Mein Ein und Alles

von Gabriel Tallent 
4,1 Sterne bei8 Bewertungen
Mein Ein und Alles
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Positiv (6):
Odenwaldwurms avatar

Eine richtig amerikanische Geschichte, die in Deutschland nicht so statt finden könnten.

Kritisch (1):
jenvo82s avatar

Bei diesem Roman stockt der Atem: kalt, brutal, eigenwillig und sehr grenzwertig. Fast belanglos wird der Mensch zum Monster. Nicht meins.

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Inhaltsangabe zu "Mein Ein und Alles"

»Ein Buch, das man mit angehaltenem Atem verschlingt.« Washington Post
Dieser Roman über ein junges Mädchen hat Amerikas Leserschaft überwältigt und gespalten. Denn Turtle Alveston, so verletzlich wie stark, ist eine der unvergesslichsten Heldinnen der zeitgenössischen Literatur. Sie wächst weltabgeschieden in den nordkalifornischen Wäldern auf, wo sie jede Pflanze und jede Kreatur kennt. Auf tagelangen Streifzügen in der Natur sucht sie Zuflucht vor der besitzergreifenden Liebe ihres charismatischen und schwer gestörten Vaters. Erst als sie ihren Mitschüler Jacob näher kennenlernt und wahre Freundschaft erfährt, beginnt die Befreiung aus seinen Klauen. Gabriel Tallents Debut ist von eindringlicher Wucht und zugleich Zartheit, eine neue Stimme, die niemanden kalt lässt. »Als Leser schlägt einem das Herz bis zum Hals und man hofft nichts inständiger, als dass Turtle durchkommen möge. Intensiv und lebendig.« Marie Claire

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783328600282
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:480 Seiten
Verlag:Penguin
Erscheinungsdatum:24.09.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 24.09.2018 bei Random House Audio erschienen.

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Rezensionen und Bewertungen

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    Haverss avatar
    Haversvor 4 Tagen
    Ein Roman für meine Jahresbestenliste

    Gabriel Tallent ist mit „Mein Ein und Alles“ ein Roman gelungen, der keinen Leser unberührt lassen wird, und ich kann mich der Meinung Stephen Kings anschließen, der dieses Debüt als ein Meisterwerk bezeichnet und es mit den großen Klassikern der amerikanischen Literatur vergleicht. Für mich ist es eine Mischung aus Thoreaus „Walden“ und Woodrells „Winter’s Knochen“. Thoreau wegen der ausufernd detaillierten Beschreibungen einer ungebändigten Natur, Woodrell wegen Turtle, dem Mädchen, das allerdings erst im Laufe der Handlung zu dieser Stärke gelangt, die Ree Dolly von Beginn eigen ist. Außerdem ist ein wichtiges Thema - und zutiefst amerikanisch - die Bedeutung der Waffen, deren Gebrauch und Pflege eine zentrale Rolle in diesem Roman einnimmt.

    Tallent beschreibt eine Vater/Tochter-Story, die von Obsession, Dominanz und Missbrauch erzählt, aber gleichzeitig ist es auch die Geschichte der Befreiung aus einer zerstörenden Beziehung. Seit dem Tod der Mutter lebt Turtle mit ihrem Vater in den nordkalifornischen Wäldern. Es ist ein dreckiges, rohes Leben für das Mädchen, geprägt von physischen und psychischen Misshandlungen durch den obsessiven, in Waffen vernarrten Vater, der schöngeistmäßig einerseits die Werke der großen Philosophen liest, andererseits seine Tochter regelmäßig vergewaltigt. Die Gefühle des Mädchens sind widersprüchlich, sie hasst ihn und sie liebt ihn, ist er doch ihre einzige Bezugsperson. Aber dann lernt sie Jacob kennen, einen gleichaltrigen Jungen, der ihr zeigt, dass Beziehungen auch anders funktionieren können. Und das ist der Auftakt für Turtles schmerzhafte Befreiung von ihrem Vater.

    Es ist ein eindringliches Leseerlebnis. Der Autor verlangt uns einiges ab. Manchmal muss man das Buch einfach zur Seite legen und das Gelesene sacken lassen, weil man die Brutalität in dieser Vater/Tochter-Beziehung kaum noch aushalten kann. Im Gegensatz dazu steht die Sprache, so poetisch und federleicht, die ein Gegengewicht schafft. Absolut beeindruckend, mit einer Protagonistin, die man so schnell nicht vergessen wird. Keine Frage, ein Roman für meine Jahresbestenliste!
     

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    WinfriedStanzickvor 5 Tagen
    Eine Sprache, die einen nicht loslässt, regelrecht überwältigend


     

    „Mein Ein und Alles“ ist ein Romandebüt, das in den USA eine gespaltene Rezeption erfahren hat, denn in einem solchen Ton wurde so vorher dort noch nie über Gewalt und Kindesmissbrauch geschrieben.

     

    Es ist ein Roman voller wunderbarer und sprachlich in einer solchen Form noch nie gelesenen Beschreibungen der nordkalifornischen Natur, die der Autor jahrelang als Guide durchstreift und kennengelernt hat.

     

    Der wirklich unter die Haut gehenden Roman erzählt die Befreiungsgeschichte der 14-jährigen Julia Alveston, genannt Turtle, die  seit dem frühen Tod ihrer Mutter allein mit ihrem waffennarrigen Vater Martin zusammenlebt. Sie wächst in einem heruntergekommenen Männerhaushalt auf und teilt die Vorstellung ihres Vaters, dass man mit der Waffe in der Hand jeden Tag um sein Überleben kämpfen muss. Der Vater übt schon von früh auf mit Turtle den Umgang mit Waffen und sie ist auch eine hervorragende Schützin.

     

    Doch so sehr sie ihren Vater liebt, so sehr fürchtet sie seine sexuellen Übergriffe und die fast täglichen Vergewaltigungen. In stundenlangen Märschen durch die Natur, wo sie jede Pflanze und jedes Lebewesen genau mit Namen kennt, sucht sie vor diesen Übergriffen Zuflucht.

     

    Die Beschreibungen dieses permanenten physischen und psychischen Missbrauchs und wie sie Turtle in eine Hölle sich widersprechender Gefühle stürzen, sind schwer zu ertragen weil sie ähnlich genau und differenziert formuliert sind wie Tallents außergewöhnliche Naturbeschreibungen. Ich nehme an, es waren diese Szenen und die Kritik an dem Waffenfetischismus des Vaters, die das Buch in den USA so umstritten machten.

     

    Turtles Schicksal scheint aussichtslos. Auch der in der Nähe wohnende Großvater, der seinen Sohn genau kennt und offenbar ahnt, was sich in dessen Haus abspielt, kann dem Mädchen nicht helfen.

     

    Als Turtle in der Schule einen Jungen namens Jacob kennenlernt und in einer langsamen Annäherung erfährt, wodurch sich wahre Freundschaft auszeichnet, findet sie schrittweise den Mut, sich gegen den Vater aufzulehnen. Ihre zuvor enge Welt öffnet sich und viele neue, aber angsterregende Möglichkeiten liegen offen vor ihr.

     

    Martin spürt sehr schnell, das seine Tochter sich von ihm absetzt: Mit brutaler Gewalt versucht er Turtle wieder in die Zucht zu nehmen. Er kann und will seine Tochter nicht loslassen. Als er eines Tages ein jüngeres Mädchen mitbringt, die er genauso missbraucht, da fallen Turtle alle Schuppen von den Augen und es beginnt ein langer Kampf um Leben und Tod.

     

    Das Buch schildert, mit Wucht und Zartheit gleichermaßen, den Befreiungskampf eines zuvor in der Hölle der väterlichen Macht und Begierde gefangenen Mädchens. Gabriel Tallent tut das als Romandebütant in einer so vorher noch nie gelesenen Sprache, einer Sprache, die einen nicht loslässt, regelrecht überwältigend und trotz aller furchtbaren Gewalt, die beschrieben wird, mit einer zärtlich-poetischen Schönheit. Sie aus dem Amerikanischen zu übersetzen war sicher nicht leicht ist aber Stephan Kleiner hervorragend gelungen.

     

    Wer solch einen Erstling vorlegt, dem traut man viel zu. Doch nach einem solchen „Meisterwerk“ (Stephen King) einen Nachfolger zu präsentieren, wird nicht leicht werden. Ich jedenfalls warte gespannt darauf.

     

     

     

     

     

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    Odenwaldwurms avatar
    Odenwaldwurmvor 5 Tagen
    Kurzmeinung: Eine richtig amerikanische Geschichte, die in Deutschland nicht so statt finden könnten.
    Interessante USA Story über ein junges Mädchen

    »Ein Buch, das man mit angehaltenem Atem verschlingt.« Washington Post
    Dieser Roman über ein junges Mädchen hat Amerikas Leserschaft überwältigt und gespalten. Denn Turtle Alveston, so verletzlich wie stark, ist eine der unvergesslichsten Heldinnen der zeitgenössischen Literatur. Sie wächst weltabgeschieden in den nordkalifornischen Wäldern auf, wo sie jede Pflanze und jede Kreatur kennt. Auf tagelangen Streifzügen in der Natur sucht sie Zuflucht vor der besitzergreifenden Liebe ihres charismatischen und schwer gestörten Vaters. Erst als sie ihren Mitschüler Jacob näher kennenlernt und wahre Freundschaft erfährt, beginnt die Befreiung aus seinen Klauen. Gabriel Tallents Debut ist von eindringlicher Wucht und zugleich Zartheit, eine neue Stimme, die niemanden kalt lässt. »Als Leser schlägt einem das Herz bis zum Hals und man hofft nichts inständiger, als dass Turtle durchkommen möge. Intensiv und lebendig.« Marie Claire (Klappcovertext vom Buch)
    Ich bin gut in die Story gekommen. Der Schreibstil ist gut und flüssig zu lesen. Die Charaktere sind sehr gut dargestellt. Auch sonst wird die Geschichte sehr bildlich beschrieben. So dass man mein das es sehr real ist. Zwar kann ich mir die Story in Europa nicht vorstellen. Aber sie passt sehr gut in die USA. Da hier die Waffengesetzte ganz anders sind wie bei uns. Turtle wächst allein mit ihrem Vater, weltabgeschieden im kalifornischen Wald auf. In der Schule ist sie eine Außenseiterin und auch ihre schulischen Leistungen sind nicht berauschend. Stattdessen kennt sie sich mit Waffen aus, wie die ganze Familie die alle Waffennarren sind. Die Waffen werden auch eine wichtige Rolle in der Story spielen. Erst als sie ihren Mitschüler Jacob näher kennenlernt ändert sich ihr Leben. Die Person Turtle berührt mich sehr und ich war so gespannt was sie noch alles erleben und ertragen muss. So dass ich das Buch nur kaum aus den Händen legen konnte. Das Ende war der Höhepunkt der Geschichte und hat war hoch dramatisch geschrieben und hat mich sehr überrascht und beeindruckt.
    Das Buch hat mich beeindruckt und ich kann es nur sehr empfehlen. Auch wenn es hier eigentlich bzw. zum Glück nicht so passieren kann.

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    Caro_Lesemauss avatar
    Caro_Lesemausvor 6 Tagen
    Kurzmeinung: Verstörend, brutal, spannend - und doch auch mit langweiligen Passagen und Längen
    Eine krankhafte Vater-Tochter-Beziehung

    Die 14-jährige Turtle lebt mit ihrem Vater abgeschieden in einem kalifornischen Waldgebiet. Ihre Kindheit ist geprägt von physischer und psychischer Gewalt. Einerseits lernt sie, dass sie dumm und zu nichts zu gebrauchen ist, andererseits ist sie das "Ein und Alles" ihres Vaters, der schon seit Jahren auch ihre körperliche Nähe sucht. Der Großvater lebt ganz in der Nähe, verschließt aber scheinbar die Augen vor dem Missbrauch durch seinen Sohn. Als Turtle ihre erste Freundschaft schließt und viel Zeit bei Jacob zu Hause verbringt, beginnt sie zu erkennen, dass sie ihr Leben anders leben möchte. Trotz aller Vorkommnisse gibt es ein starkes Band zwischen ihr und dem Vater und das Entkommen aus ihrem bisherigen Leben scheint unmöglich.


    Ich habe mich mit diesem Roman etwas schwer getan. Prinzipiell interessieren mich solche Geschichten, auch wenn der Inhalt eher schwere Kost ist. In diesem Fall ist die Umsetzung leider nicht so ganz meins gewesen. Häufig wirkt es nebensächlich und belanglos, wie der Autor plötzlich nach einer endlosen Naturbeschreibung Turtles Erinnerungen an eine Missbrauchsszene einfließen lässt. Ich fühlte mich häufig davon überrumpelt, diese doch harten Erlebnisse tauchten unvermittelt auf und waren oft genauso schnell wieder vorbei oder wurden unterbrochen durch eine neuerliche Naturbeschreibung. Dies soll wahrscheinlich Turtles wandernde Gedanken repräsentieren, während sie die Wälder rings um das Grundstück durchstreift. Für mich hatte es eher den Effekt, dass das Erlebte fast zur unwichtigen Nebensächlichkeit degradiert wird oder eben genauso wichtig ist wie die Betrachtung des Flusses. In meiner Wahrnehmung ist das bei diesem Thema sehr eigentümlich und hat mich gestört, da Kindesmissbrauch niemals zur Nebensächlichkeit in einer Geschichte werden sollte. Die Naturbeschreibungen nehmen überhaupt sehr viel Raum ein, das wurde stellenweise langweilig. Besonders im Mittelteil kommt die Handlung nicht voran, Turtle entwickelt sich auch nicht wirklich weiter - ein Gefühl des vollkommenen Stillstandes, was mich zweifeln ließ und die Frage aufwarf, wo dieser Roman eigentlich hinsteuert. Die wiederholten Beschreibungen des gleichen Ablaufes am Morgen haben das auch nicht besser gemacht.  Am Ende kommt es dann doch noch zu einem wirklich spannenden Finale, bei dem ich den   Atem angehalten habe. 
    Es ist schwer, sich in die Protagonistin Turtle hinein zu versetzen. Ihre Emotionen werden durch das Geschriebene kaum transportiert. Dass die Gefühle gegenüber ihrem Vater zwiegespalten sind, kommt zwar zum Ausdruck, aber diese nahezu an ein Stockholm-Syndrom erinnernde Grundeinstellung konnte ich persönlich schlicht nicht nachvollziehen. Hier fehlt auch einfach die psychologisch-emotionale Tiefe. Vielleicht soll der (selbst gewählte?) Spitzname Turtle auch zeigen, dass Julia (wie sie eigentlich heißt) sich einen Panzer zugelegt hat und keine Gefühle nach außen dringen lässt. Bei der gewählten Erzählform in der dritten Person wirkt es dann aber insgesamt doch zu unterkühlt und distanziert.
    Die Sprache ist derb, voller Kraftausdrücke. Gewalt ist allgegenwärtig. Auch Waffen gibt es zur Genüge, Turtle ist mit dem Umgang natürlich vertraut und putzt regelmäßig ihr eigenes Gewehr in ihrem Zimmer. Eine verstörende Vorstellung in ihrem Alter, aber durchaus auch in intakteren amerikanischen Familien eine mögliche Konstellation. Insofern übertreibt der Autor diesbezüglich aus meiner Sicht nicht einmal.

    Fazit:
    Ein Buch, das reichlich Diskussionsstoff bietet. Nach dem vielversprechenden Klappentext haben mich leider einige Dinge gestört, allen voran, dass das Thema des Kindesmissbrauches (körperlich und psychisch) irgendwie zur Nebensache wird und zwischen endlosen Naturbeschreibungen untergeht.

    Kommentare: 2
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    jenvo82s avatar
    jenvo82vor 24 Tagen
    Kurzmeinung: Bei diesem Roman stockt der Atem: kalt, brutal, eigenwillig und sehr grenzwertig. Fast belanglos wird der Mensch zum Monster. Nicht meins.
    Eine monströse Definition von Liebe

    „Du springst hart mit mir um, aber du bist auch gut für mich, ich brauche Härte, weil ich nicht gut für mich selbst bin und du mich zwingst zu tun, was ich tun will, aber nicht für mich tun kann; und trotzdem, und trotzdem …“


    Inhalt


    Martin Alveston lebt mit seiner Tochter Turtle abgeschieden in einem verwahrlosten Haus im Wald, in einer seltsamen Kakophonie aus Abhängigkeit, Zwang und Elternliebe, die sich wie ein böswilliges Insekt in die Haut der Beteiligten frisst. Jeden Tag bringt er sie zum Bus, überwacht argwöhnisch ihre Schulleistungen und holt sie abends fluchend in sein Bett, um sich an ihr zu vergehen. Turtle spürt die große Kraft hinter der Ohnmacht ihrer Gefühle, die zwischen abgrundtiefen Hass und verbotener Lust schwanken. Manchmal wartet sie regelrecht auf Martin, dann reißt sie wieder aus, um Abstand zu gewinnen. Erst als sie den gleichaltrigen Jacob kennenlernt und ein paar Stunden in der Normalität einer Freundschaft verbringt, ahnt sie, dass sie ihrem Vater irgendwie entkommen muss, weil dieses Verhältnis verdorben und schlecht für sie ist. Doch Martin sieht den neuen Schwarm seiner Tochter als echte Bedrohung, möchte er doch der einzige Mann für seine Tochter sein. Er reagiert mit Gewalt und erschüttert den Glauben von Turtle an das Gute in ihm, doch dann ist er plötzlich verschwunden, um viele Wochen später mit einem fremden Mädchen zurückzukehren. Dieses ist fast noch ein Kind und Turtle weiß, dass es nun nicht mehr um ihr eigenes Leben geht, sondern auch um das der Fremden. Nur Martins Grenzen kennt sie nicht ausreichend …


    Meinung


    Angelockt von der äußerst vielversprechenden Geschichte, die mich vor allem inhaltlich interessiert hat, habe ich ungeachtet anderer Lesermeinungen bzw. einer Leseprobe kurzentschlossen zu diesem Roman gegriffen und mich auf eine wie von der Presse angekündigte „überwältigende“ Lektüre gefreut. Ja, gelogen ist das nicht, sie hat mich förmlich überfahren und geplättet – allerdings nicht so, wie ich es erhofft habe, eher dahingehend, dass ich ununterbrochen kopfschüttelnd die Zeilen verfolgte und mich über fast 500 Seiten gefragt habe: „Was will uns diese Geschichte sagen?“


    Der junge amerikanische Autor Gabriel Tallent spaltet mit seinem eindrucksvollen Debütroman wahrscheinlich seine Leserschaft, einerseits ein ungewöhnliches, erschreckendes Buch über Misshandlung und den Gebrauch von Waffen, je fast einer unsagbaren Liebesgeschichte zwischen Gewaltverherrlichung und seelischer Abhängigkeit. Und andererseits ein vollkommen abstruses, unverständliches Geschehen hinsichtlich Emotionalität und Menschsein, fernab von Nachvollziehbarkeit und ansprechender Erzählung. Schade nur, dass ich die Genialität des Textes ganz und gar nicht nachvollziehen konnte.


    Tatsächlich zähle ich mich zu den Lesern, die der Geschichte kaum etwas abgewinnen können, die Ursachen sind vielschichtig und ausufernd, so dass ich mich auf zwei Dinge konzentrieren möchte, die eine für mich sehr ungewöhnlich schlechte Bewertung rechtfertigen. Zum einen ist es die Banalität der Erzählung, die gerade im ersten Teil des Buches schon an Langeweile grenzt. Minutiös werden Abenteuertrips durch den Urwald geschildert, angefangen von einer ausufernden Naturbeschreibung, bis hin zu ekligen Erlebnissen, wie dem Verspeisen von lebenden Skorpionen. Ganze Seiten werden mit dem Erleben der Flora und Fauna gefüllt, ohne die Handlung in irgendeiner Weise vorwärts zu bringen.

    Ebenso uninteressant war der ständige Gebrauch von Waffen, die Dominanz der Bewaffnung an sich, die Beschreibung wie und wann ein Gewehr zu Laden, zu Reinigen und zu Gebrauchen ist. Der zweite elementare Fehltritt des Buches besteht für mich in der gewählten Sprache, die sich in erster Linie mit Flüchen, Verwünschungen und Schimpfwörtern füllt, vor allem in der wörtlichen Rede. Mag sein, dass das die Umgangssprache der Protagonisten ist, mir gibt das nichts.


    Und nicht zuletzt sind es die fehlenden psychologischen Aspekte, die mich maßlos enttäuscht haben. Der Leser wird ins Geschehen hineinversetzt und fühlt sich ebenso hilflos wie Turtle, nur mit dem Unterschied, dass ich mir gewünscht hätte, das Mädchen auch nur ansatzweise zu verstehen. Leider blieb mir ihr Handeln und die inneren Beweggründe ebenso fremd, wie der Rest des Buches. Keine Erklärung, keine Emotionen, kein Ausweg – retten kann dich nur der Tod.


    Fazit


    Es wird nicht mehr als ein Lesestern für dieses bizarre, schockierende Buch an der Grenze zur menschenverachtenden Betrachtung des Lebens. Willkür, Gewalt, Unverständnis, fehlende Kommunikation und das Verwischen der Grenzen zwischen Liebe und monströsen Auswüchsen war hier allzu präsent. Und hätte ich das Buch nicht für eine Challenge gelesen, dann wäre spätestens nach 100 Seiten Schluss gewesen. Meine Empfehlung an alle interessierten Leser, bildet Euch auf Grund der Leseprobe einen ersten Eindruck, danach kann man sicherlich besser abschätzen, ob sich diese Investition lohnt. Für mich trägt das Buch nun den Stempel „Flop des Jahres 2018“.

     

    Kommentare: 4
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    Binea_Literatwos avatar
    Binea_Literatwovor 13 Tagen
    Kurzmeinung: Ein sagenhaft vielseitiger, brutal verstörender Roman mit einer unerschütterlichen Heldin voller Lebenswillen.
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    L
    lensch_devourvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Coming-of-Age Story. Sehr spannend!
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    freiegedankens avatar
    freiegedankenvor einem Monat

    Gespräche aus der Community zum Buch

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    PenguinVerlags avatar

    Der Penguin Verlag verlost 15 Exemplare von Gabriel Tallents Roman Mein Ein und alles!

    Dieser Roman über ein junges Mädchen hat Amerikas Leserschaft überwältigt und gespalten. Denn Turtle Alveston, so verletzlich wie stark, ist eine der unvergesslichsten Heldinnen der zeitgenössischen Literatur. Sie wächst weltabgeschieden in den nordkalifornischen Wäldern auf, wo sie jede Pflanze und jede Kreatur kennt. Auf tagelangen Streifzügen in der Natur sucht sie Zuflucht vor der besitzergreifenden Liebe ihres charismatischen und schwer gestörten Vaters. Erst als sie ihren Mitschüler Jacob kennenlernt und wahre Freundschaft erfährt, beginnt die Befreiung aus seinen Klauen...

    Um an der Verlosung teilzunehmen, beantworte folgende Frage: Nach welchem deutschsprachigen Lyriker ist eine Mitschülerin von Turtle benannt?


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    J
    Letzter Beitrag von  Jassi_Saxvor 21 Minuten
    Eine Mitschülerin von Turtle ist nach Rainer Maria Rilke benannt.
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