Geneviève Damas

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Geneviève DamasWenn du über den Fluss gehst
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Wenn du über den Fluss gehst
Wenn du über den Fluss gehst
 (8)
Erschienen am 08.04.2015

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Rezension zu "Wenn du über den Fluss gehst" von Geneviève Damas

Die Liebe zu den Buchstaben
Milagrovor 2 Jahren

Diese kleine, feine Geschichte findet viel zu wenig Beachtung, dabei enthält sie alles, was Lesen für uns Bücherfreunde ausmacht.
Das einsame , auf sich gestellte Kind, in einer lieblosen Umgebung aufgewachsen, entdeckt als fast erwachsener Junge die Welt der Buchstaben. Was kann er dadurch erreichen? Alles. Das Leben ändert sich, der Junge hinterfragt, er bricht aus. Eingebettet in eine Geschichte um eine Familie, die nicht nur am Rande des Dorfes, sondern am Rande der Gesellschaft lebt, berührt die Geschichte immer wieder. Die Einsamkeit des Jungen tropft nur so heraus, seine Unfähigkeit, sich auszudrücken, obwohl er gerade das so gerne möchte, geht zu Herzen. Nicht alles läuft gerade in diesen Leben, aber die Veränderungen sind da und das ist richtig. Ein Plädoyer für Bildung, Chancen zu ermöglichen und ehrlich zu bleiben.
Das Buch braucht Leser, bitte.

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Rezension zu "Wenn du über den Fluss gehst" von Geneviève Damas

Francois, der Freund der Worte
Arizonavor 3 Jahren

Francois lebt allein mit seinem Vater und seinen zwei grossen Brüdern auf einem Bauernhof. Das Leben dort ist sehr hart, alle Jungs arbeiten kräftig auf dem Hof mit. So ist es die Aufgabe von Francois sich um die Schweine zu kümmern und auch den Haushalt zu führen. An seine Mutter hat er keine Erinnerungen, sie war schon kurz nach seiner Geburt verschwunden, und es wurde auch nicht mehr über sie geredet - auf seine Fragen nach ihr gibt es nur Prügel vom Vater. Es geht sowieso recht brutal zu in der Familie, und geredet wird so gut wie gar nicht. Und dabei hätte Francois doch so viele Fragen. Er erinnert sich noch an seine grosse Schwester Maryse, die sich dann anstelle seiner Mutter um ihn gekümmert hat. Die andere Seite des Flusses ist tabu für die Kinder, daher auch der Titel, der Vater verbietet es ihnen dort hinüber zu gehen. Aber die Schwester ist damals abgehauen, sie ist über den Fluss auf die andere Seite gegangen. Francois vermisst sie sehr und er verzweifelt dort auf dem Hof mit seiner schweigsamen Familie. Aber er hat zwei Schweine als Freund, zuerst Oscar, bis dieser jedoch geschlachtet wird. Danach folgt Hymenee, mit der er sich regelrecht unterhält, sie ist ihm eine treue Verbündete in seiner herzlosen Familie.

Aber all seine Fragen kann sie ihm natürlich auch nicht beantworten. Und so sucht er eines Tages Kontakt zum Dorfpfarrer Roger - aber das ist auch so eine Sache, die der Vater verboten hat, denn er hasst alles was mit der Kirche zu tun hat. Aber Francois hat so viele Fragen, und er möchte so gerne Geschichten hören. Pfarrer Roger und er freunden sich an, Roger liest ihm vor und erzählt ihm Geschichten. Das ist so süß erzählt, wie dadurch Francois Liebe zu Büchern erwacht, wie er sogar lesen lernt. Und wie er im Alter von 17 Jahren den ersten Kontakt zur Damenwelt hat. Nach und nach erschließt sich ihm eine fremde Welt, und er kann das Geheimnis seiner Familie endlich aufklären.

Der Erzählstil ist wunderschön, zum Teil eben naiv aus der Sicht eines Bauernjungen geschrieben, dabei aber so voller Herzlichkeit. Einfach zu Herzen gehend, wie der Junge versucht aus den Fesseln der Stupidität auszubrechen, wie sich ihm durch die Bücher eine neue Welt öffnet und wie er ein „Freund der Worte“ wird. Und seine Freundschaft zu den Schweinen Oscar und Hymenee ist sowieso großartig. Dieses Debüt einer belgischen Autorin war eins meiner Lesehighlights 2015, der krönende Abschluss eines Lesejahrs. 

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W

Rezension zu "Wenn du über den Fluss gehst" von Geneviève Damas

Eine berührende und poetische Geschichte
WinfriedStanzickvor 3 Jahren


Die belgische Schriftstellerin Genevieve Damas taucht in ihrem von dem Nobelpreisträger Jean-Marie Le Clezio entdeckten und protegierten Debütroman ein in die harte Welt einer Bauernfamilie. Der junge Schweinehirt Francois kann nicht lesen und nicht schreiben. Jeden Tag hütet er seine Tiere, wobei ihm ein zartes Ferkel mit seinen intelligenten Augen besonders angetan hat. Dort, bei seinen Lieblingsschweinen Oscar und Hyménée sucht der arme Junge Trost, weil die Menschen, hauptsächlich sein Vater und seine schon großen Brüder, das vorenthalten, was er eigentlich braucht.

Seit seine Schwester Maryse, den Fluss überquert hat und nicht mehr wiederkam, ist er fast täglich den Schlägen seines Vaters ausgesetzt. Immer wieder warnen ihn Vater und Brüder, niemals über den Fluss hinauszugehen, dorthin wo „das Leben einen fortreißt und von wo man niemals als derselbe zurückkehrt.“

Aber dann fasst er Vertrauen zu Roger, dem Dorfpfarrer, und zu Amélie, dem Mädchen mit dem roten Kleid. Von beiden erfährt er von dem Geheimnis der Buchstaben und lernt lesen. Er lernt die Welt der Bücher kennen und die erschütternde Wahrheit seiner Herkunft wird ihm sukzessive offenbar. Als er endlich weiß, was mit denen geschieht, die den Fluss überqueren, ist er selbst bereit. Er packt seine Sachen und macht sich auf den Weg.

Genevieve Damas hat eine berührende und poetische Geschichte aufgeschrieben, die sie Francois selbst erzählen lässt. Die Verwandlung dieses Jungen von einem fast sprachlosen naiven Kind zu einem neugierigen und mutigen jungen Mann, ist große Sprachkunst. Ein poetischer und literarischer Schatz.

Auf die Veröffentlichung ihres zweiten Romans Histoire d’un bonheur, Paris 2014, darf man gespannt sein. Hoffentlich nimmt sich nach dem Aus für den Graf Verlag ein anderer Verlag dieses Buches an.


     

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