Die Rückkehr der Störche

von Gabrielle C. J. Couillez 
4,2 Sterne bei9 Bewertungen
Die Rückkehr der Störche
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anfangs etwas langatmig, aber durchaus lesenswert!

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Das Leben des Naturforschers Wilhelm Schimper - gut erzählt!

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Inhaltsangabe zu "Die Rückkehr der Störche"

Georg Wilhelm Schimper stammt aus einem alten, in den Napoleonischen Kriegen verarmten Adelsgeschlecht. Sein Vater, ein leichtsinniger Offizier, lässt die junge Ehefrau mit zwei Kindern sitzen und verursacht damit deren ständige existenzielle Notlage, die bei der jungen Frau fortschreitend zur Schwermütigkeit führt. Da sie der beiden Jungen zudem nicht Herr wird, muss der lebhaftere der beiden, Wilhelm, nach Nürnberg zur mütterlichen Verwandtschaft, wo er aufwächst und ein Handwerk lernen soll. Karl, der ältere, darf in Mannheim bleiben, die höhere Schule besuchen und studieren.

Wilhelm leidet sehr unter der Trennung, legt aber nach einigen Wirrungen erfolgreich seine Gesellenprüfung ab und darf endlich zurück nach Mannheim. Da er dort aufgrund der völlig anderen wirtschaftlichen Strukturen in seinem erlernten Handwerk keine Anstellung finden kann, tritt er in die Fußstapfen seines Vaters und geht als Offiziersanwärter zum Militär, was der Familie wenigstens ein minimales Auskommen ermöglicht. Doch die Beschränktheit der eigenen Entfaltungsmöglichkeiten, der ständige familiäre und finanzielle Druck lässt in ihm, trotz Ablenkung durch amouröse Abenteuer, erkennen, dass sein Lebensziel ein ganz anderes sein muss. Er bricht mit allen Konventionen und gibt seinem Hunger nach Freiheit, Wissen und Liebe Raum…

Ein hochinteressanter Roman über einen Kurpfälzer Naturforscher und Reisenden, der in der nachnapoleonischen Zeit mit den aufstrebenden bürgerlichen Freiheitsbewegungen und den harschen Gegenbewegungen der herrschenden Klasse verortet ist. Ein Spiegel der Gesellschaft und Geschichte auch unserer Heimat im frühen 19. Jahrhundert.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783864760969
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:352 Seiten
Verlag:Waldkirch Verlag
Erscheinungsdatum:14.11.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Aischas avatar
    Aischavor 5 Monaten
    Kurzmeinung: anfangs etwas langatmig, aber durchaus lesenswert!
    Jugendjahre eines Naturforschers zu Zeiten des Biedermeier

    Das Buch hat es mir anfangs nicht leicht gemacht. Weniger wegen der zahlreichen wörtlichen Reden im badischen bzw. fränkischen Dialekt - im Gegenteil, das wirkt sehr authentisch und erfrischend auf mich. Aber die ersten Kapitel sind voller Längen und Wiederholungen: Wilhelm unterstützt nicht nur seine verarmte und dem Alkohol verfallene Mutter, sondern auch seinen älteren Bruder Karl immer wieder finanziell. Er fühlt sich so sehr für das Wohl der Familie verantwortlich, dass er seine eigene Leidenschaft für die Naturwissenschaften hintenan stellt und nach der Drechslerlehre zunächst zum Militär geht.

    Seite um Seite lesen zu müssen, wie Wilhelm ausgenutzt wird und leidet hat es mir sehr schwer gemacht, den Roman zu genießen. Aber mein Durchhaltevermögen wurde belohnt: Denn im letzten Drittel nimmt die Geschichte deutlich an Fahrt auf. Ein verständnisvoller Vorgesetzter ermöglicht Wilhelm das Studium. Er kann auf abenteuerliche Forschungsreise durch Europa gehen und lernt echte Freundschaft kennen. Nur mit der Liebe hat er weiterhin kein Glück.
    Autorin Couillez hat für den vorliegenden Roman umfangreich recherchiert, das merkt man unter anderem an den zahlreichen fundierten Details zu Zeitgeschehen, gesellschaftlichen Verhältnissen und Kultur. Die Sprache ist anspruchsvoll und unterhaltsam zugleich.
    Ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzung und vergebe 3,5 Sterne.

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    abetterways avatar
    abetterwayvor 6 Monaten
    Die Rückkehr der Störche

    inhalt:
    "Georg Wilhelm Schimper stammt aus einem alten, in den Napoleonischen Kriegen verarmten Adelsgeschlecht. Sein Vater, ein leichtsinniger Offizier, lässt die junge Ehefrau mit zwei Kindern sitzen und verursacht damit deren ständige existenzielle Notlage, die bei der jungen Frau fortschreitend zur Schwermütigkeit führt. Da sie der beiden Jungen zudem nicht Herr wird, muss der lebhaftere der beiden, Wilhelm, nach Nürnberg zur mütterlichen Verwandtschaft, wo er aufwächst und ein Handwerk lernen soll. Karl, der ältere, darf in Mannheim bleiben, die höhere Schule besuchen und studieren."

    Meinung:
    Ein sehr guter, interessante Erzählung. Sehr gut recherchiert und ausführlich erzählt.
    Eine außergewöhnliche Geschichte welche einen gut unterhaltet und durch den flüssigen und leichten Schreibstil fliegt man durch das Buch.

    Fazit:
    Sehr interessant erzählt.

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    mabuereles avatar
    mabuerelevor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Das Leben des Naturforschers Wilhelm Schimper - gut erzählt!
    Das Leben des Wilhelm Schimper

    „...Geduld ist die Spanne zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, sinniert er über seine Situation...“

    Wir schreiben den letzten Tag des Jahres 1817. Wilhelm lebt bei der adligen Verwandtschaft seiner Mutter. Lieber wäre er allein, um den Brief seines Bruders Karl lesen zu können. Wilhelm sehnt sich nach seiner Familie. Doch der Vater ist in Russland. Von ihm kommt weder Geld noch Nachricht. Die Mutter ist froh, dass sie einen Sohn versorgt weiß.

    Die Autorin hat einen abwechslungsreichen historischen Roman geschrieben. Im Mittelpunkt stehen die Brüder Karl und Wilhelm Schimper.

    Während Karl studieren darf, lernt Wilhelm ein Handwerk. Dabei ist Wilhelm der Strebsamere von beiden. Karl kann zwar gut reden und Menschen für sich einnehmen, bekommt aber selten etwas auf die Reihe.

    Der Schriftstil des Buches lässt sich gut lesen. Geschickt fügt die Autorin in das Geschehen den Briefwechsel der beiden Brüder ein. Während Wilhelm Hochdeutsch spricht, werden große Teile von Karls Part in schwäbischer Mundart wiedergegeben.

    Detailliert wird die Entwicklung der Brüder wiedergegeben. Es dauert, bis es Wilhelm gelingt, sich aus den Ansprüchen des Bruders zu befreien. Karl verfügt nicht nur über Wilhelms Zeit, sondern stellt ebenfalls finanzielle Ansprüche an ihn. Gleichzeitig nehmen die psychischen Probleme der Mutter zu. Es bleibt an Wilhelm hängen, die Situation in den Griff zu bekommen. Als er endlich die Gelegenheit erhält, seinen Wissensdrang zu befriedigen, gewinnt er einen Freund, der ihm zur Seite steht. Außerdem wird sein Verhältnis zum Bruder auf eine neue Stufe gehoben. Er schafft sich den Freiraum, den er braucht.

    Ein schwieriges Verhältnis hat Wilhelm zu Frauen. Eine herbe Enttäuschung in jungen Jahren wirkt lange nach. Aus dieser Zeit stammt das obige Zitat.

    Gekonnt werden die gesellschaftlichen Verhältnisse in die Geschichte integriert. In vielen gut ausgearbeiteten Gesprächen werden politische Themen angesprochen. Natürlich gibt es auch Zeiten des Feierns und der Unbekümmertheit. Ein feiner Humor wechselt mit ernsten Stellen.

    Land und Leute werden ausreichend beschrieben, sei es während der Kutschfahrt von Wilhelm nach Mannheim oder während der Forschungsreisen.

    Kommentare: 4
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    Nelings avatar
    Nelingvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Roman über den kurpfälz. Naturforscher Georg Wilhelm Schimper (frühes 19.Jh.) Gut recherchiert und informativ! Lesenswert!
    Die Rückkehr der Störche


    Dieser historische Roman erzählt über Georg Wilhelm Schimper, einen Naturforscher und Reisenden des frühen 19. Jahrhunderts. Er wurde in der Kurpfalz , in Mannheim,geboren. 


    Da seine verarmte und schwermütige Mutter nicht für ihre beiden Söhne sorgen kann, wächst Wilhelm eine Zeit bei Verwandten in Nürnberg auf und lernt dort ein Handwerk, wird zum Kunstdrechsler.
    Der ältere Bruder ,Karl darf in Mannheim bleiben und studieren (er ist auch zu einem bedeutenden Naturforscher geworden) 


    Als Wilhelm ein Handwerk gelernt hat, darf er zurück in seine Heimat und wird dann zum Offiziersanwärter, womit er der Familie wirtschaftlich hilft. Die sorge um seine Mutter und die Ansprüche seines verwöhnten Bruders machen ihm sehr zu schaffen. 
    Auch der Dienst beim Militär gibt ihm aber keine Erfüllung , er sehnt sich nach Bildung, Freiheit, Reisen . 


    Gabrielle C.J. Couillez hat sehr genau recherchiert und vieles aus dem Originalschriftverkehr detailgetreu eingearbeitet. 
    Ich kannte den Naturforscher bisher noch nicht und durch das Lesen wurde diese Bildungslücke gefüllt.
    Ein wenig Mühe machte mir der Dialekt und ich fand, dass die sexuellen Abenteuer einen zu großen Raum einnahmen, er war sehr leichtsinnig , aber so war wohl sein Leben.  
    Das Buch endet ganz dramatisch und macht so Lust auf die Folgebände, die in Teil 2 und 3 über das weitere Leben und Wirken dieses Mannes erzählen. 


    Ich durfte dieses Buch im Rahmen einer Leserunde kennen lernen und empfehle es mit 3,5 Sternen weiter. 

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    engineerwifes avatar
    engineerwifevor 7 Monaten
    Eine spannende Reise in die Biedermeierzeit ...

    Wer hat denn je behauptet, dass Geschichte langweilig sein muss? Die sympathische Autorin Gabrielle Couillez hat diese These in meinen Augen jedenfalls hinlänglich widerlegt. Sie entführte mich mit ihrem biographischen Roman in die Zeit des Biedermeiers und vor allem auch in die Kurpfalz, eine Gegend, die ich vor Jahren persönlich näher kennen lernen durfte. Sie beschreibt für uns das Leben des Naturforschers Wilhelm Schimper in den Anfängen des 19. Jahrhunderts in einer Anschaulichkeit, die mich faszinierte. Sie baut ihre fundiert recherchierte Geschichte um einen realen Briefwechsel zwischen Wilhelm, seinem Bruder Karl und der bedauernswerten Mutter der Beiden, die dem Buch eine wunderbare Authentizität verleiht. Wir zuckeln mit Wilhelm in der Postkutsche den weiten Weg von Nürnberg nach Mannheim, wandern mit ihm über viele Kilometer durch die Schweizer Berge bis nach Italien wo wir eine Polenta verzehren, die einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Er ist ein strebsamer junger Mann, der liebenswerte Wilhelm, wenn ihm auch viele Steine in den Weg gelegt werden und manchmal steht er sich selbst im Weg mit seiner scheinbar unersättlichen Liebe zu den Frauen. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass er seinen Weg machen wird und deshalb freue ich mich umso mehr auf den nächsten Teil seiner Geschichte. Wer sich ein wenig für Geschichte, das Biedermeier und die Erforschung der Natur interessiert, dem sei dieses Buch auf jeden Fall ans Herz gelegt!

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    mama2009s avatar
    mama2009vor 7 Monaten
    Mannheim und die Jugend von Wilhelm Schimper

    Meine Meinung und Fazit:

    Die Autorin Gabrielle C. J. Couillez ist mir bereits durch das Buch "Die Frucht des Ölbaums - Der Ketzer" bekannt. Ihr aussagekräftiger und spannende Schreibstil ist mir von damals noch gut in Erinnerung. Besonders habe ich die gute Recherchearbeit der Autorin schätzen gelernt und so viel dazu gelernt. Auch in mit "Die Rückkehr der Störche" Zeigt sie erneut, wie intensiv sie sich mit dem Thema befasst und gut recherchiert hat. Die im Buch vorliegenden Briefwechsel beruhen auf Originalschreiben.

    Die Autorin schafft mit ihrem wundervollen beschreibenden Schreibstil sofort mich mit Wilhelm verbunden zu fühlen. Wir begleiten Wilhelm von Jugendjahren an. Zunächst wächst er bei Verwandten in der Ferne auf, da nach der Scheidung kaum Geld da ist und somit ziemlich einsam ist und zeitig auf sich allein gestellt ist. Aber schon in jungen Jahren zeigt sich sein Interesse für die Natur und für Fische, er beobachtet gern. Doch im Verlauf der Zeit verpflichtet er sich dem Heer und wird Offizier und bleibt immer seiner Mutter und seinem Bruder finanziell verpflichtet. Sein verdientes Geld muss er für die Familie aufwenden und bekommt dafür kaum Dank, eher noch Zurechtweisungen.
    Sicher hat Wilhelm auch seine schlechten Seiten, er spielt zu gern und trinkt auch mal etwas viel, doch er ist ein herzensguter Mensch und verdient eigentlich mehr Liebe und Glück.
    Zu diesem Thema ist mir folgende Aussage/Zitat von Wilhelm in Erinnerung Seite 206 "Ja, das Glück muss man lange suchen - wie ein vierblättriges Kleeblatt auf einer Wiese. Aber es gibt viele Wiesen und jede Menge Klee." Für mich sehr treffend.

    Was ihn noch auszeichnet ist, dass er sehr ehrgeizig ist. Für mich zeigt sich dies vor allem darin, als er die Chance bekommt, sein Wissen durch ein Studium zu erweitern und auch auf Wanderschaft in Form einer Forschungsreise zu gehen. Durch diese Reise erkennt man als Leser wie Unterschiede damaligen europäischen Länder waren und auch die Bevölkerung eingestellt war. Hier habe ich sehr viel gelernt. Ein anderer wesentlicher Bestandteil war für mich auch das Thema Freundschaft, in Form der Freundschaft zum Mitstudenten Louis. Aus meiner Sicht bringt dies Wilhelm viel mehr voran bzw. wird er auch wertgeschätzt, was sein Bruder Karl gar nicht konnte.

    Karl, sein großer Bruder, studiert und forscht, ist sicher ein kluger Geist, doch menschlich meiner Meinung nach nicht viel wert. Er ist egoistisch und nutzt Wilhelm nur aus, auf seine Familie kann Wilhelm wenig bauen. Für mich sehr schade, dass er da so wenig Unterstützung bekommen hat.

    Die Covergestaltung finde ich sehr gelungen, hier wurde viel Wert auf Details gelegt. Mannsieht due Störche und auch das Schloss von Mannheim, sehr passend.

    Ich bin gespannt, wie es mit Wilhelm weitergeht und freue mich auf den 2. Teil. Ich bedanke mich für die tolle Leserunde und die Begleitung durch die Autorin. Außerdem vielen Dank an den Verlag für das Rezi-Exemplar.

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    katikatharinenhofs avatar
    katikatharinenhofvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Unterhaltsame und kurzweilige Geschichtsstunde
    Unterhaltsame und kurzweilige Geschichtsstunde


    Deutschland im frühen 19.Jahrhundert- vom Vater ihrer Kinder verlassen, muss Mutter Schimper sehen, wie sie mit ihren beiden Knaben das Leben bestreitet. Sie verfällt dem Alkohol und sinkt in tiefe Depressionen. Karl und Wilhelm schlagen sich mehr schlecht als Recht durch und Wilhelm merkt, dass es da draußen in der Welt noch so viel mehr gibt als Schwermut und Suff. Zuerst versucht sich Wilhelm als Schwerenöter und kein Rock ist vor ihm sicher. Doch dann  bricht er aus den festgefahrenen Gleisen aus und erobert die Welt...

    Gabrielle C.J. Couillez hat mit diesem wunderbaren zeitgeschichtlichen Dokument eines bewiesen, nämlich, dass Geschichte geschickt dekoriert mit pfälzischem Dialekt alles andere als langweilig ist. Mit ihrem wunderbar flüssigen Schreibstil gelingt es ihr, das bestehende Grundgerüst der biografischen Fakten so in ihre Erzählung einzubetten, sodass man ganz und gar in der Erzählung gefangen ist. Der Lebensweg Wilhelms ist mit allen Höhen und Tiefen skizziert und bringt den Schwerenöter einem richtig nah. Zugegeben, er ist schon ein kleiner Herzensbrecher und weiß seine Wirkung auf Frauen auch geschickt einzusetzen. Auch wird im Verlauf der Geschichte erkennbar, dass Wilhelms Lebensweg auch der Weg zum eigenen "ICH" ist und das ist von der Autorin sehr  schön ausgearbeitet und dargestellt.  Die bildhaften Beschreibungen der Naturlandschaften tragen ebenfalls dazu bei, dass ich mich direkt vor Ort befinde und an allen Handlungen und Ereignissen hautnah teilhaben kann.
    Alles in allem ein gelungenes Buch über Leben und Wirken eines bekannten Naturforschers.

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    Bellis-Perenniss avatar
    Bellis-Perennisvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Vom Kunstdrechsler zum Naturforscher - der steinige Weg des Georg Wilhelm Schimper
    Aus Heidelberg in die weite Welt ...

    Autorin Gabrielle Couillez nimmt ihre Leser in das nach den Napoleonischen Befreiungskriegen verarmte Heidelberg mit. Wir lernen Karl Friedrich Schimper (1803-1867) und seinen Bruder Georg Heinrich Wilhelm Schimper (1804-1878) kennen. Beide Brüder sind bekannte deutsche Naturforscher. Doch bis es dazu kommt, gibt es viele Hindernisse zu überwinden und Entbehrungen zu meistern. Dieser historische Roman handelt davon.

     

    Das Buch setzt zu Silvester 1817 ein. Wir dürfen Wilhelm, wie er genannt wird, auf der Reise in den schaukelnden und unbequemen Postkutschen begleiten. Es ist die Zeit des Biedermeiers und erstmals dürfen Adelige einem Beruf (bislang war ja neben Grundherr nur Soldat oder Geistlicher möglich) nachgehen. Wilhelm wird Drechsler und trägt durch sein schon früh ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein zum Unterhalt der verarmten Mutter und seines verschwenderischen Bruders bei. Die Eltern sind geschieden, der Vater verschollen. Ständig sieht er sich Geldforderungen von Mutter und Karl gegenüber und tritt deshalb in das Badische Kavallerieregiment ein, das ihm einen bescheidenen, aber regelmäßigen Sold garantiert.

     

    Anders als Bruder Karl wird Wilhelm erst spät mit einem Studium beginnen dürfen/können, da er ja als einziger Geld verdient. Wilhelm wird als geradliniger, strebsamer Mensch beschrieben, der sich von seiner Familie ständig schikanieren lassen muss.

     

    Einen kleinen Fehler hat der gute Wilhelm natürlich auch: Er liebt alle Frauen und stolpert auf der Suche nach der Richtigen von einer Liebschaft in die andere. Lange Zeit geht sein sorgloser Umgang gut, bis er zuletzt doch ungewollt Vater wird. Doch mit Geld (das eigentlich seiner Forschungsreise dienen sollte), lässt sich das auch planieren.

    Richtig gefährlich wird sein Drang nach der holden Weiblichkeit erst, als er in flagranti erwischt wird …

     

    Meine Meinung:

     

    Die Autorin schafft es, die komplexen Zusammenhänge der damaligen Zeit gut darzustellen. Sie flicht Auszüge aus dem Originalschriftverkehr der beiden Schimper-Brüder gekonnt in die Geschichte ein. Hier hätte ich mir allerdings gewünscht, dass dies dem Leser deutlich(er) zur Kenntnis gebracht wird.

    Der badische Dialekt ist manchmal nicht leicht zu verstehen. Vor allem Karl, spricht selten hochdeutsch. Es scheint, dass Wilhelm der intelligentere der beiden Brüder ist. Doch Karl, als dem älteren, steht die akademische Laufbahn zu. Hier gilt wie in adeligen Häusern üblich, das Recht der Primogenitur, auch, wenn es keinen Besitz zu vererben gibt.

     

    Ich habe mich gut unterhalten, obwohl ich manchmal ob der manipulierenden, alkoholkranken Mutter und des leichtsinnigen Bruders, ziemlich wütend auf die beiden war.

    Da die Autorin eine Fortsetzung in Aussicht stellt, bin ich schon sehr gespannt, wie sie das zukünftige Leben der beiden Schimper-Brüder in Szene setzen wird. Vor allem Wilhelms Lebenslauf birgt noch einige Überraschungen.

     

    Fazit:

     

    Eine gekonnt erzählte Geschichte, die mir gut gefallen hat. Gerne vergebe ich 4 Sterne.

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    otegamivor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Das alles andere als trockene und langweilige junge Leben eines Naturforschers - so macht Geschichte großes Vergnügen!
    Unterhaltsames Eintauchen in die jungen Jahre des Heinrich Wilhelm Schimpers

    Georg Heinrich Wilhelm Schimper, geb. 2. August 1804, war ein deutscher Naturforscher, Reisender und Botaniker. Der Weg dorthin war jedoch sehr steinig und entbehrungsreich!

    'Die Rückkehr der Störche' begleitet ihn ab Silvester des Jahres 1817 und wir tauchen ab in die Zeit des Biedermeiers, unternehmen mit ihm beschwerliche Reisen mit der Postkutsche (sehr plastisch beschrieben!), begleiten ihn bei seiner Ausbildung zum Kunstdrechsler und bewundern ihn ob seines hohen Verantwortungsbewusstseins gegenüber seiner ewig jammernden Mutter und seines ewig fordernden älteren Bruders (Karl Friedrich Schimper).

    In den Jahren des Militärdienstes lesen wir von seiner permanenten Geldknappheit und der Suche nach der großen Liebe (mit Trösten durch mehrere Liebschaften).

    Als er mit dem Studium beginnt, können wir seinen großen Wissensdurst erkennen und gehen mit ihm auf Reisen. Grandios ist das Ende - es macht viel Lust auf das Folgebuch!

    Ich genoss jede Seite des Buches, so herrlich detailliert ist diese Zeit und das Leben Wilhelm Schimpers beschrieben. Bei der bildhaften Sprache tauchen wir ab in diese Zeit, fühlen und leiden mit dem Protagonisten. Gerne vergebe ich die verdienten 5 Sterne und wünsche diesem Buch noch viele interessierte Leser!

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Faidits avatar
    Abenteuer und Liebe im Biedermeier
    Süddeutschland nach den Napoleonischen Kriegen: Georg Wilhelm Schimper, der Sohn eines leichtsinnigen Offiziers, wird durch die Trennung ihrer Ehe schon früh aus der Obhut seiner Eltern gerissen und von der adligen, jedoch verarmten Familie mütterlicherseits aufgezogen. Sein älterer Bruder verbleibt mit der schwermütigen Mutter in Mannheim und darf die höhere Schule besuchen und studieren, während Wilhelm, der gerne ein Naturforscher werden möchte, ein Handwerk erlernen muss. Die Sehnsucht nach Geborgenheit treibt ihn nach Hause, wo er zunächst in die Fußstapfen seines Vaters tritt und die Offizierslaufbahn wählt. Doch eine andere Sehnsucht lässt ihn ausbrechen aus den gesellschaftlichen Konventionen. Sein ungestillter Hunger nach Wissen und Liebe sowie der Drang nach Freiheit, der in dieser Ära überall erwächst, zieht ihn hinaus in die Welt - mit dem Zug der Störche...

    Hier zur Leseprobe:
    http://www.verlag-waldkirch.de/content.php?id=268&pid=268&pid2=268&buchid=411&leseprobeid=411

    Booktrailer:
    https://www.youtube.com/watch?v=t9o-0olMqus&list=PLqqxkf0lN9wO9Q9cP0gMX6imY7bbZqMoK

    Recherchefotos und -infos:https://gabrielle-c-j-couillez.jimdo.com/recherche-zu-die-r%C3%BCckkehr-der-st%C3%B6rche/


    Leserunde mit Autorin
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    Letzter Beitrag von  Faiditvor 5 Monaten
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