Garry Disher

 4.2 Sterne bei 147 Bewertungen
Autor von Bitter Wash Road, Gier und weiteren Büchern.

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Hitze

Erscheint am 01.02.2019 als Taschenbuch bei PULP MASTER.

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Bitter Wash Road

Bitter Wash Road

 (19)
Erschienen am 15.02.2016
Gier

Gier

 (17)
Erschienen am 01.01.2015
Drachenmann

Drachenmann

 (17)
Erschienen am 16.02.2012
Dreck

Dreck

 (13)
Erschienen am 01.01.2012
Flugrausch

Flugrausch

 (12)
Erschienen am 15.03.2007
Leiser Tod

Leiser Tod

 (8)
Erschienen am 19.02.2018
Hinterhalt

Hinterhalt

 (8)
Erschienen am 01.01.2012
Dirty Old Town

Dirty Old Town

 (7)
Erschienen am 10.09.2013

Neue Rezensionen zu Garry Disher

Neu
Haverss avatar

Rezension zu "Leiser Tod" von Garry Disher

Jede Menge Stoff für einen spannenden Krimis aus Down Under
Haversvor 6 Monaten

Es läuft nicht rund bei Hall Challis und seinem Team von der Waterloo Crime Investigation Unit. Die wohlhabenden Bewohner der Mornington Peninsula beschweren sich über obszöne Graffiti an ihren Anwesen, ein Bankräuber ist offensichtlich in Richtung Waterloo unterwegs, ein Typ in Polizeiuniform vergewaltigt Frauen und hinterlässt keine Spuren, die man forensisch auswerten könnte, wohingegen es im Fall der Einbruchsserie immerhin Schuhabdrücke gibt. Zu dumm nur, dass ihn seine Freundin Ellen bei den Ermittlungen im Vergewaltigungsfall nicht unterstützen kann, da sie im Zuge einer Fortbildung für zwei Monate nach Europa muss. Und dann ist da noch die drohende Suspendierung, die sich Challis mit seinen Äußerungen zur chronischen Unterbesetzung seiner Unit, den über Gegühr anfallenden Überstunden und den ständigen Budgetkürzungen eingehandelt hat.

Ordentlich Stoff also, den Garry Disher in „Leiser Tod“, dem sechsten Band der Hall Challis-Reihe, in einem stimmigen Plot zu verarbeiten hat. Viele Autoren würden sich hierbei mit Sicherheit verzetteln, aber hier zeigt sich wieder einmal das Können Dishers. Da gibt es keine Hänger und keine Logiklücken, alles passt und fügt sich am Ende zu einem harmonischen Ganzen.

Und doch hat mir etwas gefehlt. Ich hätte mir mehr sozialkritische Untertöne gewünscht, so wie in „Bitter Wash Road“, denn da hat Challis sie genial in den Plot eingebaut. Mag vielleicht aber auch daran liegen, dass ich „Leiser Tod“ nach „Blut Salz Wasser“ der schottischen Autorin Denise Mina gelesen habe, die das meisterhaft beherrscht.

Am gelungensten fand ich übrigens den Handlungsstrang mit Grace, der von Beginn an bekannten Einbrecherin mit Vergangenheit, die stark an Wallace Strobys Crissa Stone erinnert. Ich hoffe, dass wir von ihr auch in den nächsten Challis-Krimis lesen werden. Vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit…

Eine Bemerkung zum Schluss: Ich schätze die Übersetzungen Peter Torbergs üblicherweise sehr, aber ein „boom-boomender Subaru“ (soll das Lautmalerei sein?), die „Hühnerparty der Gemeindeangestellten“ oder ein Vergewaltigungsopfer, das „erschöpft und gestaucht“ aussieht – da hätte ich mir doch etwas mehr Sprachgefühl des renommierten Übersetzers erwartet.

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Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Leiser Tod" von Garry Disher

Sie lässt sich nicht fangen ...
Gwhynwhyfarvor 7 Monaten

»Grace taugte als Name so gut wie jeder andere, und an diesem Morgen war Grace in Hobart, schlenderte durch eine wohlhabende Ecke von Sandy Bay und besah sich die abgelegenen Anwesen.«

Grace ist eine Berufseinbrecherin. Wie auch immer sie heißt. Zur Zeit nennt sie sich Grace, eine Frau mit vielen Pässen. Sie arbeitet sehr genau, beobachtet, googelt, überprüft, der kleinste Verdacht, jemand könnte sie beobachten, jemand könnte zu Hause sein, lässt sie abbrechen. Sie arbeitet allein, pfuscht nicht und die Spuren, die sie hinterlässt, sind gewollt, Männerschuhe, Größe 46. Sie arbeitet im ganzen Land, wechselt ständig die Leihwagen, hat verschiedene Gelddepots und immer einen Plan B in der Tasche. Ihr Zuhause ist in Peninsula. Beschmutze nie deine Heimat, Peninsula ist tabu!

»Es ist zehn Uhr nachts, Sie sind verletzt, haben Angst, rennen um ihr Leben, sind zu arm für ein Handy, es gibt kein öffentliches Telefon mehr, vor den Türen des dunklen Polizeireviers gibt es einen Knopf, und wenn man draufdrückt, läuft ein Band ab, Sie möchten doch bitte den Notruf wählen.«

Australien, Waterloo, eine Kleinstadt auf Mornington-Peninsula, unweit von Melbournes, die Polizei ist einem Serien-Vergewaltiger auf der Spur. Ist der Mann ein Polizist? Chief Hal Challis ermittelt nach allen Seiten und als wenn er nicht genug Ärger hätte, lässt er sich von einem Journalisten dazu hinreißen, über die schlechten Arbeitsbedingungen bei der Polizei zu wettern. Es geht eine Warnung über einen Bankräuber ein, der eine Bank nach der anderen überfällt, er ist in Richtung Peninsula unterwegs. Er und sein Team haben alle Hände voll zu tun.

Ein Mann namens Galt ist Grace auf der Spur, behauptet, er wäre Polizist, zeigt überall seine Marke, wo er Grace vermutet.

»›Die Leichenstarre setzt als Erstes in Gesicht und Unterkiefer ein‹, sagte sie, als würde sie zu Studenten sprechen oder laut denken, ›gefolgt von den oberen Gliedmaßen, dann Hüfte und Beine. Sie sah zu den Gestalten hoch, die sie beobachteten.«

Zwei Geschichten, parallel erzählt, die aufeinander zuwandern. Garry Disher ist ein großartiger Erzähler, ein feiner Beobachter. Seine Charaktere handeln immer von Menschen wie du und ich, keine Superhelden. Auch hier hat er wieder feinpointierte Charaktere entworfen, jeder ist ein Unikum. Disher braucht keine Klischees. Es gibt in diesem Krimi keine Hauptperson. Challis hat ein Team mit unterschiedlichen Typen, z. B. Constable Pam Murphy, die ihren Platz im Leben sucht und Scobie Sutton, der seinen Platz in der Familie gefunden hat, sein Job ihn dabei stört, ein Büroarbeiter, der Menschen nicht lesen kann. Spannend geschrieben, im ständigen Perspektivwechsel zwischen den Personen, atmosphärische Dichte, glaubhafte Charaktere, fein gezeichnet, das alles macht diesen Roman zu einem des besten Krimis, die ich in diesem Jahr gelesen habe.

Garry Disher lebt südlich von Melbourne und wurde mit dem australischen Krimipreis, dem Ned Kelly Award, und dreimal mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet.

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HansDurrers avatar

Rezension zu "Leiser Tod" von Garry Disher

Nichts ist, wie es scheint
HansDurrervor 7 Monaten

Ich bin Leiser Tod mit gemischten Gefühlen angegangen – mir gefiel der Umschlag nicht – , doch ich war sofort drin und begeistert, wie der Autor die Profi-Einbrecherin Grace, eine Zockerin, einführte: Der Leser geht mir ihr auf Tour, kriegt gute Tipps für etwaige eigene Unternehmungen und ich fiebere mit ihr mit, dass sie ihr zurückgezogenes, auf Gewohnheiten beruhendes Leben weiterführen kann.

Dann schwenkt die Geschichte plötzlich um. Eine nackte, verdreckte und verstörte Frau taucht auf, die behauptet von einem Mann in einer Polizeiuniform vergewaltigt worden zu sein. Kriminalkommissar Hal Challis kommt ins Spiel … Nein, ich will hier nicht die Handlung nacherzählen, ich will darauf hinweisen, dass ein Krimi uns meist vielfältiger und ungeschminkter über die Welt aufklärt als es andere mediale Formen tun.

„In Waterloo gibt es das grösste prozentuale Ungleichgewicht von Polizisten zur Bevölkerung in ganz Victoria, wenn also bei Ihnen eingebrochen wurde oder man Sie angegriffen hat, dann kommen Sie besser selber vorbei und reden mit uns darüber – wir haben nämlich nicht genügend Leute oder Mittel, um bei Ihnen vorbeizukommen. Vorbeugende Polizeiarbeit gehört der Vergangenheit an. Ausseneinsätze sind um achtzehn Prozent gesunken; Gewaltverbrechen haben um fast fünfzig Prozent zugelegt (…) ich sehe für die Zukunft Polizisten voraus, die als Subunternehmer arbeiten, ihre eigenen Handfeuerwaffen, Fahrzeuge und Funkgeräte mitbringen, die für ihre eigenen Rentenzahlungen verantwortlich sind, für Krankenkasse und Urlaubsgeld. Begriffe wie ‚Firmenphilosophie‘ werden in aller Munde sein.“ „Und das Verbrechen?“ „Wächst und gedeiht“, antwortete Challis.

Leiser Tod erzählt mehr als nur eine Geschichte, er erzählt ganz viele, die ineinander greifen und sich ergänzen. Da wäre etwa der Gauner/Polizist, der früher mit Grace zusammen war und jetzt hinter ihr her ist. Und da wäre das intime Intermezzo zweier Polizistinnen („Tja, etwas bedauere ich jetzt schon, dachte Pam. Ich bedauere, dass Sergeant Jeannie Schiff ein ebenso grosses Arschloch ist wie einige der Männer, denen ich begegnet bin. Man lernt nie aus.“). Und da wäre die Suche von Hal Challis und seinem Team nach dem Vergewaltiger und Mörder in Polizeiuniform.  Und da wären all die unterschiedlichen Australier (Nachbarn, die ihre Umgebung beobachten; eine Tochter, die den Liebhaber der Mutter nicht erträgt usw), die es so recht eigentlich überall auf der Welt gibt. Ich mag Bücher, die mir überzeugend und differenziert aufzeigen, dass wir alle weit weniger verschieden voneinander sind, als wir gemeinhin annehmen.

Ich kenne Australien aus eigener Anschauung, habe da unter anderem studiert und fühlte mich durch diesen Krimi immer mal wieder vor Ort, spürte das dortige Lebensgefühl und empfand Sehnsucht nach diesem Land, dem Klima, der Weite, den Gerüchen, der Atmosphäre.

Darüber hinaus kriege ich auch Einblicke in Welten, die mir gemeinhin verschlossen sind. Etwa über den Diebstahl von russischen Ikonen, von denen Zollbeamte am Moskauer Flughafen Scheremetjewo jedes Jahr sechstausend beschlagnahmten, „vielleicht ein Zehntel dessen, was in Koffern, Diplomatengepäck und Fracht aus Russland geschmuggelt wurde. Auch die russische Mafia war daran beteiligt. Während der unruhigen Jahre in den Neunzigern ging es nicht nur um Atomwaffen, die gestohlen wurde, sondern auch um Ikonen und Gemälde, die aus den Galerien des Landes verschwanden.“

Leiser Tod ist ein exzellenter Kriminalroman darüber, dass nichts ist, wie es scheint. Und darüber, wie schwierig es ist, ein anständiger Mensch zu sein.

Fazit: Genial, rundum zu empfehlen!

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