Garrard Conley

 4.3 Sterne bei 6 Bewertungen
Autor von Boy Erased.
Garrard Conley

Lebenslauf von Garrard Conley

Dilemma zwischen fundamentalistischem Christentum und Homosexualität: Der 1985 geborene Autor ist in einer christlich-fundamentalistischen Gemeinde in Arkansas aufgewachsen. An der University of North Carolina hat er Kreatives Schreiben und Queer Theory studiert und anschließend Erzählungen und journalistische Beiträge im Time Magazine, in der Vice, auf CNN und BuzzFeed veröffentlicht. Sein autobiographisch geprägter Debütroman „Boy Erased“ erschien 2016 und wurde mit Lucas Hedges, Joel Edgerton, Nicole Kidman und Russell Crowe verfilmt. Thematisiert wird der Konflikt zwischen dem wörtlichen Verständnis der Bibel und der Homosexualität des Protagonisten, Sohn eines Baptistenpredigers. Mit seinem Ehemann lebt Garrard Conley in Brooklyn.

Alle Bücher von Garrard Conley

Boy Erased

Boy Erased

 (6)
Erschienen am 26.02.2018

Neue Rezensionen zu Garrard Conley

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PagesofPaddys avatar

Rezension zu "Boy Erased" von Garrard Conley

Bewegend und Intim
PagesofPaddyvor 23 Tagen

Es gibt so Bücher, Geschichte, da fällt es mir schwer einfach ein paar Zeilen zu schreiben und das war´s. „Boy Erased“ von Garrard Conley ist eines dieser Bücher, dieser Geschichten. Gelesen weil ich den Trailer zum Film gesehen habe. Gelesen weil ich das Thema sehr, sehr interessant finde. Gelesen um mir ein eigenes Bild zu machen. Und nachdem ich dieses Buch nun beendet habe fällt es mir so schwer etwas über dieses Buch zu sagen. Natürlich ist das was man hier liest teilweise einfach nur der pure Wahnsinn. Es ist, grade weil es so bodenständig und normal wirkt, unglaublich machtvoll und schockierend. Homosexualität und Glaube, Identität und Familie. Darum geht es in diesem Buch. Und wäre jedes dieser Themen an sich schon ein Buch wert, schafft es Conley hier ein Buch zu schreiben, das all diese hochkomplexen Themen verbindet. Es ist ein zutiefst intimer Blick auf eine Familie die nach ihrer Identität sucht. Im allgemeinen werden in diesem Buch Identitäten gesucht. Es ist ein so intimes Thema, so intim geschrieben und erzählt, manchmal ist es richtig schwer zu lesen. Es ist ein Werk was detailliert zeigt wie fundamentalistischer Glaube auf Homosexualität trifft, wie eine Familie auseinander bricht, wie Menschen andere Menschen manipulieren und wie der Wahn Homosexualität auszutreiben in Amerika (und sicherlich auch vielen anderen Ländern) praktiziert wird. Hier wird sich mit Scham, Angst und Furcht so intim auseinander gesetzt. Bemerkenswert! Ich gebe aber offen zu, ich hatte teilweise schon Schwierigkeiten das Buch zu lesen. Ich persönlich finde es schon relativ anspruchsvoll. Trotzdem überschattet die wichtige Thematik und die bemerkenswerte Story diese (persönliche) Schwäche.

 

FAZIT 

Ein besonderes, wichtiges Buch. Es macht nachdenklich und lässt am Ende doch auf eine bessere Zukunft hoffen. Eines der intimsten Bücher die ich bisher lesen durfte.

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weinlachgummis avatar

Rezension zu "Boy Erased" von Garrard Conley

Boy Erased
weinlachgummivor 23 Tagen

Boy Erased von Garrard Conley ist eine autobiografische Erzählung. Sie spielt 2003 / 2004 in den Südstaaten von Amerika und wurde auch verfilmt, ab dem 21.2.2019 wird der Film auch in deutschen Kinos zu sehen sein. Erased zu deutsch ausgelöscht, hinterlässt besonders nach dem Lesen einen bitten Beigeschmack.

"Ich wünschte mir, nichts von alledem wäre je geschehen.
Manchmal danke ich Gott dafür, dass es geschah"
Seite 8


Die Erzählung ist nicht geradlinig, sondern springt in der Zeit. So begleitet man zum einen Garrard an seinen Tagen bei der LIA ( Love in Action) blickt aber auch zurück, wie es in seinen Augen erst dazu kam, dass er dort gelandet ist. Garrard ist sehr religiös erzogen worden (missionarische Baptisten Gemeinde), sein glaube an Gott ist fest in ihm verwurzelt, aber auch die Angst davor, was passieren wird, wenn seine Familie und die Gemeinde erfahren, dass er auf Männer steht. So hat er eine Alibi Freundin und stürzt sich in Form von Videospielen in eine fiktive Welt. Als er dann auf das nahe College kommt, spürt er eine neue Freiheit, doch wirft ihn ein traumatisches Erlebnis zurück in die Scham und das Gefühl von Sünde und führt letztendlich dazu, dass er vor seinen Eltern geoutet wird.

Diese stellen ihrem Sohn ein Ultimatum, entweder du lässt dich heilen, oder du bist kein Teil dieser Familie mehr und das Studium musst du dir selbst finanzieren. Und so kommt es, dass Garrard sich einer Konversionstherapie unterzieht, um ein erfolgreicher Ex-Gay zu werden.

Auf eine oft nüchterne Art erzählt Garrard hier seine Geschichte. Ich glaube, diese nüchterne und auch distanzierte Art ist / war nötig, um es zu schreiben und auch zu lesen. Als nicht religiöser Mensch viel es mir schwer die Tragweite der Gemeinde, des Glaubens zu begreifen. Und doch vermittelt der Autor ein gutes Gefühl dafür, wie wichtig und bedeutenden ihm sein Glaube war. Und auch die Beziehung zu seinen Eltern war gut dargestellt, vielleicht mag man in ihnen Monster sehen, die ihren Sohn nicht lieben, wollen, dass er einen Teil von sich verleugnet, auslöscht, und doch fällt es, zumindest mir schwer, da sie so gut gezeichnet wurden und trotz allem merkt man als Leser, dass sie ihren Sohn lieben. Auf ihre Art.

Boy Ereased ist wirklich keine leichte Lektüre und ich musste das Buch öfters weglegen, um über das gelesene nachzudenken. Emotional konnte es mich, wohl aufgrund des nüchternen Stils nicht so bewegen wie anfänglich vermutet und doch gab es ein paar bewegende Szenen, besonders der Epilog hat mich bewegt. Dazu wie falsch es ist, zu denken Homosexualität könnte und müsste geheilt werden muss man eigentlich nichts mehr sagen, oder doch? Wenn man bedenkt, dass es immer noch solche Einrichtungen gibt.

"Wenn ich über alles nachdenke, was mir passiert ist,
frage ich mich manchmal, ob irgendwas davon echt war.
Ich frage mich manchmal, ob es die Anstalt am Ende vielleicht geschafft hat, mich verrückt zu machen..."
Seite 320


Fazit:
Die autobiografische Erzählung über einen Jungen, der fast ausgelöscht wurde, wird wohl noch lange in meinem Gedächtnis bleiben.
Man denkt, nein so was passiert doch nicht mehr, und doch, tut es.
Auf eine nüchterne Art erzählt der Autor hier seine Geschichte, über sich, seinen glauben, seine Familie.
Wie er zwanghaft versucht geheilt zu werden, um die Erwartungen zu erfüllen.
Und wie er versucht mit der Schuld und der Scham zu leben.

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W

Rezension zu "Boy Erased" von Garrard Conley

Ohne religiöse Sozialisation sicher schwer nachvollziehbar
WinfriedStanzickvor einem Monat


 

 

Diese autobiographische Erzählung von Garrard Conley, als Sohn eines fundamentalistischen Predigers im Bible Belt in Arkansas aufgewachsen, ist keine leichte Lektüre.

Schon früh spürt er als Junge seine homosexuellen Neigungen, und kämpft vergeblich gegen die Scham, die ihm als einzigen Sohn eines Baptistenpredigers quasi mit der Muttermilch eingeimpft wurde. Er wächst auf in einer starren und rigiden Gesellschaft, vom strengen Glauben an die wörtliche Wahrheit der Bibel bestimmt, eine Gesellschaft, die nicht toleriert oder gar duldet, was nicht ihrer strengen unabänderliche und ewigen Norm entspricht.

 

Im Jahr 2004 beginnt Garrads bewegende Geschichte, als ein Bekannter ihn gegen seinen Willen vor den Augen seiner Eltern als homosexuell outet. Sein Vater fällt aus allen Wolken und fordert von ihm sich einer sogenannten und in gläubigen Kreisen in den USA gängigen Konversionstherapie zu unterziehen. Das ist kirchliches Programm, das ihn in zwölf Schritten „heilen“ soll, sie von unreinen Trieben säubern und, seinen Glauben festigend, aus ihm einen ex-gay machen soll.

 

Soll er sich einem solchen Programm unterziehen oder riskiert er seine Familie und seine Freunde l. aber auch seinen Gott, zu dem er jeden Tag betet, zu verlieren?

 

Garrard Conley spürt in seiner autobiographischen Erzählung  den komplexen Beziehungen von Familie, Glauben und Gemeinschaft nach, Beziehungem wie man sie sich in unseren Kreisen kaum vorstellen kann.  Es entsteht dabei ein Bild von einem Amerika,  das wir in seinen Hintergründen immer mehr beängstigend wahrnehmen, ein Amerika, das Trump hervorgebracht hat.

 

Doch Conley klagt nicht an. Von seiner Lebensgeschichte kann er gar nicht anders als immer auch jene zu verstehen und ihnen zu vergeben, die ihm aus gutem Glauben heraus so viel Schmerz zugefügt haben.

 

Das Buch ist der gelungene(?) Versuch einer Befreiung aus einer religiösen Unterdrückungsgeschichte, ohne die dem Autor wichtige Bindung an Gott und die Bibel aufzugeben. Für manchen Leser ohne  religiöse Sozialisation sicher schwer nachvollziehbar, aber dennoch sehr beeindruckend.

 

 

 

 

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