Eiszeit

von Gabriele Krone-Schmalz 
4,8 Sterne bei8 Bewertungen
Eiszeit
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AUGENÖFFNER!!

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Knallharte Analyse der politischen Situation, betrachtet von allen Seiten!

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Inhaltsangabe zu "Eiszeit"

Zwischen Russland und dem Westen herrscht Eiszeit. Es vergeht kaum ein Tag ohne eine neue Horrornachricht aus dem "Reich des Bösen". Warum ist das so? Geht es wirklich nur um Menschenrechte und westliche Werte? Wie kommt es eigentlich, dass immer gerade die Staaten ins Visier geraten, die den Westen geostrategisch herausfordern?
In ihrem neuen Buch warnt Gabriele Krone-Schmalz vor einem Rückfall in die einfachen Denkmuster und klaren Feindbilder des Kalten Krieges. Wladimir Putins Ziele seien expansiv, wird behauptet, er bedrohe Polen und das Baltikum. Doch auf welcher Grundlage werden diese Schlussfolgerungen eigentlich gezogen? Könnte es nicht auch sein, dass Russland aus der strategischen Defensive heraus handelt und versucht, bestehende Einflusszonen zu halten? Wer agiert, wer reagiert? Und welche Politik sollten wir daher gegenüber Russland verfolgen: Eindämmung durch Abschreckung oder Wandel durch Annäherung? Eigentlich müsste über diese Fragen offen gestritten werden. Stattdessen werden Abweichler als Russlandversteher diffamiert und ausgegrenzt. Und das obwohl es um die wichtigste Frage überhaupt geht: das friedliche Zusammenleben mit unseren Nachbarn.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783406714122
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:304 Seiten
Verlag:C.H.Beck
Erscheinungsdatum:11.01.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    wschvor 16 Tagen
    Kurzmeinung: AUGENÖFFNER!!
    Spiegel-Bestseller - KEIN WUNDER!

    Spiegel Bestseller – KEIN WUNDER!

    Als Russland-Korrespondentin der ARD, die vier Jahre in diesem Riesenland gelebt hat, weiss Gabriele Krone-Schmalz sicher, was sie (be)schreibt, was sie in einem gut verständlichen Stil erklärt, erläutert, nachvollziehbar darstellt. Wobei sie auch stichhaltige Argumente gegen die sehr einseitige 'Mainstream'-Berichterstattung und 'Mainstream'-Nachrichten der ARD ins Feld führt. 'Mainstream' ist in dem Sinne zu verstehen "Die Russen sind alle die Böse. Und Wladimir Putin ist der Oberschurke..." Denn das ist ja die Vorstellung von Russland und seiner Politik, die durch die Nachrichten wachgerufen und fast täglich bestärkt wird.

    Dass Putin durchaus sachliche, fundierte Gründe für seine Politik einschliesslich der Vorgänge im Zusammenhang mit der Ukraine, der Krim, dem Donbas im Osten der Ukraine hat, dass das auf seine Anweisung hin durchgeführte militärische Eingreifen in den Krieg in Syrien objektive betrachtet nachvollziehbar ist, all das macht die Autorin klar. Wer diese Sicht bezweifelt, lese das Buch mit den vorgetragenen Argumenten. Die nicht bei den Haaren herbeigezogen sind, sondern durch ein ausführliches Quellenverzeichnis nachprüfbar belegt werden.

    Selbst wenn man nicht allen Äusserungen und Feststellungen von Gabriele Krone-Schmalz folgen mag, mehr als lesenswert ist das Buch allemal. Ein echter 'Augenöffner'!

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    mabuereles avatar
    mabuerelevor einem Monat
    Kurzmeinung: Knallharte Analyse der politischen Situation, betrachtet von allen Seiten!
    Glasklare Analyse

    „...Die große Aufgabe dieses Jahrhunderts scheint mir zu sein, Feindbilder abzubauen und sich Realitäten zu stellen, statt mit einer westlichen Werteideologie Kreuzzüge anzuzetteln, die nirgendwo auf der Welt im Sinne von Menschenrechten und Menschlichkeit irgendetwas gebracht haben...“


    Die Autorin analysiert in beeindruckender Art das Verhältnis zwischen dem Westen und Russland. Dabei hinterfragt sie das Verhalten beider Seiten und zeigt auf, wo die eigentlichen Probleme liegen. In sechs Abschnitten widmet sie sich den wichtigsten Feldern der Weltpolitik.

    Sie beginnt mit der Entwicklung nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Dabei geht sie auf das Chaos unter Jelzin ein und zeigt, wie und warum sich die Politik Putins in den letzten Jahren geändert hat.


    „...Bei uns besteht derzeit die Neigung, nur einen Teil der Geschichte zu erzählen und die Elemente wegzulassen, die nicht in das Bild vom friedlichen Westen und vom aggressiven Russland passen...“


    Genau diese Elemente stellt die Autorin in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen. Einer der Schwerpunkte ist dabei die Osterweiterung der NATO. Die Vorgänge in Georgien und der Ukraine werden detailliert auseinander genommen. Sie weist mit Quellenangaben nach, wie der Wunsch nach Aufnahme von außen gekonnt stimuliert wurde.

    Das Thema Syrien nimmt ebenfalls einen weiten Raum ein. Auch hier wird belegt, dass die Massenmedien nur einen Teil der Wahrheit erzählen.

    In einem Kapitel setzt sich die Autorin mit der Frage auseinander, wer wen bedroht. Sie vergleicht die Rüstungsausgaben, die Stärke des Militärs und die Militärbasen.

    Sehr gekonnt spielt die Autorin mit dem Worten Aktion und Reaktion. Mehr und mehr wird dabei deutlich, dass das Verhalten Russlands eine Reaktion auf die Aktionen der NATO sind.

    Ihre Schlussfolgerung klingt hart:


    „...Der Westen ist zu echten Kompromissen nicht mehr in der Lage, weil er die eigene Weltsicht für alternativlos hält. Das hat was von missionarischen Eifer, der schon immer das beste Rezept war, um große Katastrophen herbeizuführen...“


    Doch die Autorin analysiert nicht nur die Situation. Sie bezieht historische Vergleiche ein und macht Vorschläge, wie ein Aufeinander – zu – gehen aussehen könnte. Ein Vorbild dafür ist für sie die damalige Entspannungspolitik von Willy Brandt.

    Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen.


    Kommentare: 6
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    Knigaljubs avatar
    Knigaljubvor 5 Monaten
    Die russische Seite der Medaille

    Gabriele Krone-Schmalz ist nicht unumstritten, aber wenn man dieses Buch als den Perspektivwechsel liest, der es sein soll, profitiert man sehr davon.

    Zum Inhalt:
    Das neue Buch der ehemaligen Moskau-Korrespondentin und Journalistin beschreibt die zwischen Russland und dem Westen in politischer Hinsicht herrschende „Eiszeit‟ mit Blick auf die russische Sichtweise, denn häufig seien in westlichen Medien bei der Berichterstattung die Reaktionen Russlands im Vordergrund, die Hintergründe und Gründe Russlands sowie vorausgegangene Aktionen des Westens jedoch ausgeblendet.
    Das erste von sechs Kapiteln („Russlands Rückkehr‟) beschreibt die jüngere politische Entwicklung Russlands, wobei Russlands Rolle im Georgienkrieg, die in westlichen Medien häufig als „Einmarsch Russlands in Georgien‟ zusammengefasst wird, umfassend dargestellt und erklärt wird. Im zweiten Kapitel („Der Showdown‟) geht es vor allem um Russlands Positionen zu den Konflikten in Syrien und der Ukraine sowie die Erweiterung der NATO im östlichen Europa. Das dritte Kapitel („Gut und Böse‟) ist unter anderem ein Plädoyer für differenziertes Denken und offene Debatten und im vierten Kapitel („Wer bedroht wen?‟) steht insbesondere das gegenseitige Aufrüsten der USA und Russlands im Fokus. Im vorletzten Kapitel schlussfolgert Gabriele Krone-Schmalz, dass die gegenwärtige Eskalationsspirale am besten durch einen „Wandel durch Annäherung‟ zu stoppen sei und benennt Möglichkeiten, wie dies genau aussehen könnte. Sie schließt mit einem kurzen Kapitel über eigenständiges Denken und Meinungsbildung („Selber denken‟).

    Meine Meinung:
    Das neue Buch von Krone-Schmalz stellt nicht nur politische Ereignisse, bei denen Russland beteiligt ist/war und für die es im Westen überwiegend in der Kritik steht, in ein anderes Licht, sondern beschäftigt sich zwischen den Zeilen auch mit der Frage danach, was Journalismus leisten kann und sollte. Außerdem plädiert sie immer wieder dafür, Perspektiven zu wechseln, sich selbst ein Bild zu machen und nicht alles ungefragt zu inhalieren, was der Informationsmarkt (unter anderem die Social Media) so zu bieten hat: „Wer sich über die heißesten Konflikte der Gegenwart, in der Ukraine und in Syrien, informieren will, der muss jedenfalls – ganz gleich woher die Nachrichten stammen – auf der Hut sein.‟ (S. 76) Immer wieder warnt sie auch vor der Gefahr eines „missionarischen Fanatismus‟ (S. 130) – und wenn man sich anschaut, wohin so manch gut gemeinter Demokratisierungsversuch geführt hat, kann man dem kaum etwas entgegensetzen.
    Das Buch ist definitiv lesenswert, unabhängig davon, ob man eine Sanktionspolitik gegenüber Russland nun befürwortet oder ablehnt. Man lernt eine andere Sichtweise kennen und erfährt wichtige Hintergründe, um Russlands Verhalten besser zu verstehen, ohne dass Russland als unfehlbar dargestellt wird: „Wohlgemerkt: Es geht mir nicht darum, so zu tun, als gebe es an den Zuständen in Russland nichts zu kritisieren oder als seien Fehlentwicklungen nur eine Folge der westlichen Konfrontationspolitik‟ (S. 251). Dennoch steht eindeutig – wie im Vorwort angekündigt – die russische Position im Vordergrund. Dass sie damit ins Visier einiger Kritiker gerät, scheint sie zugunsten der von ihr als wichtig empfundenen Forderung, für weniger statt mehr Konfrontation mit Russland zu kämpfen, hinzunehmen.
    Obwohl die Autorin anfangs andeutet, dass dieses Buch etwas komplexer, weil an einigen Stellen tiefergehend, sei, trifft man auf den gewohnt prägnanten Stil und die klaren Worte der Autorin, was z.B. so aussieht: „Aber wenn alle Handlungen Moskaus auf Herrschsucht zurückgeführt werden, ohne noch einen Blick für die Komplexität der Probleme zu bewahren, dann wird die Realität verfehlt.‟ (S. 70) Da sich dieser leicht reißerische Stil schon im Untertitel zeigt und durch das Buch zieht, muss man ein bisschen aufpassen, jetzt nicht statt Russland die Gegenseite zu verteufeln, was meinen einzigen Kritikpunkt darstellt.

    Fazit:
    Informativ, prägnant geschrieben und hoffentlich hitzig genug, um der Eiszeit ein wenig entgegenzuwirken. Lesenswert für jeden „Russlandversteher‟, „Putingegner‟ oder einfach politisch interessierten Menschen. Gabriele Krone-Schmalz wird nicht müde, für den Perspektivwechsel zu plädieren in einem sich immer weiter zuspitzenden Konflikt.

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    Dawinvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Nach dem Lesen dieses Buches weiß man eines ganz genau: Der Kalte Krieg ist nicht zu Ende, nur die Fronten haben sich verschoben.
    Eiszeit zwischen Russland und dem Westen

    Die Autorin Gabriele Krone-Schmalz hat hier ein wichtiges, aussagekräftiges Buch geschrieben. Präzise Analyse der Konflikte rund um Russland und den Westen – sie versucht logische Hintergründe in den Zusammenhang zu Georgienkrieg, Syrienkrise u.a. zu stellen.

     

    Medien und auch Politiker kommen nicht allzu gut weg, da sie sehr einseitig argumentieren und die Seite Russlands völlig außer Acht lassen. Bei ihren Recherchen ist sie auf Dokumente mit dem Siegel „secret“ aufmerksam geworden, aus denen sie einiges in dieses Buch einfließen ließ. Durch ihre jahrelangen Russlandaufenthalte hat sie natürlich auch ein breites Insiderwissen, welches hier Verbindungen zwischen Vergangenem und Gegenwärtigem herstellen kann.

     

    Durch oftmals proaktives Verhalten des Westens – ohne Russland auch nur im Entferntesten einzubeziehen – kommt Putin nur mehr die Rolle des Reagierens zu. Ebenso kommen Journalisten nicht allzu gut weg, denen eine objektive Berichterstattung offenbar abhandengekommen ist:

     

    „Es geht nicht mehr in erster Linie darum zu informieren, sondern darum, die Menschen auf den „richtigen“ Weg zu bringen. Eine solche Haltung, zu der sich manche sogar ausdrücklich bekennen, scheint mir grenzwertig.“

     

    Nach dem Lesen dieses Buches weiß man eines ganz genau: Der Kalte Krieg ist nicht zu Ende, nur die Fronten haben sich verschoben.
    Dass dies auf Dauer zielführend ist, kann ich mir nicht vorstellen. Es bleibt nur zu hoffen, dass es letztendlich doch noch zu einem gemeinsamen Miteinander kommt.

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    Sikals avatar
    Sikalvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Aufschlussreich, informativ - volle Leseempfehlung.
    In jedem Konflikt gibt es zwei Seiten

    „Geschichte ist nie nur schwarz und weiß, es gibt immer zahlreiche Grautöne und unterschiedliche Perspektiven, unter denen sie betrachtet werden kann. Wer sie verstehen will, tut allerdings gut daran, sich nicht bloß auf einen Blickwinkel zu beschränken.“

     

    Kritiklos werden oft die Nachrichten gehört, die Aussagen der Meinungsmacher übernommen. Russland auf der einen Seite und der Westen bzw. die USA auf der anderen Seite – ein Gegenüber, kein Miteinander. Putin der böse Gegenspieler … Doch ist es wirklich so einfach?

     

    Wer sich genauer mit dieser Thematik auseinandersetzen möchte und dem für das eigene Weltbild wichtig ist, diese komplexe Realität wahrzunehmen, das Mächteverhältnis nicht einseitig zu betrachten, dem sei dieses Buch empfohlen.

     

    Die Autorin Gabriele Krone-Schmalz hat selbst lange Zeit in Russland gelebt und bemüht, einen Dialog zwischen Ost und West zu finden. Sie zeigt uns hier einige Paradebeispiele, teilweise Missverständnisse, teilweise bewusst gesteuerte Handlungen, die gezwungenermaßen eine bestimmte Reaktion hervorrufen.

     

    Besonders hervorheben möchte ich, dass die Autorin nicht versucht Russland nun einen Heiligenschein zu verpassen. Es geht ihr nicht darum, Russland als das Opfer westlicher Expansionen darzustellen – sie versucht durch ihre genauen Analysen und logischen Rückschlüsse, ein Bild zu schaffen, das eben beide Seiten darstellt und Kritik an beiden Seiten zulässt. Fehler des Westens beim Syrienkonflikt werden ebenso hinterfragt, wie undurchsichtige Geldflüsse der USA in Richtung Ukraine oder der Georgien-Konflikt. So manch brisantes Hintergrundwissen über Politiker, wie z.B. Hilary Clinton über dubiose Machenschaften lassen den Kopf schütteln und so manches besser verstehen.

     

    Die Autorin versucht Zusammenhänge auch dem Laien plausibel zu erläutern, leicht verständlich werden Rückschlüsse logisch erklärt und werfen ein anderes Bild auf Politiker, Leitmedien und ein Russland, das uns als Ursache vieler Unruhen präsentiert wird. Kapitel, wie „Wer bedroht wen?“ und den Aufruf zum „Selber Denken“ sind dermaßen aufschlussreich und umfassend, dass man diese durchaus mehrmals lesen kann, um alle Einzelheiten zu erfassen. Doch nicht nur Analysen und informative Fakten werden aufgezeigt, auch Lösungsvorschläge und direkte Fragestellungen an den Leser tun ihr Übriges, um „Selber Denken“ nicht zu einem Schlagwort zu machen.

     

    „Wollen wir wirklich darauf vertrauen, dass auch diesmal wieder irgendwie alles gut geht? Nehmen wir an, Putin würde entsprechende erste Schritte auf den Westen unternehmen – wären wir überhaupt noch in der Lage, sie als solche zu erkennen? Und gibt nicht normalerweise der Klügere nach? Wir halten uns doch eindeutig für die Klügeren, die moralisch Überlegenen, oder nicht? Dann müssten die Schritte zur Entspannung eigentlich vom Westen ausgehen. Zumal er in den letzten Jahren agiert hat, während Russland reagierte.“

     

    „Die große Aufgabe dieses Jahrhunderts scheint mir zu sein, Feindbilder abzubauen und sich Realitäten zu stellen, statt mit einer westlichen Werteideologie Kreuzzüge anzuzetteln, die nirgendwo auf der Welt im Sinne von Menschenrechten und Menschlichkeit irgendetwas gebracht haben. Es ist höchste Zeit, der immer hysterischer werdenden Dämonisierung Russlands Einhalt zu gebieten.“

     

    Fazit: Ein wichtiges, aufschlussreiches Buch. Ich würde hier nicht von einer Leseempfehlung, sondern sogar von einer Leseverpflichtung sprechen.

    Kommentare: 2
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    Bellis-Perenniss avatar
    Bellis-Perennisvor einem Jahr
    Kurzmeinung: ein gelungenes Sachbuch, das gut informiert - zu Recht ein Bestseller!
    „audiatur et altera pars“ - man höre auch Russlands Darstellung der "Eiszeit"

    Zwischen Russland und dem Westen herrscht Eiszeit. Es vergeht kaum ein Tag ohne eine neue Horrornachricht aus dem "Reich des Bösen" – Mit diesen Worten beginnt die Vorstellung des Buches von Gabriele Krone-Schmalz. Doch wer ist der „Böse“?

    Putins Russland oder vielleicht doch der von den USA in die Irre geführte Westen?

    Messerscharf analysiert die Autorin, die lange Zeit in Russland gelebt hat, die Probleme die Ost und West miteinander haben. Sie legt, wie Puzzleteile, die fehlenden Teile auf den Tisch, und siehe da, auf einmal erscheinen die Handlungen Russlands logisch und nicht so verwerflich. Oft reagiert Putins Russland nur auf eine nicht abgestimmte Aktion des Westens.

    Ich finde es echt stark, Russland in einige geopolitische Maßnahmen in der Region einfach nicht einzubinden, es vor vollendete Tatsachen zu stellen und die (nachvollziehbare) Reaktion als Aggression darzustellen.
    Siehe hierzu Kapitel „Wer bedroht wen?“ In dem vor allem die Nato-Osterweiterung, die ohne Russland erfolgt(e) an den Pranger gestellt wird. Das Verhalten des Westens erzeugt natürlich tiefes Misstrauen bei den Russen.

    Wir erfahren einiges über die Konflikte rund um Syrien, der Ukraine oder Georgien, das uns bislang von westlichen Medien bewusst (?)vorenthalten wurde. Um hier mehr Verständnis aufbringen zu können, werden wir sachlich, penibel und durch (teils geheime) Dokumente in die Vorgeschichte(n) der diversen Konflikte eingeführt.

    Die Autorin scheut sich auch nicht, hochrangige Politiker wie McCain und Hilary Clinton anzugreifen, die mit massiven Geldflüssen in der Ukraine gezündelt haben und zur Destabilisierung der Region beigetragen haben.

    Auch einige Medien kommen gar nicht gut weg, weil sie einseitig und unfair berichten. Dies wird vielen Bespielen gut dokumentiert. So wird der, in den westlichen Medien zum „Helden“ hochstilisierte, Alexei Nawalny auch ein wenig entzaubert.

    Gut gefällt mir, dass die Leser die Chance bekommen, sich ihre eigenen Antworten auf diverse Fragen zu geben.

    Gabriele Krone-Schmalz bietet dem interessierten Leser auch Lösungen an, wie aus diesem Teufelskreis auszusteigen wäre.

    „Auch heute befinden sich die NATO und Russland wieder in einer Eskalationsspirale. Gegenseitige fehlerhafte Annahmen über die Absichten des jeweils anderen spielt dabei eine große Rolle. Wohin soll das führen? Ist es wirklich unvermeidlich, dass sich Spannungen immer weiter hochschaukeln? Mit allein damit verbundenen Risiken, bis hin zur versehentlichen Vernichtung der Welt durch einen Atomkrieg, den zwar keine Seite wirklich will, der aber durch eine Verkettung unglücklicher Umstände eben doch möglich ist.“ (S. 228)

    Oder gleich auf der nächsten Seite

    „Wollen wir wirklich darauf vertrauen, dass auch diesmal wieder irgendwie alles gut geht? Nehmen wir an, Putin würde entsprechende erste Schritte auf den Westen unternehmen – wären wir überhaupt noch in der Lage, sie als solche zu erkennen? Und gibt nicht normalerweise der Klügere nach? Wir halten uns doch eindeutig für die Klügeren, die moralisch Überlegenen, oder nicht? Dann müssten die Schritte zur Entspannung eigentlich vom Westen ausgehen. Zumal er in den letzten Jahren agiert hat, während Russland reagierte.“ (S. 229)

    Die Autorin findet klare Worte und beschönigt nichts. Ihre Sprache ist deutlich, eindringlich, trotzdem besonnen und sachlich. Hier und da blitzt ein wenig der Schalk durch.

    Interessant ist, dass viele Politiker, die Sanktionen gegen Russland als verfehlt ansehen, aber sich nicht trauen, dies öffentlich zu machen und eine Abkehr von diesen Maßnahmen fordern.

    Fazit:

    Ich finde dieses Buch sehr aufschlussreich und gemäß dem Motto „audiatur et altera pars“ (Man höre auch die andere Seite.) gebe ich fünf wohl verdiente Sterne und eine klare Leseempfehlung!

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    Wedmas avatar
    Wedmavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Sachlich, informativ, tiefgründig, einfach großartig! 👍 Nr. 1 in diesem Polit.Herbst! Ein Augenöffner für viele. Ein Must read!
    Große Klasse! Ein must read in diesem polit. Leseherbst.

    „Eiszeit“ von Gabriele Krone Schmalz (GKS) habe ich sehr gern gelesen und empfehle weiter, insb. an diejenigen, die sich mit der Thematik noch nicht so intensiv auseinandergesetzt haben und ihre Meinung über Russland und damit verbundenen Konflikte aus Leitmedien erfahren. Für solche Leser kann das Buch zum Augenöffner werden, denn GKS füllt in ihrem Buch die Lücken aus, die die Meinungsmacher in den letzten Jahren durch ihre einseitige und fragmentierte Berichterstattung hinterlassen haben. Das Buch liefert viel mehr als man vermutet: Daten, Fakten, Hintergründe, Ursachen der Konflikte, Zusammenhänge, messerschafte Analysen uvm. Großes Kino.

    Die Art der Stoffdarbietung ist optimal: GKS schildert nicht nur die fehlenden Puzzleteilchen der Konflikte in Syrien, Ukraine, Georgien (Blitzkrieg 2008) usw., sie ergänzt das Erzählte durch Vorgeschichten, um die Lage verstehen zu können, durch Nennung von Russlands geopolitischen Interessen und damit verbunden Unsicherheiten und Risiken. GKS stützt zudem ihre Ausführungen auf zuverlässige Quellen, u.a. den Dokumenten der Wikileaks, die mal als secret eingestuft waren. So ergibt sich Gesamtbild der komplexen Situationen, die ihre Wurzeln in der Geschichte und der Politik haben.

    Im Kap. „Wer bedroht wen“ geht GKS auch auf die heutige angespannte Situation ein und führt bildhaft vor Augen, anhand konkreter Beispiele, die gefährliche Vorgehensweise des Westens, die seit geraumer Zeit praktiziert wird, z.B.: Russland wird in Sachen NATO-Osterweiterung oft vor beschlossene Tatsachen gestellt und so getan, als ob russische geopolitische Interesen nicht von Belang wären und nicht berücksichtigt werden müssten. So entsteht tiefes Misstrauen auf beiden Seiten, das bereits zu Konflikten und Auseinandersetzungen geführt hat und noch sehr gefährlich werden kann.

    GKS messerscharfen polit. Analysen, die Probleme aufs Korn nehmen und wie nebenbei vieles richtig stellen, haben mir viel Respekt abverlangt.

    GKS beschränkt sich aber nicht darauf, das Vorgehen des Westens zu kritisieren und die Dreistigkeit mancher Politiker vor Augen zu führen: Die mehr als fragwürdigen Machenschaften von McCain und H. Clinton sorgen dabei für manche brisante Informationen, u.a. wie viel USD an Steuergeldern in die Finanzierung des ukrainischen Konflikts und anderen „Demokratisierungsprozessen“ geflossen sind, uvm.

    GKS schlägt Lösungen, Auswege aus der heutigen Situation vor. Die Studie des Harvard Professors Stephen M. Walt stellt hier eine gute Grundlage dar. Sehr interessante Ausführungen, die vom Westen genau das Gegenteil der gegenwärtigen Handhabe der Beziehung zu Russland fordern.

    Nach jeder Ausführung eines Sachverhalts stellt GKS Fragen, um dem Leser die Chance zu geben, selbst die Schlüsse zu ziehen und zu eigenem, tieferen Verständnis der Lage zu kommen. Diese Fragen habe ich genossen! Stets auf den Punkt, manchmal mit einer Prise feiner Ironie. Großartig!

    Die dt Leitmedien kommen bei GKS nicht so gut weg: Sie schildert anhand von vielen konkreten Beispielen, wie diese durch ihre fetzigen Schlagzeilen und lückenhafte Schilderungen die ohnehin gefährliche heutige Situation anheizen und insg. die Hetze gegen Russland aktiv vorantreiben.

    Kostproben: „Bei uns besteht derzeit die Neigung, einen Teil der Geschichte zu erzählen und die Elemente wegzulassen, die nicht in das Bild vom Friedlichen Westen und vom aggressiven Russland passen. Wer aber die eigenen Handlungen unerwähnt lässt und nur die Reaktionen Russlands benennt, der verwischt Ursache und Wirkung und verfehlt den bereits erwähnten Erfahrungshintergrund, vor dem die russische Politik handelt. Wenn daher in diesem Buch die Aktionen des Westens im Vordergrund stehen, dann nicht deswegen, weil Russland lediglich das wehrlose Opfer westlicher Aktionen wäre…, sondern weil der andere Erzählstrang bei und viel zu oft überhaupt keine Berücksichtigung findet.“ S. 28.

    „Auch heute befinden sich die NATO und Russland wieder in einer Eskalationsspirale. Gegenseitige fehlerhafte Annahmen über die Absichten des jeweils anderen spielt dabei eine große Rolle. Wohin soll das führen? Ist es wirklich unvermeidlich, dass sich Spannungen immer weiter hochschaukeln? Mit allein damit verbundenen Risiken, bis hin zur versehentlichen Vernichtung der Welt durch einen Atomkrieg, den zwar keine Seite wirklich will, der aber durch eine Verkettung unglücklicher Umstände eben doch möglich ist.“ S. 228.

    „Wollen wir wirklich darauf vertrauen, dass auch diesmal wieder irgendwie alles gut geht? Nehmen wir an, Putin würde entsprechende erste Schritte auf den Westen unternehmen – wären wir überhaupt noch in der Lage, sie als solche zu erkennen? Und gibt nicht normalerweise der Klügere nach? Wir halten uns doch eindeutig für die Klügeren, die moralisch Überlegenen, oder nicht? Dann müssten die Schritte zur Entspannung eigentlich vom Westen ausgehen. Zumal er in den letzten Jahren agiert hat, während Russland reagierte.“ S. 229.

    GKS beschönigt nichts, die nennt die Dinge beim Namen, und was noch wichtiger, sie lässt nichts Relevantes aus: Ihre Schilderungen sind adäquat, differenziert, die Sachverhalte sind klar, logisch und leicht verständlich dargestellt, in einer aussagestärken, griffigen, knappen Sprache. Der Ton ist ruhig, besonnen, sachlich, auch bei all der Brisanz. Feine Ironie blitzt hier und dort durch. Herrlich.

    Zu dem in den Leitmedien zu einem Helden aufgebauten Nawalny gibt es auch Pikantes, was man sonst von den Meinungsmachern nicht erfährt. Da drängt sich die Frage auf: Unter der Berücksichtigung seiner stark nationalistischen Gesinnung, und vielen anderen weniger heldenhaften Dingen, ob das so gut wäre, wenn er nach vorn käme.

    Das letzte Kapitel ist auch toll:

    „Wenn Denken in Zusammenhängen als Verschwörungstheorie denunziert wird, wer will dann noch abseits vom politisch akzeptierten Mainstream selber denken und das dann auch noch sagen? Aber selber denken gehört zur Demokratie, sonst ist diese Etikettenschwindel.“ S. 258.

    „Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich zudem das journalistische Selbstverständnis gewandelt hat. Es geht nicht mehr in erster Linie darum zu informieren, sondern darum, die Menschen auf den „richtigen“ Weg zu bringen. Eine solche Haltung … scheint mir grenzwertig. Auf welches Recht könnten sich Journalisten in pluralistischen demokratischen  - und nicht diktatorisch geführten – Gesellschaften dabei berufen? … Demokratie ist auf ein breites Meinungsspektrum angewiesen und darauf, dass angstfreie Debatten möglich sind. Es ist ein Jammer, dass dieser Luxus einer Demokratie von zwei Seiten in die Zange genommen wird. Auf der einen wettern rechte Demagogen und hasserfüllte Wutbürger, auf der anderen intolerante Mainstream-Journalisten und überhebliche Expertokraten, die alles zu wissen meinen, in den letzte Jahren immer wieder spektakulär danebenlagen.“ S. 259.

    „Warum finden Bürger, die von den Sanktionen gegen Russland nichts halten und diese gerne abschaffen möchten, in den sogenannten etablierten Parteien keinen Resonanzboden, obwohl Einzelne dort die Sanktionen längst für eine fehlgeleitete Politik halten, sich aber nicht trauen, damit offensiv an die Öffentlichkeit zu gehen, weil sie sonst politisch kein Bein mehr auf die Erde bekämen?“ S. 261.

    Ein gutes Buch ist gut auf jedes Seite. Gut wäre hier aber eine glatte Untertreibung: Es ist ganz große Klasse. Ein klares must read in diesem polit. Leseherbst.

    Man muss kein Studium der Politikwissenschaften abgeschlossen haben, um diese Inhalte zu begreifen, jeder wird klarkommen, wer wissen will „Wie Russland dämonisiert wird und warum das so gefährlich ist.“

    Fünf wohl verdiente Sterne und eine klare Leseempfehlung!

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    NicoWeinards avatar
    NicoWeinardvor 6 Monaten

    Gespräche aus der Community zum Buch

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