Gavin Pretor-Pinney Kleine Wellenkunde für Dilettanten

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Inhaltsangabe zu „Kleine Wellenkunde für Dilettanten“ von Gavin Pretor-Pinney

Eines schönen Nachmittags im Frühling saß Gavin Pretor-Pinney in Cornwall am Strand und beobachtete die gemächlich ans Ufer rollenden Wellen. Gebannt von dem Anblick, von ihrer Vielfalt und Kraft, fragte er sich, woher sie kommen und wohin sie gehen. Bald zeigte sich, dass Wellen nicht nur im Meer, sondern überall allgegenwärtig sind. Wir selbst und die Welt um uns herum bestehen aus Wellen. Die pochenden Schläge des Herzens, die Bewegungen des Verdauungsapparats, die Signale des Gehirns: Wellen sind das Transportsystem unseres Körpers. Alles, was wir sehen und hören, den Regenbogen am Himmel, die Lieblingsmelodie aus dem Radio, erreicht uns über Licht- und Schallwellen. Unsere gesamte Informationskultur, die Telefone und das Internet, beruhen auf Mikrowellen und Infrarotwellen. Explosionen lösen Druckwellen aus, Torsionswellen bringen Brücken zum Einsturz, ganze Fußballstadien wogen im Takt der La Ola. Der Orgasmus kommt in Wellen. (Jedenfalls bei einigen von uns). Nur: Was haben all diese Wellen gemeinsam mit denen, die so hübsch im Meer tänzeln? Gavin Pretor-Pinney, der sich als Experte für Wolken und als Herausgeber des Idler einen Namen gemacht hat, widmet sich mit diesem schönen, erhellenden und spannenden Buch der Erkundung der Wellen.

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  • Rezension zu "Kleine Wellenkunde für Dilettanten" von Gavin Pretor-Pinney

    Kleine Wellenkunde für Dilettanten

    HeikeG

    11. December 2011 um 17:12

    Das Verborgene im Alltäglichen oder Die Wege der Welle . Wenn man an Wellen denkt, assoziiert man unmerklich mit Strand, Sonne und Meer. Denn dort treten sie offenkundig zutage, als rollende Brecher, die Gischtwolken aufwerfen oder als stete Folge von Wellenkämmen, die eine nach der anderen mit schöner Regelmäßigkeit auf den Kiesstrand fallen, je nach Stimmung des Ozeans. Ihre Bewegungen hypnotisieren und bringen "einen ewigen Klang von Traurigkeit mit sich", schrieb der englische Dichter Matthew Arnold. . Wenn man den Blick hebt und zum Wolkenbeobachten übergeht, hat man schon die nächste Welleneinflusswirkung entdeckt. "Denn die Atmosphäre ist auch ein Ozean, ein Ozean allerdings, der aus Luft und nicht aus Wasser besteht", erklärt der Gründer der "Cloud Appreciation Society" Gavin Pretor-Pinney. Er bleibt in seinem Buch allerdings nicht nur mit dem Blick im Nass oder dem Weiß am Himmels hängen, sondern deckt ein unglaublich reichhaltiges "Wellenspektrum" ab. Denn die "wellenförmige Beschaffenheit unserer Welt mag so unmerklich in Erscheinung treten, dass viele von uns zeit ihres Lebens davon keinerlei Notiz nehmen, aber sie ist so grundlegend für unsere Welt, dass man sie in allem bemerkt, sobald man beginnt, darauf zu achten." . Der britische Autor nimmt den Leser auf eine überaus interessante Reise mit. Dabei wirft er mitunter recht kindliche Fragen auf: "Warum gibt es Wellen?", "Woher kommen sie?" oder "Warum spritzen sie so?". Fragen, deren Antworten aber alles andere als simpel und einfach sind. In neun Kapitel hat Gavin Pretor-Pinney sein gut verständliches, unterhaltsames, aber dennoch tiefgründiges Sachbuch gegliedert. Er "untersucht" außer den "wässrigen" und "luftigen" Wellen, auch unsere körpereigenen, zum Beispiel die "Kommunikationswellen" der Neuronen oder die des Herzschlags. Aber auch den "geheimen" Informationswellen unserer Notebooks oder der Resonanz eines Musikinstrumentes widmet er seine Aufmerksamkeit. "Resonanz ermöglicht die mühelose Herauslösung von Ordnung, Klarheit und manchmal sogar Schönheit aus dem unglaublichen Lärm des Lebens." Ja, sogar La-Ola- oder Stop-and-Go-Wellen eines beginnenden Verkehrsstaus werden von dem Briten unters Visier genommen und anschaulich erläutert. . Mittels lebendiger Beispiele aus der Natur oder dem täglichen Leben, vielen erläuternden und anschaulichen Skizzen oder Fotos und weitgehender Vermeidung von abstrakten und schwer verständlichen Fachbegriffen dürfte auch der Physiklaie transversale, longitudinale und Torsionswellen auseinanderhalten und verstehen, ohne zuvor in einen kritischen Zustand von Wellenkonfusion verfallen zu sein. Im Gegenteil: Gavin Pretor-Pinney erreicht eine erstaunliche Sinnesschärfung der persönlichen Wahrnehmung unserer komplexen irdischen Wellenstruktur. Nach der Lektüre seines bereichernden Sachbuches achtet man vielleicht nicht mehr nur auf die Informationen, die Wellen uns übermitteln, sondern ebenso auf "diese subtilen, springlebendigen Boten" selbst. Auch wenn die Gefahr vergleichsweise gering ist, dass man, wenn jemand "Ich liebe dich" zu einem sagt, ab sofort nur daran denkt, dass diese Aussage aus einer Abfolge von periodischen Druckwellen besteht. . Und vielleicht verstehen wir letztendlich sogar unser Leben als ein logisches Auf und Ab besser, selbst "wenn die Höhen und Tiefen in der Realität vielleicht nicht so deutlich ausgeprägt sind. Wir müssen uns Herausforderungen stellen, die uns an neue Orte und zu neuen Höhepunkten bringen - auf den Kamm der Welle -, bevor der unvermeidliche, nervenaufreibende, dramatische Abstieg beginnt." Gute Neuigkeiten gibt es auf jeden Fall für Trödler. Die Gezeiten (oder besser: die Reibung der Wassermassen) - natürlich in ihrer Gesamtheit gleichfalls von Wellen "getragen und strukturiert" - führen dazu, dass sich die Drehung der Erde verlangsamt. Aus den ursprünglich 14-Stunden-Tagen vor vier Milliarden Jahren sind mittlerweile die 24-Stunden-Tage von heute geworden. "Wenn Sie also gelegentlich denken, das Leben verfliege zu schnell und nie habe man Zeit, irgendetwas zu erledigen, seien Sie unbesorgt, denn die Gezeiten arbeiten für sie. (...) Dank der Wellen werden Sie in 50 Jahren schon eine tausendstel Sekunde mehr am Tag zur Verfügung haben."

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