Gary Antonacci

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Doppeltes Momentum für doppelte Gewinne

Doppeltes Momentum für doppelte Gewinne

 (2)
Erschienen am 28.09.2016

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Rezension zu "Doppeltes Momentum für doppelte Gewinne" von Gary Antonacci

Genial: "Dual momentum investing: An innovative strategy for higher returns with lower risk"
R_Mantheyvor 2 Monaten

Dieser Originaltitel ist (wie fast immer) viel aussagekräftiger als seine reißerische Eindeutschung. Und obendrein wiegt der Inhalt dieses Buches auch doppelt schwer, was leider aus der Produktbeschreibung überhaupt nicht hervorgeht. Tatsächlich ist dies eines der besten je geschriebenen Börsenbücher für Investoren. Es enthält einen einfachen Algorithmus, der als solcher auf Seite 138 grafisch dargestellt ist. Man kann ihn ebenso kurz erklären, was ich sogleich tun werde. An ihm zeigt sich wieder einmal, dass geniale Ideen immer einfach und folgerichtig sind.

Antonacci belegt anschließend mit Zahlen die Wirksamkeit seiner umgesetzten Idee. Das hätte er eigentlich nicht machen müssen, denn jedem, der sich ein wenig mit den Finanzmärkten auskennt, sieht sofort, dass der Autor einfach eine Lücke gefüllt hat, in die alle diejenigen stürzen, die in den Gesamtmarkt investieren wollen, weil sie am Wirtschaftswachstum teilhaben möchten und dann nicht wissen, was sie in Krisenzeiten machen sollen. Wenn man nur diesen Algorithmus und seine Daten kennenlernen möchte, reichen ein paar Seiten aus. Doch der Text bis dahin rechnet schonungslos mit den ganzen mathematisch begründeten Pseudotheorien über die Finanzmärkte ab, die offensichtlich nicht funktionieren. Dieser Teil liest sich für Laien nicht einfach, war jedoch für mich eine Lektüre von großer Heiterkeit, weil endlich einmal ein Mensch aus diesem Milieu diese ganze Scheinwelt als das entlarvt, was sie ist – ein einziger Hokuspokus. Auch ohne große mathematische Vorbildung kann man das sofort verstehen, wenn man diese Theorie bis aufs Wesentliche entkleidet. Für Volkswirte scheint das jedoch eine Nummer zu groß zu sein, selbst wenn sie einen Nobelpreis erhalten haben, der eigentlich keiner ist, weil Nobel ihn nicht gestiftet hat. Ich komme darauf gleich zurück.

Zum Algorithmus: Zunächst muss man den Begriff "Momentum" verstehen. In diesem Fall ist es eine dynamisch wirkende Umschreibung von Trägheit. Höhere Kurse ziehen Menschen an, was in der Folge zu noch höheren Kursen führt. Das Gleiche gilt (allerdings gewöhnlich kürzer) für fallende Kurse. Geht erst einmal eine Verkaufswelle los, dann geraten immer mehr Marktteilnehmer entweder in Panik oder in Zwänge und verkaufen ebenso. Die Bewegung hält also eine Weile an, was man mit dem Begriff "Momentum" umschreibt. Besonders gut wird dies im Buch nicht erklärt, was jedoch nicht schlimm ist, denn eine solche Erklärung spielt keine wirkliche Rolle beim Verständnis des Ganzen.

Antonacci benutzt für seinen Ansatz zwei Aktien-Indizes (den S&P 500 und einen Weltindex ohne US-Aktien, den MSCI All Country World, kurz ACWI ex USA) sowie die US-Schatzwechsel. Zu Beginn eines jeden Monats werden die Renditen der drei Märkte über die vergangenen 12 Monate verglichen. Dieser Zeitraum hat sich nach Antonacci als optimal erwiesen. Liegt die entsprechende Rendite des S&P über der des ACWI, werden anschließend die Renditen des S&P und der Schatzwechsel verglichen. Je nach Ausgang wird dann in die Klasse mit der besseren Rendite gewechselt. Falls der S&P nicht den ACWI übertrumpft, vergleicht man den ACWI und die Schatzwechsel und wechselt dann zur besseren Rendite. Man ist folglich immer investiert, und zwar in die Wertpapier-Klasse, die in den letzten 12 Monaten die beste Rendite gebracht hat. Antonaccis Zahlen beweisen die Wirksamkeit dieses Vorgehens. Insbesondere schlägt dieses Vorgehen eine Investition in einen reinen Aktien-Indexfond.

Antonaccis Buch beginnt mit einer Betrachtung des Momentums und geht dann zur kritischen Hinterfragung von vielen Legenden der sogenannten modernen Finanztheorie über. Volkswirte besitzen eine offenbar neurotische Veranlagung zur Mathematisierung ihrer Lehre. Leider zeugen die daraus entstandenen Modelle, dass die dahinterstehenden Systeme nicht wirklich verstanden werden. Schon 1952 entwickelte Harry Markowitz eine ausgeklügelte Möglichkeit, ein effizientes Portfolio zu konstruieren. Bis heute hält sich hartnäckig der Mythos, dass dies tatsächlich funktioniert, obwohl alle Krisen genau das Gegenteil bewiesen haben. Das Gleiche gilt für das sogenannte Capital Asset Pricing Model, eine Weiterentwicklung der Markowitzschen Ideen. Ebenso beliebt ist die sogenannte Markt-Effizienz-Hypothese, die kompletter Blödsinn ist.

All diese Theorien (übrigens auch die Black-Scholes-Theorie über den fairen Optionspreis) sind mathematisch sauber, also widerspruchsfrei und in der Tat genial. Nur leider nützen sie nichts, weil sie nur unter Voraussetzungen funktionieren, die keinen Bezug zur Realität haben. Steckt man in ein noch so tolles Modell Müll hinein, kommt am Ende nicht Gold heraus, sondern gewöhnlich auch nur Müll. All diese Theorien lassen nur Berechnungen zu, weil sie lineare Bestandteile aufweisen oder Annahmen über den Zufall in ihnen treffen, die nicht stimmen.

Offensichtlich sind Börsenkurse nicht normalverteilt. Das kann man leicht statistisch überprüfen. Eine andere Verteilung führt jedoch zu erheblichen theoretischen Problemen. Ebenso hängt die zukünftige Entwicklung des Kursverhaltens nicht nur von der Gegenwart ab, sondern sehr wohl von der Vergangenheit, sonst würde es zum Beispiel kein "Momentum" geben. Man kann auch leicht einsehen, dass Modelle über Märkte keineswegs linear sein können, denn Kurse beeinflussen Kurse. Es kommt also zu einer Rückkopplung, was immer ins Nichtlineare führt. Lässt man die Linearität jedoch beim Modellbilden weg, dann muss man eine bestimmte Nichtlinearität wählen und weiß nicht welche. Und selbst wenn man einen plausiblen nichtlinearen Zusammenhang gefunden hat, weiß man nicht, ob man dann das Modell auch bis zum Ende durchrechnen kann. Ähnlich verhält es sich mit der Verteilung des Zufalls. Alles, was nicht normalverteilt ist, führt in der Regel zu erheblichen mathematischen Problemen.

Es ist lustig, dass Markowitz selbst nie praktisch nach seinem Modell vorgegangen ist. Und Samuelson sein Geld lieber bei Buffett angelegt hat als woanders, obwohl nach seiner theoretischen Meinung Buffett niemals so erfolgreich hätte werden dürfen. Inzwischen hat wohl auch der berühmte Eugene Fama eingesehen dass seine Theorie nicht funktioniert. Auch irgendwelche Faktoren werden sein Modell nicht retten, sondern nur Leute beschäftigen, die das praktisch nachweisen werden. So funktioniert eine Arbeitsbeschaffungsmaschine in der Volkswirtschaftslehre.

Würden all diese linearen Modelle funktionieren, dann gäbe es kein Momentum, was wiederum den Autor dieses Buches dazu gezwungen hat, sich mit diesen Modellen zu beschäftigen. Für Laien ist dieser erste Teil sicher kein unbedingtes Lesevergnügen. Für mich war es jedoch eins, weil nach Buffett endlich auch einmal jemand aus der Subkultur der Finanzwelt den Unsinn dieses Popanzes entlarvt hat.

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