Sein UND Zeigen, wer man wirklich ist
„Lügen haben kurze Beine“, heißt sein altes Sprichwort.
Das am Ende eher dazu diente, Angst zu verbreiten und ja eben ja nicht zu lügen, denn es stand zu befürchten, fast mit völliger Sicherheit, schon bald danach „entblößt“ vor der Welt zu stehen und seiner (harten) Strafe dann entgegensehen zu müssen.
Doch zum einen stimmt das alte Sprichwort nicht. Genügend mächtige und reiche Menschen dieser Welt zeigen seit Jahrhunderten, dass es gerad zu fast umgekehrt ist. Die dreistesten Hochstapler und Lügner, jene, die beständig die Wahrheit professionell fast verdrehen, sind sich nicht selten ganz oben anzutreffen.
Aber aus einer anderen Perspektive heraus, die dieses Buch in verständlicher und wohltuender, aber auch argumentativ überzeugender Weise einnimmt, stimmt das Sprichwort dort. Denn wer lügt, weil er oder sie mein, dass nicht mitgehalten werden kann im Vergleich zu den anderen, wer meint, für sich wichtige Dinge nur „heimlich“ und unter Vorspiegelung falscher Tatsachen auf der Basis von Lügen erlangen zu können, wer die eigene Person gar aus Angst und Zweifeln hinter einem Lügengeflecht versteckt, dem oder der köntne man sagen:
„Am Ende nimmst Du Dich Dir selber weg“. Oder, griffig formuliert, irgendwann ist man einfach zu alt, sich ständig hinter „Hecken zu verstecken“.
Weil, auch das betont Wimmler deutlich und klar: Sich selbst entfalten. Die eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Bereit zu sein, mit dem Strom des eigenen lebens zu gehen und nicht zwanghaft aus Angst verharren zu müssen, all das geht nur, wenn man sich selbst gegenüber (und nach draußen zumindest immer weniger) lügt.
Lots Frau in der Bibel, die erstarrt, weil sie keine Veränderung erträgt und ständig zurückschaut ist da nur eine der zig alten Geschichten, die diese Wahrheit des Lebens aufnehmen.
Carl Rogers, der Begründer der Gesprächspsychotherapie, legte als einer der Grundlagen seiner Methode die Erkenntnis, dass die Persönlichkeit unter ständigem Drang steht, sich „selbst zu aktualisieren“, ins ich selbst je auf der Höhe seiner Person zu sein. Was eben auch nur geht, wenn es „echt“ ist und nicht, wenn es ein „Image“ nur darstellt, gelogen ist.
„Das größte Wunder bist Du selbst“. So setzt es Wimmler auf den Punkt als Motto im Buch.
Und führt den Leser und die Leserinnen einfühlsam auf den Weg. Dass ein schlechter Selbstwert viele Gesichter hat, in Beruf und Privatleben und dies nicht angemessene und „schöne“ Gesichter hervorbringt. Dass am Ende mit einem tatsächlich „gemacht wird, was man mit sich machen lässt“. Und je mehr man „mit sich machen lässt“, desto mehr schadet es der eigenen Person, wenn es nicht aus Überzeugung und freier Entscheidung geschieht.
Was im Übrigen im Werk selbst nie als Kritik oder Tadel formuliert wird, sondern als einfache Ursache-Wirkung folgen sich darstellt, wie ebenso in der Lektüre für den Weg motiviert und auf den weg gebracht wird, was eine Veränderung hervorbringen könnte. Und zwar, recht betrachtet, als einzige Möglichkeit:
„Vom wunden Punkt zum Wendepunkt“.
Auch wenn es zunächst schmerzt, die Erkenntnis seiner selbst und seiner Lügen, das ist der „wunde Punkt“. Ab dem dann aber „Heilung“ spürbar beginnen kann (und wird).
Wimmler verniedlicht nicht und behauptet nicht, kurz lesen und dann geht’s aber schon los, aber folgt man ihren Ausführungen stellt sich in verständlicher Weise deutlich dar, dass es möglich und tatsächlich für das eigene Lebensglück notwendig ist, der Welt zeigen zu können, „wer man wirklich ist“.




