Chronik eines angekündigten Todes

von Gabriel García Márquez 
3,8 Sterne bei194 Bewertungen
Chronik eines angekündigten Todes
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Positiv (133):
itsvonks avatar

Eine sehr aufwühlende und einzigartige Geschichte. Ich mochte die Atmosphäre sehr!

Kritisch (22):
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Mittelmaß - in der Mitte zäh wie Kaugummi und furchtbar dröge.

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Inhaltsangabe zu "Chronik eines angekündigten Todes"

Ironisch, komisch, zärtlich und grausam. Eine ›klassische‹ Erzählung von weltliterarischem Format.

Ein ganzes Dorf feiert Hochzeit. Es ist ein rauschendes Fest. Doch noch in der Nacht schickt der Bräutigam die Braut zurück ins Elternhaus. Sie war nicht mehr unberührt. Um die befleckte Ehre ihrer Schwester wieder herzustellen, ziehen die Brüder der Braut noch in derselben Nacht los, mit geschliffenen Messern. Der mutmaßliche 'Täter' Santiago Nasar muss sterben. Die Apathie eines ganzen Dorfes und eine Reihe unglücklicher Zufälle weben das Netz der Fatalität, aus dem es für das Opfer kein Entrinnen mehr gibt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596520589
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:144 Seiten
Verlag:FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum:19.02.2015
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.06.2009 bei Der Audio Verlag, DAV erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    dommelchenvor 3 Monaten
    Wer ist hier eigentlich der Schuldige? Und warum hat niemand etwas unternommen?

    Ein verschlafenes Dorf - ein großes Hochzeitsfest - ein Mord!

    Das Buch ist in mehrere Teile aufgeteilt. Leider haben mich nur der erste und der letzte Teil wirklich gefangen genommen.
    Der erste, weil ein sehr schöner und trockener Humor an den Tag gebracht wird - der letzte Teil, weil man endlich erfährt wie denn nun der Mord abgelaufen ist.
    Der Zwischenteil war leider ein wenig zäh. Besonders wegen der vielen Dorfbewohner, die alle namentlich genannt werden, was zumindest bei mir zum Teil Verwirrung hervorgebracht hat (zu viele Namen).
    Es ist ein Buch zum Nachdenken. Wurde der Mord nun „rechtmäßig“ begangen? Wer ist eigentlich der Schuldige?

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    Duffys avatar
    Duffyvor 10 Monaten
    Schon ein Klassiker

    Ein Dorf in Kolumbien. Es wird ein aussschweifendes Hochzeitsfest gefeiert, doch die Hochzeitsnacht bringt für den Bräutgam eine Überraschung: Seine Braut ist keine Jungfrau mehr und wird ins Elternhaus zurückgebracht. Es ist eine Frage der Ehre, dass der Übeltäter, der die Braut "geschändet" hat, sterben muss. Das erledigen die beiden Brüder der Braut, doch eigentlich haben sie Skrupel und kündigen den Mord an, damit sie jemand aufhält und die Ehre wiederhergestellt wird, ohne dass jemand stirbt. Das ganze Dorf versagt jedoch bei der Beurteilung der Lage.
    Nach Jahren versucht der Ich-Erzähler, den Mord akribisch aufzuarbeiten und stößt dabei auf die Gleichgültigkeit und die Feigheit der Dorfbewohner. Vieles bleibt während der Recherche im Dunkeln und unerklärbar, doch ganz klar ist das Versagen der Gemeinschaft dokumentiert.
    Mit diesem Buch hat Márquez einen Klassiker geschaffen, der gradlinig und in knappem Stil die Meisterschaft seines Erzählens belegt. Der dichte Stil und der stringente Aufbau fesseln den Leser vom Anfang bis zum Ende. An dieser Stelle soll auf den Vergleich mit gängigen Werken der Weltliteratur verzichtet werden, die "Chronik" steht für sich und kann auch jedem Márquez-Einsteiger empfohlen werden.

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    Lilli33s avatar
    Lilli33vor 3 Jahren
    Nach wie vor ein Meisterwerk

    Taschenbuch: 144 Seiten
    Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 1 (19. Februar 2015)
    Sprache: Deutsch
    ISBN-13: 978-3596520589
    Originaltitel: Crónica de una muerta anunciada
    Preis: 10,00 €

    Nach wie vor ein Meisterwerk

    Inhalt:
    Ein Dorf feiert Hochzeit. Es ist ein rauschendes und berauschendes Fest. Doch schon in der Hochzeitsnacht bringt der Bräutigam die Braut zu ihren Eltern zurück. Sie war keine Jungfrau mehr. Eine unglaubliche Demütigung für den Bräutigam und Entehrung der Familie der Braut. Ein klarer Fall, der nach Rache schreit. Der Schuldige muss sterben. Angelas Zwillingsbrüder Pablo und Pedro machen sich auf, um Santiago Nassar zu töten. Er soll ihre Schwester entjungfert haben. Es ist nicht so, dass sie ihn töten wollen, aber sie meinen, es der Ehre zuliebe tun zu müssen. Unterwegs erzählen sie jedem von ihrer Absicht, in der Hoffnung, dass jemand sie davon abhalten würde, was aber nicht passiert. So weiß schließlich jeder, selbst der Pfarrer, dass Santiago Nassar in wenigen Stunden sterben wird, nur dieser selbst hat noch keine Ahnung.

    Meine Meinung:
    Ich kannte dieses Werk, das erstmals 1981 erschien, bisher nur als Film, wo es mich schon sehr beeindruckt hat. Nun habe ich endlich auch das Buch gelesen. Es ist 2015 im Fischer-Verlag in der Reihe Fischer TaschenBibliothek neu erschienen. Mit einem Maß von nur ca. 14 cm x 9 cm x 2 cm passen diese Bücher fast sogar in die Hosentasche. Für unterwegs also eine klasse Sache!

    Viele Jahre nach der Tat rekonstruiert der Ich-Erzähler die wenigen Stunden, die zwischen Ankündigung und Ausführung des Mordes liegen. Er befragt die Bewohner des Dorfes, von denen jeder ein Bruchstück der Ereignisse zu erzählen weiß und fügt sie zu einem minutiösen Gesamtbild zusammen. Ich fand diese Art und Weise des Berichts sehr gelungen, erfährt man doch einiges über die Hintergründe. Erschreckend, wie teilnahmslos die Bewohner des Dorfes sich verhalten! Gefangen in den Fängen eines überholten Ehrenkodex und von verschiedenen Zufällen begünstigt, lässt sich die Tat nicht verhindern, obwohl keiner sie will.

    Der Schreibstil Gabriel García Márquez’ hat mir dabei ausgesprochen gut gefallen. Jedes Wort ist wohl überlegt, keines ist zu viel. Man wird unweigerlich in dem Sog der Ereignisse gefangengenommen. Obwohl ich wusste, wie die Geschichte ausgeht, habe ich bis zum Schluss um Santiago Nasar gebangt.

    ★★★★★

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    maggiterrines avatar
    maggiterrinevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Kurz und ganz nett aber irgendwie fehlt das gewisse Etwas...
    Santiago Nasar wird ermordet.

    Gabriel García Márquez erzählt in diesem kleinen Büchlein den genauen Ablauf der Ermordung des Santiago Nasars und nimmt dabei immer wieder neue Perspektiven ein.

    Das Buch ist dabei nicht mehr oder weniger als der Titel verspricht: Eine Chronik. Eine bloße Aneinanderreihung von Tatsachen und Zufällen, die letztendlich zum Tod eines Mannes führten.

    Das einzig spannende an dem Buch, bleibt die Frage, ob die Gründe der beiden Mörder gerechtfertigt waren bzw. überhaupt auf wahren Tatsachen beruhten. Diese Frage hat mich dann doch bis zum Ende des Buches beschäftigt...

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    Kartoffelschafs avatar
    Kartoffelschafvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Mittelmaß - in der Mitte zäh wie Kaugummi und furchtbar dröge.
    Mittelmäßig

    Anfangs noch recht spannend, flachte das Ganze leider unsagbar schnell ab. Etwa ab dem 2. Drittel zog sich die Geschichte wie Kaugummi und ich musste mich zwingen, überhaupt weiter zu lesen. Gemessen daran, dass es sich um ein kleines dünnes Büchlein mit nur etwas über 100 Seiten handelt, habe ich mehr als eine Woche daran gehangen...

    Vorab: es geht um Thema Ehrenmord. Erzählt wir die Story aus Sicht eines seltsam unbeteiligten Vetters der "verstoßenen" Braut. Selbige war in der Hochzeitsnacht keine Jungfrau mehr - so nimmt das Drama seinen Lauf. Thema: Vergewaltigung - der Täter muss sterben. Dafür sorgen die beiden Brüder der Braut. 
    Dies verkünden sie auch schon gefühlte Tage vorher. Das ganze Dorf weiß Bescheid. Jedem wird erzählt, man ist gerade auf dem Weg, Santiago Nasar zu töten...
    Der Titel des Buches ist also durchaus Programm.

    Es ging noch recht vielversprechend los, der Schreibstil ist recht angenehm, die Beschreibungen von Orten und Personen bildhaft.

    Allerdings habe ich erst ab der Hälfte des Buches wirklich sagen können, aus wessen Sicht überhaupt erzählt wird. Das es der Vetter der Braut ist, der die Geschichte später zu rekonstruieren versucht, ist nicht von Anfang an klar. Und solch ein unbekannter Ich-Erzähler ist schon arg gewöhnungsbedürftig.

    Von mir gibt es keine Leseempfehlung, dafür ist das Buch leider zu zäh. 

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    R_Mantheys avatar
    R_Mantheyvor 3 Jahren
    Viele offene Fragen

    Eine Ehe wird ausgehandelt. Die Braut wird nicht gefragt. In der Hochzeitsnacht findet ihr Ehemann heraus, dass sie keineswegs jungfräulich ist. Er gibt sie ihrer Familie zurück. Nun muss deren Ehre wieder hergestellt werden. Die beiden Brüder der verstoßenen Braut beschließen, den vermeintlichen Übeltäter zu erstechen. Viele im Dorf, auch die Ordnungshüter, erfahren davon rechtzeitig. Doch niemand ist bereit die beiden Rächer aufzuhalten oder wenigstens das spätere Opfer zu warnen. Und so nehmen die Dinge ihren Lauf nach den Regeln der Tradition.

    Marquez erzählt diese Geschichte eigenartig wertfrei aus der Sicht des Vetters der befleckten Braut, der nach vielen Jahren das kolumbianische Dorf besucht und den Tag des Mordes für sich rekonstruiert.

    Wir kennen Ehrenmorde inzwischen auch in Deutschland. Wir finden sie abscheulich und verstehen nicht, wie man so etwas tun kann. Marquez hätte uns das Innere der Mörder und ihrer passiven Unterstützer begreiflicher machen können. Aber er verweigert sich. Wir lesen den Bericht und nehmen ihn zur Kenntnis. Doch wir verstehen ihn nicht wirklich. Und irgendwie berührt er auch nicht. Jedenfalls ist es mir so gegangen.

    Dabei boten sich dem preisgekrönten Schriftsteller hier so viele Chancen. Er hätte die Geschichte ausbauen und uns erklären können, wieso Menschen sich in solche Automatismen treiben lassen. Der Ermordete war der Sohn eines arabischen Einwanderers. Er war reich und ein Weiberheld. War er deshalb das Opfer? Warum schritt niemand ein? Was bewegt Menschen zu solcher Apathie? Ist so etwas nur in gewissen Kulturkreisen möglich oder beruht dieses Verhalten auf menschlichen Wesenszügen, die wir überall finden?

    Wenn man einmal davon absieht, dass Marquez viele Preise bekam und in den schriftstellerischen Olymp aufgenommen wurde, und nur dieses Werk betrachtet, dann bleibt wenigstens bei mir Enttäuschung übrig. Was wäre wohl aus diesem Büchlein geworden, wenn es ein anderer geschrieben hätte?

    Fazit.
    Dieses Buch ist weder spannend, noch wirklich erhellend. Dem Leser wird emotionslos das Geschehen eines Ehrenmordes erzählt. Es lässt uns leider mit vielen offenen Fragen allein.

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    Der.schmetterlings avatar
    Der.schmetterlingvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein großer Klassiker...und immer noch aktuell... Schnelle Lektüre...lesenswert
    Klassiker der Weltliteratur und immer noch aktuell

    Der Roman von Gabriel García Marquez ist ein großer Klassiker der Weltliteratur. Er ist zwar schon viele Jahre alt, jedoch immer noch so aktuell wie zu seinem ersten Erscheinungsjahr 1981. Der Roman spielt in einem kleinen spanischen Dorf und entführt den Leser heute in eine andere Welt die noch keinesfalls so hoch technologisiert ist wie heute. Das Dorf feiert die große Hochzeit von Angela Vicario und Bayardo San Roman. Es ist ein berauschendes Fest, welches sich der Bräutigam auch einiges Kosten lässt. Er gilt als großspurig und viele Dorfbewohner schauen zu ihm auf. Er liest seiner Braut jeden Wunsch von den Augen ab und kauft ihr sogar mit viel Überedungskunst das schönste Haus im Dorf. Was die Gäste und der Bräutigam zu dieser Zeit jedoch noch nicht wissen ist, dass Angela keine Jungfrau mehr ist, sondern ihre Unschuld bereits an einen anderen verloren hat. Dieses Geheimnis wird erst in der Hochzeitsnacht gelüftet und die Ehe bereits in dieser wieder annulliert. Die Jagd auf den Schuldigen beginnt und endet blutrünstig. Ein Roman der nichts an seiner Aktualität verloren hat, denn die sogenannten Ehrenmorde gibt es ja leider in der heutigen Zeit immer noch. Fazit zum Buch: Das Buch umfasst nur 120 Seiten, daher ist es eher eine sehr schnelle Literatur. Der Schreibstil ist sehr kurzweilig und präzise sowie auf das wesentliche, ohne große Ausschmückungen gegrenzt. Der Lesefluss wird leider meines Erachtens ein wenig durch die vielen spanischen Namen gehemmt und ich habe es mir im weiteren erleichtert allen Darstellern Kurznamen zu verpassen und habe sie mir somit auch besser merken können. Der Autor schreibt insgesamt sehr bildlich, sodass ich mir als Lese die Szenen sehr gut vorstellen konnte. Insgesamt erhält das Buch von mir 4 von 5 Sternen und eine klare Leseempfehlung.

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    Bellis-Perenniss avatar
    Bellis-Perennisvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Toter, ein Motiv ein Täter - und das alles gleich zu Beginn
    Nichts für mich ...

    Entgegen aller herkömmlichen Krimis sind in diesem Buch sowohl, Täter, Opfer als auch das Motiv von Beginn an klar. Manchmal kann man den Eindruck gewinnen, dass der Mord (oder vielmehr die Vergeltung) doch nicht passieren sollte.
    Der Autor verarbeitet in diesem Roman ein traumatisches Jugenderlebnis. Er wurde Zeuge des Mordes an seinem Freund.
    Die Erzählung ist in der „Ich-Form“ geschrieben. Daher ist der Leser hautnah am Geschehen.
    Ich kann nach wie vor der Art, wie die meisten südamerikanischen Autoren schreiben (mit Ausnahme Isabel Allende), nichts abgewinnen. Trotzdem habe ich mich auf dieses Werk eingelassen. Richtig spannend war es für mich nicht.

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    Bibliomanias avatar
    Bibliomaniavor 4 Jahren
    Gerede wie für tausend Tote

    Nach dem gähnend langweiligen "Hundert Jahre Einsamkeit" und dem deutlich besseren "Die Liebe in den Zeiten der Cholera" wollte ich es noch ein drittes Mal mit Gabriel García Márquez probieren. Leider war ich nicht sehr überzeugt.

    In der Hochzeitsnacht wird Angela Vicario von ihrem Mann verstoßen – sie war keine Jungfrau mehr. Als sie den Namen ihres mutmaßlichen Täters ausspricht, schwören ihre Brüder, diesen zu töten, um die Ehre der Schwester und der Familie wieder herzustellen.

    Aus Sicht eines Außenstehenden, der alles gar nicht wirklich mitbekommen, sondern nur aus Fetzen anderer mehr oder weniger Beteiligter rekonstruiert hat. Zu viele Personen, die mit der Sache nichts zu tun hatten und zu wenig Information über den vermeintlichen Täter. Konnte mich nicht fesseln.

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    Herbstroses avatar
    Herbstrosevor 4 Jahren
    Kollektive Schuld

    Die Hochzeit war ein rauschendes Fest, zu dem das ganze Dorf geladen war. Die Kosten dafür auszurechnen war das letzte, das Santiago Nasar in seinem kurzen Leben zu tun blieb. Bereits in der Hochzeitsnacht brachte der Bräutigam seine Braut, Angela Vicario, ins Elternhaus zurück, als er feststellte, dass sie keine Jungfrau mehr war. Der vermeintlich Verantwortliche für diesen Eklat ist Santiago Nasar. Um die Ehre der Familie wieder herzustellen bleibt Angelas Brüdern, den Zwillingen Pedro und Pablo, keine andere Wahl als Santiago Nasar zu töten. Keine leichte Aufgabe, denn schließlich ist er ihr Freund und man hat vergangene Nacht noch zusammen gefeiert …

    Bereits von Anfang an ist klar, dass Santiago Nasar getötet wird. Ebenso klar ist auch wer die Täter sind, sie haben es schließlich jedem im Dorf, ob er es hören wollte oder nicht, erzählt. Alle wissen Bescheid – nur einer nicht, das Opfer. Dadurch bezieht die Geschichte ihre Spannung. Es stellt sich unweigerlich die Frage, warum niemand diesen Mord zu verhindern sucht oder zumindest Santiago Nasar warnt. Nichts geschieht heimlich, nein, auf der Suche nach Santiago Nasar zeigen die Brüder Vicario offen ihre Schlachtermesser. Keiner nimmt ihnen diese ab, keiner versucht sie aufzuhalten. Es scheint für die Bewohner des kleinen Nestes irgendwo an der Karibikküste eine Selbstverständlichkeit zu sein, dass die Ehre der Familie Vicario nur durch einen Mord wieder hergestellt werden kann. 

    „Chronik eines angekündigten Todes“ ist der Versuch einer nachträglichen Aufarbeitung des Falles. Gabriel García Márquez lässt die Geschichte fünfundzwanzig Jahre später von einem ehemaligen Dorfbewohner, der den Fall damals als kleiner Junge nur am Rande mitbekommen hat, rekonstruieren. Er befragt alte Dorfbewohner, Zeugen und Beteiligte - so entsteht einem Puzzle gleich nach und nach ein Bild der Tat, die nicht nur die Tat der beiden Brüder, sondern durch Toleranz und Ignoranz ein kollektives Verbrechen ist. Wie Santiago Nasar letztendlich zu Tode gekommen ist, erfährt der Leser erst ganz zum Schluss – und ob er tatsächlich Angela Vicario entehrt hat bleibt offen.
    Fazit:  Ein Kabinettstück der Erzählkunst, ein Feuerwerk südamerikanischen Lebens, ein Kleinod für den Bücherschrank. Man kann dieses Büchlein getrost mehrmals lesen, man wird immer wieder neue und bisher unbemerkte Facetten entdecken.

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