Gabriele Gerner-Haudum

 2.5 Sterne bei 2 Bewertungen

Alle Bücher von Gabriele Gerner-Haudum

Asia Overland

Asia Overland

 (2)
Erschienen am 16.05.2018
Wende dein Gesicht der Sonne zu

Wende dein Gesicht der Sonne zu

 (0)
Erschienen am 08.07.2010
Glücksmomente nur für dich

Glücksmomente nur für dich

 (0)
Erschienen am 02.05.2014
Welkom Afrika

Welkom Afrika

 (0)
Erschienen am 04.10.2010

Neue Rezensionen zu Gabriele Gerner-Haudum

Neu
Sommerregens avatar

Rezension zu "Asia Overland" von Gabriele Gerner-Haudum

Selbstgefällig und abwertend!
Sommerregenvor einem Monat

Ein umgebauter Polizei-LKW, 50.000 Kilometer und 18 Monate Zeit - auf mich wirkte die Beschreibung dieses Werkes sehr ansprechend und ich war gespannt auf Anregungen, Erzählungen von besonderen Erlebnissen und interessante Informationen.
Im Deckel des Buches befindet sich eine Karte; hinten dann Fotos von, auf der Reise getroffenen, Menschen. Die Gestaltung würde ich als aufwendig beschreiben; viele große Farbfotografien sind abgebildet.
Doch leider blieb es bei mir nicht bei diesem ersten positiven Eindruck...

Immer wieder spürte ich einen Unterton, der in mir den Eindruck erweckte, die Autorin habe sich auf ihrer Reise häufig sehr befremdet gefühlt. Das äußert sich in vielen Abschnitten wie der Kapitelbeschreibung "Willkommen in Absurdistan: (Ex-) Ostblock trifft Asien - Nehmen diese Stan-Staaten denn gar kein Ende? Ein irrer Staatspräsident in Turkmenistan, kein Diesel in Usbekistan, mieseste Straßen in Tadschikistan, irrsinnige Vorschriften in Kirgistan und ein größenwahnsinniger Diktator in Kasachstan" (S.32). Oder: "Man kann nur hoffen, dass der neue Name etwas origineller ausfällt als der der neuen Hauptstadt Astana, was so viel wie 'Hauptstadt' heißt" (S.35).
Auch Vergleiche wie: "Dem durchschnittlichen Deutschen steigen die Tränen in die Augen, wenn er sieht, wie die Tadschiken mit ihren Autos umgehen" (S.46) halte ich für nicht gelungen. Dennoch finden sich vereinzelt auch mal positive Worte, wie, dass die Einheimischen in abgelegenen Ecken sehr gastfreundlich sind.
Nichtsdestotrotz bleibt bei mir ein schales Gefühl, wenn Kapitel mit dickgedrucktem "Wir sind ganz angetan von der 'russischen Seele': Sind die Russen doch ganz nett?" (S.54) beginnen. Da frage ich mich als Leser, welche Erwartungshaltung die Autorin vor der Reise hatte... "Das Schild 'Es ist verboten, den Grenzbeamten Geld oder Geschenke zu geben' hätte ich an der russischen Grenze nicht erwartet" (S.55).
"Auch ich werfe einen Stein und wünsche mir, dass diese Reise niemals endet" (S.70) steht im Kontrast zu "Im Reich der Mitte fehlt eines komplett: Das Gefühl für Abstand und Privatsphäre." (S.72)
Manchmal wirken die Beschreibungen geradezu aufbrausend und die Einheimischen regelrecht bedrohlich. So erfindet die Autorin in China, wenn sie nach ihrer Familie gefragt wird, bereits zwei Kinder, weil sie in allen Ländern seit der Türkei gelernt hat, dass ein Leben ohne Kinder "als vollkommen sinnlos angesehen wird!" (S.83). Ich kenne solche und ähnliche Fragen aus dem asiatischen Raum selbst auch und habe sie im Gespräch mit Einheimischen nie als aufdringlich empfunden, sondern vielmehr als interessiert aufgefasst. Gerade wenn man gefragt wird, wie es einem im Land gefällt oder warum es einen dorthin zieht, waren das für mich immer sehr schöne Gespräche und nicht - wie für die Autorin - Eingriffe in meine Privatsphäre.
Auch Bildunterschriften wie dass Schlangenschnaps Tierquälerei sei, halte ich für etwas undifferenziert. Besonders in Vietnam, aber generell im südostasiatischen Raum, gehört dieser zur Tradition und wird in der Medizin eingesetzt. Selbstverständlich können auch Traditionen Tierquälerei beinhalten, doch sind die Giftschlangen vor der Verwendung bereits tot...
Über viel zu viele Kommentare konnte ich mich einfach nur aufregen. Beispielsweise: "Der liegende Buddha ist wie ein Sinnbild für die laotische Lebenseinstellung: Erstmal drüber schlafen!" (S.85) Bei meiner Reise durch Laos habe ich das so keineswegs wahrgenommen.
Und auch Hinweise wie, dass man niemals ohne der Botschaft Bescheid zu geben nach Kambodscha reisen sollte, da man sonst für drei Jahre ins Gefängnis wandern oder Strafgelder zahlen müsse, ließen mir die Haare zu Berge stehen. Selbstverständlich gibt es in Kambodscha korrupte Polizisten - wie in vielen anderen Ländern auch - aber bei meinem Kambodscha-Aufenthalt bin ich nie in eine solche Situation gekommen und denke, dass man mit ein bisschen Menschverstand merkt, wann eine verhängte Strafe rechtens ist und wann nicht... Auch beim Beispiel der Autorin... Auf mich wirkt es eher so, als wolle Gabriele Gerner ihre "Tapferkeit" und ihren "unvergleichlichen Mut" präsentieren...
Wo wir schon in Kambodscha sind: Sie berichtet auch von Angkor Wat... Sowohl beim Sonnenauf- als auch -untergang sehe man hier viele Touristen. "Und wieder einmal war der 'Geheimtipp' im Reiseführer gar nicht so geheim!" (S.118) Ich muss gestehen, dass ich mich wundere, dass man überhaupt auf die Idee kommen kann, Angkor sei ein Geheimtipp... Schade, dass die Autorin da derart enttäuscht wurde. Ich hatte an den vielen Verzierungen große Freude und konnte über mehrere Tage hinweg gar nicht genug von den Tempelanlagen bekommen und habe mir vorgenommen, noch einmal dorthin zu reisen, um mehr Zeit zum Erkunden und Entdecken zu haben.
Auch, dass ein so schönes und facettenreiches Land wie Thailand darauf reduziert wird, dass man hier so schön am Strand "chillen" könne, tat mir in der Seele weh. Da hat es doch so viel mehr zu bieten!
Dann möchte ich noch kurz auf die Bildbeschreibungen eingehen. Hier sieht man beispielsweise ein mal ein Pferd mit Reiter inmitten der Wüste. Eine handschriftlich gestaltete Notiz auf dem Foto erklärt dann, dass die mongolischen Pferde besonders widerstandsfähig sind. Ein Pfeil zeigt auf das Pferd, als ob irgendwer Gefahr gelaufen wäre, den Jungen für ein solches zu halten... Im Gesamtkontext des Buches fühlt sich so etwas einfach falsch an - sowohl in Richtung des Lesers als auch der anderen Kulturen.

Generell kann ich enttäuscht feststellen, dass dieses Buch genauso wenig Geheimtipps bereithält, wie die Autorin an ihrem Reiseführer kritisierte. Mir ist Gabriele Gerner im Verlauf der Lektüre unfassbar unsympathisch geworden und es erweckte bei mir an so vielen Stellen den Eindruck, sie blicke auf andere Kulturen herab und habe sich vorab nie informiert und sei stattdessen mit den haarsträubendsten Vorurteilen nach Asien gereist; meine Zitate waren nur einzelne Beispiele. Die mittlerweile in München und auf Mallorca lebende Autorin vermittelt in ihrem Werk das Bild eines bedrohlichen Asiens. Besonders erschüttert bin ich, da das Buch bei National Geographic erschienen ist; ein Verlag, der bei mir bisher den Ruf hatte, anspruchsvolle Werke, die in einem die Reiselust wecken, zu veröffentlichen, welche sich an eine weltoffene und eher gebildete Leserschaft richten.
So frage ich mich, wie es dieses Werk es durch ein Lektorat geschafft hat und weiß mit so viel Selbstgefälligkeit der Autorin gar nicht umzugehen. Persönlich hoffe ich, dass die Autorin nicht noch mehr Länder mit ihrem Besuch "beehrt", denn dass hier ein solches Bild vermittelt wird, hat keines verdient.

Ich vergebe einen Stern für die Fotos.

Kommentare: 3
9
Teilen
N

Rezension zu "Asia Overland" von Gabriele Gerner-Haudum

Ein Wohlfühlreisebuch, welches quer durch Asien führt.
Nomadenseelevor 6 Monaten

So beeindruckend wie Africa Overland ist Asia Overland nicht geworden, auch wenn das Konzept gleich geblieben ist: Persönliche Texte, welche die Autorin zu den Fotos geschrieben hat, aufgemacht wie ein Journal.

Dies liegt vor allem an zwei Dingen:

1.) Sie ist uninformiert und hat es wohl auch nach der Reise nicht für nötig befunden, sich zu informieren. Dadurch kommt zwar ein lockerer, touristischer Blick auf die Länder zustande, führt aber auch zu drastischen Missverständnissen. So fühlte die sich wohl in die Nähe der Nazis gerückt, wenn die Iraner ihr sagten, sie hätte schöne, arische Züge und dass die blauen Augen gut dazu passten. Und dass sie auf dieses Kompliment gerne verzichtet hätte. Wenn man aber weiß, dass die Arier ein nordiranischer Stamm sind, dann kommt man recht schnell dahinter, dass die Leute sie nicht mit dem Ideal der NSDAP verglichen haben.

2.) Sie problematisiert nicht. Africa Overland war deswegen so beeindruckend, weil es die Schönheit, die Verschiedenheit, aber auch die Armut des Kontinents zeigte. Unvergessen das Foto von den leeren Regalen in Simbabwe, welches die Wirtschaftskrise in dem Land verdeutlichte. Die Länder werden durch die Brille einer Touristin gezeigt, welche von den ganzen Problemen im Land nichts mitbekommt.

Das Buch ist deswegen nicht schlecht, ich würde es als Wohlfühl-Reisebuch bezeichnen. Wer einer Reise durch Asien folgen möchte, ohne von Problemen der Länder irritiert zu werden, der ist hier richtig. Es ist aber kein Buch, welches realistische Eindrücke aus dem Land liefert.

Fazit

Ein Wohlfühlreisebuch, welches quer durch Asien führt.

Quelle


Kommentieren0
0
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 4 Bibliotheken

auf 1 Wunschlisten

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks