien gesprochen wird. Er kommt mit einem strengen Zeitplan und der Intention, seine Arbeit so schnell wie möglich zu vollenden, nac h Rye. Wie man es schon erwarten könnte, stößt er hierbei auf Hindernisse. Eines dieser Hindernisse ist die Pianistin Pauline, die im selben Gästehaus untergebracht ist und sich auf ein wichtiges Konzert vorbereitet. Schon anhand der Art der Vorbereitung beider Protagonisten erkennt man ihre unterschiedlichen Lebenseinstellungen sehr gut. Während Eduard streng nach einem Zeitplan arbeitet und sich keine Pause gönnt, lebt Pauline in den Tag hinein und übt nur, wenn sie Lust dazu hat. Zwischen den beiden entsteht eine Art von Freundschaft, als sie beginnen, nahezu jeden Tag gemeinsam in ein Café zu gehen. Im Laufe der Zeit lernen sie auch noch eine dritte Person kennen: Oscar, dem die Stadt sehr am Herzen liegt, und der anfangs gewisse Probleme mit den "Eindringlingen" hat. Die Protagonisten werden durch ihre durchaus interessanten Gespräche und Diskussionen verbunden. So wird zum Beispiel die Verbindung zwischen Musik und Religion thematisiert und der Gottesdienst mit einem Musikstück verglichen. Die Musik spielt generell eine wichtige Rolle im Roman, immer wieder wird über ihre Relevanz und die Wirkung verschiedener Komponisten gesprochen. Auch aus linguistischer Sicht gibt es einige interessante Ansätze. So will der Protagonist eine vollkommen neue Grammatik etablieren, die er LKG (Logisch-Kognitive Grammatik) nennt und die alles bisher Dagewesene relativieren soll. Ich bin sehr glücklich, dass es sich bei "Zuerst der Tee" nicht um eine klassische und vorhersehbare Liebesgeschichte à la "verklemmter, verplanter Wissenschaftler tritt auf lebenslustige, kreative Frau, die sein Leben auf den Kopf stellt und am Ende kommen sie trotz aller Differenzen zusammen und alle sind glücklich bis an ihr Lebensende etc. etc." handelt. Wäre dies der Fall gewesen, würde ich jetzt ein bisschen enttäuscht sein. Doch im Gegenteil: Ohne jegliche Klischees schildert Fónyad die Geschichte zweier Menschen, deren Aufeinandertreffen beider Leben auf eine subtile Weise verändert. Es wird zwar keine kitschige Liebesgeschichte provoziert, die Liebe und ihre Auswirkungen auf Menschen sind dennoch ein wichtiger Aspekt des Romans. Auch sprachlich finde ich nichts auszusetzen, die Sprache ist präzise und angenehm zu lesen, lediglich könnten sich manche Leser/innen mit den linguistischen Fachbegriffen etwas schwertun. Dies tut der gut erzählten Handlung aber keinen Abbruch und ich kann "Zuerst der Tee" nicht nur Linguisten und Liebhabern englischer Kleinstädte empfehlen, sondern jedem Leser, der ein Buch sucht, mit dem man die Gedanken schweifen lassen und philosophieren kann. Lieblingsstelle: "Ich lese am liebsten Gedichte, die ich nicht verstehe. Oder solche, die gar nicht erst etwas bedeuten wollen" (S. 84)

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