Es gibt viele Spielarten sowohl von erfüllter als auch von unerfüllter Liebe. Die verschmähte Liebe gehört zur letzten Kategorie. Sie ist besonders perfide, da sie zwar zwei Personen betrifft, aber nur von einer der beiden in allen Facetten gefühlt wird – ohne dass sie allerdings bedingungslos gelebt werden kann. Für den oberflächlich, sporadisch und je nach Bedarf „Liebenden“ ist es allerdings nur ein Spiel, ein oft zerstörerisches, da dort die Macht lokalisiert ist und je nach Gusto auch ausgeübt wird. Die Macht liegt in der Hand des Nicht-Liebenden. So auch in diesem herausragend komponierten Roman der Schwedin Lena Andersson.
Durch eine außergewöhnlich distanzierte Beschreibung von „sexuellen Vorgängen“ („… es war die letzte Zigarette, ehe sie zu Bett gingen und ihre Körper sich vereinigen ließen.“), einer oft tiefgründigen Betrachtung von Beziehungsarbeit („Wer liebt, braucht nicht anzubeten.“), sowie den äußerst sensibel umschriebenen Glücksmomenten („Nach diesen kleinen achtlosen Worten von seinen Lippen schwebte sie in den Pariser Abend hinaus, liebte alle Gerüche und brachte jedem Menschen, den sie sah, Sympathie entgegen.“) gelingt es der Autorin das Liebesleid der Protagonistin nicht nur nachvollziehbar, sondern hautnah spürbar werden zu lassen. Oft würde man gerne einen Nebensatz hinzufügen, damit man es für sich irgendwie „runder“ hinbekommt, nicht ganz so schmerzhaft. Fast jede/jeder wird sich in der einen oder anderen Szene, in dem einen oder anderen Gedanken wiederfinden können.
Während man bei vielen Romanen schon froh ist, wenn man einen Satz findet, für den es sich gelohnt hat, jenes Buch zu lesen, so sind es in diesem Werk gleich Dutzende, die man unterstreichen oder herausschreiben möchte (und dies auch tun sollte, damit sie nicht so leicht verloren gehen …). Ein Buch das nachwirkt.
(29.6.2017)

























