Gail Jones Sechzig Lichter

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Inhaltsangabe zu „Sechzig Lichter“ von Gail Jones

Australien, 19. Jahrhundert: Lucy Strange – deren Leben kurz sein sollte – und ihr Bruder Tom, nach dem Tod der Eltern halb verwildert, werden von ihrem skurrilen Onkel nach London geholt. Tom arbeitet bei einer Laterna-Magica- Schau, Lucy in einer Fabrik, die lichtempfindliches Papier herstellt. Ein Ausweg aus diesem viktorianischen Elend tut sich auf, als Lucy als mögliche Braut eines alten Freundes des Onkels nach Indien geschickt wird. Doch auf der Reise beginnt sie eine folgenreiche Liebschaft, die ihrem Leben eine überraschende Wendung gibt: Als Lucys letzte Jahreszeit naht, hat sie ein Kind und ist eine der ersten Fotografinnen des Commonwealth. »Ein Roman über den Glanz, der auf den Dingen liegt, über die Wunder der sichtbaren Welt und die Wunder des poetischen Sehens.« Deutschlandradio Kultur »Ein Buch über die Kraft der Wahrnehmung. Wunderbar zeitlos erzählt.« WDR 3

Sperrig und zugleich unglaublich poetisch geschrieben. Ein Roman über die Faszination der Bilder und der Geschichten, die aus ihnen sprechen

— Marilou
Marilou

Ein bildgewaltiger Roman über eine junge Fotografin, die sich im 19. Jahrhundert behaupten muss.

— Jacynthe
Jacynthe

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  • Ein bild- und sprachgewaltiges Buch

    Sechzig Lichter
    Marilou

    Marilou

    06. September 2015 um 09:56

    Ein herrliches Buch. Gewaltig. Ich habe mir gewünscht, es möge nie aufhören, denn ich hätte der Geschichte noch ewig weiter folgen wollen. Da ich selbst sehr ambitioniert und mit viel Herzblut fotografiere und mich zudem sehr für die Geschichte der Fotografie interessiere, schien dieses Buch wie für mich gemacht geschrieben: "Lucy Strange ist eine der ersten Fotografinnen des 19. Jahrhunderts. Ihr Leben war kurz, aber prall gefüllt mit Licht, Farbe und Abenteuer. Ein grandioses viktorianisches Lebensbild zwischen Sydney, Bombay und London und zugleich eine Archäologie der Fotographie. Ein Roman von flammender Schönheit." Und ich wurde nicht enttäuscht. Lediglich der Anfang machte mir etwas zu schaffen, ich musste mich erst in die etwas nüchterne und beinahe distanzierte Sprache gewöhnen, und brauchte etwas um in die Geschichte rein zu kommen, da Gail Jones weit ausholt und zuerst das weit zurückliegende Kennenlernen von Lucys Eltern beschreibt. Abgesehen von diesen Startschwierigkeiten habe ich die Sprache bald sehr zu schätzen gelernt. Das Buch ist voller Metaphern, und ich habe mich der forschen Lucy und ihrer hingebungsvollen Faszination für das Licht sofort verbunden gefühlt. Licht, schon im Buchtitel enthalten, nimmt einen zentralen Platz in Lucys Leben ein. Fotografie bedeutet "Schreiben mit Licht". Selbst Lucys Name leitet sich ab von "Lux", was ebenfalls Licht bedeutet. Lucy entwickelt schon lange bevor sie erstmals überhaupt mit der Fotografie in Berührung kommt, eine regelrechte Obsession für das Licht, für die Atmosphäre, die es schaffen kann und seine physikalischen Besonderheiten. An vielen Stellen des Buches wird das Licht geradezu beiläufig erwähnt, und man muss sehr aufmerksam lesen oder so wie ich selbst stark für Lichtsituationen sensibilisiert sein, um dies zu bemerken. Lucys kurzes, aber intensives Leben führt sie als Waise aus Australien über London nach Indien und wieder zurück nach England. Von Beginn an zentral ist neben dem Licht für Lucy der Drang zum Festhalten von Situationen, von Momenten, von Stimmungen. So legt sie schon früh ihr "Journal of Special Things Seen" an, in welchem sie Dinge festhält und akribisch beschreibt, die ihr aufgefallen sind. Sehr richtig bemerkt sie Jahre später, nachdem sie zur Fotografin wurde, dass dieses Tagebuch Besonderer gesehener Dinge für sie das war, was ihr nun die Fotografie ist. Denn "jedes fotografische Unterfangen ist der Versuch, ein Gesicht heraufzubeschwören und das wieder aufzuspüren, was sich hinter dem Geschehenen verbirgt." Lucy legt keinerlei Wert auf technische Perfektion, obwohl sie die Fotografie handwerklich solide bei einem Fotografen erlernt. Ein gutes Bild ist für Lucy eines, das den Moment so abbildet, wie er war. Und wenn das Foto unscharf ist, dann ist das eben eine Aussage für sich und kein Makel. Ich liebe diese Einstellung und könnte Gail Jones dafür küssen, mit welch schönen Worten sie diese zu Papier gebracht hat! Lucys "äußeres" Leben ist entbehrungsreich und doch so reich. An Bildern, Erfahrungen, Menschen. Als Waise von dem fürsorgeberechtigten alten Onkel an dessen alten Freund Isaac nach Indien "verkauft", erlebt sie auf der Überfahrt mit dem Schiff ihre erste Liebe. Sie wird bitter enttäuscht, jedoch bleibt ihr dieser Mann auf ewig liebevoll im Gedächtnis - weil er "ein neues Wort für das Licht gewusst hat." Isaac entpuppt sich als alt und grau, aber harmlos und nicht weniger verschroben als Lucy selbst. Diese ist unglückseligerweise bereits schwanger als sie in Indien ankommt, doch das ungleiche Paar entwickelt allen Widrigkeiten zum Trotz Respekt, wenn auch keine Liebe, füreinander. Jeder profitiert vom anderen, jeder auf seine Weise. Lucy reist schließlich mit ihrer Tochter zurück nach England, und auf auf dieser Überfahrt nimmt eine folgenschwere Veränderung ihres Körpers ihren Lauf: Sie erkrankt an der Schwindsucht (=Tuberkulose). Lucy ahnt, dass sie nicht mehr lange Leben wird, und umso wichtiger wird ihr das Sammeln von Licht und von Bildern. Die Geschichte an sich wäre sehr schnell erzählt, und ich möchte diejenigen Leser davor warnen, die eine Liebesgeschichte erwarten oder einen dieser unsäglichen unzähligen historisch angehauchten "Braut-wandert-aus" Romane. Sechzig Lichter ist nichts davon. Es ist sperrig und zugleich unglaublich poetisch geschrieben. Es ist ein Roman über die Faszination der Bilder und der Geschichten, die aus ihnen sprechen. Über die Hingabe an die Fotografie und dem, was sie im Kern ausmacht: Das ungeschönte Konservieren von Stimmung, Atmosphäre und Emotionen. Der Roman ist auch nicht umsonst zeitlich in den Anfängen der Fotografie angesiedelt, denn heutzutage kann ja jedes Telefon schon Fotos aufnehmen. Zur damaligen Zeit war ein einziges Foto mit einem riesen technischen und zeitlichen Aufriss verbunden, da musste man such schon gut überlegen, was und warum man fotografiert. Und dennoch nimmt Lucy ihre Fotografien so intuitiv wie möglich auf - ohne dabei etwas zu retuschieren, verstecken oder schönen zu wollen, denn das mit Makeln Behaftete fasziniert Lucy, es ist für sie menschlich (ähnlich wie bei der grandiosen Fotografin Diane Arbus): "Zufall und Irrtum. Das sind die schönen Dinge." Ich bin ebenso nur zufällig (durch einen Hugendubelgrabbeltisch) an dieses Buch geraten, und das sind ja bekanntlich oftmals die besten!

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  • Ein bild- und sprachgewaltiges Buch

    Sechzig Lichter
    Marilou

    Marilou

    04. September 2015 um 21:52

    Ein herrliches Buch. Gewaltig. Ich habe mir gewünscht, es möge nie aufhören, denn ich hätte der Geschichte noch ewig weiter folgen wollen. Da ich selbst sehr ambitioniert und mit viel Herzblut fotografiere und mich zudem sehr für die Geschichte der Fotografie interessiere, schien dieses Buch wie für mich gemacht geschrieben: “Lucy Strange ist eine der ersten Fotografinnen des 19. Jahrhunderts. Ihr Leben war kurz, aber prall gefüllt mit Licht, Farbe und Abenteuer. Ein grandioses viktorianisches Lebensbild zwischen Sydney, Bombay und London und zugleich eine Archäologie der Fotographie. Ein Roman von flammender Schönheit.” Und ich wurde nicht enttäuscht. Lediglich der Anfang machte mir etwas zu schaffen, ich musste mich erst in die etwas nüchterne und beinahe distanzierte Sprache gewöhnen, und brauchte etwas um in die Geschichte rein zu kommen, da Gail Jones weit ausholt und zuerst das weit zurückliegende Kennenlernen von Lucys Eltern beschreibt. Abgesehen von diesen Startschwierigkeiten habe ich die Sprache bald sehr zu schätzen gelernt. Das Buch ist voller Metaphern, und ich habe mich der forschen Lucy und ihrer hingebungsvollen Faszination für das Licht sofort verbunden gefühlt. Licht, schon im Buchtitel enthalten, nimmt einen zentralen Platz in Lucys Leben ein. Fotografie bedeutet “Schreiben mit Licht”. Selbst Lucys Name leitet sich ab von “Lux”, was ebenfalls Licht bedeutet. Lucy entwickelt schon lange bevor sie erstmals überhaupt mit der Fotografie in Berührung kommt, eine regelrechte Obsession für das Licht, für die Atmosphäre, die es schaffen kann und seine physikalischen Besonderheiten. An vielen Stellen des Buches wird das Licht geradezu beiläufig erwähnt, und man muss sehr aufmerksam lesen oder so wie ich selbst stark für Lichtsituationen sensibilisiert sein, um dies zu bemerken. Lucys kurzes, aber intensives Leben führt sie als Waise aus Australien über London nach Indien und wieder zurück nach England. Von Beginn an zentral ist neben dem Licht für Lucy der Drang zum Festhalten von Situationen, von Momenten, von Stimmungen. So legt sie schon früh ihr “Journal of Special Things Seen” an, in welchem sie Dinge festhält und akribisch beschreibt, die ihr aufgefallen sind. Sehr richtig bemerkt sie Jahre später, nachdem sie zur Fotografin wurde, dass dieses Tagebuch Besonderer gesehener Dinge für sie das war, was ihr nun die Fotografie ist. Denn “jedes fotografische Unterfangen ist der Versuch, ein Gesicht heraufzubeschwören und das wieder aufzuspüren, was sich hinter dem Geschehenen verbirgt.” Lucy legt keinerlei Wert auf technische Perfektion, obwohl sie die Fotografie handwerklich solide bei einem Fotografen erlernt. Ein gutes Bild ist für Lucy eines, das den Moment so abbildet, wie er war. Und wenn das Foto unscharf ist, dann ist das eben eine Aussage für sich und kein Makel. Ich liebe diese Einstellung und könnte Gail Jones dafür küssen, mit welch schönen Worten sie diese zu Papier gebracht hat! Lucys “äußeres” Leben ist entbehrungsreich und doch so reich. An Bildern, Erfahrungen, Menschen. Als Waise von dem fürsorgeberechtigten alten Onkel an dessen alten Freund Isaac nach Indien “verkauft”, erlebt sie auf der Überfahrt mit dem Schiff ihre erste Liebe. Sie wird bitter enttäuscht, jedoch bleibt ihr dieser Mann auf ewig liebevoll im Gedächtnis – weil er “ein neues Wort für das Licht gewusst hat.” Isaac entpuppt sich als alt und grau, aber harmlos und nicht weniger verschroben als Lucy selbst. Diese ist unglückseligerweise bereits schwanger als sie in Indien ankommt, doch das ungleiche Paar entwickelt allen Widrigkeiten zum Trotz Respekt, wenn auch keine Liebe, füreinander. Jeder profitiert vom anderen, jeder auf seine Weise. Lucy reist schließlich mit ihrer Tochter zurück nach England, und auf auf dieser Überfahrt nimmt eine folgenschwere Veränderung ihres Körpers ihren Lauf: Sie erkrankt an der Schwindsucht (=Tuberkulose). Lucy ahnt, dass sie nicht mehr lange Leben wird, und umso wichtiger wird ihr das Sammeln von Licht und von Bildern. Die Geschichte an sich wäre sehr schnell erzählt, und ich möchte diejenigen Leser davor warnen, die eine Liebesgeschichte erwarten oder einen dieser unsäglichen unzähligen historisch angehauchten “Braut-wandert-aus” Romane. Sechzig Lichter ist nichts davon. Es ist sperrig und zugleich unglaublich poetisch geschrieben. Es ist ein Roman über die Faszination der Bilder und der Geschichten, die aus ihnen sprechen. Über die Hingabe an die Fotografie und dem, was sie im Kern ausmacht: Das ungeschönte Konservieren von Stimmung, Atmosphäre und Emotionen. Der Roman ist auch nicht umsonst zeitlich in den Anfängen der Fotografie angesiedelt, denn heutzutage kann ja jedes Telefon schon Fotos aufnehmen. Zur damaligen Zeit war ein einziges Foto mit einem riesen technischen und zeitlichen Aufriss verbunden, da musste man such schon gut überlegen, was und warum man fotografiert. Und dennoch nimmt Lucy ihre Fotografien so intuitiv wie möglich auf – ohne dabei etwas zu retuschieren, verstecken oder schönen zu wollen, denn das mit Makeln Behaftete fasziniert Lucy, es ist für sie menschlich (ähnlich wie bei der grandiosen Fotografin Diane Arbus): “Zufall und Irrtum. Das sind die schönen Dinge.” Ich bin ebenso nur zufällig (durch einen Hugendubelgrabbeltisch) an dieses Buch geraten, und das sind ja bekanntlich oftmals die besten!

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  • "Sechzig Lichter" von Gail Jones

    Sechzig Lichter
    Jacynthe

    Jacynthe

    31. May 2014 um 09:34

    Klappentext Lucy Strange ist eine der ersten Fotografinnen des 19. Jahrhunderts. Ihr Leben war kurz, aber prall gefüllt mit Licht, Farbe und Abenteuer. Ein grandioses viktorianisches Lebensbild zwischen Sydney, Bombay und London und zugleich eine Archäologie der Fotografie. Ein Roman von flammender Schönheit. Meine Meinung Ich brauche immer eine gewisse Zeit, bis ich mich an den Schreibstil des jeweiligen Autors gewöhnt habe und flüssig lesen kann. Meistens sind es nur ein, zwei Seiten, manchmal nur wenige Sätze. Selten brauche ich aber so lange, wie bei diesem Buch. Zum einen lag das daran, dass die Geschichte anfangs häufig zwischen Personen und Generationen hin und her springt. Zum anderen lag es an der wunderbar bildhaften Sprache von Gail Jones. Man sollte ja meinen, dass eine Geschichte umso farbiger wird, desto genauer und bildhafter beschrieben wird. Das mag auch so sein und Jones hat wirklich einen schönen Stil. Mir kommt dabei aber mein Bestreben in die Quere, alles genau in mich aufzunehmen und mir alles so intensiv vorzustellen, wie es geschrieben wird. Diese Eigenschaft mag ich generell schon an mir, aber wenn ich Satz für Satz innehalten muss und mir das Bild vor Augen holen will, weil es so genau und so wunderbar beschrieben ist, dann strengt das auf Dauer sehr an. Jeden beschrieben Duft will ich mir ins Gedächtnis rufen, jede Farbe genau vor Augen haben. Ich musste erst lernen, teilweise über die Sätze hinwegzulesen um den Faden nicht zu verlieren. Klingt das jetzt komisch? Naja, vielleicht versteht ja der ein oder andere von euch, was ich meine.  Die Geschichte spannt sich zwischen Australien, Indien und London und ist ständig überschattet vom Tod, was sie ein klein wenig düster wirken lässt. Schon im Klappentext wird deutlich, dass die Protagonistin Lucy Strange, eine Fotografin im 19. Jahrhundert, am Ende sterben wird. Lange dachte ich, dass es sich bei dem Buch um eine Biografie handelt, doch anscheinend sind alle Personen erfunden, was ich sehr schade finde. Ich hätte gern noch mehr über Miss Strange erfahren.  Das Buch beginnt mit ihrer Kindheit und dem Tod ihrer Eltern. Die jeweilige Geschichte von Mutter und Vater und deren Kennenlernen wird mit eingeflochten. Lucy und ihr Bruder Thomas werden von ihrem Onkel Neville nach London geholt und verleben eine recht glückliche Zeit, bis Neville sie bittet, eine Ehe mit einem alten Freund von ihm, Isaac, in Indien in Erwägung zu ziehen. Auf der Überfahrt beginnt die 16-jährige Lucy eine Affaire und wird schwanger. Eine Ehe mit Isaac kommt nun nicht mehr in Frage, doch sie werden Freunde und nach der Geburt ihrer Tochter Ellen kehrt Lucy nach London zurück - mittlerweile mit dem Wissen um die Kunst der Fotografie. Mir hat ein bisschen gefehlt, dass nicht beschrieben wurde, wie genau Lucy das Fotografieren lernt, nur dass sie von einem Fotografen unterrichtet wird, wird erwähnt. Als sie nach Hause kommt ist sie aber plötzlich im Besitz einer kompletten Ausrüstung. Ihr Bruder hat mittlerweile geheiratet und bei ihren Spaziergängen begegnet Lucy ihrem früheren Kindermädchen aus Australien wieder sowie dem jungen Jacob Webb. Doch Lucy hat Tuberkulose und stirbt schließlich im Kreise ihrer Lieben. Sie wurde 22 Jahre alt. Lucy sieht alles um sich herum wie durch eine Kamera. Bevor sie fotografieren kann führt sie eine Art Tagebuch mit dem Titel "Besondere Gesehene Dinge" und später kommt das Buch "Nicht Entstandene Fotografien" hinzu. Sie liebt unvollkommene Fotografien, wie sie Zeit ihres Lebens nicht erwünscht waren: Lichthöfe, Schattenwürfe, Fingerabdrücke beim Entwickeln. Sie scheint stets entrückt von der Welt, schwebt immer in der Vergangenheit oder stellt sich vor, was die Menschen in der Zukunft mit der Fotografie vollbringen könnten. Ich habe mich oft gefragt, wodurch sie ihre Reife gewonnen hat, die trotz ihres jungen Alters nicht unglaubwürdig klingt. Am Ende wird sogar noch aufgelöst, warum das Buch "Sechzig Lichter" heißt, was mich zum schmunzeln brachte. Ich war erstaunt, das Jones das Buch gerade so genannt hat. Ich vergebe 3 von 5 Wolken für dieses Buch.

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  • Rezension zu "Sechzig Lichter" von Gail Jones

    Sechzig Lichter
    muprl

    muprl

    22. June 2009 um 13:01

    Ja, es gibt sie, die anspruchsvollen historischen Romane! Hier verkleidet sich nicht die Frau als Mann und verliebt sich dann schmalzig-schnulzig in einen schönen Edelmann. Nein, hier haben wir eine sehr realistische und feinfühlige Schilderung des Lebens im 19 Jahrhundert. Elegant im Stil wird das Leben einer Frau zwischen England und Indien beschrieben, die durchaus Schicksalsschläge hinzunehmen hat. Viel wissenswertes über die Entwicklung der Fotografie bekommt man noch obendrauf und ist am Ende sehr zufrieden mit diesem auch fabelhaft gebauten Roman.

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  • Rezension zu "Sechzig Lichter" von Gail Jones

    Sechzig Lichter
    asita

    asita

    21. January 2008 um 11:57

    ... einer der schönsten bücher der letzten zeit. ich hoffe frau heidenreich berichtet mal davon! die geschichte der lucy strange ist voller licht, farben, abnteuer und ...

  • Rezension zu "Sechzig Lichter" von Gail Jones

    Sechzig Lichter
    SV

    SV

    28. December 2007 um 17:58

    Gail Jones – Sechzig Lichter The Morning Sun And All It’s Glory, singt Van Morrison einmal und davon handelt dieses Buch: Sonne, Licht und auch “Glory” „Eine Stimme im Dunkel: „Lucy?“ Es war ein feuchtwarmes Wispern. Sie wollte das, wollte die gedämpfte Behutsamkeit in Bettzeug gehüllt, das durch die hitzige Zusammenkunft ihrer Körper parfümiert und benetzt worden war. Das Tropische des Bettes. Die Verdichtung ihrer selbst im Schoß eines ehelichen Bündnisses. Die späte Nachtluft stand vollkommen still. Insekten stießen gegen das Moskitonetz, das sie silbrig umgab und wie ein Brautschleier konisch herabfiel. „ So beginnt der neue Roman von Gail Jones. Am Ende des Buches angelangt kann man auf die Idee kommen, dass hier eine Inhaltsangabe drinsteckt, die Kapiteleinteilung. „Lucy“ wird vorgestellt, die Heldin und Hauptfigur des Buches, mit dem „feuchtwarmen Wispern“, entsteht sofort ein Bild, man sieht sie da liegen, ein Gegenüber ist auch da. „Das Tropische des Bettes“ - der Roman beginnt in Australien, nein, noch früher, von den Eltern her, in Indien und China, da schon eine unpassende Liebesgeschichte, Lucy wird ebenfalls eine unpassende Liebesgeschichte erleben, auf dem Weg nach Indien, an Bord des Schiffes, das sie zu ihrem möglicherweise künftigen Ehemann bringen soll. Nach dem Tod der Eltern holt ein Onkel sie und ihren Bruder ins kalte, feuchte England. Der Onkel hat Schulden bei einem Freund in Indien und hofft, mit der Nichte bezahlen zu können – das klingt gemeiner als es gedacht ist, er ist kein böser Onkel, nur von großer Hilflosigkeit und Lebensuntüchtigkeit, wie sie häufig vorkommt. Schwanger kommt sie an in Indien und wird doch höchst anständig behandelt, bei ihrer Rückkehr nach England als ehrbare Witwe ausgegeben, ist der Onkel tot, der Bruder heiratet, sie findet einen neuen Liebhaber. Das nur als Rahmen, sehr verknappt, um zu zeigen, dass sie in extrem unterschiedlichen Temperatur- und Wetterverhältnissen lebt. Sie beobachtet sehr genau das Licht, beginnt sich in Indien für Fotografie zu interessieren, schon vorher hat sie ein geheimes Tagebuch „Besonderer Gesehener Dinge“ geführt. Sie möchte sich an Szenen erinnern, Bilder festhalten, beobachtet, beschreibt, lernt schließlich zu fotografieren. Sie versucht mehr zu fotografieren, als auf den ersten Blick zu sehen ist. Ich glaube, Gail Jones hat ein bisschen auch den Gedanken an das Seelennehmende der Fotografie mit hineingeschrieben ins Buch, die Seele sichtbar machen auf dem Foto … Ein Buch über das Sehen also, aber das noch Wichtigere, das was mir am interessantesten ist, und was Gail Jones, bei aller Zielgerichtetheit zum Thema Licht, Sehen, Fotografie hineinverpackt, ist das was Lucy so interessant macht für Leser: „Sie erfuhr, wie andere Menschen mit dem Abenteuer, am Leben zu sein, umgingen.“ Ein Buch aus dem man immer wieder zitieren möchte, laut vorlesen, sich am ungewöhnlichen und geschickten, bildermalenden Umgang mit Adjektiven erfreuen kann, trotzdem will ich einfach nicht zu viel über den Inhalt reden, sondern dem Buch viele Leser wünschen, aber eines noch, um den Zauber der Prosa von Gail Jones zu demonstrieren: Lucy, ihre Tochter Ellen, Mrs. Minchin, ihnen schon bekannt aus Australien und in England wiedergefunden, und Jacob Webb, ein junger Mann aus der näheren Bekanntschaft, Maler, Künstler, machen einen Ausflug. Ellen wirft ein Glas Himbeersirup um. „„Schöne Schweinerei,“ sagte er errötend Lucy beugte sich langsam zu ihm vor, nahm sein bärtiges Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger und küsste Jacob Webb sehr sanft auf den Mund. Sie spürte, wie sich Ellen an sie schmiegte und versuchte, die Aufmerksamkeit wieder auf sich zu lenken, und spürte auch die Energie von Mrs. Minchins wohlwollendem Blick. Es war eine vollkommen klare und perfekte Handlung. Jacob lächelte breit. Liebe war diese plötzliche Klarheit, diese Richtigkeit der Gesten und Gefühle. Diese süße Feierlichkeit. Alle meine Bilder, dachte Lucy, alle Seltsamkeiten, die ich bemerkt, alle Ansichten, die ich aufgezeichnet habe, laufen auf dieses schlichte Ereignis zu, wie wir hier an einem Sommertag in London im England des Jahres 1871 Eis essen.“

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