Gail Jones Perdita

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Inhaltsangabe zu „Perdita“ von Gail Jones

Eine Geschichte, die sich nur flüsternd erzählen lässtEine Hütte in der australischen Wildnis voller Zeitungsausschnitte über den Zweiten Weltkrieg und vermodernder Bücher, in denen Schlangen hausen, ein verschrobener Vater und eine wahnsinnige Mutter, aus deren Shakespeare-Zitaten die Zwölfjährige ihre gesamte Bildung bezieht – das ist Perditas Universum. Eine entlegene Welt voller Merkwürdigkeiten und Wunder, bis eines Tages ein Mord geschieht ...

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  • Rezension zu "Perdita" von Gail Jones

    Perdita
    sabatayn76

    sabatayn76

    12. February 2013 um 16:01

    'Ich hatte nicht gewusst, wie grundlegend ein Kind neu geprägt werden kann.' Inhalt: Die 10-jährige Perdita wächst bei ihrem lieblosen Vater (einem Anthropologen, der die britische Heimat verlassen hat, um in Westaustralien die Aborigines zu studieren) und ihrer psychisch kranken Mutter (die tagtäglich Shakespeare zitiert und mit ihrem Mann und ihrem Leben in Australien todunglücklich ist) in einem heruntergekommenen Haus voller Schlangen und halb zerfallener Bücher auf. Sie wird von Mary, einem Aborigine-Mädchen der 'stolen generation', aufgezogen und findet in ihr eine der wenigen liebevollen Personen, denen sie sich nahe fühlt. Dann wird Perditas Vater umgebracht, Mary wird weggebracht, Perdita beginnt zu stottern und verliert ihr Gedächtnis. Mein Eindruck: Der Einstieg ins Buch hat mir sehr gut gefallen. Gail Jones erzählt eindringlich und in anspruchsvoller Sprache von Perditas Familie, ihrem Leben sowie von Mythen, Überzeugungen und dem Wissen der australischen Ureinwohner. Die Protagonisten wurden dabei sehr lebendig charakterisiert und wirken (trotz ihrer Marotten) sehr überzeugend. Im Verlauf verliert der Roman allerdings an Spannung, die Autorin hat mich nicht neugierig auf Wendungen oder das Ende gemacht. Zudem war die Geschichte extrem vorhersehbar und konnte mich nicht überraschen, obwohl das Ende durchaus sehr bewegend war. Zudem finden sich im Buch zahlreiche Fehler, z.B. wurden Jahreszahlen und Perditas Alter inkonsistent gebraucht (mal ist Perdita 1930 geboren und trotzdem 1940 11 Jahre alt, dann wird berichtet, dass sie 1941 10 Jahre alt war), und es werden Gummibäume erwähnt, die in Australien allerdings gar nicht wachsen (= falsche Übersetzung des englischen Begriffs 'gum tree', was Eukalyptusbäume bezeichnet). Mein Resümee: Ein Roman, der Wissen über Australien in den 1930ern und 1940ern sowie über australische Ureinwohner vermittelt, der jedoch irgendwie unfertig wirkt.

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  • Rezension zu "Perdita" von Gail Jones

    Perdita
    Lesegenuss

    Lesegenuss

    17. June 2011 um 11:09

    Klappentext (lt. Verlag): Australien, Anfang der vierziger Jahre. Eine Hütte in der australischen Wildnis voller Zeitungsausschnitte über den Krieg in Europa und vermodernder Bücher, in denen Schlangen nisten. Ein verschrobener Anthropologe und seine wahnsinnige Frau, die aus Englang hierher emigriert sind. Er, angeblich um die Welt der Ureinwohner zu erforschen, sie, weil ihr nach der Heirat keine andere Wahl blieb. Die gemeinsame Tochter Perdita, ein ungewünschtes, ungeliebtes Kind, wächst inmitten eines Universums aus Shakespeare-Zitaten und europäischer Halbbildung heran. Doch zugleich ist sie eingebettet in das Wissen und die Wärme der australischen Ureinwohner. Ihre engsten Freunde und Ersatzgeschwister sind Bill, der taubstumme Nachbarsjunge und die Aborigine-Waise Mary, das Hausmädchen der Familie. Und so ist Perditas Welt im Lot – bis zu dem Tag, als ihr Vater ermordet aufgefunden wird. Perdita verliert ihr Gedächtnis und kann fortan nur noch stottern. Erst als sie gezwungen ist, sich an die wahren Umstände des Mordes zu erinnern, findet sie die Sprache wieder … Statement: Sterben – Schlafen – Schlafen! Vielleicht auch träumen! – Ja, da liegt’s: Was in dem Schlaf für Träume kommen mögen, Wenn wir den Drang des Ird’schen abgeschüttelt, Das zwingt uns still zu stehn. (S. 189/190) Warum beginne ich hiermit, einem Vers aus dem Hamletmonolog von Shakespeare. Nun, ich war beeindruckt, genau wie auch Doktor Oblov von dem einwandfreien, nicht gestotterten, Vortrag Perditas. Perdita, dieses arme, kleine Mädchen. Sie war kein Wunschkind ihrer Eltern gewesen, beide hoben sich ab von ihrer Umwelt, in der sie lebten. Nicholas, der komische Kauz, Anthropologe, das Wissen der Ureinwohner Australiens wollte er erforschen, doch was er tat, hatte mit all dem nichts zu tun, und Stella, seine Frau, Perditas Mutter, geflohen in die Welt der Bücher, des William Shakespeare, keine gute Mutter. William Shakespeare begleitet den Leser durch die gesamte Handlung. Mit „Perdita“ („Sorry“ ist der Titel der englischen Originalausgabe) führt Gail Jones seinen Lesern in einem hochkarätigen, sehr gelungenen Roman, die damaligen Lebensumstände des australischen Urvolkes vor Augen. Die „gestohlene Generation“, wie es in der Anmerkung heißt, das Leid, diese tiefe Kluft zwischen dem Urvolk mit seinen tief verwurzelten Traditionen, zu den Weißen. „Perdita“ ist mehr als nur eine Geschichte, ein Buch, es ist ein Stück der australischen Geschichte, aus der dann schließlich der National Sorry Day hervorgegangen ist. Fast zehn Jahre nach dem ersten Nationalfeiertag Sorry Day gab es erst die offizielle Entschuldigung der australischen Regierung an die Ureinwohner Australiens für all das Leid, welches ihnen zugefügt worden war. Perdita, die Protagonistin, lebt in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts mit ihren Eltern im dünn besiedelten Westaustralien. Sie schafft sich dort eine eigene Welt, ihre kleine Familie, mit Mary, dem Aboriginemädchen, und Bill, der taubstumme Nachbarsjunge. Mary arbeitete als Hausmädchen bei Perditas Eltern, deren Charaktere die Autorin exzellent und deutlich beschrieben hat. Nicholas mit seinen zwei Gesichtern, sowie Stelle, schwach und fern in anderen Welten, letztendlich endet sie im Wahnsinn. Alles, was zu einer liebevollen Familie gehört, erfährt Perdita nicht von ihren Eltern. Wärme und Zuneigung, das alles kommt von außen. Gail Jones hat durch ihren poetischen, doch sehr klaren Schreibstil die Charakteren, die Handlung, so dargestellt, dass der Leser durch die Wortwahl, der lebendigen Schilderungen Gefühle empfindet, Emotionen freigesetzt werden und man tief mit in die Handlung einbezogen wird. „Wie viel Zeit liegt in einem Wort“ (S. 238) Die kleine heile Welt von Perdita bricht zusammen, als Nicholas erstochen aufgefunden wird und Mary, die Aboriginewaise, die Schuld auf sich nimmt. Von nun an ändert sich Perditas Leben, sie verstummt, und wenn sie spricht, dann ist es nur noch ein Stottern. So flüchtet sie immer mehr in die Welt der Bücher. Der Zweite Weltkrieg tobt in Europa und die Welt verändert sich. So nun auch für Perdita und ihre Mutter. Sie werden evakuiert und kommen in eine Stadt, die für Perdita so fremd ist. Auf der Schule ist sie ein Außenseiter, wird schikaniert, denn sie redet kaum, und wenn dann ist es nur Stottern. Ein glücklicher Umstand – eine Lebensveränderung für Perdita – ergibt sich, als Stella erneut in die Klinik eingewiesen wird, und dort trifft Dr. Oblov auf das Kind. Mit seiner Hilfe, seinem Vertrauen, gelingt es, dass Perdita sich öffnet, sich erinnert, den Schmerz zuzulassen, den die Erinnerungen bringen. Der Tag, an dem alles begann – Der Tag, an dem ihr Vater ermordet wurde. Fazit: Was kann die menschliche Seele alles aushalten! Reflektionen des Lebens, lebendige Worte, poetisch, Emotionen, Gefühle, die Aufzeichnung könnte endlos werden. Dieses Buch ist wirklich mehr als nur eine Geschichte. Nein, diese Geschichte regt auch zum Nachdenken an. Diese uralte Kultur der Ureinwohner Australiens ist mit etwas Besonderes und führt dem Leser wieder einmal vor Augen, wie schnell und leicht wir – die Menschen, die Welt – etwas zerbrechen oder aber auch schon zerbrochen haben, was sich kaum noch reparieren geschweige heilen lässt. Denn es ist nicht nur die Kultur der Aborigines, sondern noch viele andere wie z. B. die der Indianer – und … und … -, die der Mensch in seiner Gier, seiner Sucht nach Macht zerstört hat. Persönliches: Dieses ist meine erste Rezension mit einem sehr persönlichen Nachwort. Die Erklärung hierfür findet sich darin, dass ich schon seit vielen Jahren von diesem besonderen Land Australiens, seiner Ureinwohner, fasziniert bin. Allerdings muss ich gestehen, ich war noch nie dort. Es sind nicht nur ihre Mythen, ihre Kultur, Es ist etwas Ungewöhnliches, Magisches, Faszinierendes – Mein Persönlicher Traumpfad! Meine kleine Sonnenfee hat ihren Namen von der Sonnenmutter der Aborigines – Alinga

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  • Rezension zu "Perdita" von Gail Jones

    Perdita
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    13. July 2010 um 18:54

    "Perdita" - Die Verlorene "Ein Wispern: Schhhh. Das zarteste Vehikel des Atems. Dies ist eine Geschichte, die sich nur flüsternd erzählen lässt. Schwierigem Wissen haftet etwas Gedämpftes, Verlegenes, Beklemmendes an, es besitzt eine Tendenz zur Stille. Meine Kehle ist entstellt durch das, was sie in sich trägt. Mein Herz ist eine saure, träge Frucht. Die Zeit hat mir einen Maulkorb angelegt, und ich glaube, dadurch bin ich so geworden, dadurch hat sich mein Mund verformt, meine Stimme, mein Bedürfnis zu sprechen. Zunächst war da dieses eine Bild: ihr Kleid, in jenem ungewöhnlichen Hortensienblau, bespritzt mit dem violetten Blut meines Vaters." So beginnt dieser poetische und sprachgewaltige Roman, in dem Gail Jones das Leben Perditas schildert. Das Mädchen wächst in den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts mit einem verbitterten Vater und einer wahnsinnigen Mutter auf. Sie leben in der australischen Wildnis in einer Hütte. An den Wänden hängen Zeitungsausschnitte und Bilder über den Zweiten Weltkrieg, Türme von aufeinander gestapelten Büchern, die vermodern, verstopfen die Hütte, Schlangen hausen zwischen den Büchern und allerlei Anderes in den Ecken und Winkeln. Perdita wächst frei auf, verwildert, vernachlässigt, von den Eltern unerwünscht, ohne Schulbesuche und ein geregeltes Leben, ohne elterliche Liebe. Liebe und Zugehörigkeit erfährt sie durch Billy, den taubstummen Sohn der Nachbarn, der ihr bester Freund wird und durch Mary, einem Aboriginemädchen, welches als Hausmädchen bei den Keenes tätig ist. Eines Tages, als Perdita elf Jahre alt ist, wird ihr Vater erstochen und die Tragödie, die sich in der ärmlichen, elterlichen Hütte abspielt, verändert für immer das Leben Perditas und Marys. Perdita wird stumm, Mary bekennt sich schuldig und wird verhaftet. Der Autorin Gail Jones gelingt es ganz ausgezeichnet, Lebensgeschichten geschickt mit der Zeit des Zweiten Weltkriegs zu verbinden. Shakespeares Dramen und Sonette finden hier ebenso Platz wie Reflektionen über die verschiedensten Themen. Zum einen ist ganz klar das Leben des Mädchens Perdita zu nennen, welches vereinsamt und isoliert nach dem Tod ihres Vaters in ihrer Stummheit leidet. Es finden sich Gedanken zur Kindheit, zum Verhältnis von Kindern zu ihren Eltern, von der Abhängigkeit der Kinder von der Entscheidung Erwachsener. Dann sei noch die Krankheit der Mutter erwähnt, ihre geistige Krankheit und ihre Unfähigkeit, Perdita mütterliche Liebe und Zuwendung zukommen zu lassen. Des Weiteren finden sich vorzügliche Reflektionen über das Lesen und die Bedeutung von Büchern und Geschriebenem, welche sicher jedem begeisterten Leser gefallen würden. Nicht unerwähnt lassen möchte ich das Hausmädchen Mary, ein Aboriginemädchen, welches der Mutter weggenommen wurde. Mit diesem Punkt leistet G. Jones einen Beitrag zu den 'Gestohlenen Generationen', der Zwangsentfernung von Generationen von Kindern der australischen Ureinwohner aus ihren Familien durch die australische Regierung. Auch ist "Perdita" Gail Jones Beitrag zur Debatte um die Entschuldigung der australischen Regierung für ihre unmenschliche Behandlung der Aborigines. Aus der Perspektive des allwissenden Erzählers heraus, durchsetzt mit Rückblenden Perditas, wird dem Leser ein ganz eindringliches Portrait von zerstörten Leben dargelegt. Und das alles in harter, poetischer und schonungsloser Sprache, die zu ergreifen vermag. Es findet sich eine Fülle von poetischen Schilderungen, abstrakt und dennoch empathisch; es sind Sätze, die ich mehrmals gelesen habe, weil sie intelligent und weise sind und sich vortrefflich über sie nachdenken lässt. Die Bildgewaltigkeit und das Erschaffen von Atmosphäre sind beeindruckend; die Hitze, den Dreck und den Sandsturm der staubigen Buschlandschaft konnte ich lesend miterleben. Sehr großartig umgesetzt und selten anzutreffen, in der Form! Das Buch endet mit einer Anmerkung zum Begriff Sorry" (Titel der englischen Originalausgabe), welcher in Australien eine vielschichtige und komplexe Bedeutung hat. An dieser Stelle würde ich sehr gerne eine Unmenge von Stellen zitieren, um Euch neugierig zu machen auf dieses Werk, aber ich kann mich beim besten Willen nicht entscheiden, welche Sätze ich zitieren könnte. Es sind zu viele wunderbare und aussagekräftige Stellen enthalten, am besten, Ihr entscheidet selbst! Was mich erstaunt, ist, dass es zu "Perdita" noch nicht eine einzige Rezension gibt. Wie kann das sein, fragte ich mich... Nun hoffe ich, dass ich mit meinen Zeilen dazu beitragen kann, dieses wundervolle, ernste und wichtige aber ebenso schöne Buch an die Leserin und den Leser zu bringen! Und ich wünsche mir, dass ich wenigsten bei einigen Interesse an diesem Roman wecken kann, das Buch hat es verdient! Empfehlen kann ich "Perdita" allen Lesern, die Familiengeschichten, auch tragische, mögen! Mich hat die Lektüre an Schloss aus Glas von Jeannette Walls und an Geheimnisse von Joyce Carol Oates erinnert. Tragischen Familiengeschichten wohnt ein besonderer Ton inne, ein hoffnungsloser, der jedoch bei genauerer Betrachtung zahlreiche Weisheiten und Lebensphilosophien beinhaltet und dadurch tröstend wirken kann!

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