Garrard Conley lebt mit seinen Eltern zusammen und sein Vater ist ein bekannter Baptisten Prediger und seine Mutter folgt ihm bei allem. Garrad macht seinen Abschluss und ist immer brav in der Kirche mit dabei und dann geht es weiter für ihn aufs College. Gefühle werden wach und er fühlt es nur für Männer. Dann kommt ein folgenschwerer Anruf für seine Eltern. Ein Bekannter von Garrad outet ihn als schwul und die Hölle bricht los. Gesprächsrunden beginnen und der Vater holt zwei geistliche dazu und es wird beschlossen, dass Garrad eine Therapie machen muss und so beginnt ein Umerziehungslager. Hart, unmenschlich und auch mit Gewalt geht man hier vor. Aber manchmal, da gibt es auch Hoffnung und einen neuen Weg. Es ist eine wahre Geschichte, ein Bericht und es erschreckt dadurch umso mehr, weil sowas immer noch statt finden kann und statt findet. Sehr beklemmend und auch grausam.
Garrard Conley

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Boy Erased
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Bereits 2016 erschien diese Buchvorlage, in der Conley von seiner Zeit in einem »Ex-Gay«-Programm mit dem Namen »Love in Action« berichtet, also einer Einrichtung, in der man von Homo- oder Bisexualität zu Heterosexualität »umerzogen« werden soll. Ein stetiges Herunterbeten von sündigen Gedanken vor anderen Gruppenmitgliedern und Verbote von so mondänen Beschäftigungen, wie Lesen (wenn es nicht gerade die Bibel ist), standen hier an der Tagesordnung. Zusammenfassen lässt sich sein Erleben innerhalb des »Seminars« als eine einzige Selbstkasteiung. Für Conley hatte das Tradition, fügte es sich schließlich in seine eigene Geschichte als Heranwachsender ein, die ohnehin von Scham, Verleugnung und Selbstbestrafung geprägt war. Als Kind eines angehenden Baptisten-Prediger stand für ihn mit dem Zeitpunkt, in der er seine Homosexualität als Teil von sich begriff, fest, dass er gegen sie (und damit gegen sich selbst) würde angehen müssen.
Gerade dieser Teil seiner Geschichte nimmt in Boy Erased: A Memoir einen sehr breiten Platz ein; der kultivierte Selbsthass, der auf der anerzogenen Vorstellung eines strafenden, statt eines liebenden Gottes basiert und auf einer Erziehung, die nicht sagt, dass man gut ist, wie man ist, sondern die mahnt hart an sich zu arbeiten um Gott zu gefallen.
Für mein Empfinden war es gerade deswegen umso erstaunlicher, dass Boy Erased: A Memoir verfilmt worden ist, geht es wirklich unglaublich viel um das Innenleben des Autors Garrard Conley. Er verbringt letztlich auch »nur« zwei Wochen bei »Love in Action«. Das ist nicht relativierend gemeint, man bekommt schon einen ziemlich klaren Eindruck davon, wie schwerwiegend bereits diese Zeit Selbstwertgefühl und Selbstverständnis nachhaltig beeinträchtigt haben. Da ich das Buch jedoch vor genau diesem Hintergrund las (dass es verfilmt worden ist), fragte ich mich, wie gut es sich überhaupt filmisch adaptieren ließe, da viele Vorgänge, die bei »Love in Action« stattfinden auch nicht in dem Sinne sensationell erscheinen. Erst durch die Perspektive der detaillierten Monologe und Gedankengänge offenbart sich der vollständige Schaden, den Conley genommen hat.
Einen Hinweis darauf, wer als potentielle Adressat*innen infrage kommt, hat Conley selbst gegeben. Zu seinem Buch sagte er in einem Interview mit queer.de, er habe es bewusst nicht in sarkastischem Ton eines homosexuellen Mannes schreiben wollen, der über Conversion Therapy ablästert. Er sieht eine Diskrepanz zwischen einer »akademischen linken Blase« und Menschen des evangelikalen Amerikas. Um das Eingangs eingebrachte Zitat aus Boy Erased: A Memoir noch einmal aufzugreifen, so repräsentieren Buch und Film nicht nur schwule Heranwachsende, sie rücken auch dieses evangelikale Amerika in den Mittelpunkt, dass vielleicht für das »liberale Hollywood« nicht so besonders interessant ist und trotzdem seine damalige Lebensrealität (und das vieler Amerikaner*innen) darstellt.
Alles in allem war das Buch für mein Empfinden trotzdem in dem Sinne stärker, da es dem »Protagonisten« die reichere, komplexere Storyline gibt. Denn gerade die Einsicht in das Innenleben Conleys macht Boy Erased: A Memoir so stark.
Vollständige Rezension: queerbuch.wordpress.com
Mich hat diese autobiografische Erzählung sehr schockiert. Sicher wusste ich, dass es Umerziehungsmaßnahmen gibt, dass diese noch längst nicht überall verboten sind und bei den »Patienten« tiefgehenden emotionalen Schaden anrichten. Doch ich konnte mir bis heute wenig darunter vorstellen. Garrard Conley beschreibt in diesem Buch seine Erfahrungen einer zweiwöchigen »Vortherapie«, die darüber entscheiden sollte, wie tief das »Problem« in ihm verankert ist und wie viele Monate oder Jahre er dementsprechend in der Einrichtung verbringen müsse, um »geheilt« zu werden. Außerdem erzählt er in mehreren Zeitebenen von seinem religiösen Leben, dem Verhältnis zu seinen Eltern, seinem Inneren Coming Out und seinen ersten Erfahrungen.
Der Schreibstil ist auf der einen Seite sehr bildlich mit unglaublichen vielen Details, bei denen man sich kaum vorstellen kann, dass sich jemand nach so langer Zeit so gut an Momentaufnahmen eines traumatisierenden Erlebnisses erinnern könnte. Vielleicht versteift sich der Verstand genau dadurch allerdings auf Details, um sich nicht mit dem großen Ganzen konfrontieren zu müssen. Auf der anderen Seite fand ich es sehr schwer, Zugang zum Erzähler zu finden, da Gefühle nur aus sicherer Distanz beschrieben werden. Es wirkt oft so, als würde der Autor nicht seine eigene, sondern die Geschichte eines Fremden erzählen. Das mag zwar die direkte Verbundenheit mit dem Erzähler schmälern, legt allerdings nahe, wie traumatisierend die Erlebnisse für ihn gewesen sein müssen. Der Schreibstil wirkt wahnsinnig selbstreflektiert, so als hätte Garrard Conley allein durch das Schreiben seiner Biografie wieder zu sich selbst gefunden und musste sich dafür beim Schreibprozess selbst von seinen Emotionen distanzieren.
Mich hat besonders das Nachwort sehr betroffen gemacht, in dem er einige Stimmen von anderen Betroffenen Raum gibt. Menschen, die noch viel länger als er im Kreislauf der Ex-Gay-Therapie gefangen waren und dadurch unwiederbringliche (psychische) Schäden erleiden mussten. Ich habe von John Smid gelesen, seiner Zeit Conleys Betreuer bei Love in Action, selbst noch Teil des 12-Schritte-Programms. Nur einer von vielen Ex-Ex-Gays, die erst so viele Jahre später verstanden haben, dass weder ihre eigene noch die Homosexualität so vieler anderer Menschen »heilbar« ist; dass sie sich niemals wegtherapieren lässt.
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