Gene Kerrigan

 5 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor von In der Sackgasse, Die Wut und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Gene Kerrigan

Gene KerriganIn der Sackgasse
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In der Sackgasse
In der Sackgasse
 (3)
Erschienen am 01.10.2015
Gene KerriganDie Wut
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Die Wut
Die Wut
 (3)
Erschienen am 25.08.2014
Gene KerriganThe Rage
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The Rage
The Rage
 (1)
Erschienen am 24.09.2012
Gene KerriganThe Big Lie
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The Big Lie
The Big Lie
 (0)
Erschienen am 12.11.2012

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Haverss avatar

Rezension zu "In der Sackgasse" von Gene Kerrigan

In Dublin's fair city...
Haversvor 3 Jahren

Der irische Autor Gene Kerrigan ist gelernter Journalist, und dass ihn die wirtschaftliche und politische Situation in seinem Heimatland umtreibt, ist den zahlreichen Beiträgen zu entnehmen, die er seit vielen Jahren für unter anderem  für den Sunday Independent schreibt. Ebenfalls aus seiner Feder stammen zahlreiche Sachbücher, aber auch einige „schwarze“ Kriminalromane. Von letzteren sind mittlerweile zwei in der deutschen Übersetzung im Polar Verlag erschienen: „Die Wut“ und „In der Sackgasse“, wobei dieser bereits 2009 im Original erschienen ist.

Wie bereits in dem Vorgänger ist auch in Kerrigans aktuellem Roman „In der Sackgasse“ der Handlungsort Dublin. Die Immobilienblase ist geplatzt, der „keltische Tiger“ zu einem Kätzchen mutiert, die Finanzkrise steht vor der Tür. Nicht nur das Großkapital ist aufgeschreckt, auch innerhalb der Dubliner Unterwelt haben die Revier- und Verteilungskämpfe begonnen, denn Ganoven jeder Couleur wollen sich noch ihr Stück vom Kuchen sichern. Natürlich kommt hierbei auch den eine oder andere gewaltsam zu Tode, aber das wird in diesem Milieu billigend in Kauf genommen.

Aber es gibt auch noch schwere Jungs mit einer persönlichen Moral. Bestes Beispiel hierfür ist Danny Callaghan, nach einer längeren Haftstrafe gerade frisch aus dem Knast entlassen. Acht lange Jahre hat er abgesessen, verurteilt wegen Totschlag an einem windigen Typen namens Brendan Tucker, dessen Bruder Rache geschworen hat. Aber das ist nicht das einzige Problem, das Danny hat, denn auch einer der großen Bosse  der Dubliner Unterwelt ist hinter ihm her, hat er dessen Handlangern doch durch die gewagte Rettungsaktion eines Kleinkriminellen die Tour vermasselt. Danny gerät zwischen die Fronten, es scheint, alles wären alle verfügbaren Gangster nicht nur hinter ihm, sondern auch hinter den Menschen aus seinem persönlichen Umfeld  her. Und plötzlich muss er Dinge tun, die er eigentlich mit seinem Gewissen eigentlich nicht vereinbaren kann, um diese zu schützen.

Wenn es um Geld, Macht und Einfluss geht, unterscheiden sich die Methoden skrupelloser Anzugträger kaum von denen der Kriminellen. Da wird gedroht, erpresst und Gewalt angewendet, um den letzten Aufrechten in die kriminelle Spur zu bringen. Diese Botschaft vermittelt der Autor in seinem Roman. Integrität, persönliche Moral und Anstand bleiben auf der Strecke, wenn es nur noch darum geht, die eigene Haut zu retten. Kein Wunder, dass sein Protagonist „in der Sackgasse“ landet.

Kerrigan fängt  die Atmosphäre in der irischen Metropole jenseits der Glaspaläste ein und entwickelt ein stimmiges Panorama dieser Zeit vor dem Crash. Natürlich ist das für uns bloße Spekulation, aber so könnte es durchaus in der Dubliner Unterwelt abgegangen sein. Tempo von Anfang an, ein sympathischer Protagonist und diverse unerwartete Wendungen machen aus „In der Sackgasse“ eine spannende Lektüre.

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Andreas_M_Sturms avatar

Rezension zu "In der Sackgasse" von Gene Kerrigan

Gangsterkrieg in Dublin.
Andreas_M_Sturmvor 3 Jahren

Dublin während der Finanzkrise. Danny Callaghan hat gerade eine lange Haftstrafe abgesessen und schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durchs Leben. Um kriminelle Aktivitäten macht er dabei einen weiten Bogen. Doch dann trifft er eine falsche Entscheidung. Er vereitelt den Mord an einem alten Knastkumpel und verletzt dabei eine Regel der Unterwelt: Misch dich nicht ein. Auf die Quittung muss er nicht lange warten. Skrupellose Gangster zwingen ihn zu Handlangerdiensten und ehe Danny es sich versieht, wird er zum Spielball im Krieg der Gangs, die im Kampf um Macht und Einfluss über Leichen gehen.

Besonders gut herausgearbeitet sind im vorliegenden Buch die Charaktere der handelnden Personen. Sie sind nicht simpel in gut und böse geteilt. So werden durch die komplexe Darstellung der Akteure sogar die Beweggründe der Verbrecher nachvollziehbar, stehen sie doch im Kontext zu der sie umgebenden gesellschaftlichen Situation.

»In der Sackgasse« von Gene Kerrigan reflektiert nicht nur die komplizierte Lage in Irland, in erster Linie ist das Buch ein extrem spannender Gangsterthriller, den man nur sehr schwer wieder aus der Hand legen kann.

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Stefan83s avatar

Rezension zu "Die Wut" von Gene Kerrigan

... und dann kommt die Wut.
Stefan83vor 3 Jahren

„Wolfgang Franßen ist Theaterregisseur und hat das Leiden und die Freuden an der Kritik am eigenen Leib erfahren. Seit ein paar Jahren widmet er sich der Kriminalliteratur und findet viele Parallelen zwischen dem Geschehen auf der Bühne und der Welt des Verbrechens. Vor allem fasziniert ihn das Anarchische am Krimi, der so wild wuchert, dass er nicht in den Griff zu bekommen ist.“ Obwohl, wie ich selbst, schon seit einiger Zeit nicht mehr als Redakteur auf der Internetseite www.krimi-couch.de tätig, ist dieser Text – welcher nicht nur meinen ehemaligen Kollegen, sondern auch sein heutiges Wirken treffend beschreibt – noch immer in der Rubrik „Das Team“ nachzulesen. Wie weit Franßens Gedanken, einen eigenen Verlag für Kriminalliteratur aus der Taufe zu heben, schon damals gediehen waren, kann ich persönlich zwar nicht beurteilen – Fakt ist aber: Das wild wuchernde, anarchische Element des Krimis – es könnte gleichzeitig als Leitpfaden für das Programm des Anfang 2013 in Hamburg eingetragenen Polar-Verlags herhalten. „Die Literatur der Krise, die Poesie des letzten Aufschreis, die Gewalt und die Hetze, der Aufbruch und das Sterben“ – sie sind Franßens eigenen Worten zufolge genau das, was den Polar ausmacht. Und Gene Kerrigans Kriminalroman „Die Wut“, mit dem Gold-Dagger-Award 2012 ausgezeichnet, demnach eine mehr als nur folgerichtige Veröffentlichung.

Kerrigan, Journalist aus Dublin, der seit den 70er Jahren politische Beiträge mit dem Fokus Irland für Zeitungen wie den Sunday Independent verfasst und mehrere Sachbücher, u.a. über die Polizeiarbeit, schrieb, hat hier all seine früheren Tätigkeiten in einem Noir reinsten Wassers vermischt, der sich schon nach wenigen gelesenen Seiten als große Entdeckung meines diesjährigen Lesejahrs erweist – und deutlich unterstreicht, was das Genre Kriminalliteratur, neben der kurzweiligen und oft vor allem kurz währenden Unterhaltung, noch zu leisten imstande ist, wenn die richtige Hand die Feder führt. Die Handlung sei an dieser Stelle kurz „angeteasert“:

Irland kurz nach der Finanzkrise. Die einst reichlichen Geldvorräte der Stadt Dublin sind erschöpft, Grundstückswerte sind gefallen, tausende neuer Häuser bleiben leer oder unfertig. Jobs sind verschwunden, Fabriken und Unternehmen wurden geschlossen. In diesem Klima enttäuschter Hoffnungen und geplatzter Träume passt der Mord an einem korrupten Banker schon fast ins Bild. Dennoch kommen die Ermittlungen der Polizei nur schleppend voran, bis man plötzlich auf Parallelen mit einem früheren Fall stößt. Die Tatwaffe wurde bereits bei einem anderen Mord benutzt, weshalb man Bob Tidey, Detective Sergeant bei der Dubliner Garda und damals verantwortlich, hinzuzieht. Doch der unangepasste Cop hält nicht viel von Teamwork oder den üblichen Dienstwegen und geht schnell eigene Wege, wobei er ein ums andere Mal seine Kontakte zur kriminellen Unterwelt der Stadt nutzt, um an Informationen zu gelangen, was wiederum seine Vorgesetzten nicht gerne sehen. Überhaupt führen ihnen viel zu viele Spuren in höhere Wirtschafts- und Politikerkreise. Und ein Skandal kann das Land, das allerorten medienwirksam Patriotismus und Zusammenhalt propagiert, derzeit überhaupt nicht gebrauchen, weshalb die Akte kurzum geschlossen, der widerspenstige Tidey in den Zwangsurlaub gesteckt wird.

Zur gleichen Zeit plant der erst vor kurzem aus dem Gefängnis entlassene Vincent Naylor einen raffinierten Raub auf einen Geldtransport, bei dem, neben zwei weiteren Komplizen, auch sein Bruder Noel eine wichtige Rolle spielen soll. Und es scheint, als würde sich die lange Vorarbeit auszahlen, denn die Durchführung läuft reibungslos, bis Noel und sein Partner am Fluchtwagen von einem Spezialkommando der Polizei gestellt und beim Zugriff erschossen werden. Maura Coady, Nonne und in jungen Jahren Erzieherin in einem Waisenhaus der katholischen Kirche, hatte das Auto die letzten Tage beobachtet und schließlich Bob Tidey davon unterrichtet, der, vorläufig suspendiert, nun privat aktiv werden muss, denn der jähzornige Vincent sinnt auf Rache für seinen toten Bruder. Bei seinem systematischen Feldzug gegen alle, die in seinen Augen Schuld am Tod Noels tragen, gerät schließlich auch Maura ins Visier, deren Beteiligung von einem eifrigen Journalisten genauso öffentlich gemacht worden ist, wie ihre einstige Verwicklung im systematischen Missbrauchsskandal ihrer Kirche...

Schuld. Reue. Sühne. Nur ein paar der Eckpfeiler um die Gene Kerrigan seinen Kriminalroman aufgebaut hat, welcher mit den inzwischen üblich gewordenen Trends des Genres gänzlich bricht und stattdessen konsequent in unserer Gegenwart verankert ist. Keine Forensik, Psychologen oder Tatortreiniger – „nur“ eine ehrliche, weil menschliche und nachvollziehbare Geschichte, die uns gerade durch das unmittelbare Element und den ernsten Umgang mit Themen wie grundsätzlicher Moral oder gesellschaftlicher Verantwortung in den Bann zu ziehen weiß. Den belehrenden Fingerzeig, den Enthüllungsjournalisten Kerrigan – ihn sucht man, auch zwischen den Zeilen, vergeblich. „Die Wut“ sieht sich ganz in der Tradition der klassischen „Hardboiled“-Vorbilder, nutzt seine Figuren als Überbringer einer Botschaft, welche ein jeder für sich selbst anders verstehen oder interpretieren wird, in den meisten Fällen aber direkt den Finger in die Wunde legt. Die Grenze zwischen Idealismus und Pragmatismus, zwischen Gerechtigkeit und Verbrechen – sie ist die Grauzone in der sich nicht nur Bill Tidey, Vincent Naylor und auch Maura Coady bewegen.

Kerrigan hat eine düstere Welt gezeichnet. Eine Welt voller Risiken und weniger Skrupel, in der ein Schritt in die falsche Richtung ins Dunkel führen kann, in der das Schicksal grimmig, kalt und unerbittlich, in dem Patriotismus nur ein hohler und schaler Begriff ohne Inhalt ist. Eine Welt, in der Pflichterfüllung mehr mit fehlendem Antrieb oder Ambitionen als mit wirklicher Erfüllung zu tun hat. Oder um präziser zu werden: Unsere Welt. Und das ist der Punkt, in dem sich „Die Wut“ von der austauschbaren Masse des Mainstreams abhebt, an Relevanz gewinnt. Der Plot ist kein „Was-wäre-wenn“-Szenario, keins dieser weiteren, bemühten Werke, in die man der Ablenkung wegen abtaucht, um sie anschließend zufrieden und gesättigt zur Seite zu legen. Stattdessen finden wir uns der Mitte von Personen wieder, dessen Charakterzüge und Fehler wir ebenfalls teilen, wodurch nicht nur das eigentliche kriminalistische Element sein Alleinstellungsmerkmal verliert, sondern auch wir plötzlich von der Lektüre mehr verlangen, mehr erwarten. Und Kerrigan liefert, wenn auch unterschwellig, Antworten und Erklärungen, zeigt mittels seiner Figuren, das die Wut keine gesellschaftlichen Schichten kennt. Ohnmacht, Hilflosigkeit oder persönliche Bürden – sie betreffen alle gleichermaßen. Lediglich die Mittel, um mit ihnen klar zu kommen, sind unterschiedlicher Natur. Was für den einen die Reue, ist für den anderen die Rache. Wo die eine Person resigniert, schreitet die andere zur Tat.

Es ist lange her, dass mich ein Autor so clever und vor allem derart stilsicher zu einer persönlichen Auseinandersetzung mit gewissen Fragen „gezwungen“, mich ein „Noir“ neben meiner üblichen nostalgischen Liebe zu diesem Genre auch auf gefühlsmäßiger Ebene so angegriffen hat. Und vielleicht gerade weil der „Wohlfühlfaktor“ dieser Lektüre gen Null tendiert, bleibt „Die Wut“ nachhaltig in Erinnerung. Interessant dabei: So verheerend die Auswirkungen der Finanzkrise und der geplatzten Immobilienblase für Irland, und insbesondere für Dublin, sind – Kerrigan widmet sich doch (ich denke, auch zu unserem Vorteil) wenig konkret dieser Thematik, enthält dem Leser eine genauere Erklärung der Ursachen vor und zeigt in erster Linie die Situation danach. Und die scheint sinnbildlich für die Richtigkeit von Gandhis einstigem Zitat zu stehen: „Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt.“ Ehemalige Banker oder andere Geschäftsmänner sind längst wieder an die Futtertröge der Finanzpolitik zurückgekehrt, nehmen Einfluss auf polizeiliche Aktivitäten oder versuchen in der Unterwelt gewinnbringend Fuß zu fassen. Das Rad des Geldes – es dreht sich unvermindert weiter.

„Die Wut“ - das ist auch ein klares Statement des Polar-Verlags, wohin die Reise in Zukunft gehen soll. Bleibt man sich dieser Richtung treu, kann ich nur konstatieren: Sie mag zwischen den Buchdeckeln oft düster und kalt daherkommen, für uns Leser ist sie wahrhaft rosig. Großes Kompliment für die gelungene Übersetzung eines in allen Belangen überzeugenden Kriminalromans, den ich mit Freuden weiterempfehlen werde. Auf weitere Werke aus Kerrigans Feder darf gespannt gewartet werden.

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