Garrard Conley

 4.3 Sterne bei 11 Bewertungen
Autor von Boy Erased.
Autorenbild von Garrard Conley (©Colin Boyd Shafer)

Lebenslauf von Garrard Conley

Dilemma zwischen fundamentalistischem Christentum und Homosexualität: Der 1985 geborene Autor ist in einer christlich-fundamentalistischen Gemeinde in Arkansas aufgewachsen. An der University of North Carolina hat er Kreatives Schreiben und Queer Theory studiert und anschließend Erzählungen und journalistische Beiträge im Time Magazine, in der Vice, auf CNN und BuzzFeed veröffentlicht. Sein autobiographisch geprägter Debütroman „Boy Erased“ erschien 2016 und wurde mit Lucas Hedges, Joel Edgerton, Nicole Kidman und Russell Crowe verfilmt. Thematisiert wird der Konflikt zwischen dem wörtlichen Verständnis der Bibel und der Homosexualität des Protagonisten, Sohn eines Baptistenpredigers. Mit seinem Ehemann lebt Garrard Conley in Brooklyn.

Alle Bücher von Garrard Conley

Cover des Buches Boy Erased (ISBN: 9783906910277)

Boy Erased

 (11)
Erschienen am 01.03.2018

Neue Rezensionen zu Garrard Conley

Neu

Rezension zu "Boy Erased" von Garrard Conley

Identitätssuche vs. Selbstverlust
GerryBradshawvor 2 Jahren

»I wondered what it felt like to see yourself reflected in every movie, to have friends and family constantly dropping fun little hints about your love life, to have the world open up to you in all its magnificence«, so beschreibt Garrard Conley in Boy Erased: A Memoir seine Frustration, als er sich darüber im Klaren wird, dass er sich sexuell zu anderen Männern hingezogen fühlt. Gelesen habe ich Boy Erased: A Memoir als Vorbereitung auf meine Sichtung der Buchverfilmung, mit Lucas Hedges, Nicole Kidman und Russell Crowe.

Bereits 2016 erschien diese Buchvorlage, in der Conley von seiner Zeit in einem »Ex-Gay«-Programm mit dem Namen »Love in Action« berichtet, also einer Einrichtung, in der man von Homo- oder Bisexualität zu Heterosexualität »umerzogen« werden soll. Ein stetiges Herunterbeten von sündigen Gedanken vor anderen Gruppenmitgliedern und Verbote von so mondänen Beschäftigungen, wie Lesen (wenn es nicht gerade die Bibel ist), standen hier an der Tagesordnung. Zusammenfassen lässt sich sein Erleben innerhalb des »Seminars« als eine einzige Selbstkasteiung. Für Conley hatte das Tradition, fügte es sich schließlich in seine eigene Geschichte als Heranwachsender ein, die ohnehin von Scham, Verleugnung und Selbstbestrafung geprägt war. Als Kind eines angehenden Baptisten-Prediger stand für ihn mit dem Zeitpunkt, in der er seine Homosexualität als Teil von sich begriff, fest, dass er gegen sie (und damit gegen sich selbst) würde angehen müssen.

Gerade dieser Teil seiner Geschichte nimmt in Boy Erased: A Memoir einen sehr breiten Platz ein; der kultivierte Selbsthass, der auf der anerzogenen Vorstellung eines strafenden, statt eines liebenden Gottes basiert und auf einer Erziehung, die nicht sagt, dass man gut ist, wie man ist, sondern die mahnt hart an sich zu arbeiten um Gott zu gefallen.

Für mein Empfinden war es gerade deswegen umso erstaunlicher, dass Boy Erased: A Memoir verfilmt worden ist, geht es wirklich unglaublich viel um das Innenleben des Autors Garrard Conley. Er verbringt letztlich auch »nur« zwei Wochen bei »Love in Action«. Das ist nicht relativierend gemeint, man bekommt schon einen ziemlich klaren Eindruck davon, wie schwerwiegend bereits diese Zeit Selbstwertgefühl und Selbstverständnis nachhaltig beeinträchtigt haben. Da ich das Buch jedoch vor genau diesem Hintergrund las (dass es verfilmt worden ist), fragte ich mich, wie gut es sich überhaupt filmisch adaptieren ließe, da viele Vorgänge, die bei »Love in Action« stattfinden auch nicht in dem Sinne sensationell erscheinen. Erst durch die Perspektive der detaillierten Monologe und Gedankengänge offenbart sich der vollständige Schaden, den Conley genommen hat.

Einen Hinweis darauf, wer als potentielle Adressat*innen infrage kommt, hat Conley selbst gegeben. Zu seinem Buch sagte er in einem Interview mit queer.de, er habe es bewusst nicht in sarkastischem Ton eines homosexuellen Mannes schreiben wollen, der über Conversion Therapy ablästert. Er sieht eine Diskrepanz zwischen einer »akademischen linken Blase« und Menschen des evangelikalen Amerikas. Um das Eingangs eingebrachte Zitat aus Boy Erased: A Memoir noch einmal aufzugreifen, so repräsentieren Buch und Film nicht nur schwule Heranwachsende, sie rücken auch dieses evangelikale Amerika in den Mittelpunkt, dass vielleicht für das »liberale Hollywood« nicht so besonders interessant ist und trotzdem seine damalige Lebensrealität (und das vieler Amerikaner*innen) darstellt.

Alles in allem war das Buch für mein Empfinden trotzdem in dem Sinne stärker, da es dem »Protagonisten« die reichere, komplexere Storyline gibt. Denn gerade die Einsicht in das Innenleben Conleys macht Boy Erased: A Memoir so stark.

(aus meinem Blog)

Kommentieren0
0
Teilen

Rezension zu "Boy Erased" von Garrard Conley

Bewegendes Buch über wichtiges Thema
haensbaensvor 2 Jahren

Vollständige Rezension: queerbuch.wordpress.com

Mich hat diese autobiografische Erzählung sehr schockiert. Sicher wusste ich, dass es Umerziehungsmaßnahmen gibt, dass diese noch längst nicht überall verboten sind und bei den »Patienten« tiefgehenden emotionalen Schaden anrichten. Doch ich konnte mir bis heute wenig darunter vorstellen. Garrard Conley beschreibt in diesem Buch seine Erfahrungen einer zweiwöchigen »Vortherapie«, die darüber entscheiden sollte, wie tief das »Problem« in ihm verankert ist und wie viele Monate oder Jahre er dementsprechend in der Einrichtung verbringen müsse, um »geheilt« zu werden. Außerdem erzählt er in mehreren Zeitebenen von seinem religiösen Leben, dem Verhältnis zu seinen Eltern, seinem Inneren Coming Out und seinen ersten Erfahrungen.

Der Schreibstil ist auf der einen Seite sehr bildlich mit unglaublichen vielen Details, bei denen man sich kaum vorstellen kann, dass sich jemand nach so langer Zeit so gut an Momentaufnahmen eines traumatisierenden Erlebnisses erinnern könnte. Vielleicht versteift sich der Verstand genau dadurch allerdings auf Details, um sich nicht mit dem großen Ganzen konfrontieren zu müssen. Auf der anderen Seite fand ich es sehr schwer, Zugang zum Erzähler zu finden, da Gefühle nur aus sicherer Distanz beschrieben werden. Es wirkt oft so, als würde der Autor nicht seine eigene, sondern die Geschichte eines Fremden erzählen. Das mag zwar die direkte Verbundenheit mit dem Erzähler schmälern, legt allerdings nahe, wie traumatisierend die Erlebnisse für ihn gewesen sein müssen. Der Schreibstil wirkt wahnsinnig selbstreflektiert, so als hätte Garrard Conley allein durch das Schreiben seiner Biografie wieder zu sich selbst gefunden und musste sich dafür beim Schreibprozess selbst von seinen Emotionen distanzieren.

Mich hat besonders das Nachwort sehr betroffen gemacht, in dem er einige Stimmen von anderen Betroffenen Raum gibt. Menschen, die noch viel länger als er im Kreislauf der Ex-Gay-Therapie gefangen waren und dadurch unwiederbringliche (psychische) Schäden erleiden mussten. Ich habe von John Smid gelesen, seiner Zeit Conleys Betreuer bei Love in Action, selbst noch Teil des 12-Schritte-Programms. Nur einer von vielen Ex-Ex-Gays, die erst so viele Jahre später verstanden haben, dass weder ihre eigene noch die Homosexualität so vieler anderer Menschen »heilbar« ist; dass sie sich niemals wegtherapieren lässt.

Doch Boy Erased ist kein Buch über Gut und Böse. Es zeigt, dass Menschen das Beste wollen können und damit trotzdem das Schlimmste tun. Garrards Eltern haben ihn geliebt, sie lieben ihn immer noch und hatten zu keiner Zeit vor, ihm Schaden zuzufügen. Sie wussten es nicht besser.

Trotz wissenschaftlicher Erkenntnisse, dass Konversiontherapien bei den Betroffenen zu erheblichen psychischen Schäden und einer erhöhten Selbstmordrate führen, sind sie fast auf der ganzen Welt nicht verboten. In vielen Ländern liegen Gesetztesentwürfe vor, die ein solches Verbot zumindest bei Minderjährigen befürworten; jedoch hoffe ich, dass diese Verfilmung das allgemeine Bewusstsein für den Handlungsbedarf noch mehr verstärkt.

Fazit

Boy Erased ist eine autobiografische Erzählung von Garrard Conley, in der er uns hautnah an seinen Erfahrungen mit einer Konversionstherapie teilhaben lässt, die ihn von seiner Homosexualität heilen sollte. Der zwar sehr detailreiche, aber dennoch eher distanzierte Schreibstil lässt darauf schließen, dass die angewandten Therapiemethoden auch heute noch starke Nachwirkungen haben und dass sie den »Patienten« jegliche Emotionen austreiben sollten. Sowohl in Deutschland als auch in weiten Teilen der Welt sind Konversationstherapien immer noch erlaubt, obwohl sie nachgewiesen erhebliche psychische Schäden hinterlassen. Sehr gespannt bin ich auf die Verfilmung, die am 21. Feburar 2019 in den deutschen Kinos startet.

Kommentieren0
1
Teilen

Rezension zu "Boy Erased" von Garrard Conley

Das eigene Leben finden...
Buecherseele79vor 2 Jahren

Die Kirche, der Glaube bedeutet der Familie Conley alles.
Der Vater ist auf dem Weg ein Priester in der Baptistengemeinde zu werden, er wird gerne erhört, ist beliebt und lebt
seinen Glauben.
Auch für Garrard ist der Glaube sowie Gott ein wichtiger Bestandteil in seinem Leben, er soll seinen Vater unterstützen,
er soll seinem Vater irgendwann folgen.

Doch Garrard ist anders, aber er will es sich nicht eingestehen.

Das Leben nimmt eine andere Wendung als Garrard auf das College gehen kann und dort eine sehr schreckliche Erfahrung
erleben muss.
Als wäre dies für Garrard nicht schon schlimm genug wird er bei seinen Eltern aus homosexuell geoutet, der Albtraum beginnt
für Garrard.
Seine Eltern, gerade sein Vater, sind geschockt, wissen nicht wie sie sich verhalten sollen, auch soll die Gemeinde davon
erstmal gar nichts erfahren, welches Bild würde dies auf die Familie Conley werfen?!
Garrard wird unter "Beobachtung" gestellt und weiss eigentlich selbst so gar nicht was er möchte, was er fühlen soll, was
 er fühlen darf, wie sein Leben weitergehen soll.

Natürlich möchte Garrard zufriedene Eltern haben, möchte dass sie ihn weiterhin lieben, möchte das Gott ihn weiterhin liebt,
beachtet und zu ihm spricht.

 Seine Eltern beschäftigen sich mit "Love in Action", ein kirchliches Programm welches Drogenabhängige, Homosexuelle,
"missgeleitete" Menschen wieder auf den rechten Weg bringen kann bzw. will und die sehr erfolgreich in ihrem Tun sind.
Für Garrard steht fest- wenn er weiterhin geliebt und akzeptiert werden will, in seiner Gemeinde, von seinen Eltern, gerade
von seinem Vater, von Gott und dass er das College besuchen kann wird er bei "Love in Action" teilnehmen müssen..

Durch den Trailer zu "Der verlorene Sohn" bin ich auch auf das Buch gestossen und musste dieses unbedingt lesen.

Der Schreibstil, ich denke hier werden die ein oder anderen ihre Probleme haben denn er ist sehr nüchtern, fast kühl, man hat immer
das Gefühl man steht aussen vor aber auf der anderen Seite ist dieser Schreibstil genau das richtige für so ein Buch, für
so ein Thema.
Trotzdem merkt man die Verzweiflung, die Angst, die Angst vor dem "Anders sein", dass Garrard nach Antworten sucht,
sich nicht mehr geliebt fühlt, seinen Weg nicht sieht, nicht weiss was er überhaupt noch darf und was nicht, dies alles
spürt man bei dem Versuch den Weg und die Einstellung der Eltern zu verstehen und ich bin gescheitert.

Mit Gott habe ich selbst nichts am Hut, ich bin keine fleissige Kirchengängerin und bete nicht täglich zu ihm, ich kann mir
denken dass auch hier der ein oder andere seine Probleme haben wird bzw. diesen Drang des Glaubens nicht verstehen wird,
aber so ist nun mal das Umfeld von Garrard  und auf der anderen Seite habe ihn stets für seinen Glauben, seine Liebe zu Gott,
seine Liebe zu seinen Eltern bewundert.

Es schmerzt zu lesen wie Garrard sich als "abartig" sieht, seinen Glauben anzweifelt, glaubt er hat nicht genug an Gott geglaubt
und er kann keinem anvertrauen was ihm damals im College passiert ist, er lebt mit viel Schuld und viel schlechtem Gewissen
und lässt es sich ständig einreden.

Die Einrichtungen von "Love in Action" ist erschreckend, für mich abartig und grausam, anders kann ich es nicht beschreiben.
Und das Schlimme ist eigentlich- diese Einrichtungen gibt es wirklich, nicht nur in den USA sondern auch in anderen Ländern.
Wenn eine Einrichtung schliesst dann öffnet eine andere die entweder gleich tickt oder noch schlimmer.

Man wird hier mit einem Amerika konfrontiert welches heute aktueller denn je ist.
Denn "Andersdenkende" bzw. "Andersfühlende" sind in einer Gesellschaft oft nicht willkommen und man weiss ja wie die
USA in Punkto Glauben und Gott extrem ticken.

Man akzeptiert gar nicht mehr die Menschen die eben so sind wie sie sind sondern alle sollen gleich fühlen, handeln und
denken.
Man möchte Garrard öfter als nur einmal in den Arm nehmen, ihn schützen, die Eltern schütteln und ihm sagen dass er nicht
falsch ist, dass Gott ihn trotzdem liebt, dass er kein schlechter Mensch ist weil er homosexuell ist.
Das Buch geht unheimlich an die Nerven, ans Herz und lässt einen sehr oft innehalten, man bekommt ein ganz anderes
Verhältnis zum Glauben, zu Gott und auch welche Einrichtungen sich entwickeln, wie die Entwicklung einer Gesellschaft
ausieht.

Ich kann dieses Buch nur und ganz dringend empfehlen da es ein sehr wichtiges Thema anspricht.

Kommentieren0
56
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu
Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Zusätzliche Informationen

Garrard Conley im Netz:

Community-Statistik

in 21 Bibliotheken

auf 6 Wunschzettel

Worüber schreibt Garrard Conley?

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks