Gabriele Tergit Käsebier erobert den Kurfürstendamm

(6)

Lovelybooks Bewertung

  • 9 Bibliotheken
  • 1 Follower
  • 0 Leser
  • 3 Rezensionen
(3)
(0)
(1)
(2)
(0)

Inhaltsangabe zu „Käsebier erobert den Kurfürstendamm“ von Gabriele Tergit

Die sensationelle Wiederentdeckung eines zeitgemäßen Klassikers
Berlin im Winter 1929: Ein Zeitungsreporter entdeckt in einem billigen Varieté den Volkssänger Käsebier. Um Eindruck in seiner Redaktion zu machen, schreibt er ihn zum Megastar hoch: Plötzlich pilgert auch die bessere Gesellschaft zu den Vorstellungen mit Hits wie "Mensch, ist Liebe schön" und "Wie soll er schlafen durch die dünne Wand", die Ufa will einen Film drehen, ein Bauunternehmer wittert das ganz große Geschäft. Doch wie lange kann der Rausch anhalten? Klarsichtig und bitterböse erzählt Gabriele Tergit vom irren Mechanismus eines Medienhypes, der auch fast 90 Jahre später nichts an Aktualität verloren hat.

Sensationsgier und Korruption - aktuell wie 1931

— Sigismund

Stöbern in Romane

Sieben Nächte

Dieses Buch spricht einer ganzen Generation aus der Seele.

Reisenomadin

Die Phantasie der Schildkröte

Eine Geschichte wie ein Märchen.

c_awards_ya_sin

Der Weihnachtswald

schöne Familiengeschichte mit einer märchenhaften Zeitreise rum um die Weihnachtszeit

Sun1985

Der Klang der verborgenen Räume

Als Debüt durchaus gelungen, doch mit einigen Schwächen und Dingen, die mich störten.

ConnyKathsBooks

Das weiße Feld

Die Geschichte einer Familie, insbesondere der Frauen dieser Familie, mit Bezug auf die Zeitgeschichte

Magicsunset

In einem anderen Licht

Für alle Fans des Themas

Faltine

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Sensationsgier und Korruption - aktuell wie 1931

    Käsebier erobert den Kurfürstendamm

    Sigismund

    12. November 2017 um 16:30

    Faszinierend aktuell ist noch heute der Roman "Käsebier erobert den Kurfürstendamm" von Gabriele Tergit, der jetzt im Oktober beim btb-Verlag als Taschenbuch erschien. Doch stammt der gesellschaftskritische Bestseller der bekannten Berliner Journalistin und ersten deutschen Gerichtsreporterin schon aus 1931, wurde erst 1975 wiederentdeckt und seitdem alle paar Jahre neu aufgelegt. In ihrer Satire beschreibt Gabriele Tergit äußerst facettenreich und detailgenau das Leben und Treiben im Berlin des Jahres 1929. Es geht um die wachsende Macht der Medien und die zerstörerische Macht des Geldes mit gleichzeitigem Niedergang von Ehre und Moral, Anstand und Bildung. Aus Mangel an interessanten Meldungen veröffentlicht Redakteur Gohlisch in der Berliner Rundschau einen Artikel über einen eigentlich talentlosen Varieté-Künstler namens Käsebier. Andere Zeitungen stürzen sich aufs Thema und pushen Käsebier schnell zum Superstar hoch. Sofort greift das Merchandising: Es gibt Käsebier-Gummipuppen, Käsebier-Staubtücher, Käsebier-Zigaretten, Käsebier-Schuhe und mehr. Käsebier singt auf Schallplatte, es folgt ein UFA-Film und sogar ein Singspiel. Alle Branchen wollen teilhaben an Käsebiers Erfolg. Doch nicht Käsebier ist die Hauptperson in Tergits Roman, sondern die auf dem Vulkan tanzende Berliner Gesellschaft kurz vor dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise und der nachfolgenden Nazi-Herrschaft. Es ist das letzte Jahr der angeblich so Goldenen Zwanziger. „Geist? Wer will Geist? Tempo, Schlagzeile, das wollen die Leute. Amüsement, jeden Tag eine andere Sensation, groß aufgemacht", stellt Redakteur Gohlisch fest. In kurzen Sätzen und noch kürzeren, oft Gedanken überspringenden Dialogen zeigt Tergit die Schnelllebigkeit, die Suche nach Sensationen, zugleich aber oft geistlose Oberflächlichkeit des alt- und neureichen Berliner Großbürgertums bei Hausgesellschaften und Premieren. Bankier Muschler steht kurz vor der Pleite, aber mit Frau Gemahlin fährt er - der Schein muss gewahrt bleiben - wieder nach Cannes, wozu er Kundengelder verurtreut. Muschler und der korrupte Bauunternehmer Otto Mitte ("Ein bißchen korrupte Genialität ist besser als korrekte Unfähigkeit.“) wollen ihr Stück vom Käsebier-Hype und bauen am Kurfürstendamm einen Komplex mit Theater, Läden und überteuerten Wohnungen. Doch Käsebiers künstlich geschaffener Stern sinkt, der Superstar erweist sich als Luftnummer. Die Käsebier-Gummipuppe wird von der Gummi-Mickeymaus abgelöst. Die Weltwirtschaftskrise gibt den Rest. Die Unternehmer retten ihr Vermögen ("Es war eben viel bequemer, mit Schulden in die Schweiz zu ziehen als zu verarmen."), die Mittelschicht und die Kleinen verlieren es. Es kommt zu Zwangsversteigerungen: Berlin wird verramscht. "Hat nichts Bestand? Ist alles Mist, was wir gemacht haben?" fragt sich Geheimratstochter Kohler. Redakteur Gohlisch verkürzt folgerichtig seinen jahrelang gebrauchten Standardgruß "Heil und Sieg und fette Beute!" zeitentsprechend in „Heil und Sieg!" und ergänzt "Fette Beute gibt’s nicht mehr.“ Es ist überraschend und zugleich beängstigend, wie aktuell Tergits Roman noch heute ist. An vielen Stellen gefriert einem das Lachen im Gesicht. Die Zeiten ändern sich, wir Menschen anscheinend nicht. Ich kann diesen Roman unbedingt empfehlen!

    Mehr
  • Grandios und erschreckend aktuell

    Käsebier erobert den Kurfürstendamm

    Himmelfarb

    23. June 2016 um 18:25

    Auch wieder so eine Ungerechtigkeit der Geschichte... Gabriele Tergit war eine große Schriftstellerin, aber die Zeit ist über sie hinweggegangen. Schön ist aber, dass ihr bahnbrechender Roman "Käsebier erobert den Kurfürstendamm", in einer wunderschönen Neuausgabe wieder erhältlich ist. Die neue Sachlichkeit in der Literatur der Weimarer Republik, hat viele bedeutende Romane hervorgebracht, u.a. von Erich Kästner, Hans Fallada oder Irmgard Keun, die, Gott sei Dank, alle wieder aufgelegt wurden. Gabriele Tergit fristete, im Gegensatz zu den Kollegen, immer ein Schattendasein - völlig zu Unrecht! Was konnte diese Frau schreiben! Der Rhythmus, der Ton, der Realismus, die dreckige Poesie sind einfach großartig. Auch ihre Figuren - und es sind viele in diesem Roman - könnten entlarvender, teils karikierend, wahrhaftiger, sympathisch wie unsympathisch, nicht sein. Berlin als Schauplatz, wie immer umwerfend. Was aber das eigentlich erschreckende ist, ist die Tatsache, daß die politischen und sozialen Umstände, welche im Roman beschrieben werden, mit den Heutigen absolut identisch sind. Insofern ist dieses Werk auch heute noch wichtig!

    Mehr
    • 3
  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

    Mehr
    • 2951
  • Von nun an ging's bergab

    Käsebier erobert den Kurfürstendamm

    JoBerlin

    13. June 2016 um 21:16

    Gabriele Tergit , Journalistin und Schriftstellerin (1894 – 1982), schildert in ihrem Roman “Käsebier erobert den Kurfürstendamm“, das Lebensgefühl am Ende der Weimarer Republik. Ihre Protagonisten entstammen ihrem eigenen beruflichen Milieu, es sind die Zeitungsmacher, die Redakteure, Schriftsetzer, Drucker, denen ihr besonders Interesse, ihre Zuneigung gilt. Der Tonfall trifft dabei genau den Berliner Jargon: Schnodderig und großmäulig, man “roch diese Luft aus Freiheit, Frechheit und Benzin” - Großstadt eben. Doch “Berlin ist keine schicke Hauptstadt, wie Paris oder Rom oder London[…], nach Berlin kommt man vom Osten, um eine Stellung zu finden, um zu filmen, um zu malen, um Musik zu machen“. Um Musik zu machen kommt auch Käsebier, er singt einfache, volksnahe Berliner Lieder, doch die Journaille, immer am Puls der Zeit – schnellschnell die Zeilen hingekloppt , unter Druck in den Druck - stets um die Schlagzeile der Entdeckung eifernd, stilisiert ihn zum Chansonnier, hebt ihn zum Star empor, um ihn später genauso flott wieder fallenzulassen. Die Autorin gibt mit ihrer Sprache Tempo, Unrast, Oberflächlichkeit dieser Zeit um 1930 äußerst gelungen wieder. Technik, Kultur und Gesellschaft entwickeln und ändern sich rasant. Und wo Frauen eben erst für Wahlrecht und Universitätszugang kämpften, geben sie sich nun sehr selbstbewusst, kleiden sich à la mode im Garçonne-Stil und haben ein Verhältnis oder zwei. Doch definieren sie sich über Männer und deren Prestige und Einkommen, wirklich wirtschaftlich unabhängig sind sie nicht. Zwar sind auch andere gesellschaftliche Änderungen wahrnehmbar, jüdische Geschäfte verschwinden, der eine oder andere verlässt Berlin und Deutschland, es gibt hohe Arbeitslosigkeit, die eine gnadenlose hire-and-fire-Mentalität begünstigt – doch noch singt und lacht man mit Käsebier, glaubt mit Fleiß und Sparsamkeit sei alles irgendwie zu schaffen, und taumelt so mit geschlossenen Augen dem Abgrund entgegen, denn bald schon wird die schöne Glitzerwelt im braunen Morast versinken. So ist der Roman um den gescheiterten Käsebier zugleich ein eindrucksvolles Zeitdokument, das – lockerleicht in Stil und Sprache – die feinen Risse und dann die tiefen Brüche offenlegt, die – vor lauter Leben kaum bemerkt – zum Untergang der Demokratie, des Bürgertums und der Stadt führen sollten.

    Mehr
    • 3
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks