Galsan Tschinag Der Mann, die Frau, das Schaf, das Kind

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Inhaltsangabe zu „Der Mann, die Frau, das Schaf, das Kind“ von Galsan Tschinag

Ein Mann, eine Frau, ein Schaf – eine Begegnung, nicht auf dem Land, sondern im Hausflur eines großstädtischen Hochhauses. Die junge, gut aussehende Frau hat in einem Fernsehquiz ein Schaf gewonnen, doch was soll sie in ihrem schäbigen Wohnblock damit anfangen? Das Schaf ist am falschen Ort, aber sind es nicht vielleicht auch der Mann und die Frau?

Er ist ein alter, gestrandeter Nomade und vertraut im Umgang mit Tieren. Sie ist jung und hilflos, nicht nur gegenüber dem Schaf. Die Angehörigen ihres ehemaligen Liebhabers, eines mächtigen Oligarchen, stellen ihr nach. Beide haben ihre Erfahrungen gemacht in der neuen Metropole, die postkommunistische Blüten treibt. Gier, Neid, Gewalt, alles was Menschen sich antun können, haben sie erfahren, und nun werden sie einander Zuhörer und Fürsorger. Sind sie Vater und Tochter, Mutter und Sohn? Liebende?

Ein Ausflug in die Mongolei! Sehr amüsant und lehrreich.

— Mrs_Nanny_Ogg

Sehr sehr schön....still, leise und poetisch

— sedmi

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  • Frau, Tochter, Mutter, Liebende?

    Der Mann, die Frau, das Schaf, das Kind

    Mrs_Nanny_Ogg

    03. August 2016 um 17:27

    Das ist der erste Roman des mongolischen Schriftstellers Galsan Tschinag, den ich gelesen habe, wie ich feststellen musste, leider erst der erste! Der Schriftsteller wurde in der Westmongolei geboren und ist dort Stammesoberhaupt der Tuwa. Da er in den 60er Jahren in Leipzig Deutsch studiert hat, schreibt er viele seiner Werke auf Deutsch. Beim Lesen des Romans wusste ich das noch nicht und habe immer wieder die tolle - und wie ich annahm - schwierige Übersetzungsarbeit gelobt. Tschinags Sprache ist sehr poetisch und wohl auch gewöhnungsbedürftig. Sie behält den blumigen, bildhaften Tonus des mongolischen bei. Gerade dadurch erfährt die verrückte Geschichte um einen alten Mann, eine junge Frau, ein Schaf, das zugegebenermaßen gleich im ersten Kapitel geschlachtet wird, und um ein Kind den besonderen fremdartigen Zauber der Mongolei. Nüdüül ist schon ein betagter Rentner, der in einem anonymen Hochhaus wohnt. Eines Tages bemerkt er die junge Frau aus einem der oberen Stockwerke, die mit einem Hammel verschämt vor dem Aufzug steht! Ein Schaf in der Stadt? Die junge Frau fasst sich ein Herz und bittet Nüdüül auf das Schaf aufzupassen, bis sie wieder zurück ist. Doch Dsajaa kommt und kommt nicht und Nüdüül hat Angst, dass sie die Nachbarn beschweren. Aber der Alte ist in nomadischer Tradition erzogen worden und kurzerhand schlachtet er das Schaf, zerlegt es fachmännisch und fängt an, es haltbar zu machen. Da kommt Dsajaa zurück, blau geschlagen und mit einem Verband um den Kopf. Sie erkennt in Nüdüül einen Seelenverwandten und bald sind die beiden nicht nur Nachbarn. Vater und Tochter? Mutter gar? Sie erzählen sich ihre turbulente Lebensgeschichte und wachsen so immer mehr zusammen.Ich habe durch dieses Buch Lust auf mehr bekommen! Galsan Tschinag hat mein Interesse an diesem Land, an seiner Kultur geweckt und ich freue mich auf mehr Romane aus dieser Ecke der Welt.

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  • "Das Leben ist eine Wuseltasche mit mehr Falten als der Blättermagen des größten Ochsen."

    Der Mann, die Frau, das Schaf, das Kind

    HeikeG

    02. August 2015 um 14:32

    "Die ganze Kunst lebt von Übertreibung, wie alle Lebewesen vom Sauerstoff leben!" Übertreibung steht für den Überschuss an Kraft und Leidenschaft eines Künstlers. Damit stellt selbiger zugleich die Seele der Menschheit dar. Einen eindrucksvollen Beleg von der Richtigkeit dieser Aussage bietet der auf deutsch schreibende mongolische Autor Galsan Tschinag mit seinem neuesten Roman. Schon allein der Titel seines jüngsten Werkes klingt alles andere als herkömmlich. Aber auch der Inhalt weist Zuspitzungen und Superlativen auf. Indirekt könnte man die Handlung gar als Hyperbel bezeichnen, obwohl der Großteil durchaus im Glaubwürdigen angesiedelt ist. Allerdings bleibt für hiesige Verhältnisse aller Wahrscheinlichkeit einiges schwer nachvollziehbar. Doch schon bei ein wenig Vertrautheit mit der Lebensweise des zentral- bzw. südostasiatischen Raums erscheint der Großteil der Handlung ganz und gar nicht übersteigert. Schon der Einstieg in den Plot gestaltet sich alles andere als gewöhnlich. Da steht eine junge, "blütenzarte, zerbrechliche Frau, (...) deren ganze Erscheinung an ein hauchdünnes, schneeweißes Porzellanstück denken ließ, das eher zum Glasschrank in der guten Stube angeberischer Städter gehörte und als Alltagsgeschirr ganz und gar ungeeignet war", völlig hilflos mit einem herzerweichend blökenden Hammel im Treppenhaus eines Hochhauses der mongolischen Hauptstadt. Als Retter in der Not erweist sich ein alter Mann, "mit schütterem, grauen Haar und zerfurcht schwitzigem Gesicht, das alle Erschöpfung der Welt auszustrahlen schien." Während die junge Frau Hilfe zu holen verspricht, nimmt er sich der "gepeinigten Kreatur mit den harngelben Augen" an und bugsiert den Hammel in seine kleine Paterre-Wohnung. Als er dort stundenlang weiterblökt, schlachtet, zerlegt und portioniert ihn kurzerhand säuberlich und verspeist ihn nach Rückkehr der Dame genüsslich mit jener. Danach erzählt man sich gegenseitig seine Lebens- und Leidensgeschichten, die mancherlei Überraschungen bereithalten. Letztendlich kumulieren die Freuden und Kümmernisse der zwei, auf den ersten Blick so ungleichen, bei näherem Kennenlernen doch ziemlich ähnlichen, hoffenden und wartenden, gequälten Seelen in einem versöhnenden Finale Grande. Das hört sich nach einem sauber gestrickten Plot an, der vielleicht recht gut ins Genre Parodie und Slapstick passen würde. Doch damit würde man dem Werk des mongolischen Autors keinesfalls gerecht werden. Denn wie er das Schicksal von Nüüdül und Dsajaa darstellt, ist erstaunlich, lesenswert und literarisch überaus bereichernd. In blumigen, zuweilen recht interessant-kreativen Wortgestaden erzählt Galsan Tschinag anhand der Schicksale seiner beiden Protagonisten zugleich die zuweilen recht erschreckende Entwicklung seines Heimatlandes. Er berichtet von Korruption und Gewalt, von der Kluft zwischen arm und reich, vom Höhenhimmel, der Steppenerde, viel Windsturm, Nomaden und Traditionen versus Stadt, Moderne und seelenloser Spaßgesellschaft. Glück und Nichtglück stehen genauso im Wechselspiel wie Schicksal und Höllenparadies. Das Buch liest sich zuweilen wie ein feinmaschiger Tagtraum, in dem man Bildern begegnet, "die lebensecht wirken und einander rasch ablösen", zuweilen jedoch einen ungeheuren Windsturm über die gequälten Seelenlandschaften der beiden Hauptdarsteller brausen lassen. Zudem gelingt es Tschinag beim Verknüpfen der Schicksalsfäden mittels literarischer Stilmittel eine unglaubliche Intensität an beinahe realen Gerüchen und Düften zu erzeugen. Fazit: "Schon der erste Satz packt und nötigt die Augen schon zum nächsten, der sie samt anderen Sinnen auf den wiederum nächsten zieht. So ergeht es ihm mit jedem weiteren Satz, und schnell ist er von einem Sog erfasst, der seinen Geist immer tiefer hineinführt in eine andere, lichterlohe Welt und ihm immer neue, immer köstlichere Nahrung vorsetzt." So wie Nüüdül das Lesen eines Buches mit dem Titel "Die Erde ist eine Weinende, am Ende ihrer Kräfte" empfindet, gestaltet sich gleichermaßen auch DIE Neuentdeckung des Herbstes 2013 des mongolischen Autors. Ein ungewöhnliches, ein außergewöhnliches Buch, ein "Zauberlicht der Wortkunst" aus einem Land, das durch seine geografischen wie politischen Gegensätze geprägt ist. Ganz nach dem Motto: "Das Leben ist eine Wuseltasche mit mehr Falten als der Blättermagen des größten Ochsen." Doch: "Lebt euren Träumen nach, holt sie ein und macht sie zu euren Dienern!" Aber: "Euer Hauptberuf sei der Mensch!" Ein unterhaltsam-nachdenkliches Buch voll Lebensweisheit und Wärme.

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