Gabriel Wolkenfeld

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Wir Propagandisten

Wir Propagandisten

 (3)
Erschienen am 01.07.2015

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Rezension zu "Wir Propagandisten" von Gabriel Wolkenfeld

Zarte Propaganda
lippunermarcvor 3 Jahren

Wir Propagandisten nimmt uns mit nach Jekaterinburg, ans östliche Ende Europas, wo Pelmeni in Milch baden, Zucker im Kaffee ertrinkt und Schnee sich in dicken Flocken träge durch die Luft bewegt. Der Erzähler, den man mit dem Autor gleichsetzen möchte, ist wegen eines Lehrauftrags hierher gekommen. Deutsch soll er unterrichten und tut dies – wenngleich nicht ganz ohne Widerstand gegen das autoritäre Lehrmodell der russischen Universitäten. Die Lehrstunden, die er gibt, bleiben jedoch Randnotizen in seinem Erlebnisbericht; es sind die Lektionen, die ihm erteilt werden, die den Reiz des Romans ausmachen: Sein Staunen über die Willkür staatlicher Bürokratie wird unser Staunen, seine Irritation über das Verhalten des im Schwulenchat klargemachten russischen Freundes wird unsere Irritation – zu berlinfreigeistig sind unsere Einstellungen, um begreifen zu können, was es wirklich bedeutet, in einer Gesellschaft wie der russischen aufzuwachsen und mit seiner Homosexualität klarkommen zu müssen. Trotz zwangsverordneter Gesundheitschecks, kafkaesker Stempelsammelei und einer aufdringlichen Verehrerin verbringt der Erzähler mit perfektem Schwiegersohnlächeln und leichtfertiger Überheblichkeit furchtlose Monate in der Zuckerbäckerstadt am Ural, tanzt auf geheimen Schwulenpartys, hat anonyme Sexdates oder vögelt sich durch den überschaubaren Bekanntenkreis, bügelt über aufkeimende Verliebtheiten hinweg und belächelt die Angst seiner Freunde vor staatlichen Repressionen gegenüber Homosexuellen. Bis die Duma im Juni 2013 ein föderales Verbot der „Propaganda von nicht-traditionellen sexuellen Beziehungen gegenüber Minderjährigen“ beschließt. 

Wir Propagandisten ist Gabriel Wolkenfelds Protest gegen dieses Gesetz. Kein Protest, der laut herausgeschrieen wird, kein Wutmonolog, keine Agitation, sondern eine eigenwillige Liebeserklärung an die russischen Freunde, die keine Stimme mehr haben. Zarte, aber bestimmte Propaganda, die leise - und vor allem lange - in einem widerhallt.

Eine ausführliche Rezension findet Ihr hier: https://schwulenkram.wordpress.com/2016/04/11/wolkenfeld/

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