Inhalt:
Der Labrador Enzo ist sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten immer an der Seite seines Herrchens Denny, der ihm alles bedeutet. Enzo erlebt mit ihm viele wunderschöne Momente voller Glück, teilt aber auch Momente tiefster Verzweiflung und Traurigkeit mit ihm. Zwischenzeitlich rückt Dennys Traum sich als Rennfahrer einen Namen zu machen in weite Ferne und es kommt noch weitaus schlimmer: Denny droht seine Familie zu verlieren, die ihm mehr bedeutet als alles andere und er muss um sein Glück kämpfen…
Kein Rennen ist je gleich in der ersten Kurve gewonnen, aber viele wurden dort verloren. (S. 99)
Meine Meinung:
Da ich die Bücher „Marley & ich“ und „Bailey - Ein Freund fürs Leben“ sehr gerne gelesen habe und zudem auch die gleichnamigen Verfilmungen liebe, wollte ich unbedingt auch dem vorliegenden Buch eine Chance geben.
Als ich begonnen habe „Enzo oder Die Kunst ein Mensch zu sein“ zu lesen hielt ich es zunächst für ein gutes, aber nicht für ein sehr gutes Buch. Je weiter ich dann jedoch gelesen habe desto mitreißender und bewegender wurde es und desto mehr hat es mich beeindruckt und in seinen Bann gezogen. Ich hätte anfangs nicht gedacht, dass es dieses Buch letztendlich schaffen würde mir derart nahezugehen und mich so zu berühren. Das Buch ist viel tiefgründiger als erwartet und das emotionale und wunderschöne Ende ließ mich mit dem Gefühl zurück, dass es sich um ein sehr besonderes Buch handelt, das mir in Erinnerung bleiben wird.
Enzo ist ein toller Protagonist. Obwohl er ein Hund ist bereitet es keinerlei Schwierigkeiten seine Gedanken nachzuvollziehen und sich in seine Gefühlswelt hineinzuversetzen, denn er hat ausgeprägte menschliche Züge und ist ein empathischer, aufmerksamer und reflektierter Beobachter. Enzo nimmt viel Anteil am Leben von Denny, Eve und der kleinen Zoë, tut alles um sie zu beschützen und bereichert ihr Leben mit seinem freundlichen und zugewandten Wesen. Es verleiht der Geschichte einen besonderen Charme, dass sie aus Hundesicht erzählt wird, sorgt aber stellenweise auch für unerwartet dramatische Momente. Manchmal schütten die Menschen Enzo ihr Herz aus, wenn sie mit ihm alleine sind und erzählen ihm von ihren Ängsten und von Dingen, die sie sonst niemandem erzählen können. Gerade in solchen Momenten stimmt es Enzo dann sehr traurig, dass Gesten alles sind was er hat um sich mitteilen. Enzo wünscht es sich sehnlichst in der Lage zu sein mit beruhigenden Worten zu trösten, Mut zuzusprechen und überhaupt sprechen zu können. Als bloßer Beobachter fühlt Enzo sich oftmals ziemlich hilflos und er muss tatenlos mitansehen wie bestimmte Dinge geschehen ohne dass er etwas dagegen unternehmen kann. Ein besonders einprägsames Beispiel dafür ist der Moment in dem Enzo vor allen anderen bemerkt, dass Dennys Frau Eve an Krebs erkrankt ist, weil sich ihr Geruch in beunruhigender Weise verändert hat. Das kann er aber leider keinem sagen.
Enzos Liebe für den Rennsport wird einem richtig gut nahegebracht. Zudem sorgt seine Begeisterung für Filmklassiker für erheiternde Momente. Man erfährt, dass Enzo ein Fan von James Bond ist. Zudem ist er ein Fan von Al Pacino, weil er ihn in „Der Pate“ und „Scarface“ so toll fand. Auch Steve McQueen mag er, weil ihm dessen Filme „Le Mans“, „Bullitt“ und „Papillon“ gefallen haben und in „Die Reifeprüfung“ mag er als Autofan natürlich die Szene in der Dustin Hoffman mit dem roten Alfa Romeo fährt besonders. Man erfährt, dass Enzo durch diese Filme und auch durch Dokumentationen eine Menge über die Menschen gelernt hat. Insbesondere eine bestimmte Dokumentation hat es Enzo sehr angetan und großen Eindruck auf ihn gemacht. In dieser Doku hat Enzo erfahren, dass die in der Mongolei lebenden Menschen daran glauben, dass die Seele eines Hundes nach dessen Tod frei durchs Land reist ehe er im nächsten Leben als Mensch wiedergeboren wird. Das ist seither Enzos größter Wunsch und er glaubt fest daran, dass dieser Traum für ihn in Erfüllung gehen wird.
Auch Enzos Besitzer Denny habe ich schnell liebgewonnen. Er ist ein herzensguter Mensch und ein echter Kämpfer. Ich habe so sehr mit ihm mitgefühlt und ihm ein Happy End gewünscht als er drohte alles zu verlieren. Dadurch, dass Denny ein Rennfahrer ist und auch Enzos Herz sehr für diesen Sport schlägt ist das Rennfahren ein wichtiger Bestandteil der Geschichte. Wie dieses Thema in die Geschichte eingewoben wurde finde ich rundum gelungen. Es hat mir sehr gefallen wie Parallelen zwischen dem Rennfahren und dem Überwinden von Schwierigkeiten im alltäglichen Leben gezogen wurden. Eine Szene rund um das Thema „Rennfahren“ ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben, weil sie so toll und atmosphärisch beschrieben wird: Denny lässt Enzo erstmals in einem Rennwagen mitfahren und die beiden drehen eine „heiße Runde“. Das überwältigende Gefühl von Freude und Abenteuer, das Enzo dabei empfindet wird richtig lebendig beschrieben und es ist so schön wie Enzo klar wird, dass er diesen Moment sein Leben lang nicht mehr vergessen wird und er in seiner Erinnerung immer wieder zu diesem Moment zurückkehren wird:
Damit trat er das Gas durch. Es gab nichts Vergleichbares. Das Gefühl der Geschwindigkeit. Nichts auf der Welt ist damit zu vergleichen. Es war die plötzliche Beschleunigung, die mich gegen den Sitz presste […]. Wir flogen die erste Gerade hinunter. „Festhalten“, sagte Denny, „wir machen das jetzt mit Tempo.“ Wir fuhren schnell, rasten, wurden noch schneller. […] Ich konnte die Freude spüren, die er ausstrahlte, seine Liebe zum Leben. (S. 162/163)
Von dieser Reise gibt es sonst wenig zu erzählen, denn was könnte noch unglaublicher sein als die „heißen“ Runden, die Denny mir geschenkt hatte. Vorher hatte ich gedacht, ich würde Autorennen lieben. Ich hatte mir vorgestellt, dass ich gerne in einem Rennwagen fahren würde. Gewusst hatte ich es nicht. Wie könnte es auch jemand wissen, bevor er nicht selbst in solch einem Wagen gesessen hat und mit Renngeschwindigkeit durch die Kurven geschossen ist, die Bodenhaftung am Limit, die Bremsen haarscharf vorm Blockieren, der Motor um Gnade bettelnd? (S. 165)
Man erfährt auch einiges darüber was einen guten Rennfahrer auszeichnet und was es einem physisch und mental abverlangt, wenn man zu den Besten gehören will. Außerdem habe ich durch dieses Buch zum ersten Mal von dem Rennfahrer Ayrton Senna gehört, der mehrere Weltmeisterschaften gewonnen hat ehe er 1994 ebenso wie Roland Ratzenberger tragischer Weise in der berüchtigten Tamburello-Kurve tödlich verunglückt ist. Enzo ist ein großer Bewunderer von Senna.
Eine der größten Stärken dieses Buches ist für mich die wertvolle, bewegende und Mut machende Botschaft, die von der Geschichte ausgeht. Es geht darum wie wichtig es ist auch dann nicht aufzugeben, wenn es einem unglaublich schwerfällt und es einem aussichtlos erscheint weiterzukämpfen. Wenn man aufgibt ist es gewiss, dass man verloren hat. Setzt man hingegen nochmals alles auf eine Karte gibt es immer noch die Hoffnung, dass am Ende vielleicht doch noch alles gut wird. Dabei gilt für die Herausforderungen des alltäglichen Lebens das was auch für das Rennfahren gilt:
Ein wahrer Held hat seine Schwächen. Ein wahrer Champion erweist sich nicht im Triumph, sondern in seiner Fähigkeit, Hindernisse zu überwinden, vor allem die von ihm selbst geschaffenen, um dennoch zu triumphieren. (S. 143)
Kein Rennen ist je gleich in der ersten Kurve gewonnen, aber viele wurden dort verloren. (S. 99)
Es gibt einige höchst dramatische und unglaublich berührende Momente, die mir sehr nahegegangen sind. Die schwere Erkrankung von Dennys Frau Eve wäre für sich genommen schon tragisch genug gewesen, aber es kommt im weiteren Verlauf der Geschichte sogar noch schlimmer, denn Eve ist nicht die einzige, die Denny zu verlieren droht. In Dennys näheren Umfeld wendet sich jemand aus höchst egoistischen Motiven heraus gegen ihn und setzt alles daran ihn finanziell zu ruinieren und seinen Ruf zu zerstören. Denny soll richtiggehend niedergemacht, zermürbt und fast schon erpresst werden damit er in einer Streitfrage einlenkt und nachgibt. Es hat mich extrem wütend gemacht wie gefühlskalt und skrupellos man mit Denny verfahren ist und ich fand es stellenweise wirklich schwer zu ertragen wie sehr ihm Unrecht getan wurde. Umso mehr habe ich mich später gefreut, dass es für Denny, Zoë und Enzo letztlich ein Happy End gab und umso mehr habe ich Denny dafür bewundert und respektiert, dass er trotz allem was ihm widerfahren ist nicht nachtragend gewesen ist oder versucht hat sich zu rächen.
Das Ende des Buches ist absolut perfekt. Es hat mich sehr gerührt, ist emotional, wunderschön und hoffnungsvoll. Ich könnte mir kein besseres Ende vorstellen.
Vergleich mit der Verfilmung von 2019:
Die Verfilmung des Buches hat wirklich alles richtiggemacht und ist absolut empfehlenswert. Den Filmmachern ist es gelungen die Seele des Buches einzufangen und dem Buch alle Ehre zu machen. Denny, Eve und Zoë sind perfekt getroffen und so wie ich sie mir beim Lesen des Buches vorgestellt habe. Die Szenen aus dem Buch, die mir besonders unter die Haut gegangen sind und mir besonders in Erinnerung geblieben sind kommen auch im Film vor. Die Filmhandlung ist sehr nahe am Buch gehalten. Auch einige meiner liebsten Zitate aus dem Buch finden sich fast wörtlich im Film wieder und das hat mich sehr gefreut. Das Buch wurde in wunderbarer Weise in einen Film verwandelt und hat mich genauso sehr berührt. In Bezug auf das Gerichtsverfahren gibt es im Film eine Abweichung gegenüber dem Buch, die ich sehr gelungen finde: Im Film versucht der Großvater Denny mittels einer Anklage wegen Körperverletzung (= unglückliches Schupsen des Großvaters, das dieser herausfordert) um das Sorgerecht zu bringen. Dadurch kommt das Thema „möglicher Kindesmissbrauch“ im Film gar nicht vor. Vor Gericht entscheidet sich die Großmutter dann glücklicherweise dazu das Richtige zu tun und sie widerruft ihre (falsche) Zeugenaussage. Es hat mir sehr gefallen, dass im Film die Großmutter Herz zeigt und sie diejenige ist die dazu beiträgt, dass es das versöhnliche Ende gibt, das sich auch ihre verstorbene Tochter Eve gewünscht hätte. Außerdem ist der Soundtrack des Films toll (besonders der Song ganz am Ende des Films).
Fazit:
Wenn man auf der Suche nach einer wunderschönen und außergewöhnlichen Geschichte ist, die sehr berührend, dramatisch und nachdenklich stimmend ist, dann ist dieses Buch (und auch die Verfilmung) sehr empfehlenswert. Das Buch hat unerwartet viel Tiefgang und man bekommt zudem nebenbei einen interessanten Einblick in den Rennsport. Wer die Bücher „Marley & ich“ und „Bailey - Ein Freund fürs Leben“ mochte, der wird auch an diesem Buch seine Freude haben.
Zum Schluss noch einige besonders schöne Zitate aus „Enzo oder Die Kunst ein Mensch zu sein“:
Meine Gedanken verweilten bei dem, was er gerade erklärt hatte. So ein einfaches Konzept, aber dennoch so wahr: Was du tust, liegt vor dir. Wir schaffen uns unser Schicksal selbst. Ob es mit Absicht geschieht oder aus Unwissen, unsere Erfolge und Misserfolge sind das Ergebnis unseres eigenen Handelns. (S. 51)
So viel Sprache bleibt unausgesprochen. So viel Sprache besteht aus Blicken, Gesten und Geräuschen, die keine Worte sind. Dabei ist den Menschen die ungeheure Komplexität ihrer eigenen Kommunikation kaum bewusst. (S. 128)
„Es ist mir egal, wie du aussiehst“, sagte er. „Ich sehe dich. Ich sehe wer du wirklich bist.“ (S. 131/132)
Hüte dich vor den Launen des Schicksals, sagte ich mir. Es ist ein mieser Köter. (S. 149)
„Du warst immer bei mir“, sagt Denny. „Du warst immer mein Enzo.“ (S. 324)



















