Gaito Gasdanow

 3.8 Sterne bei 77 Bewertungen
Autor von Das Phantom des Alexander Wolf, Ein Abend bei Claire und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Gaito Gasdanow

Das Phantom des Alexander Wolf

Das Phantom des Alexander Wolf

 (53)
Erschienen am 01.09.2014
Ein Abend bei Claire

Ein Abend bei Claire

 (12)
Erschienen am 01.06.2015
Die Rückkehr des Buddha

Die Rückkehr des Buddha

 (8)
Erschienen am 04.08.2017
Nächtliche Wege

Nächtliche Wege

 (3)
Erschienen am 19.02.2018
Die Rückkehr des Buddha: Roman

Die Rückkehr des Buddha: Roman

 (1)
Erschienen am 01.02.2016
Glück

Glück

 (0)
Erschienen am 01.01.2014
Das Phantom des Alexander Wolf

Das Phantom des Alexander Wolf

 (0)
Erschienen am 10.02.2014
Das Phantom des Alexander Wolf

Das Phantom des Alexander Wolf

 (0)
Erschienen am 10.02.2014

Neue Rezensionen zu Gaito Gasdanow

Neu
L

Rezension zu "Das Phantom des Alexander Wolf" von Gaito Gasdanow

"Russischer Camus" Gaito Gasdanow
Le_Kiravor 2 Jahren

In der letzten Zeit musste ich viel über die Zufälle nachdenken. Manchmal passiert so etwas, dass man sich wundert, wie ein Mensch, ein Ort oder eine Situation alles auf einmal verändern kann. Dieses Thema ist ja nicht neu. Aber ich teile dabei eher die Meinung der französischen Existenzialisten wie Sartre und Camus, dass nicht der Zufall an sich, sondern eine bewusste Entscheidung an dem Moment ein Schicksal ändert. Diese existenzielle Wahl verändert die Person und ruft bestimme Ereignisse hervor. Diesen Gedanken fand ich auch bei Gaito Gasdanow wieder, dem Schriftsteller, der „russischer Camus“ genannt wird. Sein Buch „Phantom des Alexander Wolf“ erschien in der deutschen Übersetzung erst vor einigen Jahren und war eine große Entdeckung. Denn der russischer Emigrant in Paris der 20er/30er schrieb nicht nur über die alles verändernde Wahl (in dem Fall ein Mord), sondern auch über die Zwiespältigkeit einer Persönlichkeit. Der Protagonist gibt zum Beispiel zu, dass seine Liebe zu solch unterschiedlichen Dingen wie einer brutalen Schlägerei mit irgendwelchen Gaunern und der Poesie von Baudelaire gleich groß ist. Die zu einander nicht passenden Gesichtszüge und Beschäftigungen, Gefühle und ihre Ausdrucksweisen beobachtet er auch ständig in seiner Umgebung. Diese Disharmonie quellt ihn und er findet, ganz in der existenzialistischen Tradition, dass sein Leben in dieser absurden Welt eigentlich keinen Wert hat. Am Ende trifft er seine existenzielle Wahl und tötet jemanden, der seine eigene dunkle Seite widerspiegelt. Er tötet ihn diesmal, beim zweiten Versuch nach vielen Jahren, ohne nachzudenken, für die Liebe zu seiner nicht weniger widerspruchsvollen Geliebten.

Ein ganz tolles Buch für Psychologismus-Fans, das russische Metaphysik mit französischem Existenzialismus verbindet. Eine Lektüre, um um sich herum zu schauen, den Absurd der Welt zu merken und zu entdecken, dass jeder sein zweites Gesicht tief in seiner Seele versteckt. Und nichts ist schwarz oder weiß und das Leben dauert zu kurz, um sich über das Verhältnis zu ärgern. Am schlausten erscheint es einfach zu versuchen, die eigene „gute Seite“ zu zeigen, indem man die für sich richtige Entscheidungen trifft, egal wie absurd die Welt auf sie reagiert.

Da das Leben ja so kurz ist, habe ich das Buch in Russisch gelesen, was in meinem Fall Zeit spart. Deswegen keine Garantie für die deutsche Übersetzung.

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JulesBarroiss avatar

Rezension zu "Die Rückkehr des Buddha" von Gaito Gasdanow

Provozierend vielschichtig
JulesBarroisvor 3 Jahren

Die Rückkehr des Buddha von Gaito Gasdanow (Autor), Rosemarie Tietze (Nachwort, Übersetzerin), 224 Seiten, Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (1. Februar 2016), 19,90 €, ISBN-13: 978-3446250475

Gaito Gasdanow erzählt nicht nur einfach eine Geschichte. Nein, er geht weit darüber hinaus und behandelt viele Geschichten, die ständig parallel verlaufen, chaotisch sind. Die in den Vordergrund treten, sich verstecken und sich gegenseitig ins Wort fallen. Die sich verknüpfen und sich durchbrechen, sich umgehen, sich überschneiden und sich gegenseitig bespitzeln, sich verraten und in die Irre führen. Geschichten die Spuren legen und sie wieder verwischen, und vor allem Geschichten, die in sich noch Abertausende von anderen Geschichten bergen.

Es gibt keine detaillierte und komplette Beschreibung der Figuren, keine fertigen, abgerundeten Persönlichkeiten. Die Figuren entstehen aus ihren manchmal unglaublichen Handlungen. Missstände, offene Fragen, Unsicherheit, Zweifel haben Vorrang vor der Unterhaltung des Lesers. Metaphysisches Puzzle wäre ein passender Ausdruck.

Der russische Student, dessen Namen, dessen Äußeres und dessen Lebensumstände wir nie erfahren, ist nur ein normaler Migrant mit allen Schwächen und Gebrechlichkeiten: geängstigt, zerrissen, mittelmäßig, oft verzagend und vor allem unverwechselbar in seiner „Paranoia“. „... meine hartnäckige Geisteskrankheit, die mich in die kalten und abstrakten Räume fortzog, von denen ich nicht los kam.“ (Seite 71) Es scheint eine radikale und unheilbare Zerrissenheit zu sein. „... und da stand vor mir jene übliche, weiche Düsternis, die ich so oft verließ und in die ich so oft zurückkehrte, wenn ich aus der einen Welt in die andere überwechselte und erneut in der stummen Tiefe wiederfand, nach jedem seelischen Absturz.“ (Seite 86)

Dieser russische Student ist der Icherzähler ungeheuer vieler Geschichten, Visionen, Begegnungen, Träume. Seine Beziehung zu Pawel Alexandrowitsch Schtscherbow und seiner jungen Geliebten Lida steht im Mittelpunkt. In diese Geschichten rankt sich der Kriminalfall ein. Pawel Alexandrowitsch wird ermordet und seine goldene Buddhastatuette verschwindet. Verhaftung, Befragungen, Verhöre durch Inspektoren und Untersuchungsrichter folgen. Eine Fülle von Figuren ist vertreten: die syphilitische Sina, ihre Tochter Lida, Amar ihr Zuhälter, der mausgraue Schnorrer, Georgette und Gugusse, Catrine, Mado, Mr. Thomas Wilkins der Blumenhändler aus Chicago. Alle fein gezeichnet auch bei nur kurzen Auftritten. Und in diesem „ … unglaublichen Gemenge von Trunksucht, Leidenschaft für Blumen, käuflichen Frauenkörper und analphabetischen Zuhältern“ (Seite 158) taucht schließliche der goldene Buddha wieder auf.

Gaito Gasdanow beleuchtet Möglichkeiten und Grenzen des Menschen in seiner gegenwärtigen Zeitsituation, in seinen Krisengebieten, in seinem Selbstmitleid, seiner Hybris, seiner Paranoia, seiner Jämmerlichkeit, seiner Brillanz, seiner Glücklosigkeit.

Der Stil von Gaito Gasdanow ist einerseits redselig und warmherzig aber auch grotesk, morbid und verführerisch bis hin zu melancholisch, erregt und verzweifelt. Ein Paradestück der literarischen Moderne.

Das Buch hat Überraschungs-, Provokations- und Irritationspotenzial, das den Leser zwingt, die vielschichtigen und sich eindeutigen Interpretationen entziehenden Texte zu entschlüsseln, Texte deren Dramaturgie statt um ein zentrales Moment um mehrere kreisen.

Dieser menschlich feine und anrührende Roman ist ein Meisterwerk der klassischen Moderne und verleiht dem Nichtdarstellbaren einen sichtbare Ausdruck.

Für alle die an wirklicher Literatur interessiert sind und trotzdem nicht auf beste Unterhaltung verzichten wollen. Sehr empfehlenswert.


Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Hanser Verlages

http://www.hanser-literaturverlage.de/buch/die-rueckkehr-des-buddha/978-3-446-25047-5/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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lesestundens avatar

Rezension zu "Ein Abend bei Claire" von Gaito Gasdanow

Ein echter Geheimtipp und ein ganz besonderer Autor, mit einem ganz eigenen Stil
lesestundenvor 3 Jahren

Gasdanow ist ein echter Geheimtipp und ein ganz besonderer Autor, mit einem ganz eigenen Stil. Seine Sätze sind verschlungen, gleichen oft Gedanken, die einem auch selbst durch den Verstand streifen und er schafft es dabei Themen wie Liebe und Sinnlichkeit mit Tod und Traurigkeit in Verbindung zu bringen. Kunstvoll, manchmal etwas wenig strukturiert, aber eindrucksvoll und immer mit einer tiefen Melancholie, die sowohl die Protagonisten, aber auch die ganze Stimmung erfasst und immer die Erinnerung an den Krieg aufrecht erhält und auf den Leser überträgt. Ich hätte mir hier aber weniger Kriegserinnerungen gewünscht, weniger Tod und emotionales Elend und dafür ein stärkeres Gewicht auf die Liebe und die Verbindung zur Sinnlichkeit und seiner Liebe zu Claire. Wie großartig ein solches Gleichgewicht sein kann, zeigt Gasdanow eindrucksvoll in seinem Buch Das Phantom des Alexander Wolf.

Ausführliche Rezension: http://www.lesestunden.de/2015/12/ein-abend-bei-claire-gaito-gasdanow/

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