Gabriella Wollenhaupt , Friedemann Grenz Blutiger Sommer

(4)

Lovelybooks Bewertung

  • 5 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 2 Rezensionen
(1)
(3)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Blutiger Sommer“ von Gabriella Wollenhaupt

Berlin 1846: Rachel Grünblatt und ihr Mann Justus von Kleist werden Zeuge, wie eine Achtzehnjährige massiv bedroht wird, und schlagen den Mann in die Flucht. Haben sie das Allerschlimmste verhindert? Denn im Scheunenviertel geht derzeit ein Mörder um, der Frauen regelrecht abschlachtet. Justus von Kleist steht deswegen als leitender Ermittler gehörig unter Druck. Dennoch weigert er sich, einen jüdischen Metzgergesellen in Haft zu nehmen. Der verfügt zwar über die anatomischen Kenntnisse, die der Mörder zweifellos haben muss, aber er hat ein Alibi. Das schert Polizeipräsident Eugen von Puttkamer und die königstreuen Vaterländischen Vereine wenig – sie wollen einen jüdischen Schuldigen, um die mächtigen Salonjuden, die bei Hof verkehren, zu diffamieren. Kleist wird suspendiert. Als eine junge Adelige Opfer des grausamen Mörders wird, veranlasst König Friedrich Wilhelm IV., dass Kleist wieder eingesetzt wird. Der erfährt nun, dass der Täter auch in anderen Städten eine blutige Spur hinterlassen hat, und stellt ihm eine Falle. Nicht ahnend, dass er damit Rachel in tödliche Gefahr bringt …

Stöbern in Historische Romane

Das Ohr des Kapitäns

Phenomenal!

KristinSchoellkopf

Die Legion des Raben

Eine geniale Fortsetzung von "Fortunas Rache" - fesselnd bietet das Buch einen Einblick in das Leben von Sklaven im Röm. Reich

Bellis-Perennis

Schwert und Krone - Meister der Täuschung

Rundherum gelungen würde ich zusammenfassend sagen, ich bin schon extrem neugierig, wie die Geschichte weitergeht.

HEIDIZ

Nachtblau

Ein etwas flacher Roman

Melli274

Belgravia

Ich finde das sollten Fans von Downton Abbey gelesen haben

Kerstin_Lohde

Die letzten Tage der Nacht

Hat mich von der ersten bis zur letzten Seite fasziniert. Ein Werk, das ich nicht so schnell vergessen werde

HarIequin

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Blutiger Sommer: Historischer Kriminalroman" von Gabriella Wollenhaupt

    Blutiger Sommer
    marion_gallus

    marion_gallus

    12. November 2012 um 18:37

    Nach einem Ausflug an die Havel lesen Polizeiermittler Justus von Kleist und seine schöne Ehefrau Rachel eine verängstigte, durchnässte, nur noch im Unterkleid bedeckte junge Frau auf. Sie berichtet, dass am Ufer ein ihr unbekannter Mann lauerte, der ihre Kleider wegnahm. Sie ist vor lauter Angst, trotz Gewitter, wieder ins Wasser gesprungen und fortgeschwommen. Die von Kleists nehmen Jette Wehner zunächst einmal mit nach Hause, versorgen sie mit warmen Getränken, trockener Kleidung und beruhigen die junge Frau. Polizeidirektor von Kleist verspricht der Sache nachzugehen. Doch bei diesen nicht ganz so dramatischen Arten von Verbrechen soll es in diesem Sommer 1846 in Berlin nicht bleiben. Im Scheunenviertel wird die verstümmelte Leiche einer jungen Prostituierten gefunden. “Soldaten-Jule” wurde regelrecht abgeschlachtet. Relativ kurz danach wird die Leiche eine weiteren jungen Frau gefunden, die Leiche weist die gleichen Verstümmelungen auf. Recht schnell gerät ein jüdischer Metzgerlehrling in Verdacht, läuft er doch bei der Vernehmung durch die Polizisten davon. Justus von Kleist ist von seiner Unschuld überzeugt, er sieht den Grund zur Flucht des jungen Mannes in einer anderen Ursache. Doch auch wenn er dies umfassend in seinem Bericht an den Polizeipräsidenten zu Papier gibt, will dieser nichts davon hören. Denn diesem, Eugen von Puttkamer, kommt der jüdische Verdächtige gerade recht. Er will den Jungen unbedingt verhaftet wissen, denn dass ein Jude der Schuldige ist, dass passt ihm im Hinblick auf seine weitere politische Laufbahn nur zu gut ins Konzept. Auf die Juden in Berlin hat er es offensichtlich abgesehen, dass macht er Justus von Kleist unmissverständlich klar, spielt auch in Gesprächen abwertend auf dessen schöne jüdische Ehefrau Rachel an, die Justus von Kleist angeblich bewusst in der Villa in Potsdam versteckt hält. Das stimmt jedoch nicht, denn Rachel fühlt sich genau dort sehr einsam und nutzlos. Sie möchte etwas erleben, will die Stadt sehen, irgendetwas Sinnvolles tun. Hier ist Rachels heller Geist dann einige Zeit später der Grund, dass sie eine Aufgabe erhält. Sie beginnt Artikel für die Vossische Zeitung zu schreiben, die nicht nur gut ausformuliert sind, sondern auch einen gewissen Tiefsinn erkennen lassen und Dinge bewirken. Außerdem ist Rachel absolut interessiert an der Ermittlungsarbeit ihres Mannes. Immer öfter besucht sie ihn während der Arbeitswoche in der Stadt, bleibt sogar über Nacht in der Dienstwohnung. So ganz wohl ist Justus von Kleist nicht dabei, auch wenn er sehr gerne seine Frau um sich hat. Denn die Morde des vergewaltigenden Schlächters mehren sich und die neusten Opfer sind nicht mehr nur in der unteren Schicht der Bevölkerung anzutreffen. Desweiteren werden nun Briefe bei den Opfern gefunden, die erschreckende Hinweise auf eine schöne, schwarze Frau mit wachem Geist geben: Rachel von Kleist …. *** Dieser historische Roman ist von zwei Autoren geschrieben worden und ich weiß nie, wie bei solchen Autoren-Duos die Arbeit vonstatten geht. So auch hier nicht. Ob der eine die Kapitel schreibt, der andere seine Arbeit durch Überarbeitungen einfließen lässt? Wechseln sie sich ab? Dann müssten sich meiner Meinung nach die Kapitel unterschiedlich lesen. Bei dem Schreibstil in diesem Roman hatte ich irgendwie das Gefühl, dass der eine das Schreiben des erzählerischen Handlungstextes und der andere die wörtlichen Reden übernommen hat. Mag sein, dass es natürlich nicht so ist, doch ich möchte diesen Eindruck kurz begründen. Die Texte, in denen erzählt wird sind recht einfach, kurz und knapp geschrieben. Die Sätze sind selten lang oder verschachtelt. Wenn jedoch die Charaktere sprechen, sich unterhalten, dann wird es viel lebendiger und der Schreibstil las sich für mich ansprechender, besser. Dieser Roman hat eine kleine Besonderheit, die wohl öfters verwendet wird, mir aber noch nicht bekannt war. Über jedem Kapitel steht der Inhalt in zwei, drei kurzen, wie es scheint völlig zusammenhanglosen Sätzen. Habe ich dann das Kapitel gelesen, dann waren die „Stichworte“ zu Beginn nicht zusammenhanglos, sondern allesamt logisch und verständlich. Diese Technik hat mir sehr gut gefallen. Die Stimmung im Berlin um 1846 kam gut rüber und ich habe mich dort wohl gefühlt. Einige Orte und Stellen gibt es natürlich heute noch, die ich auch erkannt habe. Die Beschreibung der Ermittlungsmethoden der damaligen Zeit fand ich auch gut. So gab es seinerzeit bereits Hinweise darauf, dass die Polizisten es damals schon unmöglich fanden, dass Tatorte nicht ausreichend abgesichert wurden, um jede Spur zu bewahren. Es wurden außerdem schon Fasern unter Mikroskopen untersucht und ausführliche Obduktionen an den Toten vorgenommen. Sicherlich dem heutigen Standard um Längen entfernt, jedoch waren bereits eine Menge ausführlicher Untersuchungen Standard. Was ich auch interessant fand war, wie der Rechtsmediziner Johann Ludwig Caspar in seinen Gesprächen mit Justus von Kleist bereits damals erstklassige Profiler Methoden angewendet hat. Neben dem erwähnten Rechtsmediziner Caspar sind mehrere Figuren in der Handlung reale Personen, die im Anhang des Buches noch einmal gesondert aufgeführt werden. Die Mischung aus historischen und fiktionalen Personen ist gut gewählt. Die beiden Protagonisten Rachel und Justus von Kleist empfinde ich als sehr gut gelungen und charakterlich gut ausgearbeitet. Der Umgang der beiden mit Bediensteten und Untergebenen war stets respektvoll und menschlich. Doch auch – oder vorallem – wie das Paar miteinander umging war sehr liebevoll und nahe beschrieben. Es hat einfach Freude bereitet, den beiden bei ihren privaten und ermitterischen Unterhaltungen „zuzuhören“. Der Verlag präsentiert diesen historischen Krimi im typischen schlichten grafit-Taschenbuchdesign. Viel schwarz, ein dezenter Schriftzug, darüber das Bild einer schwarzhaarigen Frau, das vielleicht Rachel von Kleist darstellt. Mich spricht es an, die schlichte Art und Weise der Taschenbücher finde ich gut gelungen. Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für einen historischen Krimi, der interessante Einblicke in das Leben des damaligen Berlin sowie die Ermittlungs- und Untersuchungsmethoden im Jahre 1846 gibt. Die Handlung ist nicht dramatisch spannend, fesselt aber dennoch. Der Schreibstil war knapp und schlicht, wobei hier die wörtlichen Reden Lebendigkeit in die Handlung bringen. Herzstück des Romans sind sicherlich das Ehepaar von Kleist. Leser, die ruhige Krimis mögen und außerdem noch gerne in alten Zeiten unterwegs sind, kommen hier gewiss auf ihre Kosten. © Buchwelten 2012

    Mehr
  • Rezension zu "Blutiger Sommer" von Gabriella Wollenhaupt

    Blutiger Sommer
    Klusi

    Klusi

    10. November 2012 um 15:12

    Im Sommer 1846 sorgen in Berlin zwei Verbrechensserien für Aufruhr. Im Scheunenviertel wird eine junge Frau auf brutale Weise ermordet und zerstückelt. Es bleibt nicht bei diesem einen Gewaltverbrechen, sondern es folgen weitere Morde, alle ziemlich nach dem gleichen Schema. An der Havel lauert in dieser Zeit häufig ein Fremder jungen Frauen und Mädchen auf und jagt ihnen Angst ein. Auch Berichte über Notzuchtverbrechen werden laut. Jette Wehner, eine junge Näherin, kann dem Vergewaltiger nur entkommen, weil sie eine gute Schwimmerin ist. Ihre Kleider muss sie am Flussufer zurücklassen. In der Kutsche, die sie in ihrer Not anhält und die Insassen um Hilfe bittet, sitzen zufällig der Kriminalermittler Justus von Kleist und seine schöne Gattin Rachel. Die beiden nehmen sich der verstörten jungen Frau an. Als ein jüdischer Metzgergeselle in Tatverdacht gerät, passt dies gut mit den politischen Vorstellungen des Polizeipräsidenten Puttkamer zusammen. Um die Angelegenheit möglichst schnell abzuschließen, ist er nicht gewillt, gründlichere Ermittlungen durchzuführen, auch hat er keine hohe Meinung von den Juden, und für ihn steht der Schuldige bereits fest. Von Kleist ist jedoch von der Unschuld des jungen Metzgers überzeugt. Als er meint, eine gute Möglichkeit gefunden zu haben, den wirklichen Schuldigen zu überführen, bringt er dabei seine eigene Frau in große Gefahr. Auch der Vergewaltiger ist in der Zwischenzeit nicht untätig und belauert sein aktuelles Opfer. Die Mordfälle, die Berlin in Aufruhr bringen, lassen selbst abgehärtete Polizeibeamte nicht kalt, denn die Toten sind durchwegs junge Frauen, die nicht nur umgebracht, sondern regelrecht abgeschlachtet wurden. Es ist nicht leicht für die Ermittler, denn sie finden am Tatort schreckliche Bilder vor. Damit nicht genug müssen Justus von Kleist und seine Kollegen auch noch ins Leichenhaus der Charité, um an den Obduktionen teilzunehmen. Sehr bald läuft alles aus dem Ruder, denn der Polizeipräsident hat seine eigenen Vorstellungen von der Abwicklung der Mordfälle, und er duldet keinen Widerspruch. Kurzerhand beurlaubt er von Kleist. Blutiger Sommer ist ein sehr gelungener, außerordentlich fesselnder historischer Kriminalroman, mit ernster Handlung, die jedoch häufig feinen Humor durchblicken lässt, der manchmal auch ein wenig ironisch angefärbt ist. Bei diesem neuen Buch des Autoren-Ehepaars Wollenhaupt/Grenz dürfen sich die Leser auf eine spannende Handlung freuen, deren Ablauf scharfsinnig angelegt ist und die mit geistreichen Protagonisten aufwarten kann. Einige bekannte, damals reale Zeitgenossen werden ebenfalls erwähnt oder nahtlos in den Verlauf der Geschichte eingebunden. Mit viel Zeit- und Sozialkolorit sind die politische Situation, die Atmosphäre Berlins im Vormärz und auch die Lebensbedingungen der Armen im Scheunenviertel sehr anschaulich dargestellt. Man kann sich geistig gut in das beschriebene Milieu versetzen und rätselt automatisch mit, ob es sich bei den Morden und Vergewaltigungen um die Aktionen mehrerer Täter handelt, oder ob die ganzen Untaten einem einzigen Verbrecher zugeschrieben werden müssen. Beachtenswert und originell sind die kurzen Zusammenfassungen, die jedes Kapitel als Überschrift einleiten. Hier kann man wunderbar spekulieren, was sich hinter den knappen Bemerkungen verbirgt und in welcher Form sie in die Handlung einfließen. Das Buch bietet ausgezeichnete Krimikost und wird zugleich auch viele Liebhaber historischer Romane ansprechen.

    Mehr